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Sonntag, 21. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 21. Juni 2026 – Ride – Swim – Sleep – Repeat

Für manche der Mittelpunkt der (Urlaubs)Welt

Wir frühstücken etwas später, der Atlantik ist ja auch noch nicht am Strand.

Die Leute von ibis geben sich wirklich alle Mühe. Aber irgendwie ist das hier Auberge du jeunesse mit Vier-Sterne-Bepreisung. Im Zimmer dominiert eine „wunderschönes-Strandleben“-Optik und -Atmosphäre, beim Frühstück wird diese Idee der Einfachheit mit einfacher Bestuhlung, Mensa-Tabletts und mittelmäßiger Qualität aufgegriffen.

Müsli Fehlanzeige, Rührei schrecklich, Backwaren frisch aufgebacken. Einzig die Brioche gefällt mit Geschmack, Größe und Fluffigkeit. Dreimal werden wir noch wach ...

Zimmer mit Meerblick

Nach dem Frühstück holen wir die Räder aus dem Auto, bauen ein Hinterrad aus, um zu prüfen, ob wir die Räder eventuell doch aufrechtstehend transportieren und damit Platz für Einkäufe schaffen können. Das geht leider nicht, der Wagen ist einfach zu flach.

Also bauen wir die Räder komplett zusammen, stellen sie kurz vors Hotel und packen unsere Strandtasche. Dann geht es an genau diesen und direkt ins leider ziemlich braun-graue Meer. Nach ein paar Schritten am Strand, gehen wir ein zweites Mal ins Wasser. Erneut sehen wir Menschen in Neoprenanzügen, die 15 Euro dafür bezahlt haben, dass sie im Rahmen einer Führung im brusthohen Wasser am Strand entlanglaufen.

Die Welt ist verrückt.

Drei Kilometer Badevergnügen

Wir fahren mit leichten Hautirritationen am Bein zurück zum Hotel und finden in der Lobby eine Steckdose zum Laden unserer Transporteure. Das Zimmer ist leider noch nicht gemacht, wir ziehen den Bademantel über und gehen nochmal runter. Ich muss sehen, wie ich den rechten Radschuh vom Fuß bekomme, der Ratschen-Verschluss lässt sich nicht mehr öffnen.

Sprachlich kann ich die Problematik nicht stemmen, da ist es gut, dass ich den Fuß mit Schuh dran jederzeit vorzeigen kann. Irgendwann habe ich die Rezeptionistin so weit, dass sie den Hausmeister um Werkzeug bzw. Hilfe bittet. Er kommt, schüttelt wie alle anderen den Kopf, sieht aber dann, dass sich tatsächlich ein Sandkorn in den Mechanismus geklemmt hat. Das holt er mit spitzem Instrument heraus, und das Problem ist gelöst.

Madame geht gleich nochmal ins große Becken, Monsieur telefoniert mit dem Sohn, danach geht's unter die Dusche und in die schwer verdiente Mittagspause. Um 16.00 Uhr geht das Leben mit diesem Blog und weiterem Telefonat weiter.

Gehobene Nachbarschaft

Gegen 19.00 Uhr gehen wir an die Rezeption, wo wir unsere Räder seitlich zum Laden versteckt haben. Wir scherzen mit der Rezeptionistin, geben ihr das Netzteil zum Aufpassen und fahren mit frisch geladenen Akkus in Richtung Centre villeWo genau wir reserviert haben, ist plötzlich nicht mehr genau nachzuvollziehen, denn im Ort gibt es zwei Restaurants, die mit L'Atélier anfangen. Deshalb halten wir einfach mal hier, fragen nach und stellen fest, dass wir an der richtigen Adresse sind.

Die Chefin versteht ihren Job und gibt sich Mühe mit uns, um 19,30 Uhr sind wir die einzigen Gäste. Die Gattin entscheidet sich für Croustillant de chèvre und Salade Atelier, der Gatte für längliche Muscheln, deren Namen er nicht mehr weiß und das japanisch gewürzte Tartare de boeuf. Als Dessert gibt es ein Nougat glacé maison und eine sehr gute Dame blanche

Getränke gibt es auch: einen Pineau des Charentes, einen Vieux Pineau de l'Île de Ré, eine Flasche Sancerre und vier Liter Wasser.

Feine Adresse an der Hauptstraße

Nach dem Essen fahren wir schnell noch ans nördliche Ende der Strandpromenade. Wir suchen die webcam des Ortes und finden einen guten Platz, von dem aus wir morgen unseren Lieben daheim zuwinken können.

Danach fahren wir zurück zum Hotel, stellen die Räder in einem günstigen Moment und vor allem unbemerkt wieder seitlich in die Lobby und nehmen noch ein Gläschen Weisswein von der Ile d'Oléron auf der oberen Terrasse.

Danach ist Schluss für heute.

Strandleben nach 22.00 Uhr – the tide is high

Déjà-vu 2026 | 20. Juni 2026 – Von Hybrid zu Hybrid

Unser hybrider Fluchthelfer

Die Menschen aus dem australischen Bus sind auch noch da. Die Herren tragen sehr gerne, einige vielleicht sogar ständig, ein T-Shirt, das aussieht wie ein AC/DC-Tour-T-Shirt. Bestimmt  waschen sie es abends aus, wie wir unsere Trikots.

Heute schaue ich meinen Mitfrühstückern dabei zu, wie sie bei der Bedienung von Besteck und anderen Werkzeugen rund ums Essen scheitern. Und dann ist da noch die junge Frau, die mit dem rechten Bein, das sie übers linke geschlagen hat, unterm Tisch zwanghaft nach vorne tritt. Ihr Begleiter sitzt ihr gegenüber, leicht nach links versetzt. Wahrscheinlich hat sie ihn im Laufe ihres Zusammensitzens schon ein paar Mal erwischt.

Modame geht aufs Zimmer, ich hole einen Chariot. Zwei etwa dreißigjährige Frauen sprechen mich an, loben meinen Akzent, ich erröte.

Parkdeck mit Ausblick

Wir packen schön, machen alles fertig . Im Aufzug begrüßen uns die beiden Frauen von vorhin. Ist das noch Zufall oder schon Fügung?

Vom Hotel geht es mit den Rädern zu Avis, um dort das hoffentlich bereit stehende, große Auto abzuholen. Leider leitet das Navigationssystem nicht zu den Autoverleihstationen, sondern auf den Bahnhofsvorplatz. Da wir nicht recht wissen, wohin, fragen wir das sechsköpfige Security-Team, das auf dem Vorplatz patrouilliert.

Einer der Herren antwortet Englisch, ich lehne das unter Hinweis auf den geografischen Standort ab, sein Kollege findet den Hinweis sehr erfreulich. Da Saint-Jean ein ziemlich großer Bahnhof ist, hat man vom falschen Ausgangspunkt einen ziemlich langen Weg vor sich. Heute brauchen wir mit den Rädern rund zehn Minuten, bis wir an die Rampe kommen, die wir vor ein paar Jahren direkt runterkamen.

Früher war alles viel einfacher und viel besser.

Avis ist gut auf uns vorbereitet. Es ist alles bezahlt, wir bekommen den Vertrag, die Schlüssel und ein Ticket für die Ausfahrt aus dem Parkhaus. Am Fahrstuhl steht Avis im 4. Stock, tatsächlich steht das pechschwarze Auto im 6. Stock auf dem sonnigen Parkdeck, und wir stören einen SDF, der im Treppenhaus neben dem Fahrstuhlschacht lagert.

In der brütenden Hitze von Bordeaux schauen wir uns erstmal das Auto an. Schrammen? Beschädigungen? Wir sehen nichts, weil das Fahrzeug nicht frisch gewaschen, sondern von staubigen Wassertropfen auf schwarzem Grund überzogen ist. Dann der technische Part: Wie geht's so ein Automatik-Auto überhaupt? Ich bin da fein raus und sehr froh, eine erfahrene, mir mehr als 30 Jahre Führerschein und Fahrpraxis voraushabende Ehefrau an meiner Seite zu wissen. Deshalb muss sie sich um all den Scheiß kümmern und nicht ich.


Aus der Zeit, als Beton noch als Zuzkunft galt

Dann legen wir erstmal unsere Räder rein. Das ist schwierig, wenn man das Auto nicht kennt, aber wir haben es hingekriegt. Danach fahren wir langsam durch dieses Parkhaus nach unten und denken an den Junior, der neulich in München 
vernünftigerweise auf das große Auto verzichtete. Aber wir haben keinen Twingo, auf den wir ausweichen könnten.

Google führt uns anschließend durch die engsten Gassen der Bordelaiser Innenstadt zum Hotel zurück: 90 Grad Abbiegung links, 90 Grad Abbiegung rechts, hier kommt ein Fahrrad entgegen, dort steht einer schräg aus seinem Parkplatz heraus – wie bereits gesagt: Ich habe diese Ehefrau, die das alles meistert.

Zurück im Hotel müssen wir das Zimmermädchen bitten, unsere Tür zu öffnen, die Karte wurde bereits deaktiviert. Unten räumen wir erst nochmal alles aus, denn wir wollen ja noch zu Auchan, um Wein und eventuell eine Glacière zu 
kaufen. Nach Abschluss aller Versuche wissen wir: Unter den gegebenen Umständen ist das unrealistisch.

Ich bringe den Chariot wieder rein, sage auf Wiedersehen und sehe, wie sich vor dem Hoteleingang eine Gruppe junger Frauen umarmt. Ich bin innerlich schon auf dem Weg in ihre Richtung, da sehe ich den Blick der Gattin. Ich sehe ferner, dass die beiden Aufzug-Frauen Teil der Fünfergruppe sind. Es wird Zeit, abzureisen.

So geht es also ohne Wein weiter. Zuerst auf die A10, um kurz nach 13.00 Uhr machen wir Pause an der Aire de Saugon Ouest. Die ist sehr gut besucht, denn viele Menschen in unserem Alter haben beschlossen, hier ihre Mittagspause zu verbringen. Es ist heiß wie Sau, aber so ist das halt im Sommer.

Das Raumschiff hebt ab

Wenig später fahren wir bei Mirambeau auf die D730, der wir bis Cozes folgen. Besonders sehenswert ist die Landstraße nicht, sind die Orte nicht, und auch von dem Marais, das wir durchqueren, sehen wir nichts. Google leitet uns an Stellen, an denen die Straße einfach aufhört, da muss ich dieser fahrtüchtigen Ehefrau manchmal helfen, dass sie den Weg findet.

Um kurz nach 16.00 Uhr erreichen wir unser Hotel. Der Parkplatz ist gerammelt voll, die Damenwelt der Region frönt für 40 Euro Eintritt dem Thalasso. Wir empfinden 28 Grad und leichte Meeresbrise als ziemlich kühl. Madame will trotzdem sofort ins Schwimmbad, es gibt hier mehrere. Wir nehmen das kleinste, in den anderen stehen die Thalasso-Frauen und lassen sich besprudeln.

Letzter Sonnengruß im Thalasso-Paradies

Vor dem Abendessen telefonieren wir noch kurz mit Teutonien, um kurz vor halb acht gehen wir mit einem geliehenen Regenschirm (!!) in Richtung Strandpromenade. Unser Tisch wartet etwa zwanzig Minuten entfernt auf uns. Wir feiern den Start unseres Badeurlaubs mit einem Fläschchen aus Ludes, dazu gibt es eine Terrine campagnarde, eine Assiette coquillages et crustaces sowie den Thon tataki und das Faux filet. Am Ende teilen wir uns noch ein Mi-cuit chocolat noir.

Das Restaurant macht jetzt zwei Tage Pause, wir suchen entlang der Promenade noch kurz und ohne Ergebnis nach einer Alternative. Morgen gehen wir ins Meer. Am Dienstag kommen wir wieder.

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