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| In beiden Richtungen sehr zu empfehlen |
Heute ist Weltfahrradtag, da fahren wir erstmal 30 Kilometer mit dem Zug.
Wobei das nicht ganz richtig ist, erstmal stehen wir um sieben auf, frühstücken im Zimmer und machen uns reisefertig. Dann checken wir aus – die spröde Kollegin aus dem Osteuropäischen ist uns inzwischen sehr zugewandt und winkt schon fröhlich, wenn sie uns sieht – und fahren zum Bahnhof von Tournus.
Hier sieht es so aus, wie man es sich auch in Deutschland wünschen würde: sauber, aufgeräumt, funktional. Aber wir wissen ja schon seit 1974, dass das Wünschen nicht mehr hilft. Das Einsteigen funktioniert reibungslos, die Räder werden mit einem simplen Spanngummi fest fixiert, die Fahrt ist rasant. Beim Blick aus dem Fenster rast die Welt mit 120 Stundenkilometern vorbei, ein leichtes Schwindelgefühl kommt auf.
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| Ein letzter Blick auf Mâcon |
Vom Bahnhof Mâcon geht es ein Stückchen durch die Stadt, dann ein Stückchen über Felder und Wiesen, und plötzlich kommen wir in eine Ecke, die wie ein Naturschutzgebiet wirkt. Wir fragen einen Einheimischen, der das verneint, aber genau weiß, wie man die Voie bleue entlang der Saône beschreibt: magnifique!
Wir fahren, fahren, fahren, fahren – ist ja Weltfahrradtag – und passieren bei Thoissey einen großen Campingplatz mit Schwimmbad und Schiffsanleger. Wenn wir vorbeifahren, rufen die Vögel oft „vite, vite, vite“, und wir sind nicht sicher, ob es anfeuernd oder beschreibend gemeint ist. Nach einer kurzen Zuckerpause geht es weiter Richtung Montmerle.
Was uns unterwegs durch den Kopf geht, ist, dass wir das alles tatsächlich schon gesehen haben. Aber nicht als Rad-, sondern als Flusskreuzfahrer. Und weil das ganz andere Sicht auf Land und Leute bedeutet, erkennen wir absolut nichts wieder.
Montmerle ist ein stilles, sehr schön anzuschauendes Städtchen. Große Platanen spenden dem Bouleplatz Schatten, wir passieren Maisfelder, und auf bereits gemähten Wiesen liegen große Heuballen. Sie sind nicht in die üblichen Plastikfolien eingerollt, sondern in den Farben der Tricolore umwickelt. So weiß der Bauer, dass das Heu für seine Tiere wirklich zu 100 Prozent französischen Ursprungs ist.
Nach etwas mehr als 40 Kilometern machen wir bei Beauregard Mittagspause und schauen hinüber nach Villefranche-sur-Saône. Der dortige Bootsclub lässt seine Sportgeräte zu Wasser, wir teilen Baguette, Tomaten, Banane und schauen zu.
Bei Saint-Bernard sitzen Gott und die Welt an Tischen entlang des Ufers: ein junges Pärchen, eine Mutter mit drei Kindern, zwei Schüler, zwei komplett schwarz verschleierte Frauen, Nah- und Fernverkehrs-Radfahrer. Es ist wirklich unglaublich, wie die Leute das Angebot annehmen.
Ab Couzon-au-Mont-d'Or wird es dann ernst. Wir überqueren die Saône und fahren auf einen Radweg, der uns bis ins 9e Arrondissement von Lyon führt. Der Weg wurde einfach von der vorhandenen Schnellstraße abgeteilt und dient als Radschnellweg. Wer so fährt wie wir, dem kommen links die Raser entgegen, die auf dem Fahrrad aus der Stadt kommen, und rechts die Raser, die mit dem Auto aus der Stadt kommen. Ein bewegendes Gefühl!
Irgendwann erreichen wir den Tunnel de la Croix-Rousse, der den Stadtteil zwischen den beiden Flüssen durchquert. Fahrräder gucken in die eine Röhre, Autos in die andere. Am Ende erreichen wir La Part-Dieu im 3e Arrondissement, wo auch unser Hotel steht.
Zunächst einmal sind Hotels in Lyon an Wochentagen sehr teuer, da zahlt normalerweise die Firma. Unser Mercure mit seinen vier Sternen ist im Vergleich mit anderen halbwegs erträglich, wobei wir sicher sind, dass es gezielt gebaut und ausgestattet wurde, um exakt diese Klassifikation zu erreichen.
Bevor wir das Hotel sehen, sehen wir allerdings den „Bauch“ des Hotels. Denn dort müssen wir unsere Räder abstellen. Dieser Bereich ist für das Valet-Parking reserviert und ein rechtes Dreckloch. Hier tanzen nächtens garantiert nicht nur die Ratten. Und dann geht es für uns samt schwerem Gepäck auf verschlungenen Wegen über eklige Treppenhäuser vorbei an Werkstätten und der Küche wieder zurück in die Lobby.
Solche Ecken darf man Gästen nicht zeigen.
Wir stecken das irgendwie weg, nisten uns im Zimmer 105 ein und gehen erst um 19:00 wieder auf die Straße. Dort erwartet uns der neunte Fluss dieser Reise, die Rhône, und eine Stadt, wie wir sie nicht vermutet hätten. Mondän, voller Leute, voller Leben, voller Attraktionen – man weiß gar nicht, wo man zuerst hingucken soll. Und man fragt sich, wie es eine Stadt, die nur ca. 550.000 Einwohner hat, schafft, einen solchen Eindruck von Weltläufigkeit und Metropole zu erwecken. Und wie es das dörfliche Frankfurt geschafft hat, mit dieser Stadt eine Städtepartnerschaft zu schließen.
Abendessen gibt es dann zum Abschied mit Blick auf die Saône. Die Namenspatronin ist Teil der kulinarischen Tradition Lyons, und auch heute prägen zwei ältere Damen den Service und damit das Erscheinungsbild des Restaurants. Eine von ihnen nennt der Restaurantleiter „Mamie“.
Wir sitzen im ersten Stock am Fenster und können schön aufs Stadtleben schauen. Neben uns ein Fünfertisch voller Einkaufsbummler, die nach getaner Futterarbeit ihre zahlreichen Tüten rausschleppen. Hinter uns eine Gruppe von Deutschen, Franzosen und Asiaten, die einen Geschäftsabschluss feiern oder vorbereiten. Einer der Asiaten erklärt dem Bier trinkenden Deutschen, dass Bier ein Kennzeichen deutschen Lebensart ist.
Und was gibt's bei uns zu essen? 1x Croustillants de Langoustines, 1x Foie gras und 2x Gigot d’agneau. Dazu einen Crémant de Bourgogne, danach La Chartreuse und Le Chocolat. Unsere Kellnerin gibt sich viel Mühe mit uns, Mamie erklärt mir, wie ich La Chartreuse verzehren sollte, und der Restaurantleiter weist uns zum Abschied in die Variationen der Chartreuses ein. Am Ende steht die Variante, für die man pro Zentiliter-Gläschen 80–90 Euro zu zahlen bereit sein muss.
Wir zahlen nur, was wir tatsächlich verzehrt haben und gehen beseelt durch die inzwischen ins Nacht(er)leben übergegangenen Straßen zurück in unsere Bleibe.
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| Unglaublich: von Burgund und Beaujolais direkt nach Lyon |









