![]() |
| À l'extérieur |
Heute heißt es Abschied nehmen. Vom Hotelfrühstück, von Belgien, von den netten Menschen an der Rezeption, die sich viel Mühe mit uns gegeben haben. Und von Brügge, natürlich.
Wir fahren erstmal tanken, denn in Belgien kostet der Sprit nur rund 1,80 pro Liter. Wir fragen uns, wie die das machen und fahren auf der E403 in Richtung Roubaix. Das geht anfangs nicht schlecht, aber bei der Passage durch Lille erleben wir dann, wie es sich anfühlt, wenn der Franzose Ernst macht mit dem Autofahren. Es gibt kaum ein Durchkommen.
Beim Passieren des Stade Pierre Mauroy, das heute Decathlon Arena heißt, denken wir kurz daran, dass sich in Lille (flämisch Rysel) heute der Stammsitz und das Entwicklungszentrum der Decathlon-Fahrradmarke Van Rysel befinden. Das sind die Räder, mit denen wir im letzten Jahr vor Korsika, auf Korsika und nach Korsika diese nichtendenwollenden Probleme hatten.
Aber das ist vorbei, und wir wollen nicht abschweifen.
Unser erstes Ziel heißt heute Saint-Quentin. Nicht das durch Johnny Cash und verschiedene Filme bekannte, amerikanische Gefängnis, sondern eine Stadt mit einem Auchan-Hypermarché in direkter Autobahnnähe.
Für unsere Verhältnisse kaufen wir wenig bei Auchan ein. Vielleicht liegt es daran, dass wir durch die Tage vorher gedanklich noch etwas okkupiert und nicht in der richtigen Stimmung sind. Oder daran, dass wir nicht besonders viel brauchen, weil wir in zehn Tagen unsere nächste Radreise starten.
Also geht es gleich weiter in Richtung Reims, der Hauptstadt der Champagne, am frühen Nachmittag sind wir da. Unser Hotel liegt am Rande der Altstadt und verspricht Blick auf die Kathedrale, da sind wir mal gespannt. Wir parken vorschriftswidrig auf dem Bürgersteig vor dem Hotel, die Tiefgarage ist bereits ausgebucht.
Nach dem Ausladen und Einzimmern fahren wir ins nächstliegende Parkhaus, dann geht's in die Stadt.
Es ist Samstag, die Sonne strahlt, die Straßen sind voller Menschen. Mit jeder Kreuzung, die uns näher an die Kathedrale führt, steigt der Feier- und Freudenpegel. Erster Höhepunkt ist die von Bäumen gesäumte Place Drouet d'Erlon. Hier sitzen alle draußen, viele Mädels sind nur notdürftig bekleidet, viele Menschen führen ihre Hunde spazieren – die Luft vibriert.
Außerdem erwartet uns ein kalabrischer Markt mit zehn Ständen, die von Wurst und Käse über Olivenöl und Kunsthandwerk ein breites Spektrum kalabrischer Errungenschaften anbieten. Das Schönste: Die venditori sprechen alle Italienisch, und sie können nicht weglaufen.
An der Fontaine de la Solidarité biegen wir links ab, dann rechts an der Rue de Tallyerand, und schon steht sie vor uns bzw. wir vor ihr: Notre-Dame de Reims. Hier verlangen Gottes Stellvertreter auf Erden keinen Eintritt, sie bitten nur auf einem großen Banner vor dem Eingang um Spenden bzw. die Übernahme einer steuerbegünstigten Patenschaft. Zwei Drittel der Gabe werden vom französischen Finanzminister anerkannt.
Die Kathedrale ist riesig, gut besucht und in einem überraschend guten Zustand. Innen wie außen sind weite Teile des Steins aufgearbeitet oder ersetzt, kein Gerüst versperrt die Sicht. Irgendwie scheint die Strategie der Verantwortlichen aufzugehen.
Wir schauen uns alles schön an, gehen dann einmal um den Block und kommen wieder dort raus, wo die Menschen in Gruppen in der Sonne vor Bars sitzen und das konsumieren, wofür die Region bekannt ist. Die Gattin erwirbt auf den letzten Metern vor dem Hotel noch eine Bluse, da kann sie die Erinnerung noch lange mit sich herumtragen.
Für den Abend haben wir einen Tisch bei Condo reserviert, wo der Champagner nicht mehr kostet als der Wein. Auf dem Weg über die Terrasse kommen wir an sieben fröhlichen US-Mädels vorbei, für die der schwache Dollar offenbar kein Problem darstellt. In den ersten 20 Minuten, die wir an unserem Tisch sitzen, putzen sie vier Flaschen weg, danach lässt das Tempo etwas nach.
Wir haben sehr gut gegessen und eine sehr gute Cuvée von Rémi Lorey getrunken. Wären wir gestern nicht in Brügge bei Bernard gewesen, ...
Zum Abschluss des Tages, der Reise usw. prüfen wir schnell noch nach, ob das mit dem Blick auf die Kathedrale wirklich stimmt. Und tatsächlich, von der Dachterrasse im 7. Stock sehen wir die strahlende Kirche in nicht allzu weiter Ferne. Da könnte man ja glatt noch zwei Coupe zum Schauen nehmen.
Auch im Zimmer nehmen wir noch lange am Nachtleben teil. Draußen ist es laut bis zum Morgengrauen.






Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen