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Samstag, 13. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 13. Juni 2026 – Damals nass, heute staubtrocken

Wer einen Fehler wiederholt, ist dumm

Heute ist Internationaler Wellnesstag, darauf muss man auch erstmal kommen.

Unser notdürftiges Frühstück setzt sich zusammen aus Milchbrötchen Schinken, Comté und einem Rest Baguette von gestern. Dazu gibt's lecker Kaffee aus der Nescafé-Dose. Wir müssen nirgendwo hin, müssen uns nicht anstellen, können alles schnell erledigen. Das hilft uns, ein bisschen Zeit zu sparen. Besonders erfreulich: Wir können die Räder vor der Tür unseres Apartments beladen, so dass wir keine großen Trageaktionen haben. 

Zum Schluss bedanken wir uns noch per SMS bei unserem Vermieter Hagge. Er dankt zurück, wünscht gute Fahrt, und schon sind wir draußen auf die Straße.

Dieses Bild haben wir auch in nass

Wir fahren ab Homps gleich auf die D610, die ist relativ frisch gemacht, und es geht gut voran. Der Wind kommt immer noch brutal auf uns zu, und irgendwann entscheiden wir, dass wir jetzt den Motor anmachen, nach Carcassonne fahren und uns dort in den Zug 
setzen. Den Fehler von vor 14 Jahren möchten wir heute nicht noch mal wiederholen.

Einige der Autofahrer, die mit uns die Straße teilen, finden unsere Idee, dass wir uns auf einer Route départmental bewegen, nicht so gut. Sie fahren dann mit 20 Zentimeter Abstand vorbei. Mein als Lehrer sozialisierter Schwager würde sagen: „Edukativer Impetus“, aber das können wir nicht ändern. Wir haben ein Ziel vor Augen, und da fahren wir hin.

Nach einer Dreiviertelstunde sitzen wir in Marseillette in der Bar, in der wir vor 14 Jahren auch schon mal saßen. Da haben wir allerdings nicht draußen gesessen, weil es regnete. Jetzt sitzen wir draußen, denn es ist richtig heiß (auch das spricht für den Transport mit der Bahn).

Mit uns sitzen andere alte Ehepaare draußen und bestellen Café und Chocolat chaud. Drinnen an der Bar sitzen fünf Herren, die sich nicht mit Präliminarien aufhalten, sondern längst bei Pastis, Vin bleu und anderen Getränken mit zweistelligen Volumenprozenten sind. Wir reißen uns irgendwann los und bleiben der D610 bis Trèbes treu.

Heute gibt Trèbes ein ganz anderes Bild ab

Der direkte Weg nach Carcassonne führt über die D303 und D6113, die auf der Karte beide eine gewisse Ähnlichkeit mit Autobahnen aufweisen. Also beißen wir in den staubigen Apfel und biegen auf den Kanalweg ab. Was uns dabei nervt – Staub, Löcher, Rillen, Schotter –, merken die Menschen, die uns mit Rückenwind entgegenkommen, offenbar nicht. Sie brettern mit 50 bis 60 Millimeter breiten, stark profilierten Reifen über alle Hindernisse. Viele fahren in Gruppen und ohne Gepäck.

Entweder sie fahren alle sicherer als wir. Oder sie machen sich keine Gedanken. Oder was auch immer. Wir wundern uns.

Von dem einen Meer kommen wir

Nach knapp zwei Stunden stehen wir an Fahrrad, Taschen und Körper hellgrau bestaubt vor dem Bahnhof von Carcassonne. Ich stelle mich drinnen am Schalter an, vor mir ein Pärchen aus dem englischsprachigen Raum, ein schwarzer Teenager und eine kleine, agile Rentnerin.

Vorne wird in gutem Französisch diskutiert, die alte Dame macht parallel dem jungen Mann klar, dass er sein Ticket lieber am Automaten kaufen sollte, statt hier Zeit zu verschwenden. So rücke ich einen Platz nach vorne. Apropos vorne: Plötzlich steht der Schaltermann mitten im Gespräch auf und verschwindet. Die Engländer sind verdutzt, verzeifeln, warten ca. zwei Minuten vergeblich und verlassen den Bahnhof unverrichteter Dinge. Die alte Dame bindet mich in ihr Leben ein. Gemeinsam versuchen wir zu ergründen, wo der Schaltermann geblieben ist und was da wohl los war.

Nach fünf Minuten ist er wieder da und verkauft der Kundin eine Hin- und Rückfahrt nach/von irgendwo. Das ist kompliziert, aber von Erfolg gekrönt. Mein Anliegen beantwortet er ohne nachzuschauen: Heute keine Plätze für Fahrräder mehr frei in den Zügen nach Castelnaudary. Die alte Dame schaltet sich ein, fragt ihn nach Busverbindungen, die Räder mitnehmen. Nein, gibt's auch keine.

350 Jahre Romantik vor Carcassonne

Ich gehe geschlagen raus zu meiner Ehefrau und berichte.

Ein paar Meter weiter steht ein Linienbus. Ich gehe hin, spreche mit der Fahrerin, und sie meint, dass es sehr wohl Busse nach Castelnaudary gibt, die Räder mitnehmen. Deshalb und weil heute Samstag ist, soll ich aber bei der regionalen Verkehrsgesellschaft im Internet nachschauen, um das Passende zu finden. Das machen wir drüben auf dem großen, schattigen Platz. Und siehe da: Zwei Erwachsene in unserem Alter zahlen bei der Bahn zwei Euro, sechs von zwölf Fahrradstellplätzen sind um 13.40 Uhr noch frei, der Transport der Räder ist kostenlos, man muss nur reservieren.

Der Zug ist pünktlich, wir sind es auch. Die Stellplätze sind überbelegt, wir quetschen uns mit rein, wir haben ja reserviert. Die anderen Radreisenden haben gute Ratschläge für uns, wie wir uns und die Räder hinstellen sollen. Man kommt ins Gespräch, alle kommen irgendwo her und wollen irgendwo hin.

In Castelnaudary angekommen, gibt es leider keinen Aufzug für die Räder. Wir müssen abpacken und tragen, das hatten wir schon lange nicht mehr. Unser Hotel ist rund zweieinhalb Kilometer vom Bahnhof entfernt, es geht gut bergab. Der erste Eindruck ist erschreckend: billige Hütte am Kreuz der Schnellstraßen. Es kann nur besser werden, und das wird es auch.

Die jungen Inhaber sind fröhlich, der Pool im Garten ist erfrischend, das Zimmer macht seinen Job. Wir legen uns nach dem Schwimmen und Duschen hin und würden am liebsten bis morgen früh durchschlafen. Aber wir haben Halbpension gebucht. Und wir müssen noch klären, wie wir uns neu aufstellen, um mit den 35 Grad zurechtzukommen, die für die nächsten Wochen im Schatten angesagt sind.

Zum Crémant de Limoux nehmen wir Foie gras poêlé und Salade lauragaise, als Hauptgänge werden Linguines de la Mer und Demi-Magret de Canard geordert. Zum Schluss gibt's noch zwei sehr süße Snickers-Variationen.

Mit diesen Zeilen geht es ins Bett. Ab morgen sehen wir, ob unsere neue Planung uns gut weiterbringt.

Erst viel Akku, dann viel Gleis

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