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| Kulisse über Heidelbergs Feiermeile |
Die Nacht war nicht einfach. Das Hotel steht sehr verkehrsgünstig und die vorbeirasenden Autos kompensieren Neuenstadt mit dem Dröhnen ihrer Motoren.
Unser Frühstück heute Morgen ist dann eher eine Imitation eines Frühstücks. Es gibt alles, aber in Mengen und Größen, bei denen man sich kaum traut, zuzugreifen. Denn einmal genommen bedeutet, fast alles ist weg. Ein bisschen Grundlage können wir trotzdem legen, auf den kommenden 70 Kilometern finden wir sicher noch mehr.
Aus der Stadt kommen wir gut, danach fahren wir durch sattes Grün und auf schönen Wegen entspannt am Kochr lang, bis er kurz hinter Bad Friedrichshall in den Neckr mündet. Jetzt haben wir knapp 15 Kilometer hinter uns, gleich müsste ein veritabler Anstieg kommen, aber weit und breit steht kein Berg im Weg.
Der Aufstieg entpuppt sich dann als der Weg hinauf nach und durch Bad Wimpfen. Ich erkenne die Stadt sofort wieder, ihr romantisches Straßenpflaster hat uns vor zwei Jahren schon mal gehörig durchgeschüttelt. Bei einer Fotopause auf der nächsten Eisenbahnbrücke überholt uns eine leicht bepackte Backpackerin mit sportlicher Geschwindigkeit. Bei Bad Rappenau treffen wir sie wieder und sehen, dass ihr Hinterrad unserem gleicht.
Hinter Bad Wimpfen kommen wir an der Konzernzentrale von Lidl vorbei, ein sehr elegantes, irgendwie zurückhaltend wirkendes Gebäude mit feinen Linien und einer hölzernd schimmernden Fassade. Wenn man das so sieht, kann man es gar nicht mit den Läden und Produkten des Hauses Schwarz in Verbindung bringen.
Im Anschluss fahren wir durch die Automeile von Bad Rappenau. Hier sind sie alle, von Alfa bis Volvo, so, wie wir das von der Hanauer Landstraße kennen. Wir folgen der L530 und kommen durch ein Waldstück mit den bekannten, glitschigen Wegen. Hier gibt's ein paar Unstimmigkeiten bei der Frage, wer wie wohin fährt. Wir einigen uns darauf, dass jede/r einfach macht, was er/sie meint. Laut dem letzten Wegweiser sind es noch 18 Kilometer bis Sinsheim.
Bei der Fahrt durch Grombach entscheiden wir uns für einen Stop bei der Metzgerei Dick, deren freundliche Verkäuferin uns drei Brötchen belegt, dazu einige kleine Salzgurken einpackt und für das Komplettprogramm 6,73 Euro berechnet. Im weiteren Verlauf der Ortsdurchfahrt erkennen wir links das Rathaus wieder, unter dessen ausladendem Vordach wir vor zwei Jahren vor Kälte zitternd unser Mittagessen verspeisten.
Kurz vor Sinsheim deute ich die Strecke falsch und führe Mann und Frau eine weitere steile Rampe hinauf. Oben angekommen erkenne ich meinen Fehler, aber da sind wir halt schon oben.
Mit dem 12-Uhr-Läuten sind wir dann in Sinsheim an einem zentralen Spielplatz. Während wir essen, schaukelt hinter uns die Oma geduldig das Enkelkind, das immerzu auf seine Puppe im Wagen schaut. Ein paar Meter weiter links pumpt eine osteuropäische Mutter geduldig Wasser an einem öffentlichen Brunnen, damit ihr mit Gummistiefeln und Schaufel bewaffneter Bub ein Kanal graben und darin herumlaufen kann. Schräg gegenüber sitzt ein Kindergarten mit vier Betreuern und ca. 30 Kindern in gelben Verkehrswacht-Westen auf der Wiese.
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| Das Tagesziel grüßt |
Die restlichen Kilometer bis Heidelberg spulen wir routiniert ab, am Ende wird es immer enger auf dem Weg am Neckarufer, so dass wir lieber auf die Straße ausweichen.
Im Hotel empfängt uns Elias Yilmaz, der mir einen Fahrrad-Stellplatz anbietet, den ich freundlich mit dem Hinweis ablehne, dass wir vor zwei Jahren mit einer freundlichen Kollegin eine sehr gute Vereinbarung getroffen hätten, die wir heute wiederbeleben wollten. Das ist nicht ganz korrekt, aber er nimmt es als gegeben hin und ist einverstanden.
Wir checken ein, stellen die Räder an verbotener Stelle in Ebene -1 ab und schließen sie an die dort immer noch aktive Steckdose an. Danach gehen wir nach oben, machen uns einen Kaffee, duschen und legen uns hin. Heute war der dritte Tag, und wir sind beide ziemlich fertig.
Gegen halb sieben machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Wir sitzen im Hof (ist ja Sommer), trinken hauseigenes Bier, essen Kalbsfrikadellen und Omas Rouladen und schauen den anderen Touristen beim Leben zu. Auf dem Rückweg echauffiert sich Madame über das eher ausgezogene Erscheinungsbild des weiblichen Nachwuchses. Meine Oma mochte auch keine Miniröcke.
Zurück im Hotel sammeln wir in Ebene -1 die Ladegeräte ein, wir brauchen sie noch für die Reichweitenerweiterer.
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| Vom Kochr zum Neckr – der vierte Fluss |







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