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| Als der Belgier sein Geld noch nicht mit der EU und den Touristen verdiente |
Das Frühstück im Hotel ist sehr gut, das Ambiente sehenswert. Das Gebäude wurde als Konvent gebaut, wie viele andere, stammt es aus Lüttichs Zeit als Wiege der europäischen Kohle- und Stahlindustrie. Leider sieht man der Stadt heute vielfach deutlich an, dass diese Blüte verwelkt ist.
Aber genug abgewichen, wir haben ja einiges vor heute.
Um Viertel nach neun brechen wir auf nach Modave, das liegt etwa 35 Kilometer südlich von Lüttich, und der Weg raus aus der Stadt ist mit Hin und Her über die Maas verbunden. In Modave angekommen, parken wir nahe der örtlichen Polizei, packen die Räder aus und schrauben alles schön zusammen.
Um kurz nach halb elf geht es zum Wochenend mit Sonnenschein auf die Runde, die am Ende der Flèche Wallone traditionell zweieinhalb Mal gefahren wird. Wir fahren sie natürlich nur einmal, bzw. nur einer will sie inklusive der Mur de Huy mit ihren mehr als 20 Prozent Steigung fahren. Die Älteren kürzen kurz vorher etwas ab.
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| Da fährt er hin, der Mauer entgegen |
Erstmal liegt aber sowieso ein ruhiger Abschnitt vor uns: An einer Einmündung rauscht eine sechsköpfige Alte-Herren-Gruppe an uns vorbei, die wir am nächsten Anstieg wieder einholen. Die Gruppe teilt sich in vier Herren vorne und zwei hinterher. Wir bleiben mit etwas Abstand dahinter, da wir Kollegen ohne Motor an Steigungen nicht überholen.
Vor die kommende Mur hat der Herrgott dem Jüngeren allerdings einen Reifenschaden verordnet, den wir in Mostée erstmal mit vereinten Werkzeugen beheben. Danach geben wir dem Bub noch ein Stück Geleit, aber als es in Huy dann ein erstes Mal richtig aufwärts geht, drehen wir ab und rollen zurück zu der von Komoot vorgeschlagenen Abkürzung.
Der Thier au Pequet lässt sich gut an, führt aber ebenfalls ordentlich aufwärts. Und dann stehen wir vor einem schmalen Waldweg, der im weiteren Verlauf ebenfalls mindestens 20 Prozent Steigung erreicht, aber mit Cleats unter den Schuhen und einem Fahrrad in der Hand schlechter zu bewältigen ist als jede Mauer.
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| Wir machen eine romantische Radtour |
Eine freundliche Anwohnerin mit besser passendem Schuhwerk geht lächelnd an uns vorbei und meint: „Les vélos n'aident pas ici.“ Wo sie recht hat, ...
Der Junior hat den vereinbarten Treffpunkt längst passiert und wartet sechs Kilometer weiter in Strée auf uns. Sein Aufstieg war „super, aber völlig bekloppt“, über unsere Eskapade sprechen wir nicht weiter.
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| Viele Wege führen nach ... irgendwo |
Die folgenden rund 50 Kilometer hat er für uns „handverlesen“, und er hatte ein wirklich glückliches Händchen. Es geht über Wirtschaftswege und schmale Straßen entlang Raps- und Kornfeldern, die in frischem Gelb und zartem Grün mit dem blauen Himmel konkurrieren. Zwischendurch Wiesen, herumliegende Kühe, ab und an Pferde, zum Ende hin sogar eine große Weide voller sehr schöner Vollblüter, die die Gattin spontan auf ganz andere Gedanken brachten.
Um die Mittagszeit fuhren wir im Einzugsgebiet der Gemeinde Clavier übers Land und suchten einen Supermarkt oder ähnliches. Zunächst wenig erfolgreich, dann landeten wir in Atrin beim Bäcker, wo wir uns mit Zuckerzeug und Wasser eindecken konnten.
Die letzten Kilometer zurück nach Modave waren dann nochmal ein Augenschmaus, und alle kamen hoch zufrieden am Auto an. Nach dem Einladen ging es zurück nach Liège, wo wir uns im Hotel frisch machten, ausruhten und anschließend zum Abendessen aufbrachen.
Natürlich ging es wieder in die Altstadt, wo wir im Bistrot d'en Face reserviert, aber leider keine Antwort erhalten hatten. Woran das lag, zeigte sich, als wir vor verschlossener Türe standen: Der Laden hatte einfach zu. Kein Hinweis, kein Kommentar, nichts.
So landeten wir unreserviert wieder auf dem Place du Marché, wo es wetterbedingt etwas ruhiger als gestern war. Im As Ouhès finden wir einen Tisch im überdachten Außenbereich. Während die Karte Kulinariik einer vergangenen Zeit anbietet, wie z.B. Kalbskopf, Kalbszunge, Schweinefuß oder Kalbsnierchen, griffen wir Angsthasen lieber auf die überall gleichen belgische Spezialitäten zurück: 2x Kaninchen mit Backpflaumen, 1x Boulets liegeois plus Nachtisch.
Der Tag war lang, die Temperaturen sind niedrig, auf dem Rückweg freuten wir uns auf morgen.







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