Seiten

Donnerstag, 14. Mai 2026

Ardennen-Klassiker | 4. Mai 2026, Die Pfeile von Brabant

Monument der belgischen Kohl- und Stahlblüte

Heute sind kaum Leute beim Frühstück. Auch die Mischung ist besonders. Außer uns frühstücken ein dt. Mann und eine dt. Frau zusammen, alle anderen Gäste sind schwarz. Das Wetter ist super.

Um 8.45 sind wir zurück im Zimmer, um 9.15 fahren wir los. Wir wollen schneller sein als der für 16 Uhr angekündigte Regen.

Unser heutiges Ziel ist Hoegarden. Das liegt westlich von Liège im flämischen Teil Belgiens. Wer sich hier z.B. von seinem Häuschen trennt, der hat es verkocht.

Am Parkplatz im Stadtzentrum sind ausreichend Plätze vorhanden. Eine Holländerin steigt neben uns aus dem Auto und dann in andere Schuhe. Sie schaut uns beim Ausräumen und Zusammenbauen der Räder zu, wünscht viel Vergnügen und macht sich auf die Wandersocken.

Uns treibt es nach Westen in Richtung Overijse. Auf der anderen Seite von Brüssel ist Remco Evenepoel aufgewachsen.

Hier weiß jeder, wo er hingehört

Die Fahrt ist ein reines Vergnügen. Den Powermeter-Pedalen mangelt es zwar schon beim Start an Batterie, aber der kleine Motor im Hinterrad schiebt uns die sechs- bis zehnprozentigen Hügel hoch, als wären sie plattes Land. So geht altersgerechtes Rennradfahren.

In der realen Ebene bzw. ab ca. 26 km/h ist der Jüngste leicht im Vorteil, weil einerseits der Motor abschaltet und andererseits die Mutter ihre rechte Hüfte schonen möchte, damit sie wenigstens noch bis zur OP im August hält.

Schon wieder eine Helden-Mauer

Bei Kilometer 30 stürzen wir eine Abfahrt mit 17 Prozent Gefälle hinunter (bildlich geschrieben). Nach drei weiteren Kilometern erwartet uns in Overijse zunächst die weiße Mauer mit Porträts belgischer Rad-Heroen. Und dann kommt die S-bocht klim mit Serpentinen, Kopfsteinpflaster und bis zu 18 Prozent Steigung. Da machen wir lieber bei den Heroen Schluss und fahren auf die andere Seite, wo wir ein Häppchen essen und aufs Kind warten.

Frisch gestärkt geht es nochmal die 17-Prozent-Sause runter und dann gemeinsam über Huldenberg zurück. Vorher erwartet uns aber in Terlanen noch die Moskesstraat, die wir zugunsten eines Besuchs im Café Sportman ebenfalls auslassen.

17-prozentige Steigungen lassen wir gerne mal links liegen

Hinter Hamme-Mille führt unser Weg nach links von den feinen Straßen weg und über eine kurze Kopfsteinpflaster-Passage, die direkt zu einer Straßensperre führt. Wir folgen brav der Umleitung, stellen aber irgendwann fest, dass diese uns leider in die falsche Richtung führt.

Die Wege des Herrn sind umgeleitet

Nach einer leicht ungehaltenen Diskussion entscheiden wir uns für die Rückkehr nach Beauvechain bzw. zu der feinen Straße. Die Strecke führt über lehmverschmiertes Kopfsteinpflaster steil abwärts. Da muss man aufpassen, dass man nicht schneller unten ist als gewünscht.

Von hier an geht's bergab

Ab Beauvechain liegt noch eine knappe Stunde vor uns, unterwegs ist mein Strom wieder am Ende, aber die restliche Strecke lässt sich auch bequem mit eigener Kraft bewältigen. Am Parkplatz angekommen, laden wir die Räder wieder ein und freuen uns, dass wir regenfrei hin und zurück gekommen sind.

Von der Brüstung des Pavillons beobachtet uns ein kleiner Junge. Er kommt kaum dazu, seine Kugel Eis zu essen. Auf die Frage „Lecker?“ nickt er vehement mit dem Kopf. Wir nehmen uns ein Beispiel an ihm und gönnen uns zur Feier der schönen letzten Strecke ein völlig überteuertes Eis an der gegenüberliegenden Ecke.

Danach geht's zurück nach Liège. Unterwegs setzt der Regen ein.

Für den Abend haben wir im Restaurant des Hotels einen Tisch reserviert. Bestätigt wurden drei Gäste, vor Ort weiß man nur von zwei. Aber es gibt noch einen passenden Tisch neben zwei wichtigen Schweizer Geschäftsleuten.

Die Speisekarte umfasst die bekannten Highlights der belgischen Küche. Wir bestellen einen Cava als Apéritif, leider muss die Flasche erstmal ins Gefrierfach, um ein bisschen abzukühlen. Wir überbrücken diese Phase mit zwei Glas Prosecco und bestellen dazu einen spanischen Vorspeisenteller zum Teilen. Danach einen Vol au vent, eine Canette und ein Ris de veau.

Wir sind uns einig, dass die Reise für alle ein Gewinn war. Und dass man das wiederholen könnte. Morgen geht's für den einen zurück nach Osten, für die anderen weiter nach Westen.

Tolles Programm mit leichtem Hänger in der Mitte

Ardennen-Klassiker | 3. Mai 2026, Amstel Gold Rains

Seltener Anblick heute: Straße ohne Rennradfahrer

Vor dem Frühstücken stellen wir noch schnell die Räder ins Auto. Mangels Alternative hatten wir unsere bei uns im Zimmer ans Stromnetz angeschlossen. Beim Frühstücken fällt dem Nachwuchs dann auf, dass viele andere genauso viel essen wie er, dann aber wahrscheinlich nicht so viel fahren. Wir sehen das öfter.

Wir fahren erstmal in Richtung Slenaken, wo es heute losgeht. Gleich nach der Grenze sieht es tatsächlich ganz anders aus. Holländisch halt: viel Grün, viele Radwege, letztere schön durch Hecken von der Straße getrennt.

Und dann kommen sie: kleine und größere 
Gruppen von (meist) Männern auf Rennrädern, die es den Amstel-Anstiegen zeigen wollen. Also, die Männer mit Hilfe der Räder, nicht die Räder mit den Männern drauf.

Irrung bringt Wirrung

Das Wetter ist heute nicht von Vorteil, viel Grau, etwas Wind. Probleme gibt es auch in der Abstimmung untereinander. Einer sucht die Rampen – Cauberg, Loorberg, Sibbergrubbe, Bemelerberg –, zwei suchen das Weite und warten im Eetcafé de Remise in Partij auf Infos zum nächsten Treffpunkt.

Das Warten dauert lange, denn irgendwie ist der Sohn vom rechten Weg abgekommen und ruft aus der Gegend von Mechelen an. Die nette Kellnerin erzählt uns von den starken Regenfällen, die am Vortag reichlich Schlamm durch die Straßen des Ortes gespült haben. Er ist inzwischen getrocknet, und wir schauen von der Terrasse des Cafés den vorbeikommenden Rennrädern zu, die ihn jetzt als braunen Staub aufwirbeln.

Nach etwa einer Stunde gibt es dann ein kurzes Treffen mit unserem Fahrdienstleiter, dann fahren wir auf verschiedenen Wegen weiter. Es fängt an, leicht zu regnen, und es wird kalt.

Unser nächster Treffpunkt ist Schin op Geul. Der Regen wird stärker, es wird kälter. Leicht frustriert halten wir uns nicht mehr an unsere Regel, dass wir andere nicht an Steigungen überholen. Für ein Pärchen, bei dem Sie sich im viel zu dicken Gang den Berg hinaufquält, machen wir eine Ausnahme.

Schön, feucht

In Schin op Geul weist uns der Mann in der ersten Tankstelle den Weg zum nächsten Café. Wir wollen schnell noch was Warmes essen, da erreicht uns der nächste Anruf. Junior hat den Treffpunkt übersehen, hat gleich die nächsten Rampen bewältigt und ist jetzt fünf Kilometer weiter in Valkenburg.

Er ist nass, wir sind nass, auf der anderen Straßenseite läuft eine Frau mit Schirm, Jeans und grünem Trenchcoat in Tanzschrittchen den Hügel hoch. So macht das keinen Spaß. Wir verabreden uns beim Auto.

Das würde man gern mal bei Sonnenschein sehen

Wir passen einen etwas trockeneren Moment ab und fahren die kürzeste Strecke südwärts zurück zum Auto. Das Wetter wird zum Scheißwetter. Es gibt nicht mal mehr Kaffee, denn der Italiener in Gulpen hat die Maschine schon saubergemacht.

Am Auto angekommen, ziehen wir uns um und laden die Räder ein. Gerade als wir fertig sind, kommt unser dritter Mitfahrer, das passt perfekt. Kalt und nass geht es zurück zum Hotel.

Nach dringend erforderlicher Aufwärmung und Ausruhung gehen die Herren los, um das kleine Auto aus dem nahen Parkhaus zu befreien. Der Hotelparkplatz ist heute nahezu leer, und morgen wollen wir die Räder gleich nach der Rückkehr auf die passenden Fahrzeuge verteilen. Also muss der Kleine da sein.

Leider ist das alles nicht so einfach, denn die „Uferpromenade“, auf der wir zum Hotel fahren wollten, wird gerade von Spezialfahrzeugen gereinigt und ist aus diesem Grunde für den Verkehr gesperrt. Das schenkt uns eine Spritztour gegen das Navigationssystem durch Centre ville von Liège.

Nach vollendetem Umparken gehen wir zum Essen. Wir sind etwas ziellos und landen schließlich in einer der Ecken, die wir auf unserer Stadtrundfahrt durchquert hatten. Nicht weit vom großen Platz entfernt, aber doch etwas alltagstauglicher.

Das Amon Nanesse gibt sich rustikal, die Speisekarte ist wieder bemüht einheimisch. Es gibt knackig gebackene Fondue ardenaise, einen Salade liégoise und einen Pavé de saumon. Statt Vor- heute Nachspeisen: Tarte Aux Pommes, Profitérolles und Mousse au chocolat.

Wir essen brav alles auf, morgen soll wieder die Sonne scheinen.

Schöner Start (rechts hoch), abruptes Ende (links runter)

Ardennen-Klassiker | 2. Mai 2026, Flash Wallonne

Als der Belgier sein Geld noch nicht mit der EU und den Touristen verdiente

Das Frühstück im Hotel ist sehr gut, das Ambiente sehenswert. Das Gebäude wurde als Konvent gebaut, wie viele andere, stammt es aus Lüttichs Zeit als Wiege der europäischen Kohle- und Stahlindustrie. Leider sieht man der Stadt heute vielfach deutlich an, dass diese Blüte verwelkt ist.

Aber genug abgewichen, wir haben ja einiges vor heute.

Um Viertel nach neun brechen wir auf nach Modave, das liegt etwa 35 Kilometer südlich von Lüttich, und der Weg raus aus der Stadt ist mit Hin und Her über die Maas verbunden. In Modave angekommen, parken wir nahe der örtlichen Polizei, packen die Räder aus und schrauben alles schön zusammen.

Um kurz nach halb elf geht es zum Wochenend mit Sonnenschein auf die Runde, die am Ende der Flèche Wallone traditionell zweieinhalb Mal gefahren wird. Wir fahren sie natürlich nur einmal, bzw. nur einer will sie inklusive der Mur de Huy mit ihren mehr als 20 Prozent Steigung fahren. Die Älteren kürzen kurz vorher etwas ab.

Da fährt er hin, der Mauer entgegen

Erstmal liegt aber sowieso ein ruhiger Abschnitt vor uns: An einer Einmündung rauscht eine sechsköpfige Alte-Herren-Gruppe an uns vorbei, die wir am nächsten Anstieg wieder einholen. Die Gruppe teilt sich in vier Herren vorne und zwei hinterher. Wir bleiben mit etwas Abstand dahinter, da wir Kollegen ohne Motor an Steigungen nicht überholen.

Vor die kommende Mur hat der Herrgott dem Jüngeren allerdings einen Reifenschaden verordnet, den wir in Mostée erstmal mit vereinten Werkzeugen beheben. Danach geben wir dem Bub noch ein Stück Geleit, aber als es in Huy dann ein erstes Mal richtig aufwärts geht, drehen wir ab und rollen zurück zu der von Komoot vorgeschlagenen Abkürzung.

Der Thier au Pequet lässt sich gut an, führt aber ebenfalls ordentlich aufwärts. Und dann stehen wir vor einem schmalen Waldweg, der im weiteren Verlauf ebenfalls mindestens 20 Prozent Steigung erreicht, aber mit Cleats unter den Schuhen und einem Fahrrad in der Hand schlechter zu bewältigen ist als jede Mauer.

Wir machen eine romantische Radtour

Eine freundliche Anwohnerin mit besser passendem Schuhwerk geht lächelnd an uns vorbei und meint: „Les vélos n'aident pas ici.“ Wo sie recht hat, ...

Der Junior hat den vereinbarten Treffpunkt längst passiert und wartet sechs Kilometer weiter in Strée auf uns. Sein Aufstieg war „super, aber völlig bekloppt“, über unsere Eskapade sprechen wir nicht weiter.

Viele Wege führen nach ... irgendwo

Die folgenden rund 50 Kilometer hat er für uns „handverlesen“, und er hatte ein wirklich glückliches Händchen. Es geht über Wirtschaftswege und schmale Straßen entlang Raps- und Kornfeldern, die in frischem Gelb und zartem Grün mit dem blauen Himmel konkurrieren. Zwischendurch Wiesen, herumliegende Kühe, ab und an Pferde, zum Ende hin sogar eine große Weide voller sehr schöner Vollblüter, die die Gattin spontan auf ganz andere Gedanken brachten.

Arbeitsteilung: Zwei fahren vorneweg, eine macht hinten die Fotos

Um die Mittagszeit fuhren wir im Einzugsgebiet der Gemeinde Clavier übers Land und suchten einen Supermarkt oder ähnliches. Zunächst wenig erfolgreich, dann landeten wir in Atrin beim Bäcker, wo wir uns mit Zuckerzeug und Wasser eindecken konnten.

Vor dem Bäcker ist vor der Mittagspause

Die letzten Kilometer zurück nach Modave waren dann nochmal ein Augenschmaus, und alle kamen hoch zufrieden am Auto an. Nach dem Einladen ging es zurück nach Liège, wo wir uns im Hotel frisch machten, ausruhten und anschließend zum Abendessen aufbrachen.

Natürlich ging es wieder in die Altstadt, wo wir im Bistrot d'en Face reserviert, aber leider keine Antwort erhalten hatten. Woran das lag, zeigte sich, als wir vor verschlossener Türe standen: Der Laden hatte einfach zu. Kein Hinweis, kein Kommentar, nichts.

So landeten wir unreserviert wieder auf dem Place du Marché, wo es wetterbedingt etwas ruhiger als gestern war. Im As Ouhès finden wir einen Tisch im überdachten Außenbereich. Während die Karte Kulinariik einer vergangenen Zeit anbietet, wie z.B. Kalbskopf, Kalbszunge, Schweinefuß oder Kalbsnierchen, griffen wir Angsthasen lieber auf die überall gleichen belgische Spezialitäten zurück: 2x Kaninchen mit Backpflaumen, 1x Boulets liegeois plus Nachtisch.

Der Tag war lang, die Temperaturen sind niedrig, auf dem Rückweg freuten wir uns auf morgen.

Vor der Mauer, huy, schnell rechts weg

Ardennen-Klassiker | 1. Mai 2026, Lots of Lüttich

Liège und liègen lassen

Unser Sohn fährt Rennrad. Weniger draußen, mehr im Keller auf der Rolle. Aber dafür schaut er gerne Radrennen im Fernsehen.

Zu Schulzeiten war er einmal mit dem Schulorchester in Tourcoing, das ist unweit von Roubaix, dem Ort, an dem der Radsport-Klassiker Paris–Roubaix vor einhundertdreißig Jahren zum ersten Mal und heute noch immer endet.

Anfang 2025 lamentierte er irgendwann vehement darüber, dass er seinerzeit überhaupt nicht wusste, wo er war, und ihm die vermeintliche Heiligkeit des Bodens nicht bewusst war. Deshalb haben wir ihm zum letzten Geburtstag einen Pavé und einen Besuch des Rennens geschenkt.

Atmospère – ja, das können sie, diese Franzosen

Bei näherer Betrachtung schien ihm der Besuch eines Radrennens, bei dem an den entscheidenden Stellen schon Tausende stehen und die Fahrer mit einem Wooosh vorbeifahren, dann allerdings nicht übermäßig reizvoll. Er schlug deshalb vor, dass wir selbst einige der Strecken abfahren und den noch relativ frischen Schweiß von Pogačar, van Aert, Seixas usw. von den Straßen einatmen sollten.

So ergab es sich, dass wir uns für heute in Lüttich verabredet haben, um ab morgen Teile des Amstel Gold Race, der Flèche Wallonne und der Flèche Brabançonne abzufahren.

Bei uns lief alles nach Plan, in München gab es Schwierigkeiten mit dem reservierten Mietwagen, sodass der Nachwuchs den hauseigenen Twingo für die 700-Kilometer-Strecke aktivieren musste.

Gleich servieren sie den Apéritif

Gegen 19.00 Uhr waren wir dann alle in unserem Hotel an der Maas eingetroffen, bemühten uns um passende Parkmöglichkeiten und suchten um halb neun den lokalen Libanesen heim.

Perfekte Begleiter zu warmem, libanesischen Brot

Er machte uns vorneweg drei Mezze (Muhammara, Samboussek Jebneh und Fatet Magdous) und hinterher drei Hauptgänge: Shawerma maison, Côte d'agneau und Halloumi mit Fatet falafel. Wir erinnern uns gerne daran, wie es war: sehr lecker. Den libanesischen Wein hätte es eher nicht gebraucht, da wäre ein Franzose sicher nicht schlechter gewesen.

Wir saßen bis halb elf draußen, genossen die Multikulti-Atmosphäre und machten uns gegenseitig Mut für die kommenden Kilo- und Höhenmeter. Morgen früh gibt's ab acht Uhr Frühstück, danach fahren wir – je nach Wetterprognose – nach Valkenburg oder Pont de Bonne.

Wir waren die ersten, die gingen

Samstag, 5. Juli 2025

Frühling 2025 – 30. Juni: Weinfest

Zurück in die Heimat

Das Frühstück in Valff ist nicht mehr so, wie es mal war. Das wirkt alles sehr lieblos, und die Tochter des Hauses, die uns immer das Gefühl vermittelte, sie sei am völlig falschen Platz, ist auch nicht mehr da.

Wahrscheinlich hat sie jüngst das Angebot aus Hollywood angenommen.

Wir fahren um kurz vor zehn los, wir haben ja einiges vor. An Kilometern und an Einkäufen. Aber wie das so ist mit den Plänen, geht schon die erste Station schief: Am Kreisverkehr vor Auchan in Schweighouse-sur-Moder erwartet uns ein Rückstau von etwa zehn Minuten. Das ist nicht einfach auf ein paar hundert Metern Strecke.

Wir gondeln erstmal falsch und stümperhaft um den Kreisel herum, fahren dann vermeintlich clever irgendwo hin, was sich schnell als nicht besonders clever herausstellt. Dann brechen wir den Versuch ab und fahren einfach zu Leclerc vor Soufflenheim. Danach noch zu Super U in Seltz und Carrefour bei Lauterbourg, schon ist es nach eins und wir müssen langsam in Richtung daheim aufbrechen.

Zum ersten Mal in 40 Jahren erwartet uns bei der Grenzüberquerung bei Lauterbourg ein Trupp von vier Grenzpolizisten, die für Herrn Dobrindt die illegale Migration nach Deutschland eindämmen sollen. Uns lassen sie durch, schon sind sie gescheitert.

Der weitere Weg läuft ausgezeichnet, inklusive letztem Einkauf von Milch und Derivaten sind wir um halb fünf zu Hause.

Bei Wein im Freien dabei sein

Dort erwarten uns verdörrte Pflanzen in den Beeten im Hof und eine Zisterne, die trotz neuer Pumpe und guter Füllhöhe kein Wasser mehr liefert. Abgesehen vom Mitleid erregenden Anblick der Pflanzen birgt diese Funktionsstörung noch eine unerfreuliche Konsequenz: Die Toilettenspülung funktioniert nicht mehr.

Wir teilen uns also auf: Die eine kümmert sich ums Auspacken der Mitbringsel, der andere schraubt den Waschmaschinenanschluss ans Trinkwassernetz um und versucht, die Toiletten funktionstüchtig zu machen.

Ganz fertig werden wir leider nicht, und irgendwann wird es dann mal Zeit zum Duschen, denn wir sind um halb acht beim Weinfest auf einen Schoppen mit unserer Haushüterin verabredet, die wohl weniger hütete als gedacht.
 
Wir schwätzen hier, flanieren dort und verbringen einen insgesamt netten Abend mit vielen bekannten und unbekannten Gesichtern. Am Ende reicht es sogar trotz Hüfte noch für ein paar Drehungen vor einer der bespielten Musik-Bühnen.

Je später der Abend, desto leerer die Tische

Morgen sind wir wieder ganz bei der Sache und versuchen all das auf die Reihe zu kriegen, was in den letzten Wochen sichtlich aus der Spur geraten ist.

Sonntag, 29. Juni 2025

Frühling 2025 – 29. Juni: Valff

Bloß nicht hängen lassen

Das heutige Frühstück ist super. Bis auf den Kaffee.

Es gibt richtiges Müsli, es gibt Obstsalat. Es gibt sehr gutes Rührei, im Hause aufgebackene und trotzdem sehr leckere Brötchen. Und es gibt auch sonst alles, was das Herz begehrt. Dazu einen aufmerksamen Service, der schnell abräumt, was bei den kleinen Tischchen vorteilhaft ist.

Um uns herum sitzen hörbar viele Schweizer, die sich offensichtlich in Freiburg ein schönes Wochenende für kleines Geld machen.

Gesten Abend hatte ich noch mit unserem heutigen Hotel telefoniert und gefragt, ob wir ein bisschen früher kommen dürften. Der Chef meinte, dass er schon eine Lösung finden werde. Heute sagt uns Google bei der Abfahrt um halb elf, dass wir schon vor zwölf ankommen werden.

Immer wieder sonntags ...

Also lassen wir uns Zeit, fahren ohne Navigation durch die Stadt, tanken erstmal sehr günstig und folgen dann dem ersten Schild in Richtung Autobahn. Bei Riegel geht es raus und links ab in Richtung Marckolsheim, von dort nach Sélestat und schon sind wir in Valff.

Um noch ein wenig Zeit zu schinden, fahren wir direkt am Hotel vorbei zu unserem Ziel für das Abendessen, um einen schönen Tisch auszusuchen. Dann geht nichts mehr – wir fahren zum Hotel. Ein Zimmer ist tatsächlich schon bereit für uns, wir checken ein und machen uns Pool-fein.

Der Nachmittag vergeht mit Modiano und F. Scott Fitzgerald, gegen vier legen wir uns nochmal hin, um sechs machen wir Duolingo, und um kurz nach sieben nehmen wir unseren Tisch bei den drei Gänsen ein.

Elsässer Hausmannskost

Es gibt 1x Bibleskas, eine Tarte flambée traditionelle und eine au Munster. Abschließend zwei Dames blanches und zwei Cafés, dann 300 Meter zurück zum Hotel. Die Kellnerin hat versprochen, dass es beim nächsten Mal Bretzels zum Picon bière gibt. Wir werden das überprüfen.

England ist U21-Europameister. Gute Nacht, Deutschland.

Frühling 2025 – 28. Juni: Freiburg

Grenzgänger bei Chiasso

Frühstück und Abreise erledigen wir schnell und problemlos, die Straßen aus Sulzano hinaus bis zur Autobahn sind bekannt schlecht. Heute ist Samstag, da sind wieder viele Radrennfahrer rund um den See und in seiner näheren Umgebung unterwegs.

Auf der A4 erwartet uns ein zeitweise zäher Verkehr, am Samstag ist Bettenwechsel, da fahren die Deutschen (und Holländer, Briten, Franzosen) heim. An den Mautstellen herrscht immer wieder ziemliches Gedränge. Das liegt daran, dass die Beschilderung eher verwirrend als hilfreich ist und dazu führt, dass Autofahrer sich gemäß der Vorgaben eingereiht haben und deshalb falsch stehen.

Bergfahrer

Später, vor dem Gotthard gibt es auch wieder Gedränge, aber da steuern Ampeln schon weit vor dem Tunnel, wie viele Autos blockweise einfahren dürfen. So wird ein besserer Verkehrsfluss organisiert, und die Durchfahrt gestaltet sich problemlos.

Auch der weitere Weg auf der N2 durch die Schweiz geht flüssig durch bis nach Deutschland, einziges Manko ist die fehlende Daten- und Telefonverbindung innerhalb der Schweiz, aber da muss man, im besten Sinne des Wortes: durch.

In Freiburgs Zentrum

Kurz vor sechs stehen wir vor unserem Hotel in Freiburg. Es ist modern, hat eine sehr individuelle Note und gefällt uns spontan sehr gut. Zu Fuß sind es etwa 15 Minuten bis in die Innenstadt. Wir duschen, machen eine kurze Pause und stehen um Viertel nach sieben wieder auf der Straße. Heute Abend sind wir bei Frau Disch im Kuro Mori.

Wo die Schwarzwald-Geishas leben

Der Laden brummt, drinnen und draußen sind etwa 120 Plätze zu bedienen, das machen fünf Leute im Service. In der Küche stehen vier junge Männer, die im Schweiße ihres Angesichts die Teller raushauen. Man hat den Eindruck, dass Frau Disch den Laden im Griff hat, dafür steht sie aber an so einem Tag wie heute auch von zehn Uhr morgens bis Mitternacht ohne große Pause auf der Matte.

Am Tisch neben uns sitzen zwei Engländer, die sich zunächst ausgiebig mit ihrem Essen und nach dem ersten Gang mit der Küche beschäftigen. Um den Köchen besser zuschauen zu können, wechselt er auf den Platz neben seiner Frau und lässt uns wissen, dass er lang genug gearbeitet hat und es heute genießt, anderen bei der Arbeit zuzusehen.

So kommt man ins Gespräch.

Endlich mal wieder kein Fleisch

Die beiden heißen Sandy und Graham und kommen aus der Nähe von Manchester. Sie lieben den Schwarzwald, waren schon öfter zum Wandern hier, kennen Triberg (da sie es englisch aussprechen, gibt es anfangs das Stanton-Missverständnis) und haben seit acht Jahren eine Kuckucksuhr zu Hause.

Man kann mit den beiden bestens schwätzen, gutes Essen mögen sie auch und erzählen mit sichtlichem Vergnügen von ihren Sonntagen: „Sunday it's Roast Beef and Yorkshire Pudding“. Als wir fragen, ob sie uns einen Doggy Bag schicken können, kommt der Abend erst richtig in Schwung.

Und was gibt's bei uns? Kaiseki für zwei, dann Pulposalat mit Spitzpaprika, Fenchel und Thai-Basilikum und Grünes Curry mit Miso-Aubergine und wildem Brokkoli. Als Desserts ein Yuzu-Sorbet und Schwarzwälder Kirsch Kuro Mori Style.

Um zehn machen wir uns geschwitzt, fröhlich und zufrieden auf den Rückweg.

Freitag, 27. Juni 2025

Frühling 2025 – 27. Juni: Sulzano

Kaum aufgestanden, schon wieder hinlegen

Das Frühstücksbuffet hat sich nicht verändert, wir setzen uns raus auf die Veranda und genießen die kühle Luft vom See.

Am Tisch nebenan sitzt ein deutsches Paar mit kleinem Kind. Das Kind kann schon mit den Fingern essen, die Eltern sprechen nicht mit ihm. Der Vater schaut auf sein Telefon, die Mutter pendelt zwischen Tisch und Buffet. Irgendwann spricht die groß gewachsene Kellnerin das Kind auf Italienisch an, es blüht auf und stößt Entzückungsschreie aus. Die Eltern wundern sich und schweigen weiter.

Monte Isola am Vormittag

Noch einen Tisch weiter sitzen vier Briten. Vater, Mutter, fünfjähriger Sohn und angewiderte Nanny. Der Sohn heißt Alfred und kommuniziert  mit Kopfhörern und Tablet, der Rest des Tisches schaut auf Telefone. Die Eltern leeren zum Frühstück vier Gläschen Berlucchi.

Nachbars Haus am Nachmittag

Die Gattin liest ein bisschen, der Gatte schreibt ein bisschen. Um zwölf gehen beide in den See. Danach noch ein bisschen ruhen auf den Liegen am Pool und anschließend nach oben. Irgendwann gibt's Nektarinen, am Nachmittag gehen wir nochmal in den See, der recht aufgewühlt schwappt und viele Pflanzenreste auf der Oberfläche trägt. Hinterher lesen wir noch auf den Liegen am Pool.

Jeanne-Claudes und Christos Beitrag zu Sulzanos Popularität

Vor dem Abendessen laufen wir noch ein bisschen am Ufer entlang und schauen, ob der Hafen noch so ist, wie er war.

Dieses Dolce vita muss irgendwann ein Ende finden ...

Hafen vor grünen Tüchern über Berg-Attrappen

Kurz vor acht sind wir im Restaurant und bringen die Kellner dazu, uns die zweite Hälfte unseres Aperitifs von gestern an einen Tisch am Seeufer zu servieren. Melonis Luftwaffe malt uns zum Abschied noch einige Versionen der italienischen Tricolore in der abendlichen Himmel, wir lamentieren uns vor, wie schön unser Leben ist und setzen und um kurz nach acht an unseren Tisch in La Veranda.

Die Briten mit Kind und Nanny sind auch wieder da. Der Vater kommt barfuß zum Abendessen, der aufgeweichte Sohn trägt nach einigen Stunden im Pool und in der prallen Sonne wieder Kopfhörer und vergnügt sich mit seinem Tablet.

Was gibt's zu essen?

Einerseits Tartare di tonno, andererseits die Parmigiana, die gestern Abend falsch serviert wurde. Der Teller spricht dafür, dass es eine andere ist als gestern Abend. Danach nimmt er Scialatielli con cozze e bottarga und sie das gestern für sehr gut befundene Roast beef con salsa verde. Dazu einen Lugana, der nicht auf der Karte steht und zum guten Schluss ein Tiramisu mit zwei Löffeln.

Italienisch für Fortgeflogene

Nach dem Essen bringt die Nanny den Junior ins Bett, dadurch wird vorne am Seeufer wieder ein Tisch frei. Wir besetzen ihn mit zwei Gläsern Berlucchi und der dritten Flasche Aqua frizzante.

Morgen geht es nach Freiburg, jetzt geht es ins Bett.

Frühling 2025 – 26. Juni: Sulzano

Heißes Pflaster: Mercato settimanale a Mantova

Das Frühstück wird seitens des Hotels durch einige Maßnahmen erschwert. Erstens tagt im Raum vor dem Frühstück eine Firma mit gefühlt 50 wichtigen (und italienisch sehr gut angezogenen) Menschen. Zweitens setzt das Haus gegen die mörderische Temperatur nur einen Standventilator ein (und der bläst direkt auf unseren Tisch). Drittens ist das Angebot ziemlich mau.

Wir checken also aus und überlegen, wie wir das Gepäck zu unserem entfernt parkenden Auto schaffen. Der Markt auf dem Platz vor dem Hotel macht es unmöglich, das Hotel auf legalem Weg zu erreichen. Der Staat drängt uns also wieder mal in die Illegalität.

Unser Gepäck geben wir erstmal an der Rezeption ab, gehen dann zum Auto und fahren es gegen zwei Einbahnstraßen ans Hintertürchen des Hotels. Einige der Italiener, die wir unterwegs passieren, regen sich auf – Motto: Jetzt fahren die Touristen schon wie wir! –, anderen ist es egal – Motto: Mir doch egal! –, und der Tesla-Fahrer, der ein paar Meter vor dem Hintertürchen unerlaubt die Gasse verstopft, folgt dem edukativen Impetus – Motto: Denen werde ich zeigen, wer hier illegale Dinge tun darf!

Die Gattin schafft ihn sprachgewandt an die Seite, ich passiere und auf unserem Weg zurück hat er sich brav an der Straßenseite eingerichtet.

Schön anzuseen: il lago

Bevor wir den Brutkasten Mantova verlassen, schauen wir noch bei Pane al Pane vorbei, um ein paar Gläschen Mostarda und zwei kleine Törtchen als Wegzehrung zu erstehen. Für Gäste unseres Hotels gibt zehn Prozent Nachlass.

Nach einem enttäuschenden Besuch bei Aldi in Curtatone kurbeln wir über die bekannten Straßenzustände in Richtung und durch Brescia und von dort ins Franciacorta Village, wo man uns zwei Hemden und ein Polo-Shirt zu deutlich reduzierten Kosten verkauft. Vom Wetter gezeichnet, essen wir im Schatten der Arkaden die Törtchen aus Mantova.

Schön anzuseen: Monte Isola

Im nahen Gussago unterhält Conad einen Superstore. Wir fahren hin, um uns nach dem Besuch zu fragen, was daran denn super gewesen wäre. Immerhin hat es für ein paar Käse, etwas Mostarda und ein paar Flaschen Franciacorta gereicht.

Kurz darauf erreichen wir Sulzano, checken im Hotel ein und puzzeln das Auto in den Parkplatz. Oben im Zimmer ziehen wir uns gleich um und gehen in den See. Der Pegel ist sehr hoch, das Wasser angenehm kühl – wir bleiben ein bisschen drin.

Schön anzuseen: la terrazza

Danach Dusche und Pause, mit Ach und Krach sind wir um acht unten beim Essen. Vorneweg gibt's einen halben Berlucchi, danach zwei Antipasti: Tartare di manzo und Roast beef con salsa verde. Als Hauptgänge nehmen wir Ravioli di baccalà bzw. Tagliolino cacio e pepe und als Dessert einen kleinen Flan al cioccolato.

Um halb zwölf gehen die Lichter aus.

Donnerstag, 26. Juni 2025

Frühling 2025 – 25. Juni: Mantova

Hoch, Gebirge

Zum Frühstück gibt es heute unterschiedliche Meinungen. Ich fand, es war eines der besten auf unserer Reise, die Gattin ist da ganz anderer Meinung.

Nach dem Frühstück geht es dann zur für uns üblichen Zeit, also etwa um elf Uhr, langsam auf die Strecke. Google veranschlagt etwa vier Stunden, wir erwarten, dass es ein bisschen im Zickzack über einige Berge der Apuanischen Alpen im Nordosten der Toskana geht.

So fahren wir ein paar Kilometer ganz normal und dann geht es tatsächlich bergauf und noch mehr bergauf und noch mehr bergauf, und diese Alpen werden immer alpiner und die Ausblicke immer wilder. Wir haben wirklich das Gefühl, in der Schweiz zu sein, nur halt auf etwa 50 Prozent verkleinert.

Gebirge, runter

Ein Schild weist in Richtung Chiozza, ich übersehe das i und bin froh, dass die Gattin selbst fährt. Nach einigen Rampen fahren wir auf steiler Straße auf das Städtchen zu und sehen die für Radrennen typischen Sprüche auf dem Asphalt – wir fahren auf der elften Etappe des Giro d'Italia 2025.

Es geht hinauf nach Alpe San Pellegrino, das Schild rechts zeigt 19%, der Weg ist schmal, von oben rollt Gegenverkehr. Die Gattin ist nett, will den Italiener passieren lassen, und kommt aus dem Stand mit dem Auto den Berg nicht mehr hoch. Da ist langsames Zurückrollen und ein zweiter Anlauf vonnöten.

Jetzt liegen nur noch 19 von 100 vor dem Fahrer

Wahrscheinlich haben die Giro-Fahrer an dieser Stelle auch gedacht, hoffentlich muss ich hier nicht mal mit dem Auto hoch.

Die Strecke führt dann noch weiter durch eine uns völlig absurd erscheinende Toskana. Es geht wieder runter, dann nochmal hoch, und am Ende landen wir auf etwa 800 Metern Höhe in Toana. Dort war die Bergwertung der 2. Kategorie auf der Giro-Etappe. 
Dort setzen wir uns auf zwei Caffè in die Bar Peter Pan, wo es für 13 Euro ein Mittagessen mit Vorspeise, Hauptspeise, Beilagen, Wasser und einem Viertelliter Wein gibt.

Irgendwann verliert dann auch Google den Überblick

Ein paar Meter später fahren wir durch Vitriola. Hier stehen feine Villen in kleineren und größeren Parks. Einige stehen auch zum Verkauf, aber wer will hier wohnen? Fernab von allem, ohne nennenswerte Infrastruktur? Der Giro war gerade da, und wir kommen in nächster Zeit auch nicht mehr vorbei. Was uns im Vorbeifahren sehr überrascht: Nach gefühlt jedem zweiten Haus befindet sich in der Kurve ein nagelneuer Container-Platz für Plastik, Glas, Papier und sonstigen Abfall. Sieht aus, als gäbe es da ein Förderprogramm der EU.

Wir fahren aus den toskanischen Alpen Toskana in Richtung Modena-Sassuolo-Emilia und bereisen dabei der Reihe nach alle Kreisverkehre Italiens. Die Straßen werden wieder so, wie wir es kennen, nämlich mit automatischer Begrenzung der Geschwindigkeit auf höchstens 40 bis 50 km/h durch entsprechend gestalte Oberflächen.

Abschied von der kleinen Schweiz

Die beste aller Ehefrauen regt sich über die durch Gewerbe und sonstige Zweckbauten zerfledderte Landschaft und die Welt der Italiener im Allgemeinen auf, und Mantova ist noch etwa eine Stunde entfernt. Das Restaurant, in das wir heute gehen wollten, hat mittwochs leider geschlossen. Da werden wir sehen müssen, wo und wie wir den Abend verbringen.

Links und rechts der Straßen stehen weite Flächen von Wein, alle ebenerdig, kein einziger Hügel. Rio Saliceto ist einer der Weinorte, die die Trauben der Region verarbeiten. 

Auch das flache Land hat seine Schönheit

Viele der von uns befahrenen Strade provinciale sind auf der rechten Hälfte der Straße abgerutscht. Mal geht es nur leicht runter in Richtung Seitenstreifen, dann wieder liegt die Straße wie abgesackt um einige Zentimeter tiefer. Für uns Teutonen ist das eine etwas unangenehme Art des Fahrens. Wenn man den Italiener darauf fahren sieht, könnte man denken, er fühlt sich wie ein Steilwand-Artist.

Wir sind durchaus froh, als wir etwas später als gedacht in Mantova ankommen. Den Weg zum Hotel kennen wir gut, die Modalitäten mit der Zone traffico limitado ebenfalls. Die Damen sind freundlich, wir bringen unser Gepäck nach oben, holen unseren Parkausweis ab und stellen den Wagen vorschriftsmäßig ab.

Es ist mörderisch heiß.

Gleich acht, immer noch 34 Grad

Nach Dusche und Pause machen wir uns auf die Suche nach einem Plätzchen fürs Abendessen, es sollte auf jeden Fall Grana Padano con Mostarda geben.

Die Straßen und Plätze sind relativ leer, die Hitze drückt. Wir schleppen uns langsam und vorsichtig durch das Zentrum Mantovas und schauen hier und da mal rein bzw. auf die ausgehängten Menüs.

Fündig werden wir bei La cucina. Die Atmosphäre wirkt zeitgemäß, die Klimaanlage läuft. Und es gibt Salame di nostra produzione con giardiniera, grana, mostarda e focaccia für den einen und Focaccia a lunga lievitazione con stracciatella di burrata für die andere. Als Hauptgänge nehmen wir Maccheroncini al torchio con stracotto di guancia d’asino bzw. Vitello tonnato con con insalata di cetrioli e ravanelli all’alga nori.

Der Esel schmeckt, das Kalb auch. Und der dazu empfohlene Wein rundet den Abend schön ab. Leider müssen wir hinterher wieder raus aus dem Lokal.

Schon zehn, nur noch 30 Grad