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Donnerstag, 14. Mai 2026

Ardennen-Klassiker | 4. Mai 2026, Die Pfeile von Brabant

Monument der belgischen Kohl- und Stahlblüte

Heute sind kaum Leute beim Frühstück. Auch die Mischung ist besonders. Außer uns frühstücken ein dt. Mann und eine dt. Frau zusammen, alle anderen Gäste sind schwarz. Das Wetter ist super.

Um 8.45 sind wir zurück im Zimmer, um 9.15 fahren wir los. Wir wollen schneller sein als der für 16 Uhr angekündigte Regen.

Unser heutiges Ziel ist Hoegarden. Das liegt westlich von Liège im flämischen Teil Belgiens. Wer sich hier z.B. von seinem Häuschen trennt, der hat es verkocht.

Am Parkplatz im Stadtzentrum sind ausreichend Plätze vorhanden. Eine Holländerin steigt neben uns aus dem Auto und dann in andere Schuhe. Sie schaut uns beim Ausräumen und Zusammenbauen der Räder zu, wünscht viel Vergnügen und macht sich auf die Wandersocken.

Uns treibt es nach Westen in Richtung Overijse. Auf der anderen Seite von Brüssel ist Remco Evenepoel aufgewachsen.

Hier weiß jeder, wo er hingehört

Die Fahrt ist ein reines Vergnügen. Den Powermeter-Pedalen mangelt es zwar schon beim Start an Batterie, aber der kleine Motor im Hinterrad schiebt uns die sechs- bis zehnprozentigen Hügel hoch, als wären sie plattes Land. So geht altersgerechtes Rennradfahren.

In der realen Ebene bzw. ab ca. 26 km/h ist der Jüngste leicht im Vorteil, weil einerseits der Motor abschaltet und andererseits die Mutter ihre rechte Hüfte schonen möchte, damit sie wenigstens noch bis zur OP im August hält.

Schon wieder eine Helden-Mauer

Bei Kilometer 30 stürzen wir eine Abfahrt mit 17 Prozent Gefälle hinunter (bildlich geschrieben). Nach drei weiteren Kilometern erwartet uns in Overijse zunächst die weiße Mauer mit Porträts belgischer Rad-Heroen. Und dann kommt die S-bocht klim mit Serpentinen, Kopfsteinpflaster und bis zu 18 Prozent Steigung. Da machen wir lieber bei den Heroen Schluss und fahren auf die andere Seite, wo wir ein Häppchen essen und aufs Kind warten.

Frisch gestärkt geht es nochmal die 17-Prozent-Sause runter und dann gemeinsam über Huldenberg zurück. Vorher erwartet uns aber in Terlanen noch die Moskesstraat, die wir zugunsten eines Besuchs im Café Sportman ebenfalls auslassen.

17-prozentige Steigungen lassen wir gerne mal links liegen

Hinter Hamme-Mille führt unser Weg nach links von den feinen Straßen weg und über eine kurze Kopfsteinpflaster-Passage, die direkt zu einer Straßensperre führt. Wir folgen brav der Umleitung, stellen aber irgendwann fest, dass diese uns leider in die falsche Richtung führt.

Die Wege des Herrn sind umgeleitet

Nach einer leicht ungehaltenen Diskussion entscheiden wir uns für die Rückkehr nach Beauvechain bzw. zu der feinen Straße. Die Strecke führt über lehmverschmiertes Kopfsteinpflaster steil abwärts. Da muss man aufpassen, dass man nicht schneller unten ist als gewünscht.

Von hier an geht's bergab

Ab Beauvechain liegt noch eine knappe Stunde vor uns, unterwegs ist mein Strom wieder am Ende, aber die restliche Strecke lässt sich auch bequem mit eigener Kraft bewältigen. Am Parkplatz angekommen, laden wir die Räder wieder ein und freuen uns, dass wir regenfrei hin und zurück gekommen sind.

Von der Brüstung des Pavillons beobachtet uns ein kleiner Junge. Er kommt kaum dazu, seine Kugel Eis zu essen. Auf die Frage „Lecker?“ nickt er vehement mit dem Kopf. Wir nehmen uns ein Beispiel an ihm und gönnen uns zur Feier der schönen letzten Strecke ein völlig überteuertes Eis an der gegenüberliegenden Ecke.

Danach geht's zurück nach Liège. Unterwegs setzt der Regen ein.

Für den Abend haben wir im Restaurant des Hotels einen Tisch reserviert. Bestätigt wurden drei Gäste, vor Ort weiß man nur von zwei. Aber es gibt noch einen passenden Tisch neben zwei wichtigen Schweizer Geschäftsleuten.

Die Speisekarte umfasst die bekannten Highlights der belgischen Küche. Wir bestellen einen Cava als Apéritif, leider muss die Flasche erstmal ins Gefrierfach, um ein bisschen abzukühlen. Wir überbrücken diese Phase mit zwei Glas Prosecco und bestellen dazu einen spanischen Vorspeisenteller zum Teilen. Danach einen Vol au vent, eine Canette und ein Ris de veau.

Wir sind uns einig, dass die Reise für alle ein Gewinn war. Und dass man das wiederholen könnte. Morgen geht's für den einen zurück nach Osten, für die anderen weiter nach Westen.

Tolles Programm mit leichtem Hänger in der Mitte

Ardennen-Klassiker | 3. Mai 2026, Amstel Gold Rains

Seltener Anblick heute: Straße ohne Rennradfahrer

Vor dem Frühstücken stellen wir noch schnell die Räder ins Auto. Mangels Alternative hatten wir unsere bei uns im Zimmer ans Stromnetz angeschlossen. Beim Frühstücken fällt dem Nachwuchs dann auf, dass viele andere genauso viel essen wie er, dann aber wahrscheinlich nicht so viel fahren. Wir sehen das öfter.

Wir fahren erstmal in Richtung Slenaken, wo es heute losgeht. Gleich nach der Grenze sieht es tatsächlich ganz anders aus. Holländisch halt: viel Grün, viele Radwege, letztere schön durch Hecken von der Straße getrennt.

Und dann kommen sie: kleine und größere 
Gruppen von (meist) Männern auf Rennrädern, die es den Amstel-Anstiegen zeigen wollen. Also, die Männer mit Hilfe der Räder, nicht die Räder mit den Männern drauf.

Irrung bringt Wirrung

Das Wetter ist heute nicht von Vorteil, viel Grau, etwas Wind. Probleme gibt es auch in der Abstimmung untereinander. Einer sucht die Rampen – Cauberg, Loorberg, Sibbergrubbe, Bemelerberg –, zwei suchen das Weite und warten im Eetcafé de Remise in Partij auf Infos zum nächsten Treffpunkt.

Das Warten dauert lange, denn irgendwie ist der Sohn vom rechten Weg abgekommen und ruft aus der Gegend von Mechelen an. Die nette Kellnerin erzählt uns von den starken Regenfällen, die am Vortag reichlich Schlamm durch die Straßen des Ortes gespült haben. Er ist inzwischen getrocknet, und wir schauen von der Terrasse des Cafés den vorbeikommenden Rennrädern zu, die ihn jetzt als braunen Staub aufwirbeln.

Nach etwa einer Stunde gibt es dann ein kurzes Treffen mit unserem Fahrdienstleiter, dann fahren wir auf verschiedenen Wegen weiter. Es fängt an, leicht zu regnen, und es wird kalt.

Unser nächster Treffpunkt ist Schin op Geul. Der Regen wird stärker, es wird kälter. Leicht frustriert halten wir uns nicht mehr an unsere Regel, dass wir andere nicht an Steigungen überholen. Für ein Pärchen, bei dem Sie sich im viel zu dicken Gang den Berg hinaufquält, machen wir eine Ausnahme.

Schön, feucht

In Schin op Geul weist uns der Mann in der ersten Tankstelle den Weg zum nächsten Café. Wir wollen schnell noch was Warmes essen, da erreicht uns der nächste Anruf. Junior hat den Treffpunkt übersehen, hat gleich die nächsten Rampen bewältigt und ist jetzt fünf Kilometer weiter in Valkenburg.

Er ist nass, wir sind nass, auf der anderen Straßenseite läuft eine Frau mit Schirm, Jeans und grünem Trenchcoat in Tanzschrittchen den Hügel hoch. So macht das keinen Spaß. Wir verabreden uns beim Auto.

Das würde man gern mal bei Sonnenschein sehen

Wir passen einen etwas trockeneren Moment ab und fahren die kürzeste Strecke südwärts zurück zum Auto. Das Wetter wird zum Scheißwetter. Es gibt nicht mal mehr Kaffee, denn der Italiener in Gulpen hat die Maschine schon saubergemacht.

Am Auto angekommen, ziehen wir uns um und laden die Räder ein. Gerade als wir fertig sind, kommt unser dritter Mitfahrer, das passt perfekt. Kalt und nass geht es zurück zum Hotel.

Nach dringend erforderlicher Aufwärmung und Ausruhung gehen die Herren los, um das kleine Auto aus dem nahen Parkhaus zu befreien. Der Hotelparkplatz ist heute nahezu leer, und morgen wollen wir die Räder gleich nach der Rückkehr auf die passenden Fahrzeuge verteilen. Also muss der Kleine da sein.

Leider ist das alles nicht so einfach, denn die „Uferpromenade“, auf der wir zum Hotel fahren wollten, wird gerade von Spezialfahrzeugen gereinigt und ist aus diesem Grunde für den Verkehr gesperrt. Das schenkt uns eine Spritztour gegen das Navigationssystem durch Centre ville von Liège.

Nach vollendetem Umparken gehen wir zum Essen. Wir sind etwas ziellos und landen schließlich in einer der Ecken, die wir auf unserer Stadtrundfahrt durchquert hatten. Nicht weit vom großen Platz entfernt, aber doch etwas alltagstauglicher.

Das Amon Nanesse gibt sich rustikal, die Speisekarte ist wieder bemüht einheimisch. Es gibt knackig gebackene Fondue ardenaise, einen Salade liégoise und einen Pavé de saumon. Statt Vor- heute Nachspeisen: Tarte Aux Pommes, Profitérolles und Mousse au chocolat.

Wir essen brav alles auf, morgen soll wieder die Sonne scheinen.

Schöner Start (rechts hoch), abruptes Ende (links runter)

Ardennen-Klassiker | 2. Mai 2026, Flash Wallonne

Als der Belgier sein Geld noch nicht mit der EU und den Touristen verdiente

Das Frühstück im Hotel ist sehr gut, das Ambiente sehenswert. Das Gebäude wurde als Konvent gebaut, wie viele andere, stammt es aus Lüttichs Zeit als Wiege der europäischen Kohle- und Stahlindustrie. Leider sieht man der Stadt heute vielfach deutlich an, dass diese Blüte verwelkt ist.

Aber genug abgewichen, wir haben ja einiges vor heute.

Um Viertel nach neun brechen wir auf nach Modave, das liegt etwa 35 Kilometer südlich von Lüttich, und der Weg raus aus der Stadt ist mit Hin und Her über die Maas verbunden. In Modave angekommen, parken wir nahe der örtlichen Polizei, packen die Räder aus und schrauben alles schön zusammen.

Um kurz nach halb elf geht es zum Wochenend mit Sonnenschein auf die Runde, die am Ende der Flèche Wallone traditionell zweieinhalb Mal gefahren wird. Wir fahren sie natürlich nur einmal, bzw. nur einer will sie inklusive der Mur de Huy mit ihren mehr als 20 Prozent Steigung fahren. Die Älteren kürzen kurz vorher etwas ab.

Da fährt er hin, der Mauer entgegen

Erstmal liegt aber sowieso ein ruhiger Abschnitt vor uns: An einer Einmündung rauscht eine sechsköpfige Alte-Herren-Gruppe an uns vorbei, die wir am nächsten Anstieg wieder einholen. Die Gruppe teilt sich in vier Herren vorne und zwei hinterher. Wir bleiben mit etwas Abstand dahinter, da wir Kollegen ohne Motor an Steigungen nicht überholen.

Vor die kommende Mur hat der Herrgott dem Jüngeren allerdings einen Reifenschaden verordnet, den wir in Mostée erstmal mit vereinten Werkzeugen beheben. Danach geben wir dem Bub noch ein Stück Geleit, aber als es in Huy dann ein erstes Mal richtig aufwärts geht, drehen wir ab und rollen zurück zu der von Komoot vorgeschlagenen Abkürzung.

Der Thier au Pequet lässt sich gut an, führt aber ebenfalls ordentlich aufwärts. Und dann stehen wir vor einem schmalen Waldweg, der im weiteren Verlauf ebenfalls mindestens 20 Prozent Steigung erreicht, aber mit Cleats unter den Schuhen und einem Fahrrad in der Hand schlechter zu bewältigen ist als jede Mauer.

Wir machen eine romantische Radtour

Eine freundliche Anwohnerin mit besser passendem Schuhwerk geht lächelnd an uns vorbei und meint: „Les vélos n'aident pas ici.“ Wo sie recht hat, ...

Der Junior hat den vereinbarten Treffpunkt längst passiert und wartet sechs Kilometer weiter in Strée auf uns. Sein Aufstieg war „super, aber völlig bekloppt“, über unsere Eskapade sprechen wir nicht weiter.

Viele Wege führen nach ... irgendwo

Die folgenden rund 50 Kilometer hat er für uns „handverlesen“, und er hatte ein wirklich glückliches Händchen. Es geht über Wirtschaftswege und schmale Straßen entlang Raps- und Kornfeldern, die in frischem Gelb und zartem Grün mit dem blauen Himmel konkurrieren. Zwischendurch Wiesen, herumliegende Kühe, ab und an Pferde, zum Ende hin sogar eine große Weide voller sehr schöner Vollblüter, die die Gattin spontan auf ganz andere Gedanken brachten.

Arbeitsteilung: Zwei fahren vorneweg, eine macht hinten die Fotos

Um die Mittagszeit fuhren wir im Einzugsgebiet der Gemeinde Clavier übers Land und suchten einen Supermarkt oder ähnliches. Zunächst wenig erfolgreich, dann landeten wir in Atrin beim Bäcker, wo wir uns mit Zuckerzeug und Wasser eindecken konnten.

Vor dem Bäcker ist vor der Mittagspause

Die letzten Kilometer zurück nach Modave waren dann nochmal ein Augenschmaus, und alle kamen hoch zufrieden am Auto an. Nach dem Einladen ging es zurück nach Liège, wo wir uns im Hotel frisch machten, ausruhten und anschließend zum Abendessen aufbrachen.

Natürlich ging es wieder in die Altstadt, wo wir im Bistrot d'en Face reserviert, aber leider keine Antwort erhalten hatten. Woran das lag, zeigte sich, als wir vor verschlossener Türe standen: Der Laden hatte einfach zu. Kein Hinweis, kein Kommentar, nichts.

So landeten wir unreserviert wieder auf dem Place du Marché, wo es wetterbedingt etwas ruhiger als gestern war. Im As Ouhès finden wir einen Tisch im überdachten Außenbereich. Während die Karte Kulinariik einer vergangenen Zeit anbietet, wie z.B. Kalbskopf, Kalbszunge, Schweinefuß oder Kalbsnierchen, griffen wir Angsthasen lieber auf die überall gleichen belgische Spezialitäten zurück: 2x Kaninchen mit Backpflaumen, 1x Boulets liegeois plus Nachtisch.

Der Tag war lang, die Temperaturen sind niedrig, auf dem Rückweg freuten wir uns auf morgen.

Vor der Mauer, huy, schnell rechts weg

Ardennen-Klassiker | 1. Mai 2026, Lots of Lüttich

Liège und liègen lassen

Unser Sohn fährt Rennrad. Weniger draußen, mehr im Keller auf der Rolle. Aber dafür schaut er gerne Radrennen im Fernsehen.

Zu Schulzeiten war er einmal mit dem Schulorchester in Tourcoing, das ist unweit von Roubaix, dem Ort, an dem der Radsport-Klassiker Paris–Roubaix vor einhundertdreißig Jahren zum ersten Mal und heute noch immer endet.

Anfang 2025 lamentierte er irgendwann vehement darüber, dass er seinerzeit überhaupt nicht wusste, wo er war, und ihm die vermeintliche Heiligkeit des Bodens nicht bewusst war. Deshalb haben wir ihm zum letzten Geburtstag einen Pavé und einen Besuch des Rennens geschenkt.

Atmospère – ja, das können sie, diese Franzosen

Bei näherer Betrachtung schien ihm der Besuch eines Radrennens, bei dem an den entscheidenden Stellen schon Tausende stehen und die Fahrer mit einem Wooosh vorbeifahren, dann allerdings nicht übermäßig reizvoll. Er schlug deshalb vor, dass wir selbst einige der Strecken abfahren und den noch relativ frischen Schweiß von Pogačar, van Aert, Seixas usw. von den Straßen einatmen sollten.

So ergab es sich, dass wir uns für heute in Lüttich verabredet haben, um ab morgen Teile des Amstel Gold Race, der Flèche Wallonne und der Flèche Brabançonne abzufahren.

Bei uns lief alles nach Plan, in München gab es Schwierigkeiten mit dem reservierten Mietwagen, sodass der Nachwuchs den hauseigenen Twingo für die 700-Kilometer-Strecke aktivieren musste.

Gleich servieren sie den Apéritif

Gegen 19.00 Uhr waren wir dann alle in unserem Hotel an der Maas eingetroffen, bemühten uns um passende Parkmöglichkeiten und suchten um halb neun den lokalen Libanesen heim.

Perfekte Begleiter zu warmem, libanesischen Brot

Er machte uns vorneweg drei Mezze (Muhammara, Samboussek Jebneh und Fatet Magdous) und hinterher drei Hauptgänge: Shawerma maison, Côte d'agneau und Halloumi mit Fatet falafel. Wir erinnern uns gerne daran, wie es war: sehr lecker. Den libanesischen Wein hätte es eher nicht gebraucht, da wäre ein Franzose sicher nicht schlechter gewesen.

Wir saßen bis halb elf draußen, genossen die Multikulti-Atmosphäre und machten uns gegenseitig Mut für die kommenden Kilo- und Höhenmeter. Morgen früh gibt's ab acht Uhr Frühstück, danach fahren wir – je nach Wetterprognose – nach Valkenburg oder Pont de Bonne.

Wir waren die ersten, die gingen