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Donnerstag, 25. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 25. Juni 2026 – Au paradis du vinaigre

Come in and drink out

Während des Frühstücks (im Zimmer) gratulieren wir einer langjährigen Freundin zum Geburtstag. Dann befreien wir das Auto und fahren nach Boigny-sur-Bionne zu Martin-Pouret.

Die Fahrt dauert nicht lange, die Produktion befindet sich außerhalb des kleinen Ortes, die Besucherparkplätze sind komplett belegt – heute ist Visite. Als wir den Verkaufsraum betreten, ist die Gruppe von ähnlich aussehenden Grauhaarigen schon da. Auch uns will die junge Frau hinter dem Tresen gleich fünf Euro abnehmen und dazustecken.

Aber deswegen sind wir nicht hier.

In Boigny-sur-Bionne ist Gottes Haus geschlossen

Wir tragen unsere Wünsche vor, die junge Dame ist sehr engagiert, aber überfordert. Sie ruft eine Kollegin, auf die wir so engagiert einreden, dass die Visite-Rentner uns zur Ruhe ermahnen müssen.

Ergebnis: Die Kollegin ist viel netter als befürchtet und verkauft uns tatsächlich zwei Bidon à cinq litre. Vor lauter Freude nehmen wir noch einen großen Senf, und sie schenkt uns noch eine Mayonnaise obendrauf. So kehren wir beglückt zum Auto zurück, verstauen unsere Schätze und machen uns auf den Weg nach Langres.

Um 14.15 Uhr fahren wir bei 39 Grad in die Region Champagne-Ardenne ein. Die Autobahn ist rötlich-beige asphaltiert und an vielen Stellen aufgeplatzt. Die entstandenen Risse und Spalten wurden mit Teer ausgegossen. Die Autobahn ist so leer, wie wir es lange nicht erlebt haben. Und so ein Tempolimit ist wirklich eine feine Sache.

Nach dem Essen geht auch die Sonne schlafen

Um kurz nach 16.00 Uhr kommen wir zu unserem Hotel. Wie checken ein, tragen das Gepäck nach oben, und die Gattin kümmert sich ums Parken. Nach etwa 20 Minuten ruft sie an und bittet ausgerechnet mich um Unterstützung. Ich finde sie (die Gattin, nicht die Unterstützung) in einer Garage mit vier mit Schaumstoff umwickelten Pfosten, die den großen Raum in neun Felder teilen. Unser Auto soll auf das Feld hinten rechts.

Sie hat's probiert, ich probiere es, leider ist die Mechanik nicht auf unserer Seite. Ohne Pfosten wäre die Aufgabe lösbar, mit Pfosten geht es einfach nicht. Ich spreche mit der Rezeption, es gibt noch einen anderen großen Raum, diesmal ohne Pfosten. Und der Offenbacher steht auch schon drin.

Der Mann, der Langres auf die Weltkarte hob

Nach erfolgreichem Parken geht es unter die Dusche (die ist jetzt nötig) und zur Ruhe. Um 20.00 Uhr sitzen wir im Restaurant und ordern: 2x Truite de Veuxhaulles, 2x Caille farcie aux herbes und danach einen Éclair façon “Belle Hélène” und Le citron du Cheval Blanc. Zum Essen gibt einen Pouilly-Vincelles. und drei Carafes d'eau.

Hinterher gehen wir noch eine halbe Stunde durch den Ort, sehen eingezäunte Brachen, auf denen vor drei Jahren noch Häuser standen, und sprechen mit Nachbarn, die darum bitten, dass wir ihnen die Fotos schicken, die wir seinerzeit von eben diesen Häusern gemacht haben. Um halb elf sind wir zurück, machen das Fenster auf und hoffen, dass die Nacht ein paar Grad abkühlen möge.

Kein Haus, nirgends

Déjà-vu 2026 | 24. Juni 2026 – Edd ze neggsd raundebaud

Genau darum geht es im Leben

Wir stehen um kurz nach acht auf, das Packen heben wir uns für später auf.

Beim Frühstück keine Besonderheiten, unsere Nahrungsaufnahme reduziert sich mehr und mehr in Richtung Brioche und anderen Süßkram. Gegen 10.00 Uhr sind wir mit dem Packen fertig, ich verabschiede uns noch von unserer Femme de chambre. Kurz darauf ist das Auto gut gefüllt, sogar die neue Glacière geht noch gut rein.

Also fahren wir los, erstmal durch die Stadt zum Bäcker und zu dem kleinen Carrefour. Leider gibt es dort keinen Le Mothais, dafür hat der Bäcker noch ein Baguette für uns. Die Temperatur liegt schon jetzt bei über 30 Grad.

Auf der Autobahn tags um bald drei

Von Châtelaillon-Plage geht es ohne große Verzögerung auf die Autobahn in Richtung Orléans, bzw. zunächst einmal in Richtung Meung-sur-Loire, wo wir ja noch Ziegenkäse kaufen wollen. Die ersten 80, 85 Kilometer fahren wir kostenlos auf einer gut ausgebauten Schnellstraße, die uns zur A10 bringt, der wir bis Meung folgen. Wir fahren sehr langsam, der Tempomat ist auf 100 km/h eingestellt. Das Auto macht das sehr gut.

Bei Hyper U tanken wir erstmal: 31 Liter nach ca. 650 Kilometern. Dann gehen wir rein, um den Käse zu kaufen, aber mit Blick auf unsere etwas abgewrackte Glacière rät uns die Verkäuferin von den frischen Ziegenkäsen ab, weil sie umkippen können. Also beschränken wir uns auf die affinierten Vertreter der Gattung, die in der Lage sein sollten, auch mal drei, vier Tage canicule auszuhalten.

Diesmal überwiegend ohne Grenzverkehr

Die letzten Kilometer nach Orléans fahren wir übers Land, das heißt: vom Supermarkt einfach geradeaus. Meung ist gleich das erste schöne Dorf, das wir passieren. Die alten Häuser, von denen viele zum Verkauf stehen, bräuchten dringend eine Sanierung.

Unser CarPlay verträgt die aktuelle Hitze nicht gut. Heute früh haben wir von Englisch auf Deutsch umgestellt, das hat gut geklappt, jetzt plötzlich nicht mehr. Jetzt spricht Hildegard Englisch mit deutschem Akzent: „Edd ze neggsd raundebaud tehk ze seggend eksid.“ Beim Kreisverkehr angekommen, spricht sie wieder Deutsch, und manchmal mischt sie auch. Wir werden das beobachten.

Um kurz nach 17.00 Uhr erreichen wir unser Hotel, wir halten kurz in der Seitenstraße und bringen unser stark reduziertes Gepäck in die Halle. Dann fahren wir in das sehr nahe Parkhaus über der Markthalle und finden tatsächlich einen Parkplatz, der unseren langen, breiten Leihwagen den Launen anderer Parker möglichst wenig aussetzt.

Gottes Haus im Abendlicht

Das Hotel ist eine Notlösung, nachdem das gebuchte Haus uns wegen Ausfall der Klimaanlage eine kostenfreie Stornierung angeboten hatte. Wir haben dieses Angebot gern angenommen, weil
 das Leben hier in Orléans derzeit ohne Klimaanlage nicht zu meistern ist. Jetzt ist es ein bisschen teurer, weil die Hotels in der Stadt sehr ausgebucht sind, was wohl dem Grand PianO Festival geschuldet ist, das von morgen bis einschließlich Samstag über 30 Konzerte präsentiert, davon 29 bei freiem Eintritt. Wo es Eintritt kostet, stehen Stars wie Avishaï Cohen und Yaël Naim auf den Bühnen der Stadt.

Nach dem Einchecken wird geduscht, die Gattin legt sich kurz hin, ich eile gleich mal zu Martin-Pouret und spreche über die Dinge, die ich gerne kaufen würde. Dort im Laden gibt es die sowieso nicht, aber die Dame ist nett und hört sich das alles an, obwohl sie eigentlich schon Feierabend hätte. Ergebnis: Wir werden morgen zur Fabrik fahren und dort schauen müssen, ob man uns mit dem Fünf-Liter-Bidon, den ich gerne hätte, davonkommen lässt.

Vitello tonnato oder tornato?

Um 19.30 Uhr gehen wir dann zum Essen. Das Restaurant ist nicht weit vom Hotel, wir waren  vor drei Jahren schon mal an meinem Geburtstag dort und fanden die Küche sehr gut. Im Lauf des Abends werden 13, 14 Gäste bekocht, das Essen ist immer noch hervorragend, die Weine sind nach wie vor moderat bepreist.

Wir trinken zwei Gläser Devaux zum Apéritif und zum Essen einen trocknen Vouvray. Apropos Essen: Es gibt einmal Vitello tonnato, ein bisschen anders interpretiert und nicht so in der Thunfischsauce ertränkt wie anderswo. Und einmal die langen Muscheln, die ich neulich bereits in Châtelaillon-Plage gegessen hatte – sie heißen Couteaux –, diesmal ohne Schale, dafür mit Basilikum-Pesto und auf einer halben Fenchelknolle drapiert, die in Citron vert gegart wurde. Das ist richtig klasse, genau wie das Mignon de Porc zum Hauptgang.

Visions of Johanna

Der Weg zurück führt wieder durch die 35-Grad-Temperaturwand. Vorbei an Johanna, quer über den Platz zu ihren Füßen, auf dem sich zwei Jungs einen nassen Pizzakarton zuspielen bzw. zuschieben. Nach dem Zähneputzen geht's direkt ins Bett, weil morgen ist ja wieder ein harter Tag mit der Fahrt in die Essigfabrik und in Richtung Langres.

Was Johanna sieht, wenn sie nach links schaut