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Sonntag, 24. Mai 2026

Frühlinkserwachen 2026 | 23. Mai 2026, Wo die Holländer wohnen

Makes me wanna holler


Am Buffet steht dann das Übergewicht neben mir, nimmt zuerst vom Rührei, legt dann ein paar Streifen Speck darauf und toppt das Ganze mit einem Spiegelei. Kurz darauf zapft sich eine junge Frau zapft eine Latte macchiato, stellt aber eine viel zu kleine Tasse unter dem Auslauf. Er quiekt sie als hätte sie eine Maus gesehen, dann balanciert sie die schwappende Tasse, statt ein bisschen abzugießen, quer durchs Lokal an ihren Tisch. Die Schweizer Gruppe, die wir gestern Abend in der Brauerei schon gesehen hatten, sitzt heute zum Frühstück an den Nachbartischen.

Heimatliche Gefühle

Insgesamt lassen wir uns ein bisschen mehr Zeit und kommen später als sonst auf die Strecke. Nach Verlassen der Innenstadt fahren wir an einer Schnellstraße entlang und kommen in Richtung Schwetzingen durch ein sehr schönen Waldstück, das uns an den Frankfurter Stadtwald erinnert.

Wir fahren am Hockenheimring vorbei, von dem der affenartige Krach jaulender Motorräder dröhnt, die Deutschlands hochpreisige Benzinreserven verschwenden. Aber wir müssen uns keine Gedanken machen: Die Dachflächen der Tribünen sind mit Solarpanels bestückt, das heißt, hier wird CO2-neutral Energie verschwendet. Danach geht es durch Hockenheims Feiermeile, wo es Läden wie ”Topfit“, „Pizza und Kebaphaus“ und „Piranha Bar“ gibt. Wenig später weist ein Schild in Richtung „Insultheimer Hof“. Da sind wir noch elf Kilometer von Speyer entfernt und fragen uns, wer da beleidigt werden soll.

Hier geht's mit Tankrabatt auf die Strecke

In Speyer angekommen, fahren wir erstmal zur Einhorn Apotheke. Ich hatte morgens mit Frau Weber gesprochen, um einen Hirschtalgstick zu bestellen, den holen wir jetzt ab. Kurz vor der Apotheke fährt mir das nächste Übergewicht, vom Bürgersteig kommend und ohne zu gucken, in die Quere. Meinen Hinweis, dass er gucken sollte, bevor er runterfährt, quittiert er mit einem  „Leck mich am Arsch“, was wiederum mich dazu bringt, ihn für die gesamte Innenstadt gut hörbar als nicht verkehrstauglich zu qualifizieren.

„Mer losse dr Dom en Speyer“

Als wir dann vor der Apotheke halten, kommt eine Frau zu uns, die meint, dass in Speyer alle so fahren. Das ist keine gute Nachricht für Speyer. Gemessen an der Zahl der Apothekenbesucher muss Germersheim außerdem eine sehr kranke Stadt sein. Darauf angesprochen, meint die Apothekerin: „Die rasten alle völlig aus. Die glauben, ab Montag gibt's keine Medikamente mehr.“ Auch das ist keine gute Nachricht für Speyer.

Wir lassen uns von Komoot zum Rheinhauptdeich führen und kommen so durch Ecken in Speyer, die wir noch nie gesehen haben – Wohngebiete, mal schöner mal weniger schön, überall viele Leute unterwegs.

Ich freue mich sehr, nach langer Zeit wieder mal hier fahren zu dürfen, gleich ruft es von hinten, ob ich irgendwelche Termine hätte. Natürlich hab ich Termine. Ich möchte heute Abend in Mothern ordentlich essen und mich vorher in Ruhe hingelegt haben, weil, wenn die Zeit nicht zum Hinlegen reicht, dann höre ich von meiner Frau wieder: „Wieso sind wir nicht früher hier angekommen?“

Rheinhauptdeich bei Speyer, unretouchiert

Wir fahren Hauptdeich also weiter, und weil es nirgendwo Bänke zum Pause machen gibt, machen wir die erst 20 Kilometer später vor der alten Garnison in Germersheim. Dort finden wir eine schöne, schattige Bank und fahren erst kurz nach halb eins, dafür aber umso schneller weiter. Unterwegs passieren wir eine vierköpfige Gruppe von Rennradfahrern, die an einer Ecke stehen und hoffen, dass sie von irgendwem eine Zange leihen können. Die brauchen sie, um das defekte Ventil aus einem Tubeless-Reifen zu schrauben. Ich denke an unseren Fahrradtechniker, der neulich meinte: „Tubeless ist nur was für Leute mit Begleitfahzeug.“

Gegen zwei Uhr sind wir im Maximilian-Center, wo wir einen Eiscafé trinken wollen. Leider hat der Eissalon geschlossen, insgesamt wirkt das „Fachmarktcenter“ mehr und mehr abgewirtschaftet. Die Gattin versucht, wenigstens bei Edeka zwei Kaffee zu erstehen.Ich passe draußen auf die Räder auf und komme mit einer jungen Frau ins Gespräch, die mit zwei Gleichgesinnten nach 70 Kilometern Rennrad auf dem Heimweg nach Karlsruhe ist.

Alt und Jung stellen fest, dass die Problemzonen nahezu identisch und gewisse Beeinträchtigungen unvermeidlich sind.

Rheinaufwärts, kurz vor Lauterbourg

Nach dem Kaffee decken wir uns bei Lidl noch für das lange Wochenende ein, dann geht es endlich weiter. Unser Hotel in Mothern erreichen wir um kurz nach 16 Uhr, keiner da.

Mit uns fährt ein silbernes Mercedes-Cabrio auf den Hof. Sie kämmt sich die pechschwarzen, zerzausten Haare, er kommt kaum aus dem Auto raus. Ich rufe die Chefin an, die kurz darauf mit den Schlüsseln kommt.

Wir packen aus (eine alles, einer was er braucht), gehen kurz schwimmen und machen sogar noch kurz Pause. Um halb acht gehen wir zum Essen. Emilia nimmt das Fisch-Menü, Erich das Duo vom Thunfisch (sehr lecker mit Kiwi mariniert) sowie Kotelett und Filetspitzen vom Iberico-Schwein.

Um halb zehn ist Schluss.

Am fünften Fluss unserer Reise

Freitag, 22. Mai 2026

Frühlinkserwachen 2026 | 22. Mai 2026 – Im Fahrradparkhaus, das es nicht gibt

Kulisse über Heidelbergs Feiermeile

Die Nacht war nicht einfach. Das Hotel steht sehr verkehrsgünstig und die vorbeirasenden Autos kompensieren Neuenstadt mit dem Dröhnen ihrer Motoren.

Unser Frühstück heute Morgen ist dann eher eine Imitation eines Frühstücks. Es gibt alles, aber in Mengen und Größen, bei denen man sich kaum traut, zuzugreifen. Denn einmal genommen bedeutet, fast alles ist weg. Ein bisschen Grundlage können wir trotzdem legen, auf den kommenden 70 Kilometern finden wir sicher noch mehr.

Die zweite schwere Steigung des Tages: Bad Wimpfen

Aus der Stadt kommen wir gut, danach fahren wir durch sattes Grün und auf schönen Wegen entspannt am Kochr lang, bis er kurz hinter Bad Friedrichshall in den Neckr mündet. Jetzt haben wir knapp 15 Kilometer hinter uns, gleich müsste ein veritabler Anstieg kommen, aber weit und breit steht kein Berg im Weg.

Der Aufstieg entpuppt sich dann als der Weg hinauf nach und durch Bad Wimpfen. Zuerst schaffen wir es nur mit Ach und Krach eine heftige Rampe hoch, dann folgt der nächste steile Anstieg über das romantische Straßenpflaster, das uns vor zwei Jahren schon mal gehörig durchgeschüttelt hat. Bei einer Fotopause auf der nächsten Eisenbahnbrücke überholt uns eine leicht bepackte Backpackerin mit sportlicher Geschwindigkeit. Bei Bad Rappenau treffen wir sie wieder und sehen, dass ihr Hinterrad unserem gleicht.

Eine Autobahn für Radfahrer, leider viel zu kurz

Hinter Bad Wimpfen kommen wir an der Konzernzentrale von Lidl vorbei, ein sehr elegantes, irgendwie zurückhaltend wirkendes Gebäude mit feinen Linien und einer hölzernd schimmernden Fassade. Wenn man das so sieht, kann man es gar nicht mit den Läden und Produkten des Hauses Schwarz in Verbindung bringen.

Im Anschluss fahren wir durch die Automeile von Bad Rappenau. Hier sind sie alle, von Alfa bis Volvo, so, wie wir das von der Hanauer Landstraße kennen. Wir folgen der L530 und kommen durch ein Waldstück mit den bekannten, glitschigen Wegen. Laut dem letzten Wegweiser sind es noch 18 Kilometer bis Sinsheim.

An der Kochrspitze

Bei der Fahrt durch Grombach entscheiden wir uns für einen Stop bei der Metzgerei Dick, deren freundliche Verkäuferin uns drei Brötchen belegt, dazu einige kleine Salzgurken einpackt und für das Komplettprogramm 6,73 Euro berechnet. Im weiteren Verlauf der Ortsdurchfahrt erkennen wir links das Rathaus wieder, unter dessen ausladendem Vordach wir vor zwei Jahren vor Kälte zitternd unser Mittagessen verspeisten. 

Kurz vor Sinsheim deute ich die Strecke falsch und führe Mann und Frau eine weitere steile Rampe hinauf. Oben angekommen erkenne ich meinen Fehler, aber da sind wir halt schon oben.

Mit dem 12-Uhr-Läuten sind wir dann in Sinsheim an einem zentralen Spielplatz. Während wir essen, schaukelt hinter uns die Oma geduldig das Enkelkind, das immerzu auf seine Puppe im Wagen schaut. Ein paar Meter weiter links pumpt eine osteuropäische Mutter geduldig Wasser an einem öffentlichen Brunnen, damit ihr mit Gummistiefeln und Schaufel bewaffneter Bub ein Kanal graben und darin herumlaufen kann. Schräg gegenüber sitzt ein Kindergarten mit vier Betreuern und ca. 30 Kindern in gelben Verkehrswacht-Westen auf der Wiese.

Das Tagesziel grüßt

Die restlichen Kilometer bis Heidelberg spulen wir routiniert ab, am Ende wird es immer enger auf dem Weg am Neckarufer, so dass wir lieber auf die Straße ausweichen.

Im Hotel empfängt uns Elias Yilmaz, der mir einen Fahrrad-Stellplatz anbietet, den ich freundlich mit dem Hinweis ablehne, dass wir vor zwei Jahren mit einer freundlichen Kollegin eine sehr gute Vereinbarung getroffen hätten, die wir heute wiederbeleben wollten. Das ist nicht ganz korrekt, aber er nimmt es als gegeben hin und ist einverstanden.

Wir checken ein, stellen die Räder an nicht ganz legalem Standort in Ebene -1 ab und schließen sie an die dort immer noch aktive Steckdose an. Danach gehen wir nach oben, machen uns einen Kaffee, duschen und legen uns hin. Heute ist der dritte Tag, und wir sind beide ziemlich fertig.

Hausgemacht, preislich führend

Gegen halb sieben machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Wir sitzen im Hof (ist ja Sommer), trinken hauseigenes Bier, essen Kalbsfrikadellen und Omas Rouladen und schauen den anderen Touristen beim Leben zu. Auf dem Rückweg echauffiert sich Madame über grimmige Graubärtige, die ihr tagsüber auf dem Fahrrad entgegen kommen und das eher ausgezogene Erscheinungsbild des weiblichen Nachwuchses.

Ich denke an meine Oma, die mochte auch keine Miniröcke.

Zurück im Hotel sammeln wir in Ebene -1 die Ladegeräte ein, wir brauchen sie noch für die Reichweitenerweiterer.

Vom Kochr zum Neckr – der vierte Fluss

Donnerstag, 21. Mai 2026

Frühlinkserwachen 2026 | 21. Mai 2026 – Ein Tag, drei Flüsse

Hallelujah!

Wie das Essen gestern Abend, ist heute auch das Frühstück viel besser als vor zwei Jahren. Wir sitzen in einem Raum, der an ein Spiegel-Kabinett erinnert. Jede Ecke und viele Wandflächen sind mit großen Spiegeln belegt; das macht den großen Raum größer. Ich denke zwei Mal, dass ich mir bzw. meiner Angetrauten beim Brötchenkauen zuschaue, aber jedes Mal ist es doch nur ein anderer Grauhaariger mit Brille ein paar Tische weiter.

Die junge Rezeptionistin schenkt uns zum Abschied zwei Tütchen Gummibärchen. Wir packen, holen unsere Räder aus dem Verlies und bringen ihr zur Belohnung alle Schlüssel zurück. Um zehn nach neun geht's los. Nach dem Main stehen heute die nächsten drei Flüsse auf dem Programm: Jagst, Kochr unds Neckr.

Bad Mergentheim ist immer noch so hässlich wie vor zwei Jahren, wenigstens regnet es heute nicht. Danach passieren wir Pferdeställe und Koppeln, da kann die Gattin gar nicht mehr richtig treten vor lauter Gucken.

Landschaft mit Wattebäuschen

Nach knapp 16 Kilometern erreichen wir den ersten von zwei heutigen „Gipfeln“. Wir blicken weit übers Tal, über den Feldern sehen wir kleine Vögel, die der fränkische Naturschützer als „Wiesenbrüder“ bezeichnen würde. Sie fliegen so niedrig, dass die Kornspitzen ihnen den Bauch kraulen. Nach der Biopause am Hochstand erscheinen zwei riesige Greifvögel über der Landschaft und rufen sich wechselseitig zu, wie schön das alles ist. Die Gattin macht Fotos im Akkord, da kann sie nachher mehr wegwerfen.

Am Ortsende von Rengershausen dürfen wir einen schmalen Weg befahren, der eigentlich Fußgängern vorbehalten ist. Die Wirtin der Ferienwohnung am Eck schüttelt die Betten aus und grüßt freundlich. Am Ende des Weges, öffnet sich nach links eine große Wiese entlang des Goldbachs. Sie ist geschmückt mit einem lila-rosa-gelb-grün-blauen Blumenmeer – plötzlich fährt das Bäuerchen mittendurch und macht die ganze Stimmung kaputt.

Keine Bewegung ob der Tauber

Unser Weg führt uns sehr schön weiter in Richtung Dörtzbach. Der Bärlauch blüht auch hier und riecht wie gestern heftig von links und rechts. Im örtlichen Industriegebiet fällt uns auf und ein, dass wir hier vor zwei Jahren Kaffee trinken waren. Das heißt: Da ist ein Edeka, und wir biegen kurz ab, um die Vorräte aufzufüllen. Als ich wieder rauskomme, ist draußen Sommer. Dr sprachliche Oinschlag isch inzwischn stergr gewordn.

Kurz vor zwölf sehen wir die Bank wieder, auf der wir vor zwei Jahren schon mal gesessen haben und machen dort gleich wieder Mittagspause. Anschließend reservieren wir für den Pfingstsonntag in Valff. Monsieur gibt sich viel Mühe und macht uns sogar einen guten Zimmerpreis.

Wiedersehen macht Freude

In Richtung Jagsthausen folgt bald das nächst Déjà-vu: Kloster Schöntal. Wir stellen uns und die Räder in den Innenhof. Ich passe auf alles auf, Madame fotografiert alles weg. Hinter Jagsthausen steht uns leider der zweite Anstieg bevor, weil wir ja unbedingt von der Jagst an den Kochr wollen.

Auf knapp zwei Kilometern erwarten uns 140 Höhenmeter mit bis zu 13 Prozent Steigung, wir nennen das Bergwertung. Und wenn Garmin sagt, dass man selbst 300 Watt tritt und der Motor es nicht mehr schafft, seinen Anteil beizusteuern, dann fragen wir uns, warum wir nicht mit dem Junior die Mur de Huy hochgefahren sind. Da hatten wir wenigstens 20 Kilo weniger zu transportieren.

Partners in climb

Der Herrgott sieht das ähnlich und schenkt uns zur Belohnung die Abfahrt nach Sindringen. In der Abfahrt kommen uns einige Radfahrer entgegen, mit denen wir nicht hätten tauschen mögen. Leider kommt uns kurz darauf auf vier Kilometern Länge das Werk eines Radweg-Gestalters unter, der meinte, es wäre romantischer, wenn man den Weg aus zwei schmalen Reihen grober Betonplatten baute.

Jede Platte ist ca. 50 Zentimeter breit und etwa 1,50 Meter lang, zwischen den Reihen ein matschiger Boden und von rechts wächst 30 Zentimeter weit das Gras rein. Außerdem führt der Weg relativ steil bergab, so dass wir mit rund 30 km/h abwärts  brettern. Das ist so schon nicht ungefährlich, aber wenn dann an einigen Stellen entweder gar keine Platten mehr liegen oder der Matsch tief in den Ecken steht, dann kann man sich beim oben erwähnten Herrgott bedanken, wenn man heil unten angekommen ist.

Als der Weg dann endlich wieder diesen Namen verdient, ist er gesperrt. Wir sehen, dass die Sperrung auf der anderen Seite nur etwa einhundertfünfzig Meter entfernt ist, aber da kommt ein anderes Paar rechts aus dem Wald und sagt, dass man unbedingt die Umleitung nehmen müsse. Und wir Deppen hören auf sie!

Besagte Umleitung führt auf fast drei Kilometern über einen matschigen, glitschigen und in weiten Teilen steilen Waldweg. Am Ende kommen wir tatsächlich an der Stelle raus, die wir von der anderen Seite gesehen hatten. Von rechts kommt ein Rennradfahrer, der nach eigenem Bekunden zwei- bis dreimal die Woche durch die gesperrte Passage fährt.

Vorsicht, Steinschlag

Er meint, dass anfangs ein großer Stein auf dem Radweg lag, den man umfahren musste. Wir gehen im Nachhinein davon aus, dass die zuständige Behörde den Weg wegen vermeintlicher Steinschlaggefahr sperren musste. Eventuell haben wir den Verantwortlichen heute sogar im Wald gesehen: An einer Stelle stand ein Mann, der sich nicht bewegte und uns nur beim Befahren des matschigen Untergrundes beobachtete. Vielleicht haben die latenten Schuldgefühle ihn zurück an den Ort seines Verbrechens geführt.

Der Rennradfahrer streut zum Abschied noch ein bisschen Salz in unsere Wunde: „Und da seid ihr wirklich durch den Wald gefahren?“

Nach Neuenstadt ist es nicht mehr weit. Wir wollen vorher noch ein Eis essen, aber ein Radfahrer, den wir fragen, sagt, der beste Eissalon ist in Neuenstadt gleich hinter dem Stadttor. So kommen wir zum Eiscafé Italia und stellen fest, dass es nirgendwo einen Platz gibt, an dem unsere vollbepackten Räder gut aufgehoben sind.

Ich nehme also mein Rad mit zum Eis-Schalter. Der junge Mann hat kein Auge für mich, er füllt zwei Eisbecher für die Terrasse. Aber die Chefin schaut von hinten und nickt mir freundlich zu. Bevor ich nachdenken kann, höre ich mich laut „Buongiorno, Signora“ sagen. Da geht ein Ruck durchs gesamte Personal. Der junge Mann stellt die Eisbecher weg, lächelt mich an und sagt: „Allora?“, ich breche das italienische Rad und erkläre unser Problem. „Non c'è problema,“ sagt er und schlägt vor, dass wir unsere Räder hinten auf die leere Terrasse stellen.

Das machen wir gerne, suchen uns einen Tisch in der Nähe und bestellen, was das Zeug hält. Das Eis ist sehr gut, der Caffè auch. Am Ende kommen alle nochmal vorbei und fragen, ob alles in Ordnung war. So ein Duolingo hat tatsächlich sein Gutes.

Sommerabend am Bahnhof in Neuenstadt

Nach dem Eis fahren wir ins Hotel, dem ehemaligen Bahnhof von Neuenstadt, wo um 16:00 Uhr niemand auf uns wartet. Ein Angestellter gibt sich vor der Tür als solcher zu erkennen, er aktiviert einen anderen Menschen drinnen. Dieser kommt raus, erklärt uns, was wir falsch gemacht haben, und verschwindet wieder. Da schlägt die Gattin vor, dass wir auf den Tischen draußen einfach unser Büro eröffnen und die anstehenden Tätigkeiten – Bilder, Texte, Daten – angehen sollten.

Kurz nachdem wir komplett arbeitsfähig sind, kommt besagter Mensch wieder aus dem Haus – er hat alles für uns erledigt. Wir bleiben trotzdem noch kurz sitzen und sprechen mit der Kellnerin, die um halb fünf ihren Job beginnt. Danach schließen wir unsere Räder am Haus ans Stromnetz an und gehen auf unser Zimmer.

Dusche, Pause, Abendessen um halb acht. Zwei Hamburger, vier Weißbier, zwei Desserts. Beim Entstöpseln der Stromzufuhr kommen wir noch mit einem ca. Vierzigjährigen ins Gespräch, der etwa 130–140 Kilometer am Tag fährt, weil er „nicht so viel Zeit hat.“

Wir schaffen die Hälfte davon in der ersten Hälfte des Tages und brauchen die zweite Hälfte, um die erste zu verarbeiten.

Wir schlängeln uns an Tauber, Jagst und Kochr

Mittwoch, 20. Mai 2026

Frühlinkserwachen 2026 | 20. Mai 2026 – Landschaft! Landschaft!! Toll!!!

„Ich will hier raus!“

Präambel
Vor einem Jahr sind wir am 20. Mai in Richtung Korsika und Sardinien aufgebrochen. Weil wir das schon lange mal machen wollten. Weil Madame eine Hüft-OP vor sich hatte und Ablenkung gebrauchen konnte.

Nachdem auf der rechten Seite alles gut gelaufen ist, steht in diesem August die linke Seite an. Und weil der Test in den Ardennen gut verlaufen ist und wir schon lange wieder mal mit den Rädern nach Frankreich wollten, s.o.

Und hier geht's los

Nach unruhiger Nacht und früher Leerung der Mülltonnen ist das Aufstehen um sieben Uhr kein wirkliches Problem. Wir haben alles gut vorbereitet, nach dem Frühstück gibt's noch ein bisschen was im Haushalt zu machen, die nächste Stunde gehört dem Packen. Abfahrt um 9:25 Uhr.

Dreilagig bekleidet geht's zunächst an den Main. Die Räder laufen perfekt, wir müssen uns nur wieder an das Fahren mit Gepäck gewöhnen. Das hatten wir schon lange nicht mehr.

Schöner Anblick, heftiger Wind

Die Strecke ist gut bekannt, nach 35 Kilometern biegen wir in Ochsenfurt ab auf den Gauahnradweg. Der Regen in der letzten Nacht hat die Schnecken auf den Weg gelockt, sie schleimen sich in allen Größen, Farben und Formen von links nach rechts und umgekehrt.

Der Weg führt uns auf ein Plateau, auf dem wir links über weite Felder und sanfte Hügel in allerlei Schattierungen von Grün und Gelb schauen. Am Horizont dreht der Wind die gleichnamigen Räder, rechts stehen die Masten, durch deren Leitungen die frisch gewonnene Energie ins Netz strömt. Immer wieder fahren wir durch Schwärme von Millionen winziger Fliegen.

Das ist grüne Romantik, die Gattin ist begeistert.

Nachdem wir unseren Stromverbrauch am Anfang gering gehalten und nur das zusätzliche Gewicht kompensiert hatten, schalten wir unseren Anschieber jetzt mal hoch. Der Radweg ist zwar weniger steil als erwartet, aber der Wind weht so stark, dass wir kaum vorwärtskommen. Aufwärts strebende Vögel werden von ihm zu Boden gedrückt. Sie prallen unsanft auf, rollen irgendwie über den Asphalt und schaffen es kaum, wieder in die Luft zu kommen.

Mittagspause im Blütenmeer

Kurz vor Sonderhofen kommt uns eine junge, hochmotivierte Radreisende entgegen, kurz darauf sehen wir einen kleinen Reinigungswagen, der die Kante des Radwegs mit großen, blauen Bürsten von Unkraut säubert. Und gleich darauf klärt uns ein Schild darüber auf, das wenigstens im Winter nicht gestreut und geräumt wird. Gegen zwölf halten wir am Rastplatz bei Sonderhofen. Es ist windig, aber ein ganz schöner Platz, übersät von Blütenblättern.

Nach dem Essen ist vor der Kaffeepause, Die machen wir in Röttingen beim Bäcker Roth. Nach dem Abstellen der Räder gehe ich über einen kleinen Platz zum Eingang der Bäckerei, da passiert mich haarscharf der alte Mann, der nicht weiß, dass man klingeln kann. Auf meinen Hinweis meint er: „Ich pass' schon auf.“

Nur wenige Radumdrehungen von der Buttercreme entfernt

Die Buttercreme ist cremig, sonst nichts. Der Kaffee ist okay. Der Käsekuchen ist wohl auch nicht schlecht. Ich höre zumindest keine Beschwerden.

Nicht weit von Röttingen führt in Tauberrettersheim die Balthasar-Neumann-Brücke über die Tauber. Während die Gattin sie von allen Seiten abfotografiert, fragt mich ein anderer Radreisender mit Gattin, wo es nach Rothenburg geht. Ich weiß es auch nicht, bemühe aber gerne Komoot für ihn. Nachdem ich den Weg für ihn rausgesucht habe, sagt er, dass seine Frau das mit diesem Komoot auch hätte. Warum fährt er ihr nicht einfach hinterher?

Was vom Hochwasser von 1732 geblieben ist

Kurz vor Weikersheim erwischt uns der für heute angesagte und bisher nicht gefallene Regen doch. Schräg gegenüber einer riesigen Halle der Firma Sport Schaller finden wir unter dem Vordach einer Spedition Schutz. Nach zehn Minuten ist die schwarze Wolke durch.

Taufe

Um Viertel vor drei erreichen wir unser Hotel, auf den ersten Blick hat es sich nicht verändert. Wir schließen die Akkus an und die Räder ab, gehen wieder lange Wege auf unser Zimmer und dort in die Dusche. Danach eine Stunde Pause, wir haben ja nicht viel Zeit – ab halb sechs gibt es Abendessen.

Wir kümmern uns vor dem Essen noch um unsere Akkus. Deshalb kommen wir etwas später, und die Hütte ist rappelvoll. Ein Keller teilt uns einen Tisch zu, wir ordern Wildschweingulasch mit Pilzen und Spätzle. Die eine trinkt ein Pils dazu, der andere zwei Weißbier.

Das Essen ist viel besser als vor zwei Jahren. Der Kellner ist leider derselbe. Deshalb wird es auch nichts mit dem Nachtisch. Er bringt zwar die Karte, kommt dann aber nicht mehr wieder. Wir gehen.

Einmal quer durchs Frankenland, bitte

Dienstag, 19. Mai 2026

La Coupe de France | 10. Mai 2026, Spiegelei zum Muttertag

Notre-Dame nach dem Frühstück

Zum Abschied zeigen sich die amerikanischen Gäste nochmal von ihrer besten Seite.

Einer nuschelt auf die Frage nach der Zimmernummer: „Two-O-Nine“. Die Fragerin versteht „Two or nine“, aber die Zimmernummer gibt's im Hause nicht. Die Frau neben uns sitzt auf ihrem Stuhl, spricht mit den Tischnachbarn und presst dabei ihre Knie, ihre Hände und ihre Füße so fest zusammen, dass die Handflächen zittern. Und einen Tisch weiter sitzt ein Amerikaner im Holzfällerhemd.

Was treibt diese Menschen nach Europa bzw. nach Reims? Sie können ja nicht mal den Champagner mit nach Hause nehmen.

Ansonsten ist das Frühstück relativ schwach. Nur das Spiegelei, die Crêpe und der Apfelkuchen waren wirklich gut. Wir holen erstmal unser Auto, fahren ein Stück gegen die Einbahnstraße und parken wieder vorschriftswidrig. Es regnet, da wird keiner kontrollieren kommen.

Der Austernstand gegenüber dem Hotel hat um 9:40 Uhr schon wieder geöffnet. Die Stühle stehen draußen, die Kundschaft kommt wahrscheinlich erst ab elf. Die Suche nach einem Bäcker ist zuerst mal erfolglos. Wir machen eine kleine Stadtrundfahrt durch gesperrte Zonen und sehen unterwegs die schönsten Häuser, Paläste und Plätze der Stadt. Ob wir allerdings wirklich überall dort fahren dürfen, wo wir fahren, darf bezweifelt werden.

In der Nähe des Hôtel de Ville werden wir fündig. Die Boulangerie Paintagruélique sieht sehr einladend aus, die Gattin kommt erst nach einiger Zeit, dafür gut bepackt wieder zum Auto.

Die Autobahn ist leer. Die erste Rastplatz heißt Aire de l’espère, das gibt uns Hoffnung. Nach der Autobahnauffahrt übernimmt der Tempomat, deutlich hinter Verdun gibt es den ersten Grund, zu bremsen: Wir möchten an einem Halteplatz rausfahren.

Kurz nach 17 Uhr stehen wir auch wieder mal an einer Tankstelle. Die letzte Füllung in Brügge hat uns knapp 850 Kilometer weit gebracht. Zu Hause packen wir schön aus und versuchen langsam, auch im Kopf anzukommen.

Montag, 18. Mai 2026

La Coupe de France | 9. Mai 2026, Reims ins Vergnügen

À l'extérieur

Heute heißt es Abschied nehmen. Vom Hotelfrühstück, von Belgien, von den netten Menschen an der Rezeption, die sich viel Mühe mit uns gegeben haben. Und von Brügge, natürlich.

Wir fahren erstmal tanken, denn in Belgien kostet der Sprit nur rund 1,80 pro Liter. Wir fragen uns, wie die das machen und fahren auf der E403 in Richtung Roubaix. Das geht anfangs nicht schlecht, aber bei der Passage durch Lille erleben wir dann, wie es sich anfühlt, wenn der Franzose Ernst macht mit dem Autofahren. Es gibt kaum ein Durchkommen.

Beim Passieren des Stade Pierre Mauroy, das heute Decathlon Arena heißt, denken wir kurz daran, dass sich in Lille (flämisch Rysel) heute der Stammsitz und das Entwicklungszentrum der Decathlon-Fahrradmarke Van Rysel befinden. Das sind die Räder, mit denen wir im letzten Jahr vor Korsika, auf Korsika und nach Korsika diese nichtendenwollenden Probleme hatten.

Aber das ist vorbei, und wir wollen nicht abschweifen.

Summer in the city

Unser erstes Ziel heißt heute Saint-Quentin. Nicht das durch Johnny Cash und verschiedene Filme bekannte, amerikanische Gefängnis, sondern eine Stadt mit einem Auchan-Hypermarché in direkter Autobahnnähe.

Für unsere Verhältnisse kaufen wir wenig bei Auchan ein. Vielleicht liegt es daran, dass wir durch die Tage vorher gedanklich noch etwas okkupiert und nicht in der richtigen Stimmung sind. Oder daran, dass wir nicht besonders viel brauchen, weil wir in zehn Tagen unsere nächste Radreise starten.

Also geht es gleich weiter in Richtung Reims, der Hauptstadt der Champagne, am frühen Nachmittag sind wir da. Unser Hotel liegt am Rande der Altstadt und verspricht Blick auf die Kathedrale, da sind wir mal gespannt. Wir parken vorschriftswidrig auf dem Bürgersteig vor dem Hotel, die Tiefgarage ist bereits ausgebucht.

Nach dem Ausladen und Einzimmern fahren wir ins nächstliegende Parkhaus, dann geht's in die Stadt.

Fontaine de la Solidarité

Es ist Samstag, die Sonne strahlt, die Straßen sind voller Menschen. Mit jeder Kreuzung, die uns näher an die Kathedrale führt, steigt der Feier- und Freudenpegel. Erster Höhepunkt ist die von Bäumen gesäumte Place Drouet d'Erlon. Hier sitzen alle draußen, viele Mädels sind nur notdürftig bekleidet, viele Menschen führen ihre Hunde spazieren – die Luft vibriert.

Außerdem erwartet uns ein kalabrischer Markt mit zehn Ständen, die von Wurst und Käse über Olivenöl und Kunsthandwerk ein breites Spektrum kalabrischer Errungenschaften anbieten. Das Schönste: Die venditori sprechen alle Italienisch, und sie können nicht weglaufen.

L'important c'est la Westrose

An der Fontaine de la Solidarité biegen wir links ab, dann rechts an der Rue de Tallyerand, und schon steht sie vor uns bzw. wir vor ihr: Notre-Dame de Reims. Hier verlangen Gottes Stellvertreter auf Erden keinen Eintritt, sie bitten nur auf einem großen Banner vor dem Eingang um Spenden bzw. die Übernahme einer steuerbegünstigten Patenschaft. Zwei Drittel der Gabe werden vom französischen Finanzminister anerkannt.

Die Kathedrale ist riesig, gut besucht und in einem überraschend guten Zustand. Innen wie außen sind weite Teile des Steins aufgearbeitet oder ersetzt, kein Gerüst versperrt die Sicht. Irgendwie scheint die Strategie der Verantwortlichen aufzugehen.

Wir schauen uns alles schön an, gehen dann einmal um den Block und kommen wieder dort raus, wo die Menschen in Gruppen in der Sonne vor Bars sitzen und das konsumieren, wofür die Region bekannt ist. Die Gattin erwirbt auf den letzten Metern vor dem Hotel noch eine Bluse, da kann sie die Erinnerung noch lange mit sich herumtragen.

À l'intérieur

Für den Abend haben wir einen Tisch bei Condo reserviert, wo der Champagner nicht mehr kostet als der Wein. Auf dem Weg über die Terrasse kommen wir an sieben fröhlichen US-Mädels vorbei, für die der schwache Dollar offenbar kein Problem darstellt. In den ersten 20 Minuten, die wir an unserem Tisch sitzen, putzen sie vier Flaschen weg, danach lässt das Tempo etwas nach.

Wir haben sehr gut gegessen und eine sehr gute Cuvée von Rémi Lorey getrunken. Wären wir gestern nicht in Brügge bei Bernard gewesen, ...

Zum Abschluss des Tages, der Reise usw. prüfen wir schnell noch nach, ob das mit dem Blick auf die Kathedrale wirklich stimmt. Und tatsächlich, von der Dachterrasse im 7. Stock sehen wir die strahlende Kirche in nicht allzu weiter Ferne. Da könnte man ja glatt noch zwei Coupe zum Schauen nehmen.

Auch im Zimmer nehmen wir noch lange am Nachtleben teil. Draußen ist es laut bis zum Morgengrauen.

Über den Dächern von Reims

Sonntag, 17. Mai 2026

Brüggen-Tage im Mai | 8. Mai 2026, Mijn vlakke land*

Windrad, vintage

Im Hotel frühstückt neuerdings eine Gruppe Amerikanerinnen mit uns; die Damen sind verhaltensauffällig. Eine sprach gestern die Gattin an, als wir gerade unsere Räder in der Gepäckaufbewahrung platziert hatten. Was sie wollte, blieb unklar.

Heute sind die Kaffeemaschinen etwas zickig, was auf dem Display sehr klar zu sehen ist. Eine der Damen ignoriert den Hinweis in ihrer Muttersprache, drückt mehrfach auf den Bildschirm, schaut empört und geht rüber zu der anderen Maschine. Dort erwartet sie eine identische Situation und sie geht genauso damit um.

Zwei andere Damen haben sich an einem Sechser-Tisch niedergelassen. Eine auf der linke äußeren Ecke, die andere quer gegenüber. Sie breiten ihr Leben aus. Alle dürfen mitfiebern.

Wir machen, dass wir aus dem Haus kommen. Zuerst geht's zum Kurbelreparateur, dann auf eine kleine Runde in Richtung Malegem und zurück.

Noorwäärts am Noorweegse-Kaai

Der kleine Fietsenwinkel ist mehr Verleih als Werkstatt, aber der Kollege vor Ort kennt sich aus. Er sieht das Problem, holt das passende Werkzeug und wundert sich dann, dass die feine Campagnolo-Gruppe mit der 105er Kurbel von Shimano funktioniert – so was hätt's früher nicht gegeben. Wo er recht hat, ...

Die Justage kostet fünf Euro, wir verlassen Brügge am Kruispoort, fahren entlang des Kanals in nördlicher Richtung und biegen an dessen Ende rechts auf den Noorweegse-Kaai ab (das hat doch bestimmt was mit KI zu tun?!). Wir folgen dem Kanal bis De Siphon, fahren erneut rechts und erreichen pünktlich zum Mittagskaffee Maldegem.

Einen Italiener mit richtigem Caffè finden wir auf die Schnelle nicht, deshalb parken wir bei der Bakkerij Vanhamel. Die Gattin setzt sich und bewacht die Räder, der Gatte tritt ein und trifft auf die sehr aufgeschlossene Frau Van Hamel.

Die Flamen können Kanäle, die Flamen können Radwege

Sie fragt, woher und wohin und scheint einen Narren an Deutschland gefressen zu haben. Ihr Mann und sie fahren einmal im Jahr in eine deutsche Stadt und bleiben dort ein paar Tage. Zuletzt waren sie in Heidelberg. Als ich sage, dass wir dort in Kürze auch sein werden, gibt es kein Halten mehr.

Direkt an der Heiliggeistkirche haben sie diesen Italiener entdeckt, den sie so gut fanden, dass sie ihn jeden Abend heimsuchten. Da müssten wir unbedingt hingehen. Und sie meint es ernst: Als ich mit Kaffee und Backwerk draußen ankomme und davon erzählen will, kommt sie mit ihrem Telefon aus der Tür gespritzt und zeigt uns begeistert Fotos vom Tatort.

Meentest du das Gemeenthuis?

Wir werden ihr ein Bild schicken, wenn wir dort sind.

Jetzt fahren wir erstmal weiter in den Süden über Zeldonk und Lange Donk an den Kanaal Gent-Brugge, der uns über Wellingstraat zurück nach Brügge leitet. Habe ich schon verraten, dass die reparierte Kurbel einwandfrei ihren Dienst tut?

Letzte Rechtskurve vor Brügge

Wir waren heute früh dran, deshalb sind wir auch recht früh wieder zurück. Im Hotel laden wir die Räder wieder ins Auto, widmen uns der Körperpflege und machen Pause. Anschließend bereiten wir das Packen vor und gehen zum letzten Mal durch Brügges belebte Gassen.

Unser Weg führt uns in das kleine Restaurant, in dem wir gestern auf dem Heimweg einen Tisch reserviert hatten. Bis auf zwei Tische sind alle besetzt. Es ist Freitagabend, da gibt es entweder drei oder fünf Gänge. Wir nehmen alles, was es gibt, plus alkoholische Getränke.

Und was, bitte, gibt es?

Diese Langustine ist nicht umsonst gestorben

Seebarsch mit Avocado, einen offenen Ravioli mit Garnelen-Füllung, eine Langustine mit Gurke, Entenbrust mit Spargel und zum guten Schluss Rharbarber-Crumble mit Hibiskus. Wir haben lange nicht mehr so gut gegessen.

Zum Ende des Abends traut sich der junge Mann am Nachbartisch endlich, den Arm seiner Begleiterin zu streicheln. Jetzt können wir beruhigt zurück ins Hotel gehen. 

Eine schöne, nicht ganz runde Runde


* Weil man in der Überschrift keinen link einbauen kann, gibt's ihn hier:
https://www.youtube.com/watch?v=F6vSjSUbSS0