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| Der schönste Radweg der Welt |
Kaum sitzen wir beim Frühstück, kommt eine ältere Dame und fragt, ob wir denn aus Reutlingen kommen Da fragt man sich sofort, was man an sich trägt, damit man gleich als Reutlinger erkannt wird. Aber nein, die Dame kommt aus Tübingen und hat gestern Abend auf dem Parkplatz neben ihrem Auto ein Auto mit Reutlinger Kennzeichen gesehen.
Das hat sie emotional wohl so mitgenommen, dass sie jetzt unbedingt diesen Reutinger finden muss. Wir sind es nicht.
Der Speisesaal sieht wirklich toll aus und ist wohl das Tollste, was das Haus zu bieten hat. Leider ist auch er ein bisschen überdekoriert. Da liegt ein riesiger Bär neben dem Tisch mit dem Backwerk. Da stehen sechs Kerzen schräg im Kerzenständer, weil sie zu schmal sind für dessen Kerzenhalter. Da funktioniert die Kaffeemaschine wie die Klospülung oben im Bad: Obwohl der Prozess bereits abgeschlossen ist, kommt nochmal ein Schwall Flüssigkeit. Eine Toilettenbrüste gibt es nicht.
Bleiben wir noch kurz im Zimmer. Die Badezimmertür hat innen zwei Haken für Handtücher. Leider gibt es kein Handtuch, dessen Aufhänger zu den Haken passt. An der Armatur der Badewanne läuft unten mehr Wasser raus als oben aus dem Wasserhahn. Wenn ich vor dem schmalen Waschbecken stehe und beim Zähneputzen meinen Kopf ein bisschen nach vorne beuge, stoße ich mit meinen wqenigen Haaren an den Spiegel, der über dem Waschbecken hängt.
Der „Kleiderschrank“ ist 50 Zentimeter breit und mit 40 Zentimetern Tiefe zu flach für die Bügel, die darin hängen. Eigentlich haben wir das feinere Zimmer genommen, aber wir sind nicht der Meinung, dass wir das tatsächlich auch bekommen hätten.
Um kurz nach neun ist alles auf die Räder gepackt, es geht los durch die Stadt. Kurz vor dem EuroVélo 6 halten wir im „Parc de la banane“ und telefonieren mit A-rosa, weil wir eventuell eines derer Schiffe für den Weg nach Arles kapern wollen. Auf dem weiteren Weg sehen wir, dass die kleine Grünanlagevon einer Großfamilie fahrenden Volks okkupiert wurde, die mindestens 60 Fahrzeuge auf den gepflegten Rasenflächen abgestellt hat.
Wir fahren auf die wunderbare Strecke nach Besançon, und könnten alle paar Meter schreien vor Glück. In Île-sur-le-Doubs machen wir eine kurze Zuckerpause. Das hat unser Sohn uns beigebracht. Die Kohlenhydrate gehen direkt in die Muskeln und halten sie länger frisch.
Die Einheimischen treffen sich am Bankautomaten von Crédit Agricole zum Schwätzchen, und wahrscheinlich schaut jeder mal, wie viel der andere noch abheben kann. Bei der Fahrt aus der Stadt hinaus treffen wir auf einer kleinen Brücke zwei andere Ehepaare in unserem zarten Alter.
Alle vier fahren feine Rennräder. Die Damen lassen ihr Gepäck von den Herren transpotieren. Sie sind auf dem Weg nach Wien. Wir plauschen kurz über das übliche Woher-wohin und wünschen uns anschließend „Bonne route“.
Vom EuroVélo 5 haben wir es über den EuroVélo 15 zum EuroVélo 6 geschafft und fahren inzwischen am siebten Fluss. Um halb zwölf sitzen wir in Pays-de-Clerval auf der Terrasse des Restaurants, wo ich gelernt habe, wie der Franzose einen kleinen Kaffee mit Milch bestellt und trinken einen ebensolchen.
Vom EuroVélo 5 haben wir es über den EuroVélo 15 zum EuroVélo 6 geschafft und fahren inzwischen am siebten Fluss. Um halb zwölf sitzen wir in Pays-de-Clerval auf der Terrasse des Restaurants, wo ich gelernt habe, wie der Franzose einen kleinen Kaffee mit Milch bestellt und trinken einen ebensolchen.
Auf der anderen Seite des Doubs haben findige Radweg-Gestalter den Radweg neu gestaltet und vor allem: neu definiert. Statt wie bisher langsam und kontinuierlich auf der Hauptstraße hinauf, geht es jetzt abseits dieser Hauptstraße durch kleine Gässchen auf plötzliche Rampen, die auch mit Motor kaum zu bewältigen sind. Die Gattin ist außer sich.
Um halb eins stoßen wir kurz hinter der Beaume-les-Dames auf einen kleinen Rastplatz mit einer leeren Bank im Schatten. Rundum sind Familien, sind Kinder, sind Rennradfahrer, ist Hopsasa und Trallala. Um 13:00 Uhr machen wir uns auf den weiteren Weg. Wir haben noch etwa 40 Kilometer vor uns und sind noch überraschend gut dabei.
Die restlichen Kilometer fahren sich wie von selbst, bei jeder neuen Biegung des Doubs höre ich hinter mir ein Jubeln, Frohlocken oder sonstige Glücksbekundungen. In Laissey halten wir für zwei Café und zwei Dame blanche. Bei der letzten Brücke vor der Stadt gibt's ein paar Reibungen, weil Madame sich von irgendwelchen Jungs aus dem Tritt bringen lässt. Ich hatte die Buben zuvor angeblökt, mir haben sie problemlos Platz gemacht.
Um Viertel nach drei sind wir bei unserem Hotel. Nachdem in der Gegend zuletzt alle Straßen verkehrsberuhig und verschönert worden sind, macht sich jetzt auch das ibis fein. Leider heißt das für uns, dass wir nicht mehr so einfach in die Fahrrad-Garage kommen.
Um halb sieben machen wir uns auf in die Stadt. Nach Montbéliard ist Besançon die schönste Stadt der Welt. Wir bewundern ehrfürchtig die feinen Häuser, schauen in die Auslagen der Läden, die keiner Kette angehören, und landen am Ende wieder mal bei 1802 am Square Granvelle.
Wir nehmen eine Flasche Crémant du Jura und zweimal das Menu. Jede/r isst, was der, die das andere nicht isst. So kommen wir auf sechs Gänge und sind sechsmal positiv gestimmt. Zuerst gibt es Poulpe mariné und Artichauts frits, dann La pêche française du moment bzw. Quasi de veau. Und zum Schluss noch eine Tartelette aux fraises und ein Paris–Brest.
Am Tisch neben uns sitzt ein schwules Pärchen, hinter der Gattin ein Pärchen in den späten Vierzigern bis frühen Fünfzigern. Beide wohlhabend gebräunt und im feinen Tuch, er Typ angejahrter Playboy, sie mehr Typ reife Schönheit. So sitzen sie erstmal nur da, und dann kommen die anderen zwei: gleiche Altersgruppe, er Brad Pitt, sie Angelina Jolie.
Und dann spielen sie wichtige Männer und begehrte Frauen. Nur die Jungs reden miteinander, nur die beiden Frauen reden miteinander. Irgendwann wird Brad Pitt zum Raucher. Zuerst hält er die Zigarette in der linken Hand, quasi mitten über dem Tisch. Da Raucher heute aber nicht mehr Raucher sein dürfen, nimmt er sie in die rechte Hand und hält sie nach unten neben sich, damit keiner sieht, dass er raucht.
Als der Kellner vorbeigeht, fragt er nach einem Aschenbecher. Als er kommt, kann er ihn nicht benutzen, weil er weiterhin Angst hat, die Zigarette öffentlich zu zeigen. Es ist ein Trauerspiel. Die vier gehen irgendwann rüber zur Lounge-Ecke, wo sie andere Altersgenossen gesehen haben, mit den sie weiterspielen können.
Wir gehen rüber zum Hotel. Die Idee mit dem Flusskreuzer haben wir ad acta gelegt.
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| Dafür hat uns der Extender gereicht |









