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Samstag, 27. Mai 2023

La France avecque ... un changement profond

Eine ganze Herde Pferde, Pferde, Pferde


27. Mai 2023


Wir sind vernünftiger als gedacht. Wir fahren nicht durchs wilde Limousin.


Gleich morgen brechen wir bei erwarteten 27 Grad in Richtung Nevers auf. Da gibt es eine tolle Kathedrale, vernünftige Hotels und abends ordentlich was zu essen. Der heutige Tag lässt uns Zeit zum Pferde besuchen und Zeit für einen kleinen Vergleich von zwei identischen Strecken der Touren 2012 und 2023.


Zwischen Montbéliard und Besançon lagen 2011 rund 96,50 Kilometer. Dafür brauchten wir 4:24 Stunden bei einem Verbrauch von 3.150 Kalorien. 2023 war die Strecke etwa genauso lang. Wir benötigten 4:18 Stunden und 1.900 Kalorien. Das heißt: gerade mal ein paar Minuten weniger Fahrzeit, aber deutlich weniger Kalorienverbrauch.


Zwischen Besançon und Saint-Jean-de-Losne lagen 2011 rund 89,00 Kilometer. Dafür brauchten wir 4:48 Stunden bei einem Verbrauch von 3.360 Kalorien. 2023 war die Strecke rund vier Kilkometer kürzer, dafür war der Weg am Anfang deutlich schwerer. Wir benötigten 4:08 Stunden und 1.800 Kalorien. Hier sind es 40 Minuten weniger Fahrzeit bei viel schwererem Weg. Und trotzdem fast halber Kalorienverbrauch.


Ab morgen früh: 700 Kilometer westwärts

Was also bringt uns der Motor?


1. Wir bewältigen die Etappen zehn Jahre später schneller, mal mehr, mal weniger.

2. Für vergleichbare Strecken benötigen wir deutlich weniger Energie. Das heißt, dass wir eher in der Lage sind, die verbrauchte Glukose wieder aufzufüllen.


Außerdem haben wir inzwischen verstanden, dass unsere ursprüngliche Idee, möglichst lange selbst und erst am Ende der Strecke mit Unterstützung zu fahren, nicht die beste ist. Viel effizienter ist es, die vorhandenen 250 Watt von Anfang an bei Steigungen einzusetzen und ggf. sogar lieber am Ende noch mit eigener Kraft zu fahren.


Diese Erkenntnisse setzen wir ab morgen wieder in der Praxis um. Heute Abend gibt's mehr von dem Käse aus Dompierre, Wein ist auch noch ausreichend da.

La France avecque ... le coq, le vin et le fromage

Bonjour à Saligny-sur-Roudon


26. Mai 2023


Christine fährt heute gleich nach dem Frühstück in die Schweiz. Wir Übriggebliebenen haben uns für den Abend zur Käseplatte verabredet. Die gibt's allerdings nicht im Ort, sondern in Dompierre-sur-Besbre, wo die größeren Supermärkte zu Hause sind.


Um viertel nach elf klemmen wir eine Tasche an den Gepäckträger, schalten die Motoren an und jagen in die Stadt. Das geht recht fix, leider bremst der Motor stark ab, sobald das Rad eine Geschwindigkeit von 25 km/h erreicht. Das ist systemimmanent und bei Anstiegen kaum spürbar. Auf der welligen Straße mit ihren kurzen Steigungen und Abfahrt stört es allerdings ziemlich.


Zum Käse kauft der Teutone in Frankreich Wein und Baguette. Und weil er gerne Proviant mitnimmt, kauft er auch noch etwas Belag für die Brote zum Mitnehmen. Nach dem Mittagessen legt sich die Erkrankte hin, der Gesündere fährt ein bisschen Radprobe mit der Gastgeberin. So eins will sie auch, nur mit anderem Lenker!


Später waschen wir noch Wäsche, machen die Räder sauber und überprüfen die Technik. Bei der Gelegenheit schaue ich mir auch nochmal die Profile der Strecken an, die meine Gattin gerne fahren würde. Das sieht durchaus problematisch aus.


Zum einen, weil Strecken von 50 Kilometern mit bis zu 1.100 Höhenmetern dabei sind. Zum anderen, weil am Ende einiger dieser Strecken die Infrastruktur fürs Schlafen und Essen eher mangelhaft erscheint. Mit einer anspruchsvollen Rekonvaleszenten kann ich mir passendere Routen und Ziele vorstellen.


Viel Ziege, alles Käse

Abends gibt's den Käse aus Dompierre, zwischendurch rufen besorgte Freunde aus Bad Vilbel an, die weitere Einträge bestellen. Dann ist erstmal wieder Ruhe. Morgen entscheiden wir, wie's mit uns und der Strecke weitergeht.


Einkaufsbummel mit dem Rad, on va b1

La France sans e (presque)

Feines Frühstück in sachlicher Atmosphäre

25. Mai 2023


Unter dem Kreuz schläft man gut. Im Refektorium speist man gut.


Wir haben nur etwa 35 Kilometer vor uns, da können wir uns mit der Abfahrt Zeit lassen und uns noch ein  bisschen im Hause umschauen:

Die Kerzen sind nicht echt, aber wenn der Papst zum Essen käme, wäre es keine Überraschung

Das Frühstück kann es mit jedem anderen auf dieser Tour entspannt aufnehmen. Außerdem praktiziert Le Prieuré Inklusion in Service und Küche und statt eines Automaten von Melitta o.ä. stehen hier drei (!!!) Kaffeemaschinen von Jura. Eine gefüllt mit Bohnen von „Café joyeux“, einem Unternehmen, das mit seinen Erlösen karitative Projekte unterstützt.

All das trägt das Haus nicht vor sich her. Wir haben es im Gespräch mit einem Restaurant-Mitarbeiter und dem Küchenchef erfahren.

Auf allen Ebenen: das Bogenfenster als Markenzeichen


Vor der Abfahrt besuchen wir nochmal die Apotheke von gestern Abend und bedanken uns für den Restaurant-Tipp. Schräg gegenüber hat jetzt auch der Laden mit den tollen Espadrilles geöffnet. Leider passen unsere Füsse zu keinem der Modelle.


Um halb elf geht's dann endlich auf die Piste. Die Akkus haben noch acht bzw. zwölf Prozent Ladung, da fahren wir erstmal mit eigener Energie, denn wir wissen, dass es am Ende ab Pierrefitte-sur-Loire nochmal drei Kilometer heftig bergauf geht. Und für exakt solche Zweifelsfälle menschlichen Lebens haben wir die neuen Räder ja gekauft.


Der Kanal kurz hinter Paray-le-Monial


Nach 40 Minuten sind wir in Digoin, fahren zunächst durch den Hafen, dann weiter über den Pont-canal, womit wir nach 750 gefahrenen Kilometern die Loire erreicht haben.


Die Wasserleitung über dem wilden Wasser


Obwohl wir uns immer noch im Burgund befinden, ändert sich nach der Brücke die Landschaft in eine auvergnate Form: Hecken, Büsche, Baumgruppen. Das regionale Klima lässt sich halt nicht sonderlich von echten oder künstlichen Wasserläufen beeinflussen.


Im Proxi in Pierrefitte holen wir das morgens bestellte Brot ab, schnallen es auf die Packtaschen und schalten den Motor zu. Drei Kilometer führt die folgende Strecke zunächst über eine steile Loire-Brücke und dann in Wellen weiter aufwärts. Beide Akkus kommen mit der verbliebenen Energie gerade so aus. Drei bzw. fünf Prozent sind am Ende noch übrig.


Weideland, Hügelland, Ausblick von unserem Zimmer

Unser erstes (Zwischen)Ziel haben wir damit erreicht. Der Gattin geht es noch nicht spürbar besser. Wir installieren uns kurz im 1. OG, dann halten wir unsere Gastgeberinnen erstmal vom Arbeiten ab. Das gemeinsame Mittagessen streckt sich über einige Stunden, schließlich gibt es viel zu erzählen.


Den verbleibenden Nachmittag verbringen wir mit gucken, staunen, Hunde streicheln, Katzen kraulen, Akkus aufladen. Ich helfe zudem beim Reifenwechsel mit, was mangels belastbarer Kenntnis schwierig wird. Später wird fürs Abendessen geduscht, wir sind auf der anderen Seite der Loire angemeldet.


Die Karte ist klein, Madame ist freundlich und kompetent. Beste Vorausdsetzungen für einen schönen Abend zu viert. Die Hunde freuen sich, dass wir zurückkommen.


Kleiner Haken am Schluss: 100 Höhenmeter auf zwei Kilometer

La France avecque ... le prieuré

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“


24. Mai 2023


Proxi ist gegenüber, wir fangen den Tag wie gestern an: Der Gatte kauft ein, die Gattin bereitet das Frühstück vor. Eier zum Mitnehmen gekocht, Kaffee gekocht – Maschine mit allem in der Küche, sogar Butter im Kühlschrank.


Dann kommt erstmal Google und weigert sich, wie gestern schon, Bilder hochzuladen. Das beeinflusst die Laune und kostet Zeit. Und es führt dazu, dass man später aufräumt, packt und abfährt.


Wenigstens sind es nur ein paar Meter bis zum Kanal. Außerdem zeigt die Sonne, dass es wirklich einen Unterschied macht, wenn sie scheint.


Die Sonne macht den Unterschied


So langsam geht es aufs Ende der Kanalbegleitung zu. Wir umrunden den Étang de Montchanin, durchqueren Montceau les Mines, wo sich in den letzten Jahren baulich viel getan hat, es im Inneren aber immer noch ziemlich marode und lieblos aussieht.


Eine Bank ist nirgendwo in Sicht. Wir beschließen also, gleich die erste nach der Stadt mit unserem Mittagessen zu belegen. Und dann zieht sich die D974 durchs Land, eng an den Kanal geschmiegt und bankfrei. Kurz vor Ciry-le-Noble fahren wir entnervt rechts ran, setzen uns auf einen etwa 50 Zentimeter hohen und mehr als einen Meter breiten Betonkreis, der hier als Blumentopf genutzt wird, und essen alles auf, was wir haben.


Zwischendurch kommt ein echter Schleusenwärter. Er telefoniert, trägt einen Zopf-Dutt und fährt mit dem Auto die Schleusen ab. Dort drückt er die richtigen Knöpfe oder zieht an bunten Leinen und fährt dann weiter. Wir fangen ihn ab und fragen, warum die Schleuse nach einer Durchfahrt vorhin das ganze Wasser wieder abgelassen hat. Es hätte ja auch ein Schiff aus der anderen Richtung kommen können und das Wasser wieder gestaut werden müssen. Seine einfache Antwort: „C'est pareil.“


Ein Glück, dass sie an dieser Stelle war


So lernt man im Vorüberfahren, wie es die Franzosen mit den Schleusen halten. Ohne Proviant geht es weiter, wir durchqueren Ciry-le-Noble und erreichen in Génelard das Centre d'interprétation de la ligne de démarcation, die während der deutschen Besatzung Frankreichs die Kollaborateure von der Résistance trennte. Das Rad der Gattin ist so beeindruckt, dass es sich hinlegt. Das Bajonett an ihrem Garmin funktioniert weiterhin.


Die Baufirma, die dringend einen Neubau bräuchte


Wo Franzosen mit den Deutschen kollaborierten


Kurz darauf erreichen wir Palinges und machen Station in Charlott's Pub. Die muntere Vierzigerin betreibt eine Live-Musik-Bar, zapft vorbeireisenden Radfahrern aber auch gerne zwei Café au lait und hält ein Schwätzchen über Störche, Frösche und gute Nachbarschaft. In ein paar Tagen feiert sie ihr einjähriges Jubiläum.


Frisch gestärkt geht es mit Tempo weiter in Richtung Paray-le-Monial. Rechts schlängelt sich die Bourbince südwärts, links klebt der Kanal an der D974. Irgendwann geht es links hoch zum Château de Digoine, irgendwann führt uns der Kanal nach rechts in die Stadt.


Was uns dort nach rund 80 Kilometern erwartet, ist sensationell: das Hotel Le Prieuré. Das Haus wurde gerade umfassend renoviert und den dafür Verantwortlichen ist der Spagat zwischen Sakralbau und modernem Hotel unglaublich gut gelungen. Von den Farben über die Möblierung bis in die kleinsten Details stimmt einfach alles. Sogar das Personal wirkt irgendwie christlich geprägt, aber weltoffen. Und wir haben die 27-qm-Junior-Suite inklusive Frühstück zu einem Preis von 80 Euro gebucht.


Dennoch ist nicht alles göttlich. Unsere Fahrradgarage hat keine Steckdose, die Pferdchen werden morgen also mit den restlichen acht Prozent ihrer Energie laufen müssen. Für uns gelten ähnliche Bedingungen – das hauseigene Restaurant hat Ruhetag. Wenigstens müssen wir nicht im Zimmer bleiben.


Schlichte Eleganz im Hotel des Priors


Nach dem Erholungsschlaf steuert die Gattin eine auf dem Weg liegende Apotheke an, um dem Husten mit pharmazeutischer Keule den Garaus zu machen. Ich nutze die Gelegenheit und frage die Apothekerin nach einer guten Adresse fürs Abendessen. Sie schickt uns ein paar Straßen weiter, wo wir den nächsten Treffer landen: L'évidence.


Das kleine Menu garniert die Küche mit Apéritiv, Amuse bouche und Pré-Dessert, so dass aus drei am Ende sechs Gänge werden. Die (jungen) Kellner haben ihren Beruf gelernt, die  Weinbegleitung ist sehr gut, und zum Hauptgang gibt's einen ausgezeichneten Pinot noir mit nur 12 Prozent Alkohol.


Je später der Abend, desto beeindruckender die Basilika

Wir kommen gut, zufrieden und glücklich zurück ins Hotel. 


Die letzten Kilometer im Burgund, morgen sind wir in der Auvergne

Dienstag, 23. Mai 2023

La France avecque ... personne

Alles frisch: Küche, Garage, Salon (links)


23. Mai 2023


Eigentlich fing der Tag ja gut an. Der Gatte kauft den Bäcker leer, die Gattin bereitet im Apartment das Frühstück vor. Eier zum Mitnehmen gekocht, Kaffee gekocht – Maschine mit allem in der Küche, sogar Butter im Kühlschrank.


Aus der Zeit, als Michelin noch ein Reiseführer war

Nach dem Frühstück aufgeräumt, gepackt, gefahren. Der Weg ist erstmal langweilig, mehr schlechte Straße als guter EuroVélo 6. Ab Chaugey geht's neben weitläufigen Felder am Kanal entlang südwestlich.


Und was war jetzt eigentlich mit „eigentlich“?


Nun, bis Chaugey zeichnet Madame eine Herzfrequenz zwischen 160 und 194 auf. Das macht sie sonst nicht, das hat sie auch beim Fahren nicht gemerkt. Aber wir kennen das Spiel und werden die nächsten Tage ganz genau auf ihren Herzschlag achten.


Seurre avecque les fleurs en ciel


Außer uns ist heute praktisch niemand unterwegs. Und weder der Himmel noch die Strecke geben vernünftige Gründe, draußen rumzufahren. Oben ist es grau, unten ist es grau, links oder rechts steht kniehoch Getreide oder knöchelhoch Mais. Das einzige Highlight des Tages ist Seurre, wo die Straßen bunt geschmückt, die Leute draußen sind und der Verkehr brummt.


Kaum raus aus der Stadt, wird's wieder eintönig, bis plötzlich ein ständig zunehmendes Rumpeln die Luft erfüllt. Wir nähern uns zielstrebig an und sehen rechts ein Förderband, das Kiesel transportiert. Wohin, sehen wir nicht. Aber wir fahren an diesem Band entlang. Lange. Bis es nach rechts abbiegt und weiter rumpelt.


Über Maps sehen wir später, dass es sich um ein kilometerlanges Transportsystem handelt, das die aus einem weit entfernten See gebaggerten Steinchen bis an eine Anlegestelle am Doubs bringt, wo sie sortiert, verladen und verschifft werden.


Viele Namen, ein Weg: EuroVélo 6


Ohne Kiesel wird die Umgebung gleich wieder langweilig, kurz vor Verdun-sur-le-Doubs sind wir zurück auf den Radweg – noch 20 Kilometer bis Chalon-sur-Saône.


Da würden wir vorher gerne Mittag machen, und finden tatsächlich inmitten von nichts eine, besser: DIE Bank, die wie dafür geschaffen ist. Der Wind pfeift uns ein bisschen um die Ohren, darf er auch, denn er pfeift in Fahrtrichtung. Um kurz nach eins fahren wir weiter.


Die nächsten Meter nach Chalon-sur-Saône


Einen besonderen Moment hatte der Tag auch noch: An einer der vielen Schleusen sehen wir, wie zwei Penichettes gleichzeitig einfuhren und wollen das gerne fotografieren. Der Kapitän des ersten Bootes nimmt gleich die Gelegenheit wahr, den Fotografen zum Schleusenwärter zu machen. Er beordert mich auf die andere Seite und bittet um kräftigen Zug an der blauen Leine. Das spart seiner Frau und ihm die Sprossenleiter an der Schleusenwand.


Das blaue Seil schließt die hintere Tür


In Chalon hätte ich mir gern einen neuen Flaschenhalter gekauft, weil der alte gebrochen ist. Daraus wird aber nichts, denn der Weg führt uns ein ganzes Stück nördlich an den Einkaufszentren der Stadt vorbei. Und plötzlich sind wir schon auf den letzten 20 Kilometern unserer Tagesstrecke.


Romantische (Wasser)Straße kurz vor Chagny


Hinauf nach Chagny läuft der Motor wieder mit, das geht den Weg fast schneller hoch, als ich ihn vor sieben Jahren runter gefahren bin. Im Caboulot Lyonnais trinken wir noch zwei sehr leckere Café crème, die Madame aber schon wieder zu teuer sind. Genau wie der Chablis gestern Abend. Zum Essen fand sie ihn super, auf der Rechnung nicht.


Der weitere Weg führt uns erstmal an Santenay vorbei, dann etwas mehr als einen Kilometer zurück ins Zentrum. Unsere heutige Bleibe ist kaum zu verfehlen, direkt gegenüber vom ProxiMarché.

Très chic mit Blick auf die Straße


Tom ist Brite, er begrüßt uns und weist uns ins Haus ein. Stephanie ist Kanadierin und seine Verlobte, bis dato unsichtbar. Das Apartment ist riesig: Küche, Wohnzimmer, Bad, Schlafzimmer plus zweites Bett und Toilette im OG. Alles ist so arrangiert, wie es sich der gemeine, westeuropäische Bildungsbürger vorstellt: hübsches Mobiliar mit Vintage-Touch, goldene Wasserhähne, Reminiszenzen aus der jüngeren europäischen Malerei an den Wänden, Bücher von Ian McEwan, Kochbücher von Ottolenghi usw.


Wir fühlen uns gleich wie zu Hause.


Abendessen gibt's ein paar Schritte weiter: 2x Menu 'Les classiques', dazu 1/2 Chablis und 1/2 Santenay 1er Cru. Wir gehen beschwingt hustend nach Hause.


Wir müssen verrückt sein: Statt uns nordöstlich durch die besten Lagen zu trinken, fahren wir südwärts weiter

Montag, 22. Mai 2023

La France avecque ... Airbnb au troisième étage

Ganz weit oben über Bisanz, ganz weit weg vom Radweg


22. Mai 2023


Madame hat jetzt die Halsschmerzen, die Monsieur bei Abfahrt hatte. Madame atmet schwer, auch in der Nacht. Monsieur schläft deshalb schwer, gerade in der Nacht.


Soweit die Ausgangslage des heutigen Tages. Es wird noch besser.


Wie jeden Morgen schauen wir aufs Display und lassen uns von Garmin den Weg zeigen. Heute meint er es besonders gut mit uns und schickt uns nicht etwa auf den EuroVélo 6 am Kanal entlang, sondern durch eine umfangreiche Parkanlage im Norden der Stadt, vorbei am Bahnhof, an der Caserne Vauban und am Ende sogar quer über den Campus der Uniklinik.


Es geht hinauf, es geht hinunter, es geht wieder hinauf. Und es geht vor allem: weg vom Doubs.


Endlich wieder auf dem richtigen Weg


Wir wissen nicht, wer dem System diesen Weg eingespeist hat (zugegeben, es gibt einen Verdächtigen), aber irgendwann reicht es auch dem Sanftmütigen. Kurz hinter der Stadtgrenze schalten wir Garmins Streckenführung aus und wechseln auf die D105, die uns nach La Marne und Thoraise führt. So haben wir zwar den Kanal durch den Berg verpasst, sind aber wenigstens auf dem richtigen Weg.


Und Strom haben wir auch schon deutlich mehr verbraucht, als geplant.


Kaum Kilometer gefahren, schon mitten in der Romantik


An der Schleuse bei Saint-Vit machen wir Mittagspause. Ziemlich früh, es sind erst 32 von ca. 85 Kilometern absolviert. 


Greenwashing im Tetrapack: Sieht aus, wie frei von Pestiziden o.ä., ist aber nur Landschaftsschutz irgendwo in Polen


Gut gestärkt fahren wir weiter in Richtung Dole, wo wir um Viertel nach zwei ankommen. Der Sohn ruft gerade an, wir setzen uns mit ihm auf eine Bank an der Promenade und hören von einem Besuch in Obermenzing.


Nein, heute verzichten wir mal auf das Wortspiel mit dem Namen der Stadt


Die Zeit drängt, für ca. 16 Uhr ist Regen angesagt, außerdem wollen wir um diese Zeit das gestern gebuchte Apartment „La Marina“ in Saint-Jean-de-Losne beziehen. Also fahren wir mit erhöhter Unterstützung weiter. Nächster Halt ist Frédéric Boubayas Patisserie in Damparis. Die Augen sind, wie so oft, größer als der Magen, so dass wir die Hälfte einpacken und für morgen mitnehmen.


Kurzer Halt an der letzten Schleuse vor dem Ziel


Ab Ortsende sind es noch knapp zwölf Kilometer bis ans Ziel, jetzt geben die Motoren nochmal alles. Und tatsächlich, es reicht bis an den Quai National, wo wir besagtes Apartment in der Nummer fünf gebucht haben.


Der Strom hat tatsächlich bis Saint-Jean-de-Losne gereicht


Die Hütte sieht übel aus. Vier Stockwerke, gefliester Eingang, die Balkone der oberen Etagen sehen von unten nicht sehr tragfähig aus. Am schlimmsten sieht es ganz oben rechts aus, wo die lokale Flora schon aus der Balkondecke wächst.


Madame meldet uns an, wenig später kommt ein Pärchen zum Einchecken. Er ist der Vermieter, sie spricht wohl etwas Englisch. Die Räder machen unerwartete Probleme, denn es ist – natürlich – das Apartment hinter dem bewachsenen Balkon im 3. OG. Unten gibt es zwar einen Keller, aber keine Steckdose.


Monsieur ist untröstlich. Er fragt uns, wie wir denn sonst mit Airbnb zurecht kommen. Und er hat noch ein Apartment. Nicht weit weg, zu ebener Erde. Das gibt er uns zum gleichen Preis. Wir gehen mit, was sollen wir sonst auch machen? Der zweite Anzug passt besser: ein kleiner Laden, frisch renoviert und in eine kleine Wohnung umgewandelt. Alles neu, nur der Garten hintenraus könnte noch ein update vertragen.


Die Räder stehen im Wohnzimmer. Die gewaschene Trikots hängen auf dem Kleiderständer im Garten. Mal sehen, wo wir heute Abend was zu essen bekommen, es ist Montag, da hat das Sauconna geschlossen.


Apéritif avecque une vue


Unser Abend endet im „La cotinière“, am östlichen Ende der Hafenpromenade. Dort gibt es 2x friture d'ablettes, 1x Filet de sandre, 1x Boeuf bourguinion und zwei Desserts. Dazu Chablis und Hautes côtes de Beaune. Zwei Tische weiter sprechen deutsche Menschen abendfüllend über „Rotwein“. Ich denke jedes Mal an „Reinemachefrau“.


Morgen geht's ins Herz der Bourgogne.


Der Umweg über den Norden der Stadt hat uns am Ende etwa fünf Kilometer erspart