Seiten

Donnerstag, 14. Mai 2026

Ardennen-Klassiker | 3. Mai 2026, Amstel Gold Rains

Seltener Anblick heute: Straße ohne Rennradfahrer

Vor dem Frühstücken stellen wir noch schnell die Räder ins Auto. Mangels Alternative hatten wir unsere bei uns im Zimmer ans Stromnetz angeschlossen. Beim Frühstücken fällt dem Nachwuchs dann auf, dass viele andere genauso viel essen wie er, dann aber wahrscheinlich nicht so viel fahren. Wir sehen das öfter.

Wir fahren erstmal in Richtung Slenaken, wo es heute losgeht. Gleich nach der Grenze sieht es tatsächlich ganz anders aus. Holländisch halt: viel Grün, viele Radwege, letztere schön durch Hecken von der Straße getrennt.

Und dann kommen sie: kleine und größere 
Gruppen von (meist) Männern auf Rennrädern, die es den Amstel-Anstiegen zeigen wollen. Also, die Männer mit Hilfe der Räder, nicht die Räder mit den Männern drauf.

Irrung bringt Wirrung

Das Wetter ist heute nicht von Vorteil, viel Grau, etwas Wind. Probleme gibt es auch in der Abstimmung untereinander. Einer sucht die Rampen – Cauberg, Loorberg, Sibbergrubbe, Bemelerberg –, zwei suchen das Weite und warten im Eetcafé de Remise in Partij auf Infos zum nächsten Treffpunkt.

Das Warten dauert lange, denn irgendwie ist der Sohn vom rechten Weg abgekommen und ruft aus der Gegend von Mechelen an. Die nette Kellnerin erzählt uns von den starken Regenfällen, die am Vortag reichlich Schlamm durch die Straßen des Ortes gespült haben. Er ist inzwischen getrocknet, und wir schauen von der Terrasse des Cafés den vorbeikommenden Rennrädern zu, die ihn jetzt als braunen Staub aufwirbeln.

Nach etwa einer Stunde gibt es dann ein kurzes Treffen mit unserem Fahrdienstleiter, dann fahren wir auf verschiedenen Wegen weiter. Es fängt an, leicht zu regnen, und es wird kalt.

Unser nächster Treffpunkt ist Schin op Geul. Der Regen wird stärker, es wird kälter. Leicht frustriert halten wir uns nicht mehr an unsere Regel, dass wir andere nicht an Steigungen überholen. Für ein Pärchen, bei dem Sie sich im viel zu dicken Gang den Berg hinaufquält, machen wir eine Ausnahme.

Schön, feucht

In Schin op Geul weist uns der Mann in der ersten Tankstelle den Weg zum nächsten Café. Wir wollen schnell noch was Warmes essen, da erreicht uns der nächste Anruf. Junior hat den Treffpunkt übersehen, hat gleich die nächsten Rampen bewältigt und ist jetzt fünf Kilometer weiter in Valkenburg.

Er ist nass, wir sind nass, auf der anderen Straßenseite läuft eine Frau mit Schirm, Jeans und grünem Trenchcoat in Tanzschrittchen den Hügel hoch. So macht das keinen Spaß. Wir verabreden uns beim Auto.

Das würde man gern mal bei Sonnenschein sehen

Wir passen einen etwas trockeneren Moment ab und fahren die kürzeste Strecke südwärts zurück zum Auto. Das Wetter wird zum Scheißwetter. Es gibt nicht mal mehr Kaffee, denn der Italiener in Gulpen hat die Maschine schon saubergemacht.

Am Auto angekommen, ziehen wir uns um und laden die Räder ein. Gerade als wir fertig sind, kommt unser dritter Mitfahrer, das passt perfekt. Kalt und nass geht es zurück zum Hotel.

Nach dringend erforderlicher Aufwärmung und Ausruhung gehen die Herren los, um das kleine Auto aus dem nahen Parkhaus zu befreien. Der Hotelparkplatz ist heute nahezu leer, und morgen wollen wir die Räder gleich nach der Rückkehr auf die passenden Fahrzeuge verteilen. Also muss der Kleine da sein.

Leider ist das alles nicht so einfach, denn die „Uferpromenade“, auf der wir zum Hotel fahren wollten, wird gerade von Spezialfahrzeugen gereinigt und ist aus diesem Grunde für den Verkehr gesperrt. Das schenkt uns eine Spritztour gegen das Navigationssystem durch Centre ville von Liège.

Nach vollendetem Umparken gehen wir zum Essen. Wir sind etwas ziellos und landen schließlich in einer der Ecken, die wir auf unserer Stadtrundfahrt durchquert hatten. Nicht weit vom großen Platz entfernt, aber doch etwas alltagstauglicher.

Das Amon Nanesse gibt sich rustikal, die Speisekarte ist wieder bemüht einheimisch. Es gibt knackig gebackene Fondue ardenaise, einen Salade liégoise und einen Pavé de saumon. Statt Vor- heute Nachspeisen: Tarte Aux Pommes, Profitérolles und Mousse au chocolat.

Wir essen brav alles auf, morgen soll wieder die Sonne scheinen.

Schöner Start (rechts hoch), abruptes Ende (links runter)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen