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Montag, 22. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 22. Juni 2026 – Châtelaillon-Plage statt Touristen-Plage

Namenlose Schönheit an der Strandpromenade

Gestern war Abreisetag, heute sind ziemlich wenige Gäste beim Frühstück. Dafür gibt's zwei zauberhafte Buben, die das Geschirr abräumen, die Kaffeemaschinen säubern dürfen und von denen zumindest einer ein bisschen Visconti-Atmosphäre verbreitet.

Der andere lernt außerdem, wie man Scherben aufkehrt, nachdem er Tassen fallen lässt.

Der Meer ist noch unterwegs zum Strand, wir starten mit unserem Renault die Operation ’Einkauf‘. Dafür fahren wir zu Carrefour nach Angoulins, einem weiteren Touristenort an dieser Küste, kurz vor La Rochelle.

Bei Carrefour ist es angenehm, fast schon zu kühl. Es gibt alles, was man nicht unbedingt bräuchte, aber gerne hätte. In unserem Fall eine Kühlbox für nicht mal elf Euro, mit deren Hilfe wir am kommenden Samstag zumindest Teile der nationalen Käseproduktion außer Landes bringen wollen. Außerdem kaufen wir für die noch anstehenden Mittagessen ein.

Nur wenige leisten der Sonne so viel Widerstand wie wir

Den Hinweg fährt die Gattin, zurück der Gatte. Eine schöne Sache, so ein Automatikauto: Man kann sich voll auf den Verkehr konzentrieren und muss nicht ständig im Benzin rühren. Da der Gatte sich zu wenig konzentriert, verpasst er kurz vor dem Hotel eine Abzweigung, so kommen wir in den Teil des Ortes, wo wir heute Abend essen wollen. Das Restaurant liegt ganz schön und sieht auch so aus. 

Zurück im Hotel, ist die Femme de chambre noch mit unserem Zimmer beschäftigt. Wir können uns also nicht gleich umziehen, sondern reden noch ein bisschen mit ihr. Sie lernt heute die deutsche Fassung von „Bonne journée“.

Am Strand ist es um 13.00 Uhr etwas ruhiger, vernünftige Menschen gehen jetzt gar nicht erst dorthin. Wir passen uns der Tide an und kommen, wenn sie uns braucht. Nach einer halben Stunde in der brüllenden Hitze befreien wir unsere Räder und rasen auf Höchststufe zurück in den Thalasso-Tempel.

Die Armen müssen auch bei Hitze arbeiten

Dort wird geduscht, dann gibt es den ersten Teil der heutigen Einkäufe. Sehr guten hiesigen Käse, gutes Baguette und einen Joghurt zum Niederknien. Anschließend legen wir uns hin, der Gatte steht lange nicht mehr auf.

Krankengymnastik zum Apéritif

Um halb acht wird uns klar, dass das Abendessen nicht zu uns kommen wird, sondern wir zum Abendessen kommen müssen. Also ziehen wir uns an, erlösen die Räder und düsen bergab in Richtung Boucholeurs. In der Tür zu unserem Restaurant hängt ein freundliches Schild „Entrez, nous sommes ouverts.“ Leider hat sich diese Information nicht bis zu den Betreibern herumgesprochen, die Tür ist zu.

Eine ist noch, eine ist noch zu

Dafür hat das Restaurant auf der anderen Seite der Terrasse geöffnet. Wir sichern uns einen Zweiertisch und bestellen erstmal einen Panaché, einen Picon bière und eine Carafe d'eau. Dazu zweimal das Menu für 22,00 Euro, bestehend aus sechs Austern gefolgt von einer ordentlichen Portion Moules-frites.

Die umliegenden Tische und Stühle werden im weiteren Verlauf des Abends alle besetzt, kein Wunder, wenn der Nachbar geschlossen hat. Auffallend ist das in der Umgebung flanierende Urlaubsvölkchen, insbesondere die grauhaarigen Herren über 70, die partout mit bloßem Oberkörper durch die nahen Wege und Sträßchen spazieren müssen.

So schmecken sie auch der Gattin

Nach zwei üppigen Desserts brechen wir auf, vorher fliegt mich noch eine Fledermaus an – kaum größer als ein Schmetterling und mit feinen, halb transparenten Flügeln. Mit Blick auf die drei Stiche, die mich heute Abend ereilt haben, ist es eine wahre Freude, ihr beim Nachtmahl rund um die Lampen am Kai zuzuschauen.

Zu später Stunde kehrt das Meer langsam zurück

Sonntag, 21. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 21. Juni 2026 – Ride – Swim – Sleep – Repeat

Für manche der Mittelpunkt der (Urlaubs)Welt

Wir frühstücken etwas später, der Atlantik ist ja auch noch nicht am Strand.

Die Leute von ibis geben sich wirklich alle Mühe. Aber irgendwie ist das hier Auberge du jeunesse mit Vier-Sterne-Bepreisung. Im Zimmer dominiert eine „wunderschönes-Strandleben“-Optik und -Atmosphäre, beim Frühstück wird diese Idee der Einfachheit mit einfacher Bestuhlung, Mensa-Tabletts und mittelmäßiger Qualität aufgegriffen.

Müsli Fehlanzeige, Rührei schrecklich, Backwaren frisch aufgebacken. Einzig die Brioche gefällt mit Geschmack, Größe und Fluffigkeit. Dreimal werden wir noch wach ...

Zimmer mit Meerblick

Nach dem Frühstück holen wir die Räder aus dem Auto, bauen ein Hinterrad aus, um zu prüfen, ob wir die Räder eventuell doch aufrechtstehend transportieren und damit Platz für Einkäufe schaffen können. Das geht leider nicht, der Wagen ist einfach zu flach.

Also bauen wir die Räder komplett zusammen, stellen sie kurz vors Hotel und packen unsere Strandtasche. Dann geht es an genau diesen und direkt ins leider ziemlich braun-graue Meer. Nach ein paar Schritten am Strand, gehen wir ein zweites Mal ins Wasser. Erneut sehen wir Menschen in Neoprenanzügen, die 15 Euro dafür bezahlt haben, dass sie im Rahmen einer Führung im brusthohen Wasser am Strand entlanglaufen.

Die Welt ist verrückt.

Drei Kilometer Badevergnügen

Wir fahren mit leichten Hautirritationen am Bein zurück zum Hotel und finden in der Lobby eine Steckdose zum Laden unserer Transporteure. Das Zimmer ist leider noch nicht gemacht, wir ziehen den Bademantel über und gehen nochmal runter. Ich muss sehen, wie ich den rechten Radschuh vom Fuß bekomme, der Ratschen-Verschluss lässt sich nicht mehr öffnen.

Sprachlich kann ich die Problematik nicht stemmen, da ist es gut, dass ich den Fuß mit Schuh dran jederzeit vorzeigen kann. Irgendwann habe ich die Rezeptionistin so weit, dass sie den Hausmeister um Werkzeug bzw. Hilfe bittet. Er kommt, schüttelt wie alle anderen den Kopf, sieht aber dann, dass sich tatsächlich ein Sandkorn in den Mechanismus geklemmt hat. Das holt er mit spitzem Instrument heraus, und das Problem ist gelöst.

Madame geht gleich nochmal ins große Becken, Monsieur telefoniert mit dem Sohn, danach geht's unter die Dusche und in die schwer verdiente Mittagspause. Um 16.00 Uhr geht das Leben mit diesem Blog und weiterem Telefonat weiter.

Gehobene Nachbarschaft

Gegen 19.00 Uhr gehen wir an die Rezeption, wo wir unsere Räder seitlich zum Laden versteckt haben. Wir scherzen mit der Rezeptionistin, geben ihr das Netzteil zum Aufpassen und fahren mit frisch geladenen Akkus in Richtung Centre villeWo genau wir reserviert haben, ist plötzlich nicht mehr genau nachzuvollziehen, denn im Ort gibt es zwei Restaurants, die mit L'Atélier anfangen. Deshalb halten wir einfach mal hier, fragen nach und stellen fest, dass wir an der richtigen Adresse sind.

Die Chefin versteht ihren Job und gibt sich Mühe mit uns, um 19,30 Uhr sind wir die einzigen Gäste. Die Gattin entscheidet sich für Croustillant de chèvre und Salade Atelier, der Gatte für längliche Muscheln, deren Namen er nicht mehr weiß und das japanisch gewürzte Tartare de boeuf. Als Dessert gibt es ein Nougat glacé maison und eine sehr gute Dame blanche

Getränke gibt es auch: einen Pineau des Charentes, einen Vieux Pineau de l'Île de Ré, eine Flasche Sancerre und vier Liter Wasser.

Feine Adresse an der Hauptstraße

Nach dem Essen fahren wir schnell noch ans nördliche Ende der Strandpromenade. Wir suchen die webcam des Ortes und finden einen guten Platz, von dem aus wir morgen unseren Lieben daheim zuwinken können.

Danach fahren wir zurück zum Hotel, stellen die Räder in einem günstigen Moment und vor allem unbemerkt wieder seitlich in die Lobby und nehmen noch ein Gläschen Weisswein von der Ile d'Oléron auf der oberen Terrasse.

Danach ist Schluss für heute.

Strandleben nach 22.00 Uhr – the tide is high

Déjà-vu 2026 | 20. Juni 2026 – Von Hybrid zu Hybrid

Unser hybrider Fluchthelfer

Die Menschen aus dem australischen Bus sind auch noch da. Die Herren tragen sehr gerne, einige vielleicht sogar ständig, ein T-Shirt, das aussieht wie ein AC/DC-Tour-T-Shirt. Bestimmt  waschen sie es abends aus, wie wir unsere Trikots.

Heute schaue ich meinen Mitfrühstückern dabei zu, wie sie bei der Bedienung von Besteck und anderen Werkzeugen rund ums Essen scheitern. Und dann ist da noch die junge Frau, die mit dem rechten Bein, das sie übers linke geschlagen hat, unterm Tisch zwanghaft nach vorne tritt. Ihr Begleiter sitzt ihr gegenüber, leicht nach links versetzt. Wahrscheinlich hat sie ihn im Laufe ihres Zusammensitzens schon ein paar Mal erwischt.

Modame geht aufs Zimmer, ich hole einen Chariot. Zwei etwa dreißigjährige Frauen sprechen mich an, loben meinen Akzent, ich erröte.

Parkdeck mit Ausblick

Wir packen schön, machen alles fertig . Im Aufzug begrüßen uns die beiden Frauen von vorhin. Ist das noch Zufall oder schon Fügung?

Vom Hotel geht es mit den Rädern zu Avis, um dort das hoffentlich bereit stehende, große Auto abzuholen. Leider leitet das Navigationssystem nicht zu den Autoverleihstationen, sondern auf den Bahnhofsvorplatz. Da wir nicht recht wissen, wohin, fragen wir das sechsköpfige Security-Team, das auf dem Vorplatz patrouilliert.

Einer der Herren antwortet Englisch, ich lehne das unter Hinweis auf den geografischen Standort ab, sein Kollege findet den Hinweis sehr erfreulich. Da Saint-Jean ein ziemlich großer Bahnhof ist, hat man vom falschen Ausgangspunkt einen ziemlich langen Weg vor sich. Heute brauchen wir mit den Rädern rund zehn Minuten, bis wir an die Rampe kommen, die wir vor ein paar Jahren direkt runterkamen.

Früher war alles viel einfacher und viel besser.

Avis ist gut auf uns vorbereitet. Es ist alles bezahlt, wir bekommen den Vertrag, die Schlüssel und ein Ticket für die Ausfahrt aus dem Parkhaus. Am Fahrstuhl steht Avis im 4. Stock, tatsächlich steht das pechschwarze Auto im 6. Stock auf dem sonnigen Parkdeck, und wir stören einen SDF, der im Treppenhaus neben dem Fahrstuhlschacht lagert.

In der brütenden Hitze von Bordeaux schauen wir uns erstmal das Auto an. Schrammen? Beschädigungen? Wir sehen nichts, weil das Fahrzeug nicht frisch gewaschen, sondern von staubigen Wassertropfen auf schwarzem Grund überzogen ist. Dann der technische Part: Wie geht's so ein Automatik-Auto überhaupt? Ich bin da fein raus und sehr froh, eine erfahrene, mir mehr als 30 Jahre Führerschein und Fahrpraxis voraushabende Ehefrau an meiner Seite zu wissen. Deshalb muss sie sich um all den Scheiß kümmern und nicht ich.


Aus der Zeit, als Beton noch als Zuzkunft galt

Dann legen wir erstmal unsere Räder rein. Das ist schwierig, wenn man das Auto nicht kennt, aber wir haben es hingekriegt. Danach fahren wir langsam durch dieses Parkhaus nach unten und denken an den Junior, der neulich in München 
vernünftigerweise auf das große Auto verzichtete. Aber wir haben keinen Twingo, auf den wir ausweichen könnten.

Google führt uns anschließend durch die engsten Gassen der Bordelaiser Innenstadt zum Hotel zurück: 90 Grad Abbiegung links, 90 Grad Abbiegung rechts, hier kommt ein Fahrrad entgegen, dort steht einer schräg aus seinem Parkplatz heraus – wie bereits gesagt: Ich habe diese Ehefrau, die das alles meistert.

Zurück im Hotel müssen wir das Zimmermädchen bitten, unsere Tür zu öffnen, die Karte wurde bereits deaktiviert. Unten räumen wir erst nochmal alles aus, denn wir wollen ja noch zu Auchan, um Wein und eventuell eine Glacière zu 
kaufen. Nach Abschluss aller Versuche wissen wir: Unter den gegebenen Umständen ist das unrealistisch.

Ich bringe den Chariot wieder rein, sage auf Wiedersehen und sehe, wie sich vor dem Hoteleingang eine Gruppe junger Frauen umarmt. Ich bin innerlich schon auf dem Weg in ihre Richtung, da sehe ich den Blick der Gattin. Ich sehe ferner, dass die beiden Aufzug-Frauen Teil der Fünfergruppe sind. Es wird Zeit, abzureisen.

So geht es also ohne Wein weiter. Zuerst auf die A10, um kurz nach 13.00 Uhr machen wir Pause an der Aire de Saugon Ouest. Die ist sehr gut besucht, denn viele Menschen in unserem Alter haben beschlossen, hier ihre Mittagspause zu verbringen. Es ist heiß wie Sau, aber so ist das halt im Sommer.

Das Raumschiff hebt ab

Wenig später fahren wir bei Mirambeau auf die D730, der wir bis Cozes folgen. Besonders sehenswert ist die Landstraße nicht, sind die Orte nicht, und auch von dem Marais, das wir durchqueren, sehen wir nichts. Google leitet uns an Stellen, an denen die Straße einfach aufhört, da muss ich dieser fahrtüchtigen Ehefrau manchmal helfen, dass sie den Weg findet.

Um kurz nach 16.00 Uhr erreichen wir unser Hotel. Der Parkplatz ist gerammelt voll, die Damenwelt der Region frönt für 40 Euro Eintritt dem Thalasso. Wir empfinden 28 Grad und leichte Meeresbrise als ziemlich kühl. Madame will trotzdem sofort ins Schwimmbad, es gibt hier mehrere. Wir nehmen das kleinste, in den anderen stehen die Thalasso-Frauen und lassen sich besprudeln.

Letzter Sonnengruß im Thalasso-Paradies

Vor dem Abendessen telefonieren wir noch kurz mit Teutonien, um kurz vor halb acht gehen wir mit einem geliehenen Regenschirm (!!) in Richtung Strandpromenade. Unser Tisch wartet etwa zwanzig Minuten entfernt auf uns. Wir feiern den Start unseres Badeurlaubs mit einem Fläschchen aus Ludes, dazu gibt es eine Terrine campagnarde, eine Assiette coquillages et crustaces sowie den Thon tataki und das Faux filet. Am Ende teilen wir uns noch ein Mi-cuit chocolat noir.

Das Restaurant macht jetzt zwei Tage Pause, wir suchen entlang der Promenade noch kurz und ohne Ergebnis nach einer Alternative. Morgen gehen wir ins Meer. Am Dienstag kommen wir wieder.

Stadtverkehr

Freitag, 19. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 19. Juni 2026 – „Où est la sauce?“

Hier bekommt Wasserspiegel eine ganz neue Bedeutung

Wir schlafen ein Stündchen länger, es gibt ja nichts zu tun. Madame hat leichten Schwindel, die Hitze von gestern hat wohl Spuren hinterlassen. Gehen wir also erstmal einen Café trinken und frühstücken.

Das Frühstück gibt's im ersten Stock, um uns herum sitzen viele Spanisch sprechende Menschen, mir fällt auf, dass ich lange nicht mehr an Duolingo gedacht habe. Das Angebot wirkt üppig, wenn man genauer hinschaut, ist alles wie immer: Rührei aus der Tüte (aber mit Petersilie für die Optik), Schinken und Wurst zur Abwechslung mal nicht auf Platten, sondern in Schüsseln (da klebt alles besser zusammen), Croissants und Pains au chocolat ebenfalls verklebt.

Positiv stimmt das Müsli, noch positiver die Brioche vendéenne. Sie ist schön groß und super-fluffig geraten. Wir machen uns aus purer Gewohnheit noch ein belegtes Baguette für die Mittagspause.

Sommerliche Stimmung vor der Cathédrale Saint-André de Bordeaux

Es ist immer wieder interessant zu sehen, dass einige Gäste offensichtlich meinen, sie dürften nur ein Mal ans Büffet und sich deshalb praktisch das gesamte Angebot auf den dafür viel zu kleinen Teller laden. Ebenso wiederkehrend ist das Bild der jungen Mitarbeiterin, die beim neu Eindecken der Tische jedes Besteckteil gezielt an den Stellen anfasst, die sich der Gast später in den Mund schieben wird. Apropos 'Stellen': Die recht schönen Teller sind in großer Zahl angestoßen, die Ränder an vielen Stellen abgeplatzt.

Wir gehen nach dem Frühstück in die Stadt. Die Temperatur liegt noch unter 30 Grad, da kann man noch schön flanieren. Zuerst flanieren wir zu H&M, wo ich ein (fast) Leinenhemd für unter 30 Euro finde und Mo ihre textilen Bestände um ein T-Shirt und drei Unterhosen erweitert. Nicht weit entfernt finden wir eine Apotheke, in der wir einen günstigen Nachfüllpack Creme und ein Sonderangebot von Keops finden.

Suchbild

Leicht beladen geht es hinunter zum Miroir d'eau, der gut besucht, dessen Wasserspiegel aber kaum wahrnehmbar ist. Dafür – und vielleicht gibt es sogar einen Zusammenhang – liegt die Temperatur inzwischen bei deutlich über 30 Grad, und jede Bewegung ist eine Bewegung zu viel.

In den Fußgängerbereichen der Innenstadt sehen wir einige Bettler. Einer hat wohl erkannt, dass das Mitführen von Hunden die Spendenbereitschaft und die Erträge erhöht. Da er aber über keinen verwendbaren Hund verfügt, hat er ein Stofftier vor sich platziert. Dass diese Maßnahme wirklich den gewünschten Effekt erzielt, darf man bezweifeln.

Eine andere Erkenntnis liefern zwei eindeutig Drogenabhängige. Sowohl der Mann als auch die Frau tragen kurze Hosen und T-Shirts, so dass man sehr gut die dünnen Arme und Beine sehen kann. An ihnen lässt sich auch für einen Laien ablesen, wie Drogen den Körper auszehren.

Wir machen uns auf den Rückweg. Im Café einer Trattoria bekommen wir trotz Mittagszeit problemlos zwei sehr gute Caffè, verbunden mit dem Hinweis, dass es hinten, neben der Küche, eine Quelle für kostenloses Wasser gibt. Die Temperatur steigt gnadenlos weiter, wir machen einen Zwischenstopp bei Auchan im Mériadeck, wo wir morgen noch ein paar Flaschen Wein in unseren Kombi stopfen wollen.

Gleich gibt's Caffè

Im Hotel ziehen wir uns kurz um und machen uns danach an die Reinigung der Räder. Einen Gartenschlauch gibt es dafür leider nicht, aber der Kollege an der Rezeption hat uns einen großen Eimer mit Wasser und Reinigungsmittel in den kleinen Hof gestellt. Die Sache dauert keine Viertelstunde, und wir haben zwei neue Wörter gelernt: tuyeau und sceau. Interessant, dass zwei Dinge, die mit Wasser zu tun haben, im Französischen tatsächlich mit eau aufhören.

Oben im Zimmer machen wir Pause, um halb sechs gibt's Café, und dann ist ja bald Zeit fürs Abendessen. Dafür müssen wir natürlich wieder in die Stadt. Und in die Hitze.

Die Repräsentantin des Museums der Schönen Künste

Unser Weg führt uns entlang der Mériadeck-Betonwüste gen Osten. Wir sehen wenig einladende Seitenstraßen und liebevoll renovierte Stadtpalais, große Parks und Plätze, die dringend einer Revitalisierung bedürften. Unser Ziel liegt in einer kleinen Seitenstraße, schräg gegenüber befindet sich ein Sex Shop, daneben Le dragon doré.

So fängt ein besonderes Menü an

So hört es auf

Um kurz vor 20.00 Uhr öffnen wir die Tür, an einem Tisch sitzen zwei Herren, die Dame, die uns empfängt überlässt uns die Wahl des Tisches. Wir setzen uns ganz weit weg vom Trubel des Restaurants und entscheiden uns für das Fünf-Gang-Menü. Was genau wir da gegessen haben, können wir nicht beschreiben, aber es war eine Erfahrung.

Der Mann am Herd kocht allein, er spielt mit dem Essen, er spielt mit den Gästen. Und er zaubert Speisen auf die Teller, die man sonstwo lange suchen muss. Für uns ist das ein bisschen zu viel, obwohl der Ideenreichtum tatsächlich verblüfft: Wir folgen der französischen Variante von Hänsel und Gretel durch den Wald zum Hexenhäuschen, die Sauce für den Roten Knurrhahn brennt vor ihrem Einsatz auf unseren Tellern als Futter für die Kerze auf unserem Tisch und am Ende dreht Tschaikowskis Nussknacker seine Pirouetten für uns.

Gegen 22.00 Uhr ist der Spaß vorbei, wir machen uns auf den Rückweg durchs heiße, nächtliche Bordeaux. Ab morgen machen wir Badeurlaub am Atlantik.

Das Wochenende kann kommen

Déjà-vu 2026 | 18. Juni 2026 – Halb schob er sie, halb rollt' sie hin

Heiße Nacht, große Oper

Auf der letzten Etappe der Tour de France trinken die Gewinner der drei individuellen Wertungen immer fotowirksam zusammen Champagner. Das machen wir nicht, wir sind ja nur zu zweit. Aber wir gönnen uns mittags 2x Plat du jour in La Brède.

Aber der Reihe nach:

Wir wachen um sieben auf. Madame ist noch müde, weil sie nicht gut geschlafen hat. Es war recht warm, aber wir hatten die Klimaanlage ausgeschaltet. Im EG gibt es um 7:45 Uhr ein richtig gutes französisches Frühstück. Der große Tisch ist für vier Personen eingedeckt, es ist noch ein französisches Fahrrad-Pärchen im Haus. Auf jeder Hälfte des Tisches stehen zwei Eier, zwei Baguette, verschiedene Käse, Orangensaft, vier kleine Gläschen selbstgemachte Marmelade und sehr feine Butter. Heißgetränke gibt es nach Wunsch.


Natürlich kommt man mit den Franzosen ins Gespräch, weil die sind auch mit dem Fahrrad da, und dann beginnt dieses Woher-wohin und Wie-lange-Gespräch. Für uns wird es interessant als sie nach der Stromversorgung fragen. Unsere Räder sähen doch gar nicht aus wie elektrische Fahrräder. Das geht runter wie Öl, und wir erzählen, wie das so ist mit den kleinen Motoren und Batterien. Dann sagt er, dass seine Frau oder Freundin auf jeden Fall weiter Bio-Rad fahren will, und ich meine, dass sich das mit dem Alter ändern kann.

Wir wünschen einander gute Fahrt, vielleicht sieht man sich ja nochmal unterwegs. Um Viertel nach neun fahren wir los, sind schnell wieder am Kanal und folgen ihm bis fünf Kilometer vor Langon. Weiter geht es durch Felder und Weinanbau, nach etwa einer Stunde erreichen wir die Stadt.

Abschied vom Kanal, das Meer ruft

Von dort geht es auf einer größeren, gut besuchten Landstraße fast zwei Kilometer heftig bergab, dann werden wir auf der D109 durch die Anbaugebiete Sauternes und Graves in Richtung La Brède geführt. Um 11:59 Uhr biegen wir nach rechts ab auf den kleinen Place Montesqieu, auf dem wir vor 14 Jahren mit Norwegern gesessen und 
vom Austernmann an der Ecke unsere erste gemeinsame Austernplatte geholt und verspeist haben.

Langon – hier ist der Kanal am Anfang oder am Ende

Der Platz hat sich sehr verändert, die Bäume wurden wohl irgendwann auf eine Höhe von etwa zwei Meter gekürzt, und die neuen, entsprechend niedrigeren Kronen spenden weniger Schatten als zuvor. Das Montesqieu-Denkmal ist nicht mehr grau-schwarz, sondern strahlt wie frisch gewaschen. Und wo früher eine kleine Parkanlage war, hat heute das Restaurant gegenüber seine Terrasse.

Genau dort sitzen wir zur Plat du jour. Es gibt Grillade de légumes, Fish 'n Chips und Panna cotta. Die Terrasse füllt sich, der Service bringt immer neue Carafes d'eau. Wunderbar.

Montesqieu, frisch gewaschen

Um 13.00 Uhr geht es weiter. Komoot sagt, es sind noch etwas mehr als 20 Kilometer. Wir schalten auf Stufe 3.

Der Wein steht jetzt über weite Flächen in Reih und Glied, ab Léognan reicht das Anbaugebiet bis fast in die Innenstadt. Wir folgen einem durchaus verbesserungsfähigen Radweg, der sich entlang immer stärker befahrener Straßen aus dem südlichem Umland bis ins Zentrum zieht. Die Autofahrer sehen den Verkehr als Beispiel einer séléction naturelle, als ich eine aus einer rechten Nebenstraße kommende Fahrerin mittels lautem „Stop!“ zum Stehen bringe, ruft sie etwas zurück, das mit cycliste aufhört. Den Anfang möchte ich gar nicht wissen.

Kleine Pflanzen, große Gewächse, rive gauche

Der Radweg wird irgendwann zur Busspur, die wir mit dem Namensgeber und dem Taxigewerbe teilen. An der Ampel steht vor uns eine enddreißigjährige Französin. Eine kleine Frau, schmaler Körper, die Haare hinten am Kopf zusammengebunden. Sie trägt ein kurzes, schwarzes Kleid mit großen, weißen Punkten und Sandalen mit etwa neun Zentimeter hohen Pfennigabsätzen. Wenn die Ampel grün wird, setzt sie sich in Bewegung und knattert mit gleicher Geschwindigkeit wie ich 
vorneweg. Als sie abbiegen muss, hält sie den linken Arm raus, guckt nicht nach hinten und wechselt die Spur. Das ist ein großes Maß an Gottvertrauen. Vielleicht lernt man das in einer Stadt wie Bordeaux mit den Jahren.

Unser Hotel haben wir vor drei Jahren mit den Worten „Da kann man doch nicht wohnen“ klassifiziert, jetzt haben wir es für zwei Tage gebucht. Alles rund um das Stadtentwicklungs-Projekt Mériadeck ist hässlich wie die Nacht finster. Und die Hoteldichte drumherum liegt bei gefühlten 120 Prozent.

Wir checken ein, stellen die Räder in den kleinen Innenhof und müssen etwa eine Dreiviertelstunde auf den Zugang zum Zimmer warten. Parallel kommt ein großer Reisebus voller Australier vor dem Hotel an. Sie blockieren zunächst die Rezeption, dann die beiden Aufzüge.

Wo der Brutalismus wohnt

Ich frage die freundliche Rezeptionistin, ob sie vielleicht noch einen ascenseur caché hat. Sie grinst und sagt: „Suivez-moi.“ Wir folgen ihr mit unserem Gepäckwagen durch schmale Gänge hinter der Rezeption zum Personal- und Wäscheaufzug. Sie fährt mit und führt uns zu unserem Zimmer. Mo ist sprachlos, ich sehe: Nur wer's probiert, kann etwas erreichen.

Wir duschen, waschen, reservieren Restaurants für heute und morgen und legen uns hin. Die Temperatur hat inzwischen 35 Grad erreicht. Um 18.00 Uhr wachen wir auf, machen uns stadtfein und gehen gegen halb sieben los.

Ab Samstag haben wir ein Auto, da können wir unseren minimalistischen Kleiderschrank eventuell sommerlich ergänzen. Zuerst besuchen wir meinen Unterhosen-Ausrüster, aber die Angebote entsprechen nicht meinen finanziellen Vorstellungen. Danach schauen wir bei Uniqlo rein, wo Madame ein Kleid und eine leichte Hose für die kommende Hitzewelle ersteht.

Hinein ins Einkaufserlebnis

Ich schaue inzwischen einer anderen Kundin zu, die die Treppe von den Umkleidekabinen hinuntergeht, dabei stolpert, das mitgeführte Kaufobjekt fallen lässt und es am Ende der Stufen gerade so in die aufrechte Position schafft. Ich folge ihrem missmutigen Blick nach unten und sehe mit ihr, dass die Schnürsenkel beider Schuhe offen sind und links und rechts auf dem Boden liegen. Sie schaut sie strafend an, tut aber nichts, um die Gefahr zu bannen, sondern setzt einfach ihren Weg durch den Laden fort.

Wir gehen auch bald wieder, diesmal zu den Galeries Lafayette, wo es unseren Deostick beim letzten Mal deutlich günstiger gab als in Deutschland. Daran hat sich nichts geändert, wir nehmen einen mit. Das Hemd, das mir schon in Chalon-sur-Saône sehr gut gefallen hat, gibt es hier auch. Der Preis ist mir immer noch zu hoch.

Inzwischen ist es fast 20.00 Uhr, die Läden schließen gleich oder haben längst geschlossen. Und wir sind zum Abendessen verabredet. Draußen sitzen möchten wir nicht, einerseits wegen der Temperatur, andererseits weil die schmale Gasse zum Restaurant stinkt wie ein lange nicht geputztes Pissoir.

Rechts der Leiter besagter Touristengruppe

Wie vorhin im Hotel, ist auch hier zeitgleich mit uns eine Touristengruppe eingetroffen. Anders als vorhin im Hotel, hat sie nicht reserviert. Das führt zu längeren Diskussionen mit der die Gäste empfangenden Dame, wir passen einen passenden Moment ab und schieben uns zwischen die Diskutanten.

Im Lokal sichern wir uns einen Tisch neben einem der Fenster. Eine Klimaanlage gibt es nicht, aber auf diese Weise zieht die Luft zumindest ein bisschen durch. Das Essen ist gut, die Hütte voll, trotzdem sind wir enttäuscht, denn mit Bouchon hatten wir – so, wie in Lyon – eine einfache, lokale Küche verbunden. Das wäre ein schöner Kontrast zu morgen gewesen, ist aber leider nicht so.

Es wird Nacht in Bordeaux, und viele wollen dabeisein

Mit dem Wein sind wir auch unglücklich. Nachdem schon der Crémant zu rosinig war, ist die Empfehlung des Sommeliers ebenfalls zu floral. Wir hatten ihm genau gesagt, was wir wollten, aber er wollte es wohl nicht verstehen, um mit der Flasche ein paar Euro mehr Umsatz zu machen.

Um 22.00 Uhr machen wir uns auf den Rückweg, ein kleiner Umweg über die Oper ist noch drin, mehr nicht. Die Stadt hat sich frischgemacht für die Nacht.

Letzte Etappe mit dem Rad, der Tacho steht bei 1.968 Kilometer

Mittwoch, 17. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 17. Juni 2026 – 65 Kilometer durch die Kathedrale

Eine noble Herberge

Aufstehen um kurz nach sieben, Frühstück um kurz nach halb acht. Erster Schreck des Tages: Die Wäsche ist nicht so trocken geworden, wie wir das gewöhnt sind. Heute haben wir in vielen Kleidungsstücken noch eine deutliche Restfeuchte, da müssen wir sehen, wie wir die Sachen einpacken.

Die Musik macht dort weiter, wo Madame sie gestern Abend abgewürgt hat. Wie kommen noch nicht einmal fünfzigjährige Menschen darauf, ihren Gästen Streaming-Playlists der Fünfziger und Sechziger Jahre mit Schwerlast Rolling Stones und Credence Clearwater Revival zum Frühstück zuzumuten?

Egal, wir frühstücken mit den Kindern des Hauses. Sie sitzen zwei Tische weiter und sehen aus, als wären sie die Kinder aus erster Ehe der Chefin. Noch ein paar Anmerkungen zum Frühstück selbst. Der Café ist dünn, das Rührei aus der Packung, obwohl der angeheiratete Chef sagt, es wären Oeufs bruillés maison. Das Brot gibt es nur in vorgeschnittenen Stücken – drei Gäste kommen rein, die Chefin folgt kurz darauf mit sechs Abschnitten. Der Joghurt ist entrahmt, das Müsli kein Müsli. Insgesamt also nicht so, dass wir sagen, dieses war das beste Frühstück der Reise.

The race is on

Um 9.20 Uhr schalten wir auf Stufe 3 – die Räder fahren jetzt praktisch von allein – und machen uns auf den Weg an den Kanal. Wir fahren ein in eine Kathedrale der Bäume, deren Kronen den Weg wie ein nichtendenwollendes Kreuzgewölbe überspannen. Natürlich gibt es zwischendurch mal kurze Unterbrechungen, z.B. an Schleusen, Brücken, Straßenübergängen, aber der Gesamteindruck festigt sich auf rund 65 Kilometern.

Irgendwo verdirbt uns ein holländisches Pärchen den Schnitt. Die beiden sind um die 50, haben Top-Figuren und fahren 
sehr eingespielt. Für mein Gefühl hängt sie zu eng auf ihm drauf. Das spricht für ihr Vertrauen in ihn und in ihre eigene Fähigkeit, das Rad bei Bedarf sehr schnell zum Stillstand zu bringen. Ich könnte das so nicht. Zumal sie mit Blick auf den Zustand des Weges, auf dem sie da fuhren, eigentlich zu schnell unterwegs waren.

Beste Wohnlage am Kanal

Nach Zuckerpause und Biopause steht die Mittagspause an. Die machen wir um 12.20 Uhr nach knapp 60 Kilometern an der Halte nautique hinter Meilhan-sur Garonne. Tische und Stühle stehen reichlich bereit, leider hat das kleine Lädchen geschlossen. Wir setzen uns hin und essen das, was wir noch haben: zwei hart gekochte Eier, ein kleines belegtes Baguette, ein Stück Comté und ein paar Nüsschen.

Während wir sitzen, kommt ein Radfahrer vorbei, den wir gestern schon gesehen haben und der uns auffiel, weil er mal schob und mal fuhr. Und weil er die Sachen auf seinem Anhänger mit einer Folie bedeckt hatte, die aussah wie ein PV-Panel, er aber stromfrei fuhr.

Mittagspause mit Schiff, oder umgekehrt

Er kommt also zu uns und fragt uns wegen des Weges. Wir sagen ihm, dass der Weg eigentlich auf der anderen Seite verläuft, aber wegen der Baumaßnahme an der Brücke gäbe es eine Umleitung. Die, sagt er, hat er auch gesehen, und er sei ihr auch schon gefolgt, aber es gibt keine weiteren Zeichen. Also zeigen wir ihm auf Komoot, wo der Umweg eigentlich laufen müsste. Und ich sage ihm, dass er auch einfach über die Brücke fahren könne, während die Handwerker Mittagspause machen. Das will er nicht, er will auf uns warten und hinter uns her in Richtung Bordeaux fahren. Kurz darauf ist er wieder da, spricht jetzt Englisch und sagt, er würde jetzt doch fahren, und dann sehen wir, wie er über die Brücke und auf der anderen Seite weiterfährt.

Wir essen in Ruhe zu Ende. Es kommt noch ein weiteres Pärchen, das seine Räder abstellt und sich auch an einen der Tische setzt. Dann schiebt sich ein stattlicher Segler mit abgeklapptem Mast vorbei, und plötzlich springt der Mann auf und stößt sehr ungewöhnliche Laute aus. Vom Schiff winkt man zurück. Er dreht sich zu uns und erläutert, dass er und seine Frau mit den Leuten auf dem Schiff in Kontakt gekommen und dass diese Australier seien. Und dass sie aus Australien in 14 Monaten hierher gesegelt und jetzt auf dem Weg nach England seien.

Wir Langweiler sind heute in die fünfte Woche gestartet.

Die natürlichste Sache der Welt

Als wir mit dem Essen fertig sind, haben 
auch die Handwerker zu Ende gegessen. Das heißt: Wir können nicht mehr über die Brücke fahren, sondern folgen dem Umleitungsschild. Der Weg verläuft genau so, wie wir es dem PV-Schieber erklärt hatten, ein passendes Schild gibt es auch (er hatte nicht weit genug nach unten gescrollt). Inzwischen haben wir 35 Grad im Schatten.

Auf dem Radweg kommen wir nach schattiger Fahrt nach La Réole, wo wir gerne noch einen Café getrunken hätten. Beim Italiener, der ein Franzose ist, gibt es zur Mittagszeit ohne Essen keinen Café. Da sagen wir dankeschön, fahren weiter und kommen kurz darauf an einer kleinen Boulangerie vorbei, die uns gerne zwei Noisette und zwei Tartes verkauft, eine aux pommes und eine aux framboises.

Ein kleines Paradies nicht weit von Bordeaux

Komoot führt uns zielsicher zu unserer heutigen Bleibe. Wir finden das Haus und klingeln, aber es antwortet niemand. Irgendwann habe ich den Mut, einfach mal auf die Klinke zu drücken, und, siehe da, die Tür geht auf. Kaum ist die Tür offen, kommt Françoise, unsere Vermieterin, die Treppe herunter. Anfangs ist sie ein bisschen unwirsch, weil wir wohl irgendwas gesagt oder falsch gemacht haben. Aber irgendwie taut sie langsam auf, und dann sagt sie, wir könnten auch Deutsch sprechen.

Sie hat lange in Deutschland und Österreich gearbeitet und führt uns durch ihr schönes, großes, altes Haus zu unseren Gemächern. Das Haus hat einen noblen Hintergrund und ist ein absoluter Hammer. Sie hat es in einem sehr schönen Zustand erhalten oder in einen schöneren Zustand versetzt. Unser Zimmer hat etwa 25 Quadratmeter, einen Vorraum mit Küche und Esstisch, ein kleines Bad und eine Toilette. Die Fenster sind alle schön zugemacht, damit die Hitze draußen bleibt, und das Ganze kostet inkl. Frühstück unter 100 Euro.

Ein Ort, an dem man sich heimisch fühlt

Zum Essen schickt sie uns zum Italiener. Er liegt in einer ruhigen Straße, rundum stehen einige Häuser zum Verkauf.

Über die Tochter des capo kommen wir ins Gespräch, den Rest des Abends geht es mehrsprachig und vor allem durcheinander um Essen, Trinken, Charakter, Tourismus und was man sonst noch zwischen Küche und Teller unterbringen kann.

Es ist nicht das Meer, das im Hintergrund scheint

Zum Apéritif gibt es einen Spritz mit hausgemachtem Holunderblüten-Sirup, den die vier Engländerinnen am Nachbartisch nicht angeboten bekommen. Als Vorspeise eine Parmigiana und zwei Barchette di verdure. Hauptspeisen sind Fusilli rosso und Risofreddo verde. Das Kirsch-Eis zum Abschluss ist ein weiterer Hammer des Tages.

Um 22.00 Uhr gehen wir zurück ins Haus – Bordeaux, wir kommen!

Wir haben die Gironde erreicht