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| Hier funktioniert das Zusammenspiel von Romantik, Farben, Bäumen und Lebensgefühl noch |
Das Frühstück im Hotel ist richtig mies. Zu wenig von allem, keine Qualität und ein scheiß Ambiente. Kurz: alles, was man sich nicht wünscht.
Wir packen, gehen raus und ich frage die Gattin, ob sie denn alles aus dem Safe genommen hat. Sie guckt nochmal nach und findet eine Brieftasche, die etwa 5.000 Euro in Hundertern enthält. Damit wäre unsere Reise zu einem nicht unerheblichen Teil finanziert, aber wir sind relativ ehrliche Menschen und möchten dem Vergesser des Geldes eine Freude machen. Also überlege ich, wie wir verhindern können, dass sich irgendwer im Hause die Kohle unter den im gleichnamigen Studio fein gemachten Nagel reißt.
An der Rezeption dürchwühle ich die Brieftasche deshalb nochmal und finde die Nummer eines Labors für Blutwerte. Dort rufe ich an, schildere das Problem und bekomme von meiner Gesprächspartnerin tatsächlich die Mobilnummer des Herrn, dessen Name auf dem Blutwertepass steht. Ich lerne: Datenschutz ist in Frankreich ein hohes Gut.
Der Vergesser leitet mich auf seine messagerie um, ich erzähle ihr, wer ich bin, wie ich dazu komme, ihn anzurufen, woher ich die Rufnummer habe und dass es um ein dickes Bündel Geldscheine geht, das ihm gehört. Die Kollegin an der Rezeption muss mich die ganze Zeit loben, aber ihre Augen sagen mir: „Du Idiot. wieso bringst du uns hier um diese Menge Geldes, mit dem wir uns ein super Wochenende machen könnten?“
Egal, wir möchten niemand etwas unterstellen, packen unsere Siebensachen, und da kommt sie nochmal rausgerannt und sagt, dass der Vergessliche am Apparat ist und mich sprechen möchte. Also gehe ich rein und spreche nochmal kurz mit ihm. Er bedankt sich und sagt, dass ich ihm bitte unseren Namen und die Adresse schicken möge. Er wolle sich, wenn das Geld wieder in seinem Besitz ist, nochmal bei mir melden.
Danach können wir endlich losfahren.
Um Zeit zu sparen und abzukürzen, lassen wir die Radwege links liegen und fahren auf der Straße. Das heißt: Hinter uns stauen sich immer wieder mal zwei, drei Autos, die nicht an uns vorbeikommen. Wenn sie es dann schaffen, erklären uns einige von ihnen, dass wir auf dem Radweg fahren sollten bzw. müssten. Das nenne ich aufmerksame Gastgeber.
Zwischen Kilometer 12 und 16 reiht sich ein Campingplatz an den nächsten und jeder versucht, den anderen in Sachen Hässlichkeit, Kinderbespaßung mit Bauwerken usw. zu übertreffen. Dann geht es ziemlich hin und her auf schlechtem Boden und aufgerissenen Straßen. Sobald die Straße besser wird, kann man davon ausgehen, dass Autos darauf fahren. So erkennt man die Prioritäten.
Nach ca. 35 Kilometern erreichen wir Beziers, finden einen kleinen Supermarché und decken uns mit dem Nötigsten ein. Die weitere Streckenführung ist unübersichtlich, aber wir finden sie nach einiger Zeit und folgen dem Radweg nach Colombiers. Dort gibt's Mittagessen auf einer schattigen Bank im Zentrum, danach geht es weiter in Richtung Poilhes. Der Radweg wird immer mehr zum „möglicherweise“, die Landstraße zur Normalität.
Irgenwie entspricht das hier unserer Erinnerung an 2012. Damals war der Weg vom Regen durchgeweicht und quasi unpassierbar. Heute ist er von Sonne und Wind ausgetrocknet und staubig. Die fehlenden Bäume tragen ihren Teil dazu bei, keine Romantik aufkommen zu lassen. Die neuen Bäumchen werden lange brauchen, einige haben es nicht geschafft und viele sind vom Wind schon so schräg gestellt worden, dass sie an diesem Kanal niemals werden Schatten spenden können.
So kommen wir zügig nach Montenvac-en-Minervois, wo die Penichettes in Reihe am Ufer liegen und schöne Menschen im Rentenalter vom Mittagessen zurück zum Boot streben.
Wir haben nicht mehr weit nach Homps, wo wir unweit unseres Hotels von 2012 von deutschen Menschen eine schön gemachte FeWo für eine Nacht gemietet haben. Leider kommen wir erstmal nicht rein, weil wir zu zaghaft mit dem System umgehen. Aber dann klappt es, wir packen ab und spritzen erstmal unsere Pferdchen ab.
Danach überweisen wir die Miete, korrespondieren mit Monsieur Masson, der unser Verhältnis zu Champagner abfragt – eventuell ist er jüngster Spross der Champagner-Dynastie Masson und möchte uns zum Dank ein Fläschchen schicken. Eine Palette wäre auch nicht verkehrt, bei unserem Konsum.
Zum Abendessen gehen wir nur ein paar Schritte nach rechts. Der Garten ist gut befüllt, hier gibt es spanische Vorspeisen und Fleisch vom Grill (agneau und boeuf). Als Begleiter empfiehlt uns die überschminkte Mittvierzigerin einen lokalen Minervois, das ist eine gute Idee. Nachtisch lassen wir ausfallen, wir müssen ja noch den Chardonnay niedermachen, den unser Vermieter uns spendiert hat.
So landen wir alle früher oder später in der Horizontalen.
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| Knapp 90 Kilometer gegen den Wind |














































