![]() |
| Schönes Belgien auf dem Weg an die Küste |
Nach dem vielen Sitzen während der letzten beiden Tage, machen wir heute mal was Vernünftiges: Wir setzen uns aufs Rad.
Die Küste ist nicht weit, es geht in Richtung Knokke. Komoot führt uns in nordöstlicher Richtung durchs ländliche Umland. Die Route ist so platt wie ein Tisch – auf knapp 80 Kilometern Strecke erreichen wir gerade mal 140 Höhenmeter.
Zunächst geht es durch Dudzele, eine der ältesten bewohnten Siedlungen nördlich von Brügge. Auf den gut ausgebauten und, siehe oben, flachen Asphaltwegen sind wir nicht allein mit den Rädern unterwegs. Irgendwann kommt uns eine achtköpfige Gruppe ambitionierter Senioren auf Rennrädern entgegen. Auf mein „Allez, allez, allez!“ schallt uns die gleichlautende Entgegnung eines soliden Männerchors entgegen.
Nach etwas mehr als einer Stunde gemütlichen Rasens durch schöne Landschaft erreichen wir den Oostwinkel von Knokke-Heist. Es ist gräßlich.
Acht- bis zehngeschossige Kästen säumen in Zweierreihen die Küste bzw. die dahinter verlaufende Hauptstraße. Der darauf folgende Sandstrand ist mit Badehäusern, Bootsverleih und sonstigen Touristen-Melkmaschinen übersät. Menschen sieht man nur wenige und alle in ziemlich dicken Jacken. Es ist einfach zu kalt und zu windig.
Weiter geht es durch Seebrügge und das Knokke in nichts nachstehende Blankenberge. Kurz darauf kommen wir durch De Haan, das von ansehnlichen Einfamilienhäusern und Villen dominiert wird. Hier haben sich diejenigen niedergelassen, die den Strand und die Seeluft schätzen und es sich leisten konnten, dem Rest der Meute auszuweichen.
Kurz hinter Bredene umfahren wir das Fort Napoleon, drehen kurz vor Oostende um und fahren durch kontinuierlich schöner werdende Landschaft auf Radwegen entlang eines Kanals in westlicher Richtung zurück nach Brügge.
Wenige Kilometer vor der Stadt habe ich das Gefühl, das mein linker Schuh im Pedal „schwimmt“. Zuerst denke ich, das meine Cleats wohl schon ziemlich abgeschliffen sind (was nicht ganz falsch ist), dann sehe ich, dass sich auf der linke Seite die Kurbel vom Lager gelöst hat.
Ich schaue mir das Problem an, habe sowas noch nie gesehen und deshalb keine Lösung. Aber es gibt ja EU-Roaming, so dass ich den Mann anrufen kann, der den aktuellen Stand der Technik verbaut hat. Er wundert sich, gibt aber Entwarnung. Gelöst habe sich nur das Plastikteil, das die Kurbel an den Rahmen zieht, das kann man mit einfachen Mitteln wieder in die richtige Position bringen. Danach muss man die Schrauben, die die Kurbel am Vierkant halten, kräftig nachziehen.
Ich stelle fest, dass besagte Schrauben sehr locker sind und drehe das Plastikteil so weit rein, wie ohne passendes Spezialwerkzeug möglich. Danach ziehe ich die Schrauben sehr fest an.
Zur Entstehung des Problems haben wir eine einfache und schlüssige Idee. Unser Techniker wollte anstelle der 105er von Shimano eigentlich die Campagnolo-Kurbel verbauen, die zur Schaltung gehört. Das ließ aber der Mahle-Sensor im Tretlager nicht zu. Weil unser Mann auf eine Lösung von Mahle wartete, schraubt er die Kurbel nur locker zusammen, so dass sie sich auf dem Kopfsteinpflaster-Passagen in den Ardennen langsam lösen konnte.
Für morgen früh kann ich nachher einen Werkstatt-Termin vereinbaren.
Abends landen wir heute beim Ägypter. Er sieht erstmal gar nicht so aus und bietet auch alle typisch belgischen Gerichte, aber die gute Küche und der „Is'-mir-doch-egal“-Service sind fest in ägyptischer Hand. Madame nimmt de halve Kip, Monsieur de Mosselen witte wijn. Beides macht sich sehr gut, auf die Motivation des Kellners hat das keinen Einfluss.
Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir an einem Restaurant vorbei, in dem wir lieber gegessen hätten. Es ist leer, die Tür ist noch offen, wir reservieren für morgen.






Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen