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Dienstag, 2. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 2. Juni 2026 – Ein unerwarteter Besucher

Die dritte Woche beginnt mit Regen

Heute haben wir nur eins vor: Nichtstun.

Dementsprechend stehen wir kurz nach acht auf, machen uns langsam ausgehfein und sind um neun Uhr bei unserem Frühstücks-Bäcker. Vor Ort gönnen wir uns zwei Formule petit-déj, bestehend aus Café et croissant. Weil das für Nicht-Franzosen viel zu wenig ist, nehmen wir noch ein Baguette plus sonstige Viennoiserie mit.

Nächste Station ist die Fromagerie Tournusienne, gleich unten an der Ecke. Den Laden haben wir Ende der 80er im letzten Jahrtausend kennengelernt, damals führte ihn ein Ehepaar um die 30, und der Ehemann vermittelte immer den Eindruck, als wolle er den Käse am liebsten behalten. Vor einigen Jahren haben die Beiden an einen Nachfolger übergeben, Sébastien Boisson, der dem Namen nach eher etwas zum Käse verkaufen sollte.

Der Weg des Geistlichen

Aber die Qualität ist nach wie vor einzigartig. Wir nehmen einen frischen Ziegenkäse, ein sehr kleines Stück Brie de Meaux und eine ordentliche (= 400 Gramm) Scheibe zwölf Monate alten Comté. Später, beim Mittagessen, stellen wir dann fest, dass alle drei perfekt gereift und viel zu wenig für zwei Käsejunkies wie uns sind.

Zurück im Hotel essen wir das Sonstige von heute früh und brechen gleich danach wieder auf, diesmal mit den Rädern. Zuerst besuchen wir die Abbaye Saint-Philibert de Tournus, die wir immer wieder mal besuchen. Man will ja nicht nur treten und futtern, auch die Kultur soll nicht zu kurz kommen.

„No, I am your father.“

Was wir bei der Gelegenheit lernen, ist, dass vieles Religiöse, was wir heute als quasi gottgegeben erachten, einen langen Weg hinter sich hat. Eines der Holzkreuze in der Abbaye trägt dort, wo wir ein INRI erwartet hätten, die Buchstaben IHS. Wenn man gelesen und verstanden hat, welche Entwicklung damit verbunden ist, dann wird das Studium der Theologie plötzlich mehr als nur das Lesen in der Bibel.

Nach der Abbaye zieht es uns zu Carrefour, wo wir das Nötigste für heute und morgen erwerben. Anschließend zurück ins Hotel, denn wir haben für mittags eine Stunde im Becken gebucht, und da wollen wir keine Minute verpassen.

Becken, die die Welt bedeuten

Nach dem Schwimmen folgt das Duschen und Wäschewaschen (muss ja morgen alles trocken sein) und das karge Mittagessen, dessen Qualität der Gattin die Tränen in die Augen treibt. Danach legen wir uns wieder hin und stehen erst nach 15:00 Uhr wieder auf.

Draußen regnet es, und vor unserem Fenster sitzen links außen zwei kleine, graue Bällchen, die sich als zwei Generationen Gartenrotschwanz herausstellen. Das ist für uns besonders interessant, denn bei uns nistet gerade ein Pärchen dieser Gattung und infolge Abwesenheit können wir an der Entwicklung und Aufzucht des Nachwuchses nicht teilhaben. Aber hier schauen wir gerne zu, wie die/der Alte, der/dem Jungen die nötigen Kalorien bringt.

Dem Nachwuchs auf der Spur

Es folgt ein bisschen Büroarbeit und weitere Reiseplanung, um Viertel nach sechs noch ein Telefonat mit dem Kinde, und schon bald ist wieder Zeit für den Weg an den Quai. In der gleichnamigen Brasserie sind fast alle Tische besetzt, wir verbringen den Abend zwischen einem amerikanischen und einem französischen Pärchen.

Der Amerikaner spricht überraschenderweise sehr gut Französisch, die Amerikanerin nicht, dafür quäkt sie wie Dolly Parton. Essen können sie beide nicht, trinken umso besser – das ist zumindest ein Anfang. Wie am Sonntagabend muss allerdings die Frage erlaubt sein, warum der Wehrfähige hier sitzt, statt die Straße von Hormus freizubomben.

Auf französischer Seite ist auch keiner der Teilnehmer des Essens mächtig. Die Dame gabelt sich mit der rechten Hand durch den Teller, der Herr bestellt und trinkt zu den Quenelles einen roten Premier Cru.

So einer fließt auf unserer Seite des Rheins eher nicht

Wir lassen es langsam angehen, trinken vorab einen Crémant, danach einen Côte de Nuits Villages. Das Essen kommt auch nicht zu kurz: je zweimal Œuf 63° à EpoissesCoq au vin und zum Abschluss einen Coupe Bourguignonne, den die Gattin ob seiner Qualität nur unter Zuhilfenahme äußerster emotionaler Selbstbeherrschung zu sich nehmen kann.

Als wir das Lokal verlassen, legt die Avalon Poetry II am Kai an. Das Schiff sieht aus, als wäre es das richtige für uns. Wir sprechen mit dem Skipper, am Freitagmorgen könnten wir in Lyon zusteigen – aber leider hat er keine Kabine für uns frei. Im Hotel schauen wir mal auf die Angebote und sind froh, dass es nicht geklappt hat. Der Anbieter ruft für die Woche von Chalon nach Arles mindestens 4.600 Dollar auf. Pro Person, wohlgemerkt.

So sieht es hier jeden Abend aus

Wir gehen beschwingt bis selig zurück ins Hotel, zahlen die 200 Euro, die noch offen sind, und beschließen den Abend mit dem guten Gefühl, eine sehr günstige Reise zu unternehmen.

Einkaufen mit kultureller Note