![]() |
| Dem können wir uns nur anschließen |
Gestern Abend haben wir beschlossen, unsere Tage etwas konzentrierter und zielstrebiger zu beginnen, um die etwas kühleren Stunden zu nutzen. Deshalb frühstücken wir heute etwas früher. Das Frühstück ist okay, alle Gäste und Mitarbeiter schauen geschäftig, alles wirkt wie im Business-Hotel.
Ich telefoniere um kurz nach acht noch mit unserer Hausarzt-Praxis, weil ich gestern Abend bräunlich-rote Stückchen im Urin hatte. Der Doktor wird später zurückrufen. Um 9:15 Uhr fahren wir an den Kanal, er verläuft direkt vor der Tür. Auf dem Kanalweg geht es gut voran, wir sind schnell raus aus der Stadt. Leider spinnt das GPS immer wieder mal. Es zeigt uns an Stellen, an denen wir gar nicht sind und umgekehrt. Dafür ist die Beschilderung des Weges eindeutig.
Wie lange unsere heutige Strecke ist, muss sich auch noch zeigen. Ich habe den Weg zwei Mal von Komoot berechnen lassen – einmal war er 56, einmal über 70 Kilometer lang. Mal sehen, was am Ende stimmt.
Den Motor stellen wir auf kleinste Unterstützung, das reicht gerade mal, um die Beladung zu kompensieren. Den Rest fahren wir mit eigener Kraft. Trotz Mittwochmorgen ist der Weg gut besucht. Die schnurgerade Strecke abseits der Orte verleitet zum Beschleunigen. Nach einer Stunde und ein paar Minuten erreichen wir nach 24 Kilometern die Marina von Dannemarie. So hatten wir uns das vorgestellt.
Unterwegs amselt, drosselt, finkt und start es nach allen Regeln der Kunst. Manchmal klappert der Storch dazwischen, und die Frösche quaken zurück. Seit gestern ruft auch der Kuckuck wieder von der anderen Kanalseite. Schon vor ein paar Tagen hat der Holunderduft den Bärlauchgeruch abgelöst.
Nach etwas mehr als 40 Kilometern erreichen wir den Doubs, eines der Hauptziele, wenn nicht das Ziel dieser Reise. Die Freude ist beiderseits, wir haben uns ja schon drei Jahre nicht mehr gesehen.
Mit uns sind wieder viele Rennradfahrer unterwegs, und mittlerweile fällt auch der Gattin auf, dass die bereits beschriebenen „grauen Wölfe“ eine wachsende Gruppe sind. Ich gehe vorsichtig davon aus, dass auch ich in etwa zwei Wochen dazugehören werde.
Für den Doubs nehmen wir uns ein bisschen mehr Zeit. Wir suchen Punkte, die wir nicht mehr finden, freuen uns, wenn wir Abschnitte wiedererkennen, und sind überrascht, dass Montbéliard tatsächlich nur noch 15 Kilometer entfernt ist. Um zwölf Uhr kommen wir an der Stelle an, an der wir zuletzt unsere gesamte Habe steil aufwärts schieben mussten. Heute sind wir schon oben und machen erstmal Mittagspause.
Um zwanzig nach zwölf ruft tatsächlich der Doktor an – das wird 20,72 Euro kosten –, und fragt nochmal nach, welchen Blödsinn wir da treiben. Dann gibt er Entwarnung, bei größerer Anstrengung könne da schon mal ein Äderchen platzen, und außerdem sei es wichtig, immer viel zu trinken. Er spricht nicht davon, dass man in unserem Alter vielleicht auf solche Aktivitäten verzichten könnte, bietet aber an, meinen Urin nach unserer Rückkehr nochmal zu testen.
Da bei ibis heute nichts mehr frei ist, schlafen wir hier. Da wir schon um 13:00 Uhr da sind, verweigert uns die Rezeptionistin erstmal ein Zimmer. Aber wir lassen uns nicht beirren, satteln ab und fangen in einer kleinen Sitzecke nahe der Bar mit dem „Arbeiten“ an. Um Viertel vor zwei weist sie uns dann ein Zimmer zu, ob es wirklich die Kategorie ist, die wir gebucht und bezahlt haben, bleibt unklar.
Wir waschen, laden, duschen und legen uns bis Viertel vor fünf aufs Ohr. Anschließend gehen wir auf eine Runde durch die nächste sterbende Stadt. Es ist mörderisch heiß, wir landen beim Italiener, der uns für zwei Becher Eis 21,00 Euro abknöpft, und schauen mit Wehmut auf die geschlossenen Geschäfte und verwesenden Häuser in den Straßen der Stadt.
Fürs Abendessen haben wir einen Tisch bei Marco Polo reserviert, wo man früher den Schwärmen von Mauerseglern beim Segeln zuschauen konnte. Heute sitzt man im überdachten Vorbau des Restaurants, wo es wenig von den Vögeln, dafür umso mehr von den Menschen zu sehen gibt. Außerdem scheint die Population drastisch geschrumpft zu sein, man hört und sieht fast nichts von ihnen.
Wir bestellen einen kleinen Salat vorneweg, danach eine Pizza végétarienne und eine Angela. Mit beiden gelingt es uns, unsere hellen Hosen zu versauen. Dazu trinken wir einen Rosato und zwei Carafes d'eau. Um uns herum sitzen Menschen, die zwar nicht so aussehen, aber aus geschäftlichen Gründen hier zu sein scheinen. In den Gesprächen geht es auf der rechten Seite um Millionenbeträge und links um Immobilienerwerb.
Wir bestellen noch zwei Espressi und gehen zurück ins Hotel.








