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Montag, 22. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 22. Juni 2026 – Châtelaillon-Plage statt Touristen-Plage

Namenlose Schönheit an der Strandpromenade

Gestern war Abreisetag, heute sind ziemlich wenige Gäste beim Frühstück. Dafür gibt's zwei zauberhafte Buben, die das Geschirr abräumen, die Kaffeemaschinen säubern dürfen und von denen zumindest einer ein bisschen Visconti-Atmosphäre verbreitet.

Der andere lernt außerdem, wie man Scherben aufkehrt, nachdem er Tassen fallen lässt.

Der Meer ist noch unterwegs zum Strand, wir starten mit unserem Renault die Operation ’Einkauf‘. Dafür fahren wir zu Carrefour nach Angoulins, einem weiteren Touristenort an dieser Küste, kurz vor La Rochelle.

Bei Carrefour ist es angenehm, fast schon zu kühl. Es gibt alles, was man nicht unbedingt bräuchte, aber gerne hätte. In unserem Fall eine Kühlbox für nicht mal elf Euro, mit deren Hilfe wir am kommenden Samstag zumindest Teile der nationalen Käseproduktion außer Landes bringen wollen. Außerdem kaufen wir für die noch anstehenden Mittagessen ein.

Nur wenige leisten der Sonne so viel Widerstand wie wir

Den Hinweg fährt die Gattin, zurück der Gatte. Eine schöne Sache, so ein Automatikauto: Man kann sich voll auf den Verkehr konzentrieren und muss nicht ständig im Benzin rühren. Da der Gatte sich zu wenig konzentriert, verpasst er kurz vor dem Hotel eine Abzweigung, so kommen wir in den Teil des Ortes, wo wir heute Abend essen wollen. Das Restaurant liegt ganz schön und sieht auch so aus. 

Zurück im Hotel, ist die Femme de chambre noch mit unserem Zimmer beschäftigt. Wir können uns also nicht gleich umziehen, sondern reden noch ein bisschen mit ihr. Sie lernt heute die deutsche Fassung von „Bonne journée“.

Am Strand ist es um 13.00 Uhr etwas ruhiger, vernünftige Menschen gehen jetzt gar nicht erst dorthin. Wir passen uns der Tide an und kommen, wenn sie uns braucht. Nach einer halben Stunde in der brüllenden Hitze befreien wir unsere Räder und rasen auf Höchststufe zurück in den Thalasso-Tempel.

Die Armen müssen auch bei Hitze arbeiten

Dort wird geduscht, dann gibt es den ersten Teil der heutigen Einkäufe. Sehr guten hiesigen Käse, gutes Baguette und einen Joghurt zum Niederknien. Anschließend legen wir uns hin, der Gatte steht lange nicht mehr auf.

Krankengymnastik zum Apéritif

Um halb acht wird uns klar, dass das Abendessen nicht zu uns kommen wird, sondern wir zum Abendessen kommen müssen. Also ziehen wir uns an, erlösen die Räder und düsen bergab in Richtung Boucholeurs. In der Tür zu unserem Restaurant hängt ein freundliches Schild „Entrez, nous sommes ouverts.“ Leider hat sich diese Information nicht bis zu den Betreibern herumgesprochen, die Tür ist zu.

Eine ist noch, eine ist noch zu

Dafür hat das Restaurant auf der anderen Seite der Terrasse geöffnet. Wir sichern uns einen Zweiertisch und bestellen erstmal einen Panaché, einen Picon bière und eine Carafe d'eau. Dazu zweimal das Menu für 22,00 Euro, bestehend aus sechs Austern gefolgt von einer ordentlichen Portion Moules-frites.

Die umliegenden Tische und Stühle werden im weiteren Verlauf des Abends alle besetzt, kein Wunder, wenn der Nachbar geschlossen hat. Auffallend ist das in der Umgebung flanierende Urlaubsvölkchen, insbesondere die grauhaarigen Herren über 70, die partout mit bloßem Oberkörper durch die nahen Wege und Sträßchen spazieren müssen.

So schmecken sie auch der Gattin

Nach zwei üppigen Desserts brechen wir auf, vorher fliegt mich noch eine Fledermaus an – kaum größer als ein Schmetterling und mit feinen, halb transparenten Flügeln. Mit Blick auf die drei Stiche, die mich heute Abend ereilt haben, ist es eine wahre Freude, ihr beim Nachtmahl rund um die Lampen am Kai zuzuschauen.

Zu später Stunde kehrt das Meer langsam zurück