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Dienstag, 24. Mai 2022

Deutschland ohne e – die 12. Etappe: unglücklich aus Glückstadt, glücklich in Hamburg

Farewell to Matjes-City

Das Frühstück war besser als das Abendessen, aber Freunde werden wir nicht mehr: zu lange aufgebackene Brötchen, Wurst, deren Färbung den Einsatz chemischer Kampfstoffe nahelegt, allerlei salzigen Fisch. In unserer Not haben wir den Lachs gegessen ...

Auf geht's, wir wiederholen gleich mal den Fehler vom letzten Mal und fahren im Hafen dorthin, wo man – immer noch nicht – auf die andere Seite des Beckens und den Radweg kommt. Es geht nach Süden, wieder durch Gatterreviere mit Schafen, wieder gegen den Wind.

Bei Kollmar ging's runter vom Weg in Richtung Neuendorf, wo wir einen Termin für die Prüfung und ggf. Reparatur des linken Schaltgriffes vereinbart hatten. Das kostete einerseits etwas Zeit, andererseits konnte man an den ausgestellten Rädern des Hauses sehen, dass das eigene in besten Händen war.

Nach etwa 30–40 Minuten war die Arbeit getan, die Schaltung funktionierte wieder: zumindest lief alles, bis auf das Schalten aufs kleine Blatt.

Mittagessen in Uetersen


Der erste kleine Umweg machte gleich noch einen zweiten erforderlich, denn die Fähre über die Krückau fährt montags nicht. Das hieß: Entweder zurück ans Krückau-Sperrwerk oder Flüsschenquerung im nur bedingt malerischen Elmshorn. Wir wählten die Haferflocken-Route und kauften in Hayungs E-Center mehr als das Nötigste fürs Mittagessen.

Ich musste leider draußen bleiben und aufpassen, durfte zum Trost aber den beim Bäcker draußen sitzenden Herren bei der Verarbeitung des fußballerischen Weltgeschehens zuhören. Die Herren hatten zu allem eine Meinung. Zur Meisterschaft in der Premier League, zur Relegation in Hamburg und – natürlich – zum Lewandowski-Wechsel: „Da geht's nur um die Knete, Margarethe.“

Irgendwann war Programmschluss, die Gattin kam mit dem Mittagessen. Auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen wurden wir in Uetersen fündig. Man hatte für uns eine windgeschützte Bank bereitgestellt, eine Anwohnerin wünschte im Vorübergehen „Mahlzeit” und vor uns brodelte der Verkehr auf der B 431.

Entlang dieser Straße fuhren wir weiter nach Wedel, wo wir den Radweg wiedersehen sollten. Vorher gab's im Ortszentrum, im Schutz des Wedeler Rolands und mangels Eissalon noch die drei vom Samstag verbliebenen Lidl-Apfeltaschen.

Othmarschen: Strand mit Hafen? Hafen mit Strand?


Es dauerte nicht lange und der Elberadweg hatte uns wieder. Durch Blankenese, Othmarschen und Oevelgönne ging's auf die große Stadt zu. Montag war wenig los, aber immer noch genug, um sich zu wundern, warum die Hamburger diese schönen Stadtteile zu einer solchen Kirmesbuden-Landschaft gemacht haben.

Der weitere Weg war geprägt von HSV- und Hertha-Fangruppen, die sich gegenseitig mit einfachen Riten – „Ho-Ha-Hee!“ „Hertha BSC!!“ – auf das abendliche Relegations-Rückspiel einstimmten. Dazu häufige Foto-Stopps, so dass es am Ende doch wieder knapp sechs war, bis wir am Hotel ankamen.

Was man sieht, wenn man in Hamburg landet


Ein Ziel fürs Abendessen hatten wir nicht, da Tschebull montags geschlossen hat. So landeten wir bei Tapas und spanischem Bier in der DaliBar nahe der Elbpromenade. Das Essen war gut, leider war die Kellnerin  mit dem Unterschied zwischen Vor- und Hauptspeise überfordert. Sie brachte alles auf einmal, was die Vorspeisen auf den Dessert-Platz verschob – Käse, Wurst und Oliven konnten nicht kalt werden.

Heute nur ein flüchtiger Eindruck, morgen mehr von der Speicherstadt


Nach dem Essen noch ein paar Schritte an die Elbe, mal schauen, wie weit es zur Speicherstadt ist. Dann doch noch eine längere kleine Runde. Das Hotel haben wir spontan um eine Nacht verlängert, morgen hat Tschebull geöffnet.

Elberadweg mit Abweichung

Deutschland ohne e – die 11. Etappe: von der Weser an die Elbe

Norddeutsch by nature

Es hätte so ein schöner Tag werden können.


Das Wetter: super. Der Wind: von hinten. Die Strecke: flach und gut.


Woran lag's also? Es war Sonntag!


Und sonntags sind nicht nur wir draußen unterwegs. Sondern alle: Einheimische, Urlauber, Sonstige. Alle mit Anhang, alle (gefühlt) auf E-Bikes, alle im Ich-gehe-schön-spazieren-Modus. Und wir mittendurch.


Erst ein kleines Frühstück beim örtlichen Bäcker, dann Abschied von den Gastgebern und raus auf den Radweg. Wind von der Seite, trotz Deich nicht ohne. Anfangs war es noch ruhig, man sah nur immer mehr Menschen oben auf dem Deich, auf dessen westlicher Seite übrigens kein Wasser zu sehen ist, sondern Wattenmeer.


Bestimmt kommt das Wasser aber manchmal, sonst bräuchte es ja keinen Deich.


Bis ein paar Kilometer vor Cuxhaven ging es gut voran. Meist langweilig rechts vom Deich, dann über Feld- und Wiesenwege. Irgendwann begann das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer, dann kam Duhnen, die Vorhölle von Cuxhaven.


Die freundlichen Mähmaschinen vom Deich


Überall „touristische Infrastruktur“ – vom Sonnenhütchen- und -cremeverkauf über die Fischbrötchenbude bis zur FeWo-Industrie war alles vertreten, was Urlaubers Herz begehrt. Hier herrschte der Ballermann auf dem Weg zum Ballindamm.

Das soll nicht heißen, dass es hier nicht schön wäre. Aber die Eigenheiten der Orte werden überlagert und zerstört von gleichförmiger Architektur und gleichförmigen Angeboten zu Gunsten der offensichtlich gleichförmigen wirtschaftlichen und touristischen Interessen von Anbietern und Besuchern.

Zwischendurch blitzt dann immer wieder mal auf, wie schön es hier mal gewesen sein muss, bevor Leute wie wir kamen.

Da solche Ansichten und Erkenntnisse dem Besucher auf den Magen schlagen, nimmt er vor Ausfahrt aus der Stadt noch ein Fischbrötchen. Wir haben die Bude am Zollkaje genutzt, an der sich Reisende und Einheimische zu Brathering, Backfisch mit Remoulade, Aal und anderen Feinheiten treffen.

Hier fährt ein Stück der Lieferkette (leider in der falschen Richtung)

Für uns begann jetzt die schönere Phase: ostwärts mit Westwind. Was mit der Zeit ein bisschen nervt, sind die Gatter vor und hinter den Schafweiden, die nach kurzer Strecke immer wieder den Rhythmus unterbrechen. Andererseits ist es schön, dass die Tiere eine Aufgabe haben und parallel die Lammfleisch-Produktion gesichert wird.

Entlang des Deichs ging es zur Medenmündung, wo wir mit Blick aufs Wasser die nächste Mittagspause einlegten. Danach weiter in Richtung Otterndorf, wo uns an der Schleuse eine akustische Collage von schreienden Kindern und heiseren Erwachsenen empfing – der lokale Ruderverein hatte zur lokalen Weltmeisterschaft eingeladen. Die jungen Menschen schrieen altersgemäß und machten mit ihren Booten den Kanal voll, die älteren regten sich am Rande auf, wie sich auch die Eltern jugendlicher Fußballer, Handballer usw. an deutschen Spielfeldrändern aufregen.

Bald erreichten wir die nächste touristische Attraktion, bogen aber rechtzeitig vorher nach rechts ab und folgten leeren Wirtschaftswegen nach Freiburg an der Elbe.

Sechs Kilometer vor der Fähre Wischhafen–Glückstadt lockte das Hafencafé zur Pause, und die Schaltung der Gattin blockierte. Alles Rütteln, Klopfen usw. blieb erfolglos, der Umwerfer warf nicht mehr um. Also erstmal schlechte Stimmung, die auch durch Kaffee und Kuchen nicht wesentlich besser wurde.

Nach dem Aufenthalt ein neuer Reparaturversuch mit k(l)einem Erfolg. Auf dem mittleren Blatt lief die Kette jetzt ohne Probleme, die Weiterfahrt bis Wischhafen war also machbar.

hre, wem Fähre gebührt

Die Fähre hatte wieder gerade auf uns gewartet, zehn Euro für zwei Räder und Fahrer. Da ist man froh, nicht mit dem Auto unterwegs zu sein. Einige der Ruderer aus dem Schleusenkanal waren auch mit an Bord, die Boote und Insassen des RRV standen in der Mitte der Fähre.


Nach 25 Minuten waren wir auf der anderen Seite, unterwegs hatten wir drei weitere Schiffe der Reederei gesehen. Ganz schön was los, zwischen Wischhafen und Glückstadt.


In Glückstadt ist eher wenig los.


Unser Hotel am historischen Markt ist relativ frisch renoviert, aber insgesamt wenig sympathisch. Alles zielt darauf ab, die Gäste im Restaurant zu halten, die Mitarbeiterinnen machen das professionell, aber seelenlos. Wir entziehen uns der unangenehmen Umarmung, schließlich wissen wir schon, wo wir essen werden.


Schade, der „Kleine Heinrich“ hat sonntags leider nur bis 17 Uhr geöffnet.


Also drehen wir eine Runde durch die Stadt und landen am Ende doch im Restaurant des Hotels. Die Karte ist sehr vielfältig, was immer zur Vorsicht mahnen sollte. Die Gattin nimmt den hausfraulichen Matjes, ich entscheide mich für Fish 'n Chips mit Remouladensauce, was eigentlich „Zu intensiv frittierte Fischteile mit dünnen, zu intensiv mit Paprika-Salz-Mischung bestäubten Convenience-Pommes und einer undefinierbaren, leicht angedickten hellen Soße – garantiert ohne Gurke, Kapern und Eier“ hätte heißen müssen.


Mein Angebot, der Küche ein einfaches Rezept für Remoulade aus dem Internet zu überlassen, nahm unsere Kellnerin nicht an. Zur Strafe schickte sie eine Kollegin mit dem nächsten Bier.


Viel zu fahren, viel zu sehen, zu viel los

Sonntag, 22. Mai 2022

Deutschland ohne e – die 10. Etappe: ein völlig unzusammenhängendes Bundesland

Das Motto (auch) für den zweiten Teil

Dieses Blog ist zu klein für diesen Tag!

Morgens das gute Frühstück im Hotel (und dabei die Erkenntnis gewonnen, dass die Maske im Leben der Menschen keine Rolle mehr spielt), dann die Räder aus dem Parkhaus befreit, am Hotel aufgepackt und mit dem großen M-Paket voller Dinge, die wir gestern noch gebraucht hatten, das nächste Hermes PaketShop angesteuert.

Von dort ging es auf die westliche Seite der Weser, dann durch Bremens nördliche Outskirts in Richtung Lemwerder (Niedersachsen), wo die Fähre auf uns gewartet hatte und mit unserem Auffahren ablegte. 3,80 Euro für zwei Räder samt Fahrern.

Der Wind machte dort weiter, wo er im April aufgehört hatte: 6 Bft aus der Richtung, in die wir fuhren. Die Landschaft war eher langweilig. Links der Deich, rechts Landwirtschaft, wahlweise mit oder ohne Kuh, Pferd, Schaf, Ziege. Dazwischen wir auf zwei Meter breiten und ebenso langen Betonplatten – kadong, kadong, kadong ...

Nach etwa drei Kilometern das erste Highlight des Tages: Bunker Valentin bei Rekum. Ein monströses Bauwerk der deutschen Kriegsmarine, das bis ins 21. Jahrhundert von der Marine genutzt und aus Fotos retuschiert wurde und z.B. auch auf Karten unsichtbar blieb.

Das Pendant zu der großen Anlage in Bordeaux


Auf den Bunker folgte der Grenzübertritt nach Niedersachsen. Die Kilometer gingen dahin, manchmal wusste der Wind nicht mehr, woher bzw. wohin er wehen sollte, da gab es tatsächlich auch mal Rückenwind. Im schlimmsten Fall führte seine Unsicherheit aber zu Wind aus schnell wechselnden Richtungen, was teilweise zu heftigen Wacklern beim Fahren führte.


Insgesamt waren die ersten knapp 80 Kilometer langweilig. Die Landschaft eintönig, keine nennenswerten Ein- oder Ausblicke, nur die Schaltungen brachten etwas Abwechslung, denn das verbliebene kleine Blatt verträgt sich nur bedingt mit den neuen Komponenten.

Baustellenfahrzeuge erkennt man daran, dass sie durch Baustellen fahren

Und dann kam Bremens zweiter Teil: Bremerhaven. Extrem windig, extrem unattraktiv – wo gibt's hier einen Affogato?

Die junge Muslima mit Kind konnte die Frage nach einem Eissalon erst nach dem dritten Versuch beantworten, wir folgten ihren Gesten und landeten im Eiscafé Venezia im Zentrum der Fußgängerzone. Die Bedienung war klasse, die Affogati so-là-là und die parallel gelieferten Crèpes mit Nutella und Schokoladeneis der Hammer.

Tagesziel, nachmittags erreicht


Fazit der Gattin: „Jetzt können wir weiterfahren.“ Aufgabe des Gatten: Klarmachen von Bleibe und Abendessen, zumindest partiell: Das Hotel war keins mehr, aber der Betreiber bot uns noch ein Zimmer an, und das Restaurant daneben war ausgebucht, der Chef riet uns aber, es nach 19 Uhr zu versuchen.


Und trotz all dieses Wissens fuhren wir tatsächlich noch weiter.


Ick hev mol in Bremerhaven 'n Dreimaster seen ...

Von der Fußgängerzone leitete uns die Streckenführung ins „Stadtbremische Überseehafengebiet Bremerhaven“. Vorbei am Zoo am Meer, an neuer Wohnbebauung, an schmucken Yachten und sonstigen Schiffchen.

Dann über eine Brücke, und plötzlich war Schluss mit Landrattens Küstenromantik: Logistik, Parken für Kreuzfahrer, Gleisanschlüsse waren jetzt das Thema. Links des Weges stand ein Kreuzfahrtschiff, das sich gut in die Frankfurter Skyline eingefügt hätte, rechts lag ein Schiff, das an einen Panzerkreuzer erinnerte, zur Reparatur. Eine sehr fremde und befremdliche Umgebung.

Die fassungslose Fahrt endete abrupt an einer in Abriss befindlichen Brücke. Da gab es kein Drüberkommen, wir mussten knapp zehn Kilometer zurück und auf der anderen Seite der Wasserader wieder hinauf. Dort ging es u.a. durch Pkw-Export-Außenlager mit weitläufigen Parkplätzen und voll beladenen Ganzzügen des Hauses Mercedes-Benz. Zwischendurch ein kurzer Stop am Dixi-Häuschen, danach weiter nordwärts.


Bremerhaven im Rückblick

Irgendwann fragt man sich, wie viele Infrastrukturprojekte dieser (und größerer) Dimension wohl weltweit gebaut wurden und erhalten werden, um unseren Lebensstandard und Lebensstil zu ermöglichen. Und man fragt sich, ob auch nur eines dieser irren Projekte aufgegeben werden könnte, um Energieverbräuche zu senken, um Klimaziele zu erreichen, um irgendein Schräubchen zurückzudrehen oder irgendwas zu ändern ...


Was folgte, nachdem uns das Stadtbremische Überseehafengebiet Bremerhaven wieder ausgespuckt hatte, waren noch etwa sieben Kilometer nach Wremen, dem südlichsten Punkt der Gemeinde Wurster Nordseeküste. Hier beginnt die Vermarktung und touristische Ausbeutung des Wattenmeeres (links vom Deich), und wir waren voll dabei.


Das Zimmer im Haus unserer Gastgeber war top und günstig. Das Abendessen im Nachbarhaus allerdings war nochmal eine deutliche Steigerung. Bei Familie Wolters gab es  regionale Produkte, die es woanders wirklich nicht gibt, z.B. Röhrkohl aus dem Wattenmeer oder Limandesfilet im Eimantel. Dazu feine Weine aus Rheinhessen, danach regionalen Käse und Rote Grütze – alles frisch, hausgemacht und bezahlbar.


Schollenfilet im Eimantel

So gingen wir beschwingt und gut gesättigt zur Schlafstatt. That's all there is and there ain't no more.


Mehr als erwartet: 100 Kilometer in zwei Häppchen

Donnerstag, 19. Mai 2022

Deutschland ohne e – alles neu macht der Boy*

Die alten Zähne warn verschlissen, drum wurden sie heut' weggeschmissen
Mit den neuen Implantaten werden wir schon morgen staten

Hier wird gereimt, da kommen einem die Tränen.


Tränenreich waren wir auch gestern unterwegs, denn die neuen Teile kamen zwar pünktlich, aber leider nicht hierher, sondern an eine Frankfurter Adresse, die seit knapp 15 Monaten nicht mehr die unsrige ist.

Es folgten viele Telefonate, E-Mails und erhöhter Puls sowie Besuche beim Paketzentrum – alles umsonst. Am Ende stand eine Verabredung mit unserer Zustellerin, die ich heute früh kurz nach Arbeitsbeginn an der Zustellbasis besuchte, wo sie mir unser Päckchen anvertraute.

Danach zu Hause die Montage und eine kurze Probefahrt, alles läuft, wenn auch nicht optimal. Danach das Rad der Gattin, läuft ebenfalls besser als vorher, aber leider noch nicht so gut wie meins. Nachher holen wir den Mietwagen, morgen geht's nach Bremen, und am Samstag weiter gen Cuxhaven.

Räder wollen rollen ...




* ich halt

Montag, 16. Mai 2022

Deutschland ohne e – second helping

Neue Kette, aber stumpfe Zähne auf dem kleinen Blatt

Das Wetter wird besser, wir fahren weiter.


Nach ein paar Tagen Frust-Abbau im Süden und Südwesten hat sich der Norden so weit erwärmt, dass auch Nicht-Eskimos ihn wieder gefahrlos besuchen können. Hoffen wir zumindest.


Dazu sind natürlich einige Vorbereitungen nötig: Beim Putzen und Durchsehen der Räder hatten wir festgestellt, dass einige Teile des Antriebs etwas mitgenommen waren. Also haben wir zunächst die Ketten getauscht – und damit das Problemchen erst zum richtigen Problem gemacht.


Sehr stumpfe Zähne auf dem mittleren und großen Blatt

Denn die neuen Ketten vertrugen sich nun gar nicht mehr mit den nur halbwegs durchgenudelten Ritzeln und Kettenblättern. So blieb nur der Tausch aller Komponenten, was am letzten Freitag zu einer gewissen Hektik führte, denn original Middleburn-Komponenten gibt’s nirgendwo in Deutschland, und mit der Lieferbarkeit anderer Teile sieht es etwa so aus, wie z.B. mit der Lieferbarkeit im Oktober 2021 bestellter eGravelbikes.

Am Samstag wurden wir dann noch fündig, die Sendung wurde heute verschickt und soll tatsächlich morgen hier ankommen.

Jetzt ist alles schön abgebaut, mal sehen, ob der Neubau am Ende auch tatsächlich wieder fahrtüchtig ist.

Gar keine Zähne auf dem Hinterrad

Und weil ein Problem im Leben öfter mal nicht ausreicht, mussten wir bis heute Nachmittag daran arbeiten, überhaupt ein Auto für die Fahrt nach Bremen zu finden. Keine Autovermietung hatte zum gewünschten Termin Fahrzeuge verfügbar. Weder per Internet noch per Telefon, noch sonstwie.


Wahrscheinlich fahren gerade alle Lieferketten-Opfer mit Avis, Europcar, Budget oder Buchbinder durchs Land.


Montag, 25. April 2022

Deutschland ohne e – noch zwei Tage, noch weiter im Norden

Hein Tüüt II sitzt auf dem Trocknen

Guten Morgen, gutes Frühstück, tschüss Kiel.

Nach dem tollen Frühstück sind wir gerade noch rechtzeitig am Parkplatz, um der heiratswilligen Mittzwanzigerin alles Gute auf ihrem Weg in die Ehe zu wünschen, danach brechen wir in Richtung Flensburg auf.

Der vereinbarte Corona-Test-Termin am Alten Markt fällt leider aus. Er schien uns nötig, nachdem wir über einen nahen Kontakt am 21. April informiert worden waren. Zur vereinbarten Zeit war das Testzentrum allerdings nicht besetzt, so dass wir weiter fuhren.

Um kurz nach 12 der nächste Verwandtschafts-Besuch, diesmal in Flensburg. Auto leeren, Gästezimmer füllen, kurz plaudern, dann umziehen und auf die Räder. Wir wollen doch mal sehen, wie die jungen Menschen aus Kiel ihr Boot polieren, das heute aufs Wassern am 8. Mai vorbereitet werden soll.

Ja, am 8. Mai wird nicht nur gewählt in Schleswig-Holstein ...

Nach knapp anderthalb Stunden gegen den Wind erreichen wir Gelting Mole, treffen alle bekannten plus einige neue Menschen, suchen aber schnell das nahe Segler-Café, um endlich etwas zu essen – das Fischbrötchen entlang des Weges war ausgefallen.


Hin Brustwind, her Rückenwind

Kurz nach sechs sind wir zurück in Flensburg, schwätzen wie am Abend zuvor, spät ins Bett.

Sonntagmittag sitzen wir in der Fördepromenade 1 beim Essen. Es ist das beste, was wir in den letzten zwei Wochen auf dem Teller hatten, und so reichlich, dass am Ende nicht mal mehr für das Limoncello Sorbet Platz war. Stattdessen war ein langer Spaziergang rund um die Innenförde angesagt (und zweckdienlich).

Tagsüber überraschend warm, nachmittags sehr kühl und starker Wind

Zurück zu Hause kurze Pause, abends wieder schwätzen und über die Wiederwahl von Macron in Frankreich freuen.

Morgen letzter Tag.

Nacht, Nacht, Nacht.

Heute letzter Tag.

Nach dem Frühstück mit dem Ringbus in die Stadt. Nach dem Stadtbummel mit dem gleichen Bus auf der anderen Hälfte des Rings zurück. Klappt sehr gut. Der Bus ist 2x pünktlich, die Tickets sind günstig, und die Haltestelle liegt nur ein paar Schritte von unserer Bleibe entfernt.

Schmeckt dem Dänen, schmeckt uns

Zum Mittagessen geht's nach Dänemark, konkret nach Kollund an den Strand. Wir erstehen einige der landestypischen Hot-Dogs und essen sie draußen mit Blick auf die wenig frequentierte Förde.

Nach Rückkehr gibt's noch frischen Kaiserschmarrn, dann packen wir das Auto und freuen uns auf die Heimfahrt.


Lecker bis zum Schluss

Deutschland ohne e – der schnellste Weg in den Norden

Hier wohnt, wer die Landesregierung besucht

Gutes Frühstück in Bremen, dann packen, Auto abholen.


Der frühe Vormittag lief recht planmäßig ab, das Beladen des (überraschend großen) Leihwagens ging nicht so flott von der Hand, da fehlt etwas die Übung.


Gegen Mittag waren wir dann auf der Autobahn, nach kurzer Zeit erreichten wir den Hamburger Hafen. Auch durch den Elbtunnel lief es reibungslos, zumindest auf unserer Seite. Die Gegenspur stand noch einige Kilometer nördlich und wartete auf den Ein- bzw. Durchlass.


Unser Hotel in Kiel erreichen wir gegen 15 Uhr, es liegt in einem sehr schönen Viertel, nicht weit vom Wasser. Wir installieren uns schnell und gehen runter an die Wasserkante – sie entpuppt sich als nördlicher Teil des Hafens und beliebte Flaniermeile.


Menschen, Tiere, Wahlplakate (am 8. Mai wird in Schleswig-Holstein gewählt).


Die CDU setzt auf MP Daniel Günther, die Grünen setzen auf Windkraft. Die SPD zeigt keine Kandidaten, nennt keine Namen und will einfach vom Kanzlerbonus profitieren, die FDP will:


Frieden und

Verantwor-

tung,


obwohl doch


Frieden

und Verant-

wortung


genauso gut und viel besser lesbar gewesen wären.


Die PARTEI dokumentiert, dass ihr EU-Abgeordneter über die Rente nachdenkt und verspricht, nach der Wahl alles um 17 Cent billiger zu machen. Das ist moderne Inflationsbekämpfung.


Hier trinkt der Kieler Kaufmann

Wir sind nach etwas mehr als einer Stunde zurück im Hotel, gehen schwimmen und legen uns anschließend nochmal hin. Um halb sieben brechen wir auf, durchwandern ein sehenswertes Villenviertel und sind pünktlich um sieben beim besten Marokkaner in Kiel, wo wir gut essen und uns bis halb elf aufs Munterste mit der ortsansässigen Verwandtschaft unterhalten.


Danach auf anderem Weg durchs gleiche Villenviertel – aah, ooh, schau' mal da – zurück ins Hotel. Müde.


Donnerstag, 21. April 2022

Deutschland ohne e – die 9. Etappe: Abkürzung nach Flensburg

Ein wunderbarer Start in den Tag


Endlich wieder Großstadt!


Heute war aller Anfang wieder schwer. Die Damen an der Hotel-Rezeption waren mindestens so muffig wie die Kollegin beim Einchecken gestern Nachmittag. Das Frühstücks-Buffet war ein Bedien-Buffet, und die Ausgeberin wachte über Butter und Brötchen wie die Glucke über ihre Küken.


Nach Überwinden der Müllberge rund um den Hintereingang ging es zunächst durch den Ort, dann in nördlicher Richtung durch bessere Wohngebiete bis ins Verdener Villenviertel: Häuser unterschiedlicher Schönheit, alle darauf ausgelegt, die finanzielle Situation der Eigner nach außen zu kommunizieren. Und hinter den zugezogenen Gardinen mit Sicherheit genau die beklemmenden Leben, mit denen wir Älteren in den 80ern bei Derrick und dem Alten vertraut gemacht wurden.


Einziger Lichtblick waren die Störche auf den Dächern bzw. auf Nahrungssuche in den Vorgärten.


Über Eissel ging es erstmal sehr schön, später sehr geradeaus am Weserkanal entlang bis nach Baden. Dort waren die Villen nochmal deutlich größer und durch ihre terrassierte Bauweise mindestens ein, zwei Etagen erhabener. Auf Radweg-Niveau die Mehrfachgaragen, direkt darüber wahrscheinlich die Technik-, Fitness- und Kellerebene. Und darüber in der Regel zwei Stockwerke Villa.


Von unten gab es zwar Treppen bis hinauf, wir gehen aber schon davon aus, dass es sowohl Fahrstühle als auch eine Andienung auf höchster Ebene gibt.


Für uns ging es weiter über Wirtschaftswege durch Felder und Wiesen, irgendwann trafen wir ein Pärchen, mit dem wir uns schon gestern abwechselnd mal überholt hatten. Heute fragten wir nach, ob sie wirklich draußen schliefen (sichtbare Isomatten usw.), was sie bejahten. Bei Nachttemperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt mussten wir uns als Weicheier outen, was die strampelnde Frau mit dem Hinweis darauf bedachte, dass man nur einen guten Schlafsack bräuchte.


Gegen Mittag erreichten wir das Naherholungsgebiet „Neue Weser“, direkt gegenüber dem hiesigen Fußballstadion, das überraschenderweise immer noch nicht Arena o.ä. bzw. nach einem lokalen Bank- oder Versicherungsunternehmen benannt ist.


Etwas weiter westlich überragten schon die Türme des Bremer Doms die Bebauung. Jetzt noch ein paar Meter, schon rollten wir über die Wilhelm-Kaisen-Brücke direkt in die Fußgängerzone. Hier war echtes Leben, hier stehen beeindruckende Bauwerke, hier fühlten wir uns spontan zu Hause.


Herzlich willkommen in der größten Stadt Bremens

Unser Hotel war nur ein paar Schritte vom Dom entfernt. Nicht weit weg gibt’s ein Fahrradparkhaus, wo wir für einen Euro eine abschließbare Box mieten und beide Räder drin verstauen konnten. So lernt man nebenbei neue Techniken kennen – wer weiß, wann man sie nochmal brauchen kann.


Nach dem Duschen ging es gleich in die umliegenden Straßen mit den üblichen Karstadt-usw.-Verdächtigen, dann durch die hässliche Lloydpassage. Deren Hauptweg kopiert mit kupfernen Handabdrücken den Walk of Fame in Hollywood, wobei Katja Riemann, Peter Maffay, Jan Böhmermann und Ailton jeweils eine eigene Platte haben, während sich Uwe Seeler die Ehrung mit Max Lorenz teilen muss.


Aber uns Uwe ist ja auch kein Bremer.


... und seit 1989 tragen alle Schwestern das Schicksal der Vereinigung mit

Auf dem Rückweg gab’s noch Torte satt im Schnoor-Viertel, um fünf lagen wir schon im Bett, um uns für den Abend fit zu schlafen. Aufbruch um halb sieben, unterwegs durch die Grünanlage kam uns Henning Scherf mit seiner Gattin entgegen, mit knapp 84 Jahren wirkt der Mann immer noch super in Schuss. Für 19 Uhr haben wir in Küche 13 reserviert. Nicht weit vom Hotel, im sehenswerten Ostertor-Viertel und mit richtig guter Küche.

Die Gattin war ebenfalls sehr angetan, störte sich aber daran, dass bei Küche 13 der Nomen tatsächlich Omen ist: Die Küche ist Teil des Lokals und bläst ihre Düfte ungefiltert in die Umgebung. Da weiß Madame schon auf dem Rückweg nicht, wie, wo und wann sie ihre wenigen Kleidungsstücke so lüften soll, dass sie bis zu unserer Rückkehr tragbar bleiben. Vor uns liegen: morgen Kiel mit Verwandtschaft, dann Flensburg mit noch mehr Verwandtschaft.

Rathaus, seitlich, beweglicher als gedacht

Für Mitte der kommenden Woche haben wir die Heimreise geplant. Und für die Zeit danach hat das Burgund eine ernstzunehmende Konkurrenz bekommen: Wien und das Burgenland.


Kurz, abwechslungsreich und mit sehr gutem Ende: unsere – vorerst – letzte Etappe