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Donnerstag, 12. Juli 2012

18. Mai 2012, der neunte Tag: Avignon–Beaucaire, 38,02 km

Südfrankreich kommt immer so plötzlich

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ ist eine zwar weit verbreitete, aber definitiv falsche Annahme. Bei uns war die Hoffnung auf gutes Wetter schon in der Nacht verstorben und aus dieser misslichen Lage kann sie sich auch während des Frühstücks, das von dunklen Wolken und dem regelmäßigen Tropfen des Regens begleitet wird, nicht befreien. Auch das Frühstück selbst hat keine Fortschritte gemacht, es gibt die gleichen, in Alu verpackten Kalorienbringer wie tags zuvor.

Gegen neun legen wir in Avignon an der „kleinen Rhône“  an, wir haben natürlich längst gepackt und gehen erstmal auf eigene Faust in die Stadt. Der Regen hält uns zunächst davon ab, unnötig viel Zeit auf den Straßen zu verbringen (wir haben überraschenderweise keinen Schirm dabei).

... und plötzlich sind wir in Südfrankreich!

Unser erstes Ziel ist sowieso die lokale Einkaufsmeile, Mo will gucken, und mir rutscht mangels verbliebener Hüften jede Hose, so dass ich einen Gürtel brauche. Die Rue de la République bietet für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas Passendes, mir passt der 14,90-Gürtel bei H&M.


Schräg gegenüber kriegen wir bei einem bekannten amerikanischen Bulettenbrater gegen Bestellung und Bezahlung von zwei Café einen kostenfreien Internetzugang, der es uns erlaubt, uns nach zwei Tagen mal wieder ums Geschäftliche zu kümmern. Auf unserem Schiff gab's solche technischen Extravaganzen leider nicht.


Interessante Einblicke im Vorübergehen


Der weitere und Rückweg durch die Stadt ist beeindruckend: großartige Gebäude, prächtige Plätze und päpstliche Paläste. Wir können nur staunend vorüberhuschen, denn unsere Zeit ist knapp – der Regen hat aufgehört. Nach einem kurzen Abstecher ins Souterrain von Casino erreichen wir kurz nach elf unser Schiff, holen die Räder vom Oberdeck und satteln auf.

Nach kurzem Abschied vom verfügbaren Teil der Besatzung schieben wir von Bord, genau rechtzeitig, um all den Passagieren entgegen zu fahren, die gerade vom Landausflug zurück kommen und die Fahrt fortsetzen müssen. Es ist gleich zwölf, bald gibt's Mittagessen.

On y danse, on y danse ...


Wir gondeln noch kurz am Ufer hin und her, dann folgen wir einem Uferpfad und einer stillgelegten Landstraße in Richtung Süden. Irgendwie läuft alles nicht wie erwartet bzw. gewünscht, und am Ende stehen wir vor einem riesigen, komplett eingezäunten TGV-Bahnhof am südwestlichen Rand von Avignon. Wir fahren in praktisch alle Richtungen und stehen am Ende immer wieder vor dem gleichen Problem: Der Weg geht direkt in eine Autobahn oder für Fahrräder gesperrte Route Nationale über.

Dieses Elend kostet uns mindestens eine weitere Stunde, dann entscheiden wir uns für die Auffahrt auf die N1007, die erstens kaum befahren ist und uns zweitens sowohl über den Rhône-Seitenkanal als auch die ansonsten unpassierbare TGV-Strecke bringt.

An die Überwindung großer Distanz ist längst nicht mehr zu denken, wir denken vielmehr ans Mittagessen, das wir uns auf einer Mischung aus Baustelle, Gewerbegebiet und Lkw-Parkplatz am Rande der Route d'Avignon gönnen.

Ringsum wird es immer südfranzösischer

Besagte Straße führt uns weiter durch Graveson, knickt dort nach Südwesten ab und heißt plötzlich auch noch D970. Nächster Halt ist Tarascon, die Stadt des legendären Drachen, der an den Ufern der Rhône die Reisenden verschlungen haben soll. Wir können diesem Schicksal erfreulicherweise entgehen (hochschalten und schneller treten hilft oft), schauen noch kurz im örtlichen Château vorbei und machen uns danach über die Brücke nach Beaucaire.

Château de Tarascon, einerseits einladend, ...

... andererseits abweisend

Die Stadt empfängt den Brückenüberquerer mit einem großen Yachthafen, den passenden Bars und Cafés sowie einer von Bäumen überdachten Hauptstraße, die parallel zum Canal du Rhône à Séte durchs Zentrum führt.

Wir würden gern bleiben, stellen aber fest, dass wir für das telefonisch gebuchte Hotel hoch hinaus müssen; es liegt ca. fünf Kilometer außer- und weit oberhalb der Stadt. Im Vorbeifahren machen wir noch Station an einer Tankstelle, um ein bisschen Kettenfett zu schnorren. Die Chefin gibt ihr Fläschchen nicht aus der Hand, sondern sprüht das kostbare Gut eigenhändig auf die Antriebe. Als sie danach auf die Idee kommt, dass eventuell auch ich mal nachgefettet werden müsste, machen wir uns dankend auf den weiteren Weg.

Das Hotel und die gesamte Anlage haben definitiv schon bessere Zeiten gesehen, das erkennt man beim Vergleich des Prospekts mit der Realität. Mo meint, es sei ein „heruntergekommener Laden“, wenigstens gibt es einen Pool.

Fürs Abendessen haben wir keine Alternative, wir sind ja jwd. Also gibt's den Apéritif in der großen, wenig einladenden Halle und anschließend ein kleines Menü im naheliegenden Restaurant. Der Service ist ein bisschen hektisch (die Herrschaften möchten fertig werden), der Wein ist lecker und auch das Essen ist in Ordnung. Mit dem Bestellen tun wir uns etwas schwerer als sonst, weil die Menschen hier so südfranzösisch sprechen. Unsere Kellnerin z.B. schlägt sich auf meine Nachfrage, was denn ein „Kissdellapeng“ sein könnte, mit der linken Hand mehrmals heftig auf den rechten Unterarm und wiederholt das Wort zunehmend energischer.

Irgendwann begreife ich, dass es sich nicht um einen Hilferuf handelt. Sondern um Kaninchenkeule.

Mittwoch, 11. Juli 2012

17. Mai 2012, der achte Tag: Ruhetag auf Saône und Rhône

Einfach mal treiben lassen

Was sich am Abend zuvor bereits angedeutet hatte, wird beim Frühstück zur traurigen Gewissheit: Das Essen an Bord ist stark verbesserungsbedürftig. Es gibt zwar viel, aber was es gibt, könnte viel besser sein.

Immerhin ist das Schiff über Nacht gut voran gekommen, Lyon haben wir bereits passiert, nach dem Frühstück sind wir schon an Vienne vorbei. Den restlichen Vormittag verbringen wir lesend und herumguckend in der Sonne an Deck; windig aber angenehm. Wäsche haben wir auch gewaschen, sie trocknet jetzt in der Kabine vor sich hin.

Auch für die Fahrzeuge gilt heute: länger liegenbleiben

Gegen eins sitzen wir wieder mit den Berlinern am Tisch, und die Mitesser tauen langsam auf. Nach Quiche lorraine und etwas eigenwilliger Cordon-bleu-Variante sagt Madame: „Die französische Küche ist doch nicht sooo schlecht“, und wir stimmen vorsichtig zu. Den Camembert (Käse) lassen sie vorsichtshalber aus, dafür nehmen sie die Nougattorte. Wir essen alles und gehen danach schlafen.

Egal, wohin man schaut: ...
... Auf dem Weg in Richtung Süden ...
... sinkt das Niveau

Nach der Mittagspause sitzen wir wieder auf dem Sonnendeck, bräunen die normalerweise in Radschuhen steckenden Füße sowie Teile der sonst vom Trikot verhüllten Oberkörper nach und lauschen den häufigen Durchsagen der Besatzung, die dieses am linken und jenes am rechten Ufer benennen und durch zusätzliche Angaben erläutern.

Sinn und Zweck dieser Mitteilungen sind eher undurchsichtig. Denn es wird kein Wissen, keine Erfahrung vermittelt, sondern allein das vermeintlich gute Gefühl hergestellt, dass man alle wichtigen bzw. interessanten Stationen gesehen oder doch wenigstens etwas über sie gehört hat. So kann man den direkten Kontakt mit Land und Leuten vermeiden, war aber nichtsdestotrotz vor Ort, hat alles Wissenswerte gehört und kann vor allem sicher sein, dass man für sein Geld auch den nötigen Gegenwert erhält. Spätestens bei der vierten Durchsage hat man den Inhalt der ersten vergessen, aber wie sagt der Franzose: „C'est la vie!“

Das Schiff legt nachmittags in Tournon-sur-Rhône an, auf der anderen Seite des Flusses liegt Tain-l'Hermitage. Wir bummeln durch beide Orte, bewundern die sie verbindende Fussgängerbrücke, trinken einen Café, den der Kollege hinterm Tresen doppelt berechnet, was er nach zweimaliger Intervention aber als Missverständnis deklariert und korrigiert.

Tournon-sur-Rhône bietet viel Platz für Touristen

Zurück auf dem Schiff lesen wir noch ein bisschen auf dem Sonnendeck, dann geht's zum Apéritif in den Salon und ab halb acht sitzen wir mit unseren inzwischen fröhlichen Berlinern beim Abendessen. In sieben Monaten und sieben Tagen ist Heiligabend, der Schiffskoch feiert schon heute mit uns – Rehfilet als Hauptgang, Zimtpflaumen zum Dessert. Die Dame aus Berlin hat mir inzwischen drei Mal beim Essen zugeschaut und tut eingangs des Mahls das einzig Richtige: Sie bietet mir einen Teil ihrer Fleischportion an. Um das zarte Pflänzchen unserer aufkeimenden Freundschaft nicht zu gefährden, nehme ich an.

Nach dem Essen leeren wir im Salon noch unser Fläschen und erklären unserem Reiseleiter, was wir hinter und in den kommenden Tagen und Wochen vor uns haben. Er selbst hat offensichtlich zum ersten Mal deutsche Menschen vor sich, die sich ernsthaft für sein Land interessieren (Wir erinnern uns: „Isch bin Europeär aus där Provence, Fronkreisch.“). Man sieht ihm an, dass ihm dieser Ansatz zwar neu ist, er ihn deswegen aber nicht minder schätzt.

Da wir noch nicht einschätzen können, wann das Wetter morgen die Weiterfahrt zulässt, vereinbaren wir auf dem Weg in die Kabine mit der Zahlmeistern, dass wir morgen ohne weitere Kosten am Mittagessen teilhaben können. Mit der Hoffnung auf schönes Wetter ab neun Uhr gehen wir schlafen.

So eine Flusskreuzfahrt ist auch rückblickend eine interessante Erfahrung

Mittwoch, 4. Juli 2012

16. Mai 2012, der siebte Tag: Saint-Jean-de-Losne–Chalon-sur-Saône, 61,5 km

Ein Schiff wird kommen

Das Frühstück ersparen wir uns, wir hatten ja vorgesorgt. Abfahrt trotzdem erst um neun, aber wir können Zeit gewinnen, weil wir die Schleifen der Saône bis Seurre auf der D34 um etwa zehn Kilometer abkürzen. Danach geht's auf der D128 und D111 weiter nach Verdun-sur-le-Doubs, zwischendurch müssen wir leider einen Job abwickeln, was eine längere und windige Pause hinter einem Schuppen am Weiderand erfordert und die eine oder andere Kuh durchaus irritiert.

Entsprechend durchgefroren rollen wir in Verdun ein und klopfen schon vor zwölf am Wintergarten eines angenehm wirkenden Hotels im Zentrum an. Unser positiver Eindruck bestätigt sich beim Eintreten: Der Wintergarten ist beheizt.

Schöner als es scheint: Verdun-sur-le-Doubs

Wir ordern Plat du jour und dürfen uns für 12,50 € pro Nase mit einer Quiche, einer sehr guten gekochten Rinderbrust und einer feinen Tarte de pomme vergnügen. Neben den Bissen arbeiten wir noch ein bisschen und wärmen vor allem auf.

Hier findet der Doubs (rechts) sein Ende in der Saône (links)

Gut gestärkt geht's auf der Straße weiter gen Chalon-sur-Saône, unterwegs folgen wir einem Traktor, der uns mit bis zu 30 km/h über den Asphalt zieht. Irgendwann scheint der Fahrer aber den Spaß an seinem guten Werk zu verlieren, er beschleunigt leicht und hat dabei den Vorteil, dass er aus seiner Maschine mehr heraus holen kann als wir aus uns. Schon ist er weg.

Da der siebte Tag von alters her einen guten Ruf als Ruhetag hat, denken auch wir in diese Richtung. Und da fällt uns ein, dass wir vor einigen Jahren in Tournus ein großes Flusskreuzfahrtschiff voller AmerikanerInnen gesehen haben, die ganz begeistert über ihre Fahrt von Chalon-sur-Saône nach Lyon und Avignon berichteten.

Was der gemeine Ami kann, können wir schon lange. In der Stadt fragen wir uns deshalb zum Fluss durch und fahren direkt an die Anlegestelle der Flusskreuzfahrer. Dort fragen wir gleich beim ersten Schiff nach einer freien Kabine bis Avignon. Patrick, der Reiseleiter, ist Franzose („Isch bin Europeär aus där Provence, Fronkreisch.“) und trotzdem ein aufgeschlossener Typ. Er ruft die Reederei in Bonn an, wir werden uns einig und packen die Räder an Bord – Abfahrt ist um sieben, da bleibt uns noch viel Zeit.

Schön liegen bleiben, wir kommen gleich wieder

Die nutzen wir, um in Radklamotten durch die Stadt zu flanieren. Am Place de l'Hôtel de Ville unterbrechen wir dieses Unterfangen, um vor der gleichnamigen Bar in der Sonne zu sitzen und mehrere Cafés zu konsumieren.

Danach stöbern wir durch die Stadt, ich kaufe einen neuen Schnürsenkel, der Rest ist Schaufensterbummel – als Radfahrer hat man erfreulicherweise keinen Platz für ausgiebige Einkäufe. Interessant dabei: Die Fußgängerzonen in französischen Städten haben natürlich auch einige der unvermeidlichen Kettenläden im Angebot (1-2-3, Zara, Comptoir des Cotonniers, IKKS), bieten außerdem aber eine unglaubliche Vielfalt lokaler Geschäfte, die das Bummeln deutlich abwechslungsreicher und interessanter machen als den Weg durch das ewiggleiche Angebot in deutschen Einkaufsstraßen.

Rette sich, wer kann

Um sechs Uhr kommen wir zurück zum Schiff, nun lässt man uns an Bord. Wir duschen, gewöhnen uns auf unseren paar Quadratmetern ein und pilgern um sieben zur offiziellen Begrüßung in die Bar; es gibt ein sehr buntes, sehr süßes Getränk, das sie Cocktail nennen. Mo und eine andere ältere Frau drücken den Altersschnitt der Gäste mit vereinten Kräften auf knapp unter 70, nach der Vorstellung der MitarbeiterInnen und des Programms der nächsten Tage – die anderen müssen ja bleiben – schleppen sich alle zum Abendessen.

Es gibt totes Huhn, wir sitzen mit zwei ziemlich spröden Berlinern an einem Tisch. Gegen neun fahren wir an Tournus vorbei, danach gehen wir früh schlafen.

Heidewitzka, Her Kapitän!

Ganz klar: Wenn hier etwas untergeht, dann nur die Sonne

Tournus aus völlig neuer Perspektive

Freitag, 15. Juni 2012

15. Mai 2012, der sechste Tag: Besançon–Saint-Jean-de-Losne, 68,9 km

Auf Sonne folgt Regenschirm

Wir frühstücken ebenso französisch wie ergiebisch im Hotel, kaufen nebenan bei Casino ein und nehmen beim Bäcker kurz vor dem Radweg noch feines Baguette und ebensolche Croissants mit. Diesmal finden wir den Anschluss besser als im letzten Jahr und sind entsprechend schnell auf dem Weg nach Osten.

Nach ein paar Kilometern macht uns eine Straßensperre das Fortkommen schwer, da uns aber ein Rennradler entgegenkommt, ignorieren wir die öffentliche Ordnung und fahren weiter. Nun kommen uns einige rennende Menschen in Uniform entgegen. Sie sind unbewaffnet, trotzdem wollen wir nicht feindselig wirken und fahren deshalb langsam und ganz rechts auf dem Weg weiter. Die Zahl der Läufer erhöht sich, die einzelnen Menschen werden Teil einer Schlange, an der wir über etwa zwei Kilometer entlang fahren.

Langsame, schnelle, entspannte, fertige, keuchende Menschen, einer ist dem Kotzen nahe, eine Frau liegt am Boden und wird von Sanitätern versorgt – insgesamt eine gespenstische Angelegenheit. Am Ende der Reihe eine Gruppe von fünf Menschen mit drei Autos. Sie (die Menschen wie die Autos) sehen militärisch aus und sprechen in Funkgeräte (nur die Menschen).

Wir fragen, welchem Ereignis wir gerade beiwohnen durften, und hören, dass es der jährliche Fitness-Lauf der Einheit war. Wir verkneifen uns die Frage, warum die fünf nicht teilgenommen haben.

Felsdurchgang, heute ohne Regenvorhang

Bei Saint-Vit erreicht uns die schwarze Wolke, wir flüchten unter die Brücke bei der Schleuse, an der wir im letzten Jahr zwecks Mittagspause angehalten hatten – allerdings unter weniger trüben Umständen. Diesmal essen wir im Stehen, frieren und hoffen, dass der Regen bald aufhört.

Anders vorgestellt, lieber untergestellt

Wir nutzen die erste Gelegenheit, um weiter zu fahren – leider etwas vorschnell, denn nach wenigen Minuten fahren wir im Hagel. Vor Dampierre stellen wir uns lieber nochmal unter, essen die letzten Croissants und kaufen dann im Ort fürs Frühstück am nächsten Morgen ein.

Ist das nicht Dole?

Nach einem kurzen Stück auf der Straße biegen wir auf einen Kiesweg ein, dem wir bis Saint-Jean-de-Losne folgen. Gegen sechs erreichen wir unsere Herberge, die der niedrigen Bewertung im Logis-Verzeichnis in allen Belangen gerecht wird. Das Internet funktioniert nicht, aber unsere Kellnerin war als Au-pair in Deutschland und versteht uns. Essen und Trinken sind eher unterdurchschnittlich, aber wir werden satt.

Wie der Hotel-Monopolist Saint-Jean-de-Losne sieht

Am Nachbartisch sitzen die Eheleute Krebs, er hat einige Luxus-Ferienwohnungen bei Riquewihr und spricht Deutsch, seine Frau kommt aus Paris und ist auf Französisch nett.


14. Mai 2012, der fünfte Tag: Montbéliard–Besançon, 96,4 km

Laissey vous tenter

Das Frühstück nehmen wir im Zimmer, auf dem Weg aus der Stadt erleichtern wir eine Boulangerie um ein paar Croissants. Anschließend hilft uns eine freundliche Joggerin, den richtigen Anschluss an den Kanalweg zu finden. Bis l'Isle-sur-le-Doubs fahren wir oft zwischen dem Kanal (links) und dem Doubs (rechts), im Ort kaufen wir ein, und gegenüber Hyèvre-Paroisse setzen wir uns ans Wasser, um zu essen.

Erinnerung an die große Brunhildegard

Garantiert nichts zu sehen von Hyèvre-Paroisse

Die Sonne strahlt mit uns um die Wette, bei Baume-les-Dames erwartet uns eine neue Ortsumfahrung für Radfahrer (sehr eindrucksvoll). Das Tal, das uns im letzten Jahr trotz des starken Regens schon so gut gefallen hatte, ist auch im Sonnenschein noch sensationell.

Als wär's ein Rad von uns

In Laissey machen wir eine Kaffeepause an der Lieblingsstrecke der lokalen Rennrad-Elite, die (be)ständig an uns vorbeifährt. Ich lobe den Namen des Etablissements „Laissey vous tenter“, zur Belohnung gibt uns die Chefin den Kaffee für die Hälfte.

Kaffeepause ...

... mit altem Kameraden

Irgendwann brettern wir über die 100-Kilometer-Marke auf dem Asphalt und kurz darauf ist Besançon erreicht. Diesmal fahren wir früher ab (und vor allem: richtig) und steuern gleich das Hotel du Nord an, wo wir duschen, waschen und kurz ruhen.

Doubs und sie und ich

Andar el camino, auch in Besançon

Es folgen ein kurzer Stadtrundgang und eine Reservierung in der Brasserie du Commerce, die uns im letzten Jahr empfohlen worden war, aber leider geschlossen hatte. Mit dem Essen reift die Erkenntnis, dass wir da nicht nochmal hin müssen.

Viel commerce, wenig coeur

13. Mai 2012, der vierte Tag: Neuf-Brisach–Montbéliard, 106,5 km

Die Trennung von Bad und Zimmer

Das Frühstück ist nicht besonders, aber nach den 140 Kilometern vom Vortag und dem Essen vom Vorabend will Mo morgens geregelte Verhältnisse. Das Hotel kommt uns entgegen und stellt das Frühstück nicht in Rechnung. Wir kaufen bei Carrefour am großen Platz ein und strampeln auf die Landstraße.

Nach kurzer Fahrt über die Dörfer geht es in den Forêt de la Harth – 40 Kilometer schnurgerade auf guter Piste und mit dem Wind im Rücken. Anders als im letzten Jahr fahren wir am Ende des Waldes auf dem offiziellen Weg nach Mulhouse, was die Fahrt in und durch die Stadt extrem vereinfacht und ungemein beschleunigt.


An dieser Stelle kann man viel richtig machen

Irgendwann gibt's Mittagessen am Kanal, dann fahren wir an Altkirch und Dannemarie vorbei. Ab hier hat der Radweg immer mehr Schäden und entsprechende Absperrungen an den Rändern – da wird sich das Département was einfallen lassen müssen.

Adieu Canal

Bienvenue Doubs

Am Nachmittag erreichen wir den Übergang zum Doubs-Radweg, jetzt liegen 135 tolle Kilometer vor uns, aber heute geht es nur noch bis Montbéliard. Ein Ehepaar empfiehlt uns für den Abend das Restaurant im Peugeot-Museum in Sochaux, und es ist den beiden völlig egal, dass dieses sonntags eher nicht geöffnet haben dürfte und für Radfahrer zudem etwas weit draußen liegt. Das Essen sei gut und günstig, da sollten wir hinfahren.

Das von den Einheimischen ebenfalls wärmstens empfohlene Hotel erweist sich als Baustelle, weitere Hotels in der Innenstadt sind ebenfalls geschlossen. Wir entscheiden uns am Ende für das Bristol, einen – wie sich herausstellt – liebevoll hergerichteten Jahrhundertwendebau. Die Atmoshäre ist sehr distinguiert, die Preise sind erträglich und Bad und Toilette nur durch einen Vorhang vom Zimmer getrennt.


Im Centre des Geschehens: le Château de Montbéliard

Wir duschen, ruhen kurz und suchen dann nach Nahrung. Die meisten Restaurants haben sonntags geschlossen, vor der Perle des Orients schreckt Mo zurück und die anderen sind déjà complets. Am Ende landen wir im Marco Polo, der französischen Pizzeria, in die wir von Anfang an nicht wollten. Das Essen ist OK, am Nebentisch wird eine vierköpfige italienische Familie abgespeist.

Große Stadt, ganz klein

12. Mai 2012, der dritte Tag: Mothern–Neuf-Brisach, 140,14 km

Essen im Keller, Stimmung dto.

Das Frühstück ist gut, am Eingeborenenstammtisch nebenan gibt es parallel die ersten  Bierchen. Ich besuche anschließend gleich nochmal unser Restaurant vom Vorabend, denn ich habe meine Pulsuhr vergessen. Der Patron schläft noch, steht aber gern für mich auf und gibt mir eine wichtige Information mit auf den Weg: „Mir henn aa Zimmer“.

Wir fahren zurück auf den Damm, erreichen schnell das Delta de la Sauer und fahren von dort wieder auf dem Damm bis Drusenheim, wo wir bei Leclerc einkaufen und bei Müllers den Rechner samt Zubehör abgeben. Er hat sich heute morgen nicht mehr starten lassen, und wenn es ihm so schlecht geht, dann wollen wir ihm keine lange Reise mehr zumuten. Nun dürfen wir darüber nachdenken, wer in unserer Abwesenheit die Arbeit macht.


Kurz vor Strasbourg: Essen teuer

Kurz nach Strasbourg: Essen weniger teuer

Nach dem Mittagessen an der Ill fahren wir den gut bekannten Kanalweg, der diesmal länger und schwieriger wird als wir dachten. Anfangs geht es wie gewohnt super, hinter Marckolsheim wird die Piste überraschend sandig und im weiteren Verlauf kaum befahrbar. Im März war das noch irgendwie anders.

Gut gebaut, gut ausgebaut, am Ende abgebaut

In einem der kleinen Orte am Weg versuchen wir, mit einem Café die Leistungsfähigkeit zu steigern, leider wirkt sich der Preis wieder negativ aufs Gesamtbefinden aus. Bei Kunheim wechseln wir auf die D468, nach der Ortsdurchfahrt Biesheim sind es nur noch ein paar Kilometer bis Neuf-Brisach, wo wir uns im führenden Haus am Platz einquartieren.

Das Essen gibt's im Keller – wahrscheinlich aus steuer- oder anderen abenteuerlichen Gründen, denn das Haus verfügt über eine alte Gaststube, die deutlich mehr Lokalkolorit ausstrahlt als die Schänke im Souterrain, die eher an ein umgebautes Schwimmbad erinnert. Die Tarte flambée ist erträglich, der Service weniger. Der Tisch, den man uns trotz früher Reservierung zuweist, ist eine Zumutung, Bestellungen werden großflächig ignoriert, serviert wird, wenn die Dame Lust hat.


Heute kein Markt in Neuf-Brisach