![]() |
| Architektonische Überraschung in Montpellier |
Frühstück gibt's unten in der Halle. Als wir kommen, sind alle Tische gut besetzt. Auswahl und Qualität des Angebots sind begrenzt, mancher würde sagen: beschränken sich auf das Nötigste.
Wir halten es mit den englischen Damen, die sich beim Hotelchef beschweren: „The food was terrible and the portions too small,“ und machen uns je zwei belegte Brötchen für den Mittag. Die etwas absondserliche Art des Fliesenspiegels in unserem Bad hat man in den Eingangsbereich übernommen. Vom Bahnhof dringt die fröhliche Lautstärke der um die Ecke düsenden Straßenbahnen herüber.
Wir kommen gut aus der Stadt heraus. Einmal stehen wir an einer Ampel fälschlicherweise auf der Fußgängerspur. Nachdem die Gattin dies erkannt hat, schiebt sich eine agile Seniorin in Laufklamotten demonstrativ vor uns und weist uns auf den faux-pas hin. So eine blöde Kuh.
Der Weg ist schwierig heute. Es ist alles wahnsinnig hässlich hier. Natürlich gibt es ein paar alte Ortskerne, aber mit den Jahren ist diese riesige Infrastruktur geschaffen worden für Autofahrer, für Bootsbesitzer. Und als das alles fertig war, wurde eine Infrastruktur für Radfahrer gfeschaffen, die sich allerdings komplett an die bereits vorhandenen Strukturen anpassen musste. Das heißt: Wenn man eine Brücke überqueren will, fährt man vorher und nachher mehrere wilde Schleifen unter der Brücke durch links, nochmal unter der Brücke durch rechts und auf der anderen Seite genauso wieder runter.
Die Bebauung sieht hier genauso aus wie überall, wo jemand mal irgendwann eine Touristensiedlung gebaut hat oder hat bauen lassen Die Hässlichkeiten, von denen man gelernt hat, dass sie funktionieren, die baut man einfach überall wieder hin, weil man weiß, dass sie funktionieren, weil die Leute kommen und hinterher sagen, das es toll war.
Unser erster Eindruck ist eher, dass es stinkt es, weil viele der Wasserflächen im Sommer vertrocknen und dann ein beißender Geruch von Algenresten und Vogelscheiße die Luft verpestet. übrig.
Mittagessen gibt es um 12:30 Uhr vor einer Apotheke in Sète. Danach fahren wir auf einem schmalen Weg stur geradeaus am Meer entlang. Links stehen große Neubauten, und man nennt es Centre technical. Kurz darauf passieren wir eine große Kunstakademie, und so, wie die Lioneser ihre Markthalle nach dem einen benennen, benennen die Sétois ihre Kunstakademie nach dem anderen.
Hinter Sète geht es auf die Strecke am Strand – langweilig geradeaus, links die Düne vor dem Meer, rechts Parkplätze, Toiletten und eine Busspur. Bei unserem ersten und letzten Besuch im Hérault gab es neben der wesentlich schmaleren Route départemental nichts.
Irgendwo fahren wir fast in zwei ältere Teutonen, die uns bereits gestern auf dem Weg nach Montpellier negativ aufgefallen waren. Der ältere steht strategisch günstig und von einem hohen Oleanderbusch verdeckt in einer Rechtskurve. Meine Beschwerde kommentiert der jüngere mit Klatschen und blöden Sprüchen.
Mit jeder gefahrenen Minute nimmt der Westwind zu. Das kostet eigene und Akku-Kraft. Am Boulevard des volcans biegen wir von der Strand-Route ins städtische Gewirr ab. Jetz folgt die Erkenntnis, dass auch in Cap d'Agde der Verkehr bevorzugt für das Auto geplant wurde. Die Straßen sind eng, die Radwege teilweise unwegsam. Ein älterer Herr, der mit seiner Frau vor uns fährt, bremst nach einem Kreisverkehr abrupt ab und konstatiert, dass der Weg einfach nicht mehr weiter geht.
Die Rezeptionistin in unserem Hotel ist sehr kundenorient und recht knapp bekleidet. Etwas zu kurz sind auch ihre Kenntnisse des O'Logis-Treuprogramms geraten. Das Hotel selbst hat schon bessere Zeiten gesehen. Das hoffen wir zumindest, denn man sieht es ihm nicht an.
Wir lassen uns davon nicht die Freude verderben, ziehen uns um und gehen ins nahe Meer. Es ist etwa zehn Zentimeter hoch und unserer Meinung nach für die Jahreszeit viel zu kalt, trotzdem schreiten wir unverdrossen ein ganzes Stück weit hinein, bis es etwa 80 Zentimeter hoch ist und wir ein paar Züge schwimmen können.
Wieder draußen, spricht uns ein älteres Ehepaar auf die Temperatur und den Wind an. Wir antworten wahrheitsgemäß, gehen zurück ins Hotel und machen unsere Wäsche. Der Balkon lädt einfach dazu ein.
Am Abend müssen wir wieder ein ganzes Stück gehen: nach Grau d'Agde. Schon der Name lässt nichts Gutes ahnen, und die Realität steht dem Namen in nichts nach. Es ist so hässlich hier!
Überall steh'n diese Kisten für die Käfighaltung von Touristen – daraus sollte ich eventuell einen Sprechgesang-Hit entwickeln – die Mehrzahl der Fenster ist dunkel, die Markisen der Balkone sind zum Teil zerfetzt, die Rasenflächen (!!) befinden sich im Übergang von tot zu ganz tot.
Die Beköstigungsstationen nahe unseres Hotels sind bessere Frittenbuden, in Grau d'Agde gibt es eine Mail (das ist wohl frz. für Mall), auf der steht eine kleine Zeltstadt mit Stühlen und Tischen drin. So kann der Tourist draußen essen, ohne vom Winde verweht zu werden.
Wir gehen diese Mail fast bis ans Ende und finden Le Quai d'Eux, ein kleines Restaurant ohne Zelt. Der Chef kocht, die Chefin macht den Service, die Karte hat keine Bilder, nur Buchstaben und Zahlen. Unser Menu besteht aus Austern, Garnelen und Fischsuppe. Danach einmal Foie und einmal Tete de veau. Dazu lokalen Wein, zum Abschluss Profiteroles und einen Eisbecher mit Aprikosen- und Vanilleeis, dessen Konzept ich nicht verstehe.
Zurück im Hotel funktionieren alle Zugangscodes, und wir können schlafen gerhen.
![]() |
| 40 Kilometer hart am Wind |












































