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| So schön werden wir das wohl lange nicht mehr sehen |
Der Frühstücksraum bei Mercure besticht mit einer sehr eigenwilligen und sehr unterschiedlichen Bestuhlung. Teilnehmer heute: ein Mann wie ein Berg, eine junge Frau, die eventuell zu viele Filme mit Esther Williams gesehen hat und ihr heute, zumindest optisch, nacheifert, und eine Mitarbeiterin in der Anlernphase, die alle Bestecke, Gläser und sonstigen Teile mit bloßen Händen genau dort anfasst, wo nur der jeweilige Gast sie berühren sollte.
Die Kaffeemaschine wird zum Treffpunkt der Verzweifelten, eine sitzt mir gegenüber. Meine eigene Verzweiflung rührt daher, dass ich mein Spiegelei selbst versaut habe, weil ich nicht in der Lage war, genügend Öl in dieses Förmchen zu kippen. Also richtig nett hier.
Komoot leitet uns sehr effizient aus Toulouse heraus direkt an den Canal latéral à la Garonne. Anfangs ist der Weg aus Beton und etwa zwei Meter breit. Links verläuft die Autobahn, rechts fließt das Wasser. Nach etwa sieben Kilometern unterqueren wir die Autobahn, sie biegt nach rechts ab, der Weg wird einen Meter breiter und ist asphaltiert. Ab Kilometer zehn wird er wieder zwei Meter schmal und es kommen ab und zu ein paar Wurzeln der Bäume durch.
Was alle Abschnitte eint: Es geht schnurgerade nordwärts. Nach einer Stunde haben wir ein Drittel unseres heutigen Tagespensums erledigt und stoppen zwecks Zuckerpause in Saint-Jory.
Der Weg fährt sich wie an der Schnur gezogen. In Montech machen wir Mittagspause am letzten Tisch im Schatten. Als wir fast fertig sind, stellen sich zwei Franzosen-Tussis mit ihrem Kleinwagen auf den Parkplatz neben uns und lassen minutenlang den Motor laufen. Aber wir lassen uns nicht wegpesten, sondern laden lieber die vier Herren des städtischen Bauhofs, die inzwischen mit zwei Autos daneben halten, dazu ein, sich an unseren Tisch zu setzen. Die Mädels protestieren, wir fahren und wissen nicht, wie man sich geeinigt hat.
Zwischendurch haben wir mit unserem Hotel geklärt, dass wir schon um 14 Uhr einchecken können. Außerdem habe ich mit einer Domaine in den Cévennen über den Preis und die Lieferung ihres Viogniers verhandelt. Die Dame wird ein Angebot schicken.
Moissac empfängt uns mit seiner Kanalbrücke über den Tarn. Das kleine Flüsschen, das wir aus der Region Cahors kennen, ist vor seiner Mündung in die Garonne richtig erwachsen geworden. Nach der Brücke fahren wir durch eine lange, schattige Allee in die kleine Stadt. Unser Hotel ist riesig und steht direkt am Fluss, der Empfang ist freundlich, das Zimmer in Ordnung.
Besonders schön ist der kleine Balkon mit Blick auf die Tarnbrücke. Praktisch ist er auch, denn was wir jetzt waschen und hier aufhängen, wird von der Sonne binnen kürzester Zeit getrocknet werden. Da nutzen wir die Gelegenheit und waschen gleich noch einige Polos mit.
Die Pause dauert infolge grassierender Erschöpfung etwas länger. Danach machen wir ein bisschen Büro, planen die letzten Tage unserer Reise, bestellen den Viognier und machen uns fürs Abendessen fein. Das Angebot ist heute eingeschränkt, denn am Montag haben bekanntlich viele Restaurants geschlossen.
Ein paar Hundert Meter weiter befindet sich La guinguette de l'uvarium, ein kleines, tempelartiges Gebäude mit separat aufgestellten Sanitär- und Küchencontainern und etwa 30 Tischen draußen. Viele werden heute Abend besetzt, wir hatten reserviert. Zum Apéritif gibt es gebratene Tintenfischchen und drei Tapenaden mit in Öl ausgebackenem Brot. Als Hauptgang nehmen wir zweimal Tartare de boeuf, als Nachtisch eine Dame blanche und ein kleines Eis.
Das Essen ist akzeptabel, die Gattin meint, das Eis sei am besten gewesen. Der Pic Saint-Loup ist in Ordnung, der Service ist grottenschlecht. Da streifen völlig motivations- und kenntnisfreie Menschen in schlampiger Klamotte um die Tische herum, die Teller und Zubehör zwar bringen und abräumen können, aber nicht wissen, was sie tun.
Dafür sind die anderen Gäste interessant. Am Zweiertisch neben uns sitzen zwei mittelalte, jugendlich aufgedüste Französinnen, die aufeinander einreden. Eine von ihnen singt gerne zu laut und zu falsch mit, wenn von drinnen populäre Musik ertönt. Nach den Französinnen übernimmt ein englisches Paar mit Hund den Tisch. Er ist optisch ein Unsympath par excellence, sie trägt ihre Weiblichkeit etwas zu offensiv in die Welt. Der Hund macht einen sehr sympathischen Eindruck, er ist halt an die Falschen gekommen.
Mir gegenüber nehmen drei überschminkte Frauen Anfang dreißig Platz. Wenn man überlegt, dass jedes Teil der Natur seine individuelle Schönheit hat, und sieht, was passiert, wenn Menschen mittels Kleidung, Schminke oder Accessoires versuchen, sich zu verschönern, dann muss man verzweifeln.
Wir gehen zurück ins Hotel, reservieren noch schnell den Mietwagen in Bordeaux und legen uns hin. Morgen ist ja schon wieder ein Tag.
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| Von der Haute-Garonne nach Tarn-et-Garonne |














































