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| Frankreich? Spanien? Toulouse! |
Heute sind wir früh aufgewacht, aber Frühstück gibt es erst ab acht (schon wieder so ein super Reim). Also räumen wir schon mal unsere Tüten zusammen, das spart später Zeit.
An der Bar ist alles hübsch aufgebaut und besteht auch den Qualitäts-Test. Wir kochen uns ein Ei zum Mitnehmen und belegen noch ein bisschen Baguette fürs Mittagessen. Danach packen wir den Rest zusammen, klären mit unserem Hotel in Toulouse, dass wir ab Mittag ein Zimmer haben und machen uns auf den Weg.
Um der Hitze zu entgehen – es soll deutlich mehr als 35 Grad warm werden —, schalten wir heute von Anfang an auf volle Lotte. Es sind bloß 65 Kilometer, da reicht der Akku, und wir wollen keine Minute Zeit verlieren.
Der Anfang ist wie seit Cap d'Agde bekannt: gelöcherte Sandpiste, mal feiner, mal grober Schotter, mal oberflächlich, mal vier, fünf Zentimeter tief, keine Bäume. Beim vorsichtigen Fahren habe ich heute gelernt, wie man ein Elektrofahrrad fahren muss: kleiner Gang, fünfmal treten, lange rollen lassen, wieder fünfmal treten, wieder lange rollen lassen und so weiter. Das kostet vielleicht ein bisschen Energie, hat aber den Vorteil, dass man sich auf den Weg konzentrieren und mit wenig eigenem Aufwand sehr entspannt sehr weit fahren kann.
Veritable Freude statt Entspannung kommt dann bei der Passage der Poterie Not auf, die tatsächlich ganz unscheinbar direkt am Radweg liegt. Und da am Sonntag kein Betrieb herrscht, ist man schnell daran vorbeigerauscht. Deren klassische Cassoulet-Schüsseln haben wir zum ersten Mal bei unserem zweiten Toulouse-Besuch (mit Auto) in einem Haushaltswarenladen der Stadt gekauft. In kleinerem Format wären sie auch ganz schön, aber diesmal ist nicht die Zeit für terre cuite.
Bei Kilometer 18 steht rechts das Schild mit der Zauberformel „Vous êtes en Haute-Garonne“ und, zack, ist der Weg drei Meter breit, asphaltiert und macht überhaupt keine Probleme mehr. Die Räder fahren wie von allein, wo vorher 80 Prozent der Bäume krank und gefällt oder nachgepflanzt waren, sind jetzt nur wenige Bäume kaputt.
Auf den folgenden Kilometern kann man verstehen, was den Canal du Midi für so viele Menschen so attraktiv macht und gemacht hat. Wir finden es hier ganz große Klasse, und es ist uns egal, wie lange es noch dauert bis Toulouse. Wenn wir so weiter fahren können, fahren wir noch bis sonstwohin.
Unsere Zuckerpause machen wir im Schatten bei Vaysse. Wir sind jetzt 30 Kilometer gefahren, zuletzt auf der bisher schönsten Strecke am Canal du Midi. Um zwölf Uhr machen wir Mittagspause kurz vor Toulouse. Wir sind völlig begeistert und fragen uns, warum man den Radweg nur in der Haute-Garonne so macht. Gerade wenn und weil der Kanal ein solcher Publikumsmagnet ist, sollte man ihn doch auch so attraktiv wie möglich gestalten. Und das Ganze ist ja keine Erfindung der Toulousains, sondern eine französische Institution.
Wie auch immer, wir schauen den vorbeifahrenden Rennradfahrern nach – Pärchen, Gruppen, Einzelmeister – und steigen irgendwann selbst wieder auf. Wir fahren elf Kilometer an den Hausbooten auf dem Kanal vorbei. Das erinnert an die Fertighausausstellung bei Bad Vilbel, nur halt mit Hausbooten und nicht zum Verkauf. Gegen halb zwei kommen wir in unserem Hotel an. Das Viertel kommt uns sehr bekannt vor. Wir sind heute zum vierten Mal in der Stadt und fühlen uns gleich ziemlich heimisch.
An der Rezeption erwartet uns Laure, die erstmal fragt, wieso wir so spät dran sind, wir hatten doch angefragt, ob wir das Zimmer ab Mittag haben könnten. Wir können das so beantworten, dass sie es durchgehen lässt. Dann gibt sie unseren Pferdchen eine schöne Bleibe samt Steckdose und uns die Zimmerkarte. Wir machen es uns gemütlich, gehen in den Pool auf dem Dach und säubern Betroffenes und Betroffene vom Kanalstaub. Danach Pause bis halb sieben.
Der anschließende Weg durch Centre ville ist mehr déjà-vu als erwartet. Hier ein Laden, den wir schon besucht haben, dort ein Platz, an dem wir etwas getrunken oder gegessen oder nur gesessen haben. Wir kommen sogar nahe der Markthalle vorbei, wo wir mittags erlebt haben, was ein begabter Metzger mit Fleisch anstellen kann.
Nach etwa einer Stunde des Laufens, Staunens und Erinnerns finden wir uns an der Place de Pont Neuf wieder, die wir als unser Portal in die Innenstadt erkennen. Nicht weit entfernt ist unser Restaurant für heute Abend. Wir werden freundlich aufgenommen, es gibt ein einheitliches Menu mit Pot au feu, Salade campagnarde und Saucisson & terrine de campagne. Danach nehmen wir das Confit de canard und die Mousse au chocolat. Crémant und Vin rouge fließen reichlich, wir finden trotzdem zurück zum Hotel.
Morgen erwartet uns ein neuer Tag.
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| Vom Canal du Midi ins Paradies |









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