![]() | |
|
Im Hotel frühstückt neuerdings eine Gruppe Amerikanerinnen mit uns; die Damen sind verhaltensauffällig. Eine sprach gestern die Gattin an, als wir gerade unsere Räder in der Gepäckaufbewahrung platziert hatten. Was sie wollte, blieb unklar.
Heute sind die Kaffeemaschinen etwas zickig, was auf dem Display sehr klar zu sehen ist. Eine der Damen ignoriert den Hinweis in ihrer Muttersprache, drückt mehrfach auf den Bildschirm, schaut empört und geht rüber zu der anderen Maschine. Dort erwartet sie eine identische Situation und sie geht genauso damit um.
Zwei andere Damen haben sich an einem Sechser-Tisch niedergelassen. Eine auf der linke äußeren Ecke, die andere quer gegenüber. Sie breiten ihr Leben aus. Alle dürfen mitfiebern.
Wir machen, dass wir aus dem Haus kommen. Zuerst geht's zum Kurbelreparateur, dann auf eine kleine Runde in Richtung Malegem und zurück.
Der kleine Fietsenwinkel ist mehr Verleih als Werkstatt, aber der Kollege vor Ort kennt sich aus. Er sieht das Problem, holt das passende Werkzeug und wundert sich dann, dass die feine Campagnolo-Gruppe mit der 105er Kurbel von Shimano funktioniert – so was hätt's früher nicht gegeben. Wo er recht hat, ...
Die Justage kostet fünf Euro, wir verlassen Brügge am Kruispoort, fahren entlang des Kanals in nördlicher Richtung und biegen an dessen Ende rechts auf den Noorweegse-Kaai ab (das hat doch bestimmt was mit KI zu tun?!). Wir folgen dem Kanal bis De Siphon, fahren erneut rechts und erreichen pünktlich zum Mittagskaffee Maldegem.
Einen Italiener mit richtigem Caffè finden wir auf die Schnelle nicht, deshalb parken wir bei der Bakkerij Vanhamel. Die Gattin setzt sich und bewacht die Räder, der Gatte tritt ein und trifft auf die sehr aufgeschlossene Frau Van Hamel.
Sie fragt, woher und wohin und scheint einen Narren an Deutschland gefressen zu haben. Ihr Mann und sie fahren einmal im Jahr in eine deutsche Stadt und bleiben dort ein paar Tage. Zuletzt waren sie in Heidelberg. Als ich sage, dass wir dort in Kürze auch sein werden, gibt es kein Halten mehr.
Direkt an der Heiliggeistkirche haben sie diesen Italiener entdeckt, den sie so gut fanden, dass sie ihn jeden Abend heimsuchten. Da müssten wir unbedingt hingehen. Und sie meint es ernst: Als ich mit Kaffee und Backwerk draußen ankomme und davon erzählen will, kommt sie mit ihrem Telefon aus der Tür gespritzt und zeigt uns begeistert Fotos vom Tatort.
Wir werden ihr ein Bild schicken, wenn wir dort sind.
Jetzt fahren wir erstmal weiter in den Süden über Zeldonk und Lange Donk an den Kanaal Gent-Brugge, der uns über Wellingstraat zurück nach Brügge leitet. Habe ich schon verraten, dass die reparierte Kurbel einwandfrei ihren Dienst tut?
Wir waren heute früh dran, deshalb sind wir auch recht früh wieder zurück. Im Hotel laden wir die Räder wieder ins Auto, widmen uns der Körperpflege und machen Pause. Anschließend bereiten wir das Packen vor und gehen zum letzten Mal durch Brügges belebte Gassen.
Unser Weg führt uns in das kleine Restaurant, in dem wir gestern auf dem Heimweg einen Tisch reserviert hatten. Bis auf zwei Tische sind alle besetzt. Es ist Freitagabend, da gibt es entweder drei oder fünf Gänge. Wir nehmen alles, was es gibt, plus alkoholische Getränke.
Und was, bitte, gibt es?
Seebarsch mit Avocado, einen offenen Ravioli mit Garnelen-Füllung, eine Langustine mit Gurke, Entenbrust mit Spargel und zum guten Schluss Rharbarber-Crumble mit Hibiskus. Wir haben lange nicht mehr so gut gegessen.
Zum Ende des Abends traut sich der junge Mann am Nachbartisch endlich, die Hand seiner Begleiterin zu streicheln. Jetzt können wir beruhigt zurück ins Hotel gehen.














































