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| Sextett mit Limonen |
Heute sind wir wieder etwas später aufgestanden und haben entsprechend auch später gefrühstückt.
Schon gestern wurden wir beim Einchecken darüber informiert, dass es beim Frühstück „Animation“ geben würde. Heute erleben wir, dass damit weder Tanz noch Gesang gemeint war, sondern vom Personal nur auf Produkte hingewiesen wurde, die man frühstücken könnte. Muss man aber nicht machen.
Weil Stadtbummel an Regentagen nicht unsere bevorzugte Okkupation sind, haben wir uns entschlossen, uns in Teilen neu mit Kleidung und Schuhen einzudecken, die besser zu den kommenden Tagen passen als das Mitgeführte. Der Rezeptionist, der uns einen hauseigenen Schirm leiht, rät uns, nach links zu gehen, in das Westfield Einkaufszentrum.
So etwas mitten in einer Stadt von nur 550.000 Einwohnern ist unglaublich. Auf mehreren Ebenen gibt es wirklich alles und noch viel mehr. Einen solchen Ort haben wir in Deutschland noch nie gesehen, hier ist es eine von mehreren Einkaufsmöglichkeiten mitten im Stadtzentrum. Einen Eindruck davon liefert ein älterer Film mit Woody Allen.
Bei Decathlon haben wir alles gefunden, was wir wollten: Schuhe und kurze Hosen. Bei Fnac habe ich noch ein Set Batterien für unsere PowerMeter bekommen, und bei C&A gibt es für 13 Euro das weiße Polohemd, das die Gattin ersetzen wollte. Anschließend gehen wir zurück zum Hotel, wir haben ja alles.
Gottseidank kommt man auf diesem Rückweg aber an den Halles de Lyon Paul Bocuse vorbei, und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Von außen eher unscheinbar, gehen dem Betrachter drinnen die Augen über: Es gibt einfach alles, was man sich in Sachen sehr gutes Essen und Trinken vorstellen kann. Wir sind beim Meeresfrüchte-Stand hängengeblieben, haben sechs Austern und und eine Carafe d'eau bestellt und dem Koch auf der anderen Seite des Tresens beim Vorbereiten größerer Gebinde zugeschaut.
Wir haben schon an vielen Orten in Frankreich und anderswo Austern gegessen, aber solche haben wir noch nicht einmal direkt bei den Fischern auf der Île d'Oléron, in Arcachon oder an der Atlantikküste bekommen. An anderen Ständen gibt es Fleisch, Käse, Obst, Gemüse und Süßes in allen Variationen und einer offensichtlichen Qualität sondersgleichen.
Irgendwann muss aber auch das ein Ende haben, und zum Hotel ist es nicht mehr weit. Wir pausieren bis etwa halb sechs, dann machen wir uns auf den Weg hinauf nach Fourvière. Da es seit heute Morgen schüttet (mehr als 50 Liter pro Quadratmeter sollen es werden), nehmen wir die Métro. Die Fahrt kostet 2,30 Euro, das Ticket gilt eine Stunde lang auf allen Linien.
Die Métro fährt fahrer- und schaffnerlos alle paar Minuten, zwei Wagen bilden einen Zug. Die Stationen sind sauber, die Wände nicht verschmiert, die Züge frei von Vandalismus-Folgen. Dieser Zug ist gerappelt voll, die Stationen sind so weit voneinander entfernt, dass die Technik zwischendurch nochmal richtig beschleunigen kann. Eine Station ist von der anderen so weit entfernt, wie z.B. die Hauptwache in der hessischen Partnerstadt vom Dornbusch. Man muss sich wundern, dass Deutschland kein derart effizientes System zu bieten hat.
In wenigen Minuten sind wir in Vieux Lyon, von dort nehmen wir die Funiculaire. Sie wird von Stahlseilen durch einen Tunnel nach oben gezogen. Oben angekommen, besuchen wir eines der Wahrzeichen der Stadt, die Basilika Notre-Dame de Fourvière. Sie ist innen überbordend mit Mosaiken geschmückt, wenn man die christlichen Skulpturen wegdenkt, wähnt man sich in einer Moschee. Die Messe ist gerade gelesen, der Pfarrer sitzt vorne im Chor und hält innere Einkehr mit seinem Herrn. Dann tritt er nochmal an den Altar und singt im Wechsel mit der Gemeinde „Jesus, Jesus, Jesus, Jesus“.
Unseren Fußweg nach unten begleiten unzählige Läufer, die völlig durchnässt wahlweise auf- oder abwärts joggen. Viele wechseln die Richtung, überholen uns zuerst und kommen uns bald darauf wieder entgegen. Zufällig liegt unser Ziel an einer Stelle, die wir am besten über La Montée des Chazeaux erreichen, der sich bei näherer Betrachtung als must-see Lyons herausstellt.
Den heutigen Restaurant-Tipp veredanken wir der Kellnerin, die uns gestern Abend bei Lea bediente. Les Lyonnais liegt am unteren Ende der o.g. Montée, es zählt zu den legendären Bouchons de Lyon und öffnet gerade als wir – eine halbe Stunde früher als reserviert – kommen. Der Chef nimmt das nicht tragisch, setzt uns an einen schönen Tisch und lässt alles bringen, wonach uns der Sinn steht: zwei Picon bière vorneweg, dann Saucisson brioché maison und Paté croute gefolgt von Quenelle de brochet und Tête de veau. Am Ende folgen noch ein Demi Saint Marcellin und eine Crème brûlée.
Der Heimweg wird sehr nass und dauert einige Zeit. Wir sind uns einig, dass man einen Regentag in Lyon kaum schöner verbringen kann.













































