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Mittwoch, 14. Juni 2023

La France avecque ... les mauvais cȏtés de la cȏte

Day in


13. Juni 2023


Heute frühstücken wir unten im Restaurant, d.h. mit Croissants und Chocolatines von Casino, wo wir eigentlich mehr kaufen wollen, aber das Angebot ist derart schlecht, dass wir es lieber lassen. Die Chefin des Restaurants macht uns den versprochenen Café, wir schwätzen noch ein bisschen und packen anschließend unsere Siebensachen.


Unten machen wir erstens unsere Räder sauber und sparen zweitens Sonnenschutzmittel, weil wir sofort die Regenjacken anziehen können und nichts gegen die Sonne tun müssen. Ein Mann aus GT fährt im Camper mit seiner Frau nach Hause. Er ist irgendwie vom Fach, denn er kann fehlerfrei Ritzelpaket asussprechen und identifiziert die Räder gleich als „mit kleinem Motor.“


Vom Campingplatz geht's wieder auf unseren Waldweg, wir fahren entlang militärischem Sperrgebiet, wo Frankreich Raketen zu Testzwecken startet (heute nicht, heute sind sie anderweitig beschäftigt). Anschließend fahren wir weiter durch Wald, Wald, Wald geradeaus, geradeaus, geradeaus. Dabei geht es so viel rauf und runter, dass wir uns wundern, wie wir das 2012 überhaupt geschafft haben.


Am Ende kommen heute an der vermeintlich flachen Küste die drittmeisten Höhenmeter dieser Reise zusammen. Und die Wegstrecke hat sich inzwischen auf mehr als 2.000 Kilometer summiert.


Wir pilgern Richtung Süden 


Kurz vor Maubuisson kommen wir z.B. durch eine, wie wir später erfahren, private Ferienanlage, die sehr zurückhaltend in den Wald gebaut wurde. Das sieht super aus, schön viel Platz zwischen den Häusern, und man kann sich einmieten. Bestimmt auch schön teuer. Vor allem aber: so sehr rauf und runter, dass man diskutieren kann, wer mehr Hilfe braucht – wir von den Rädern oder die Räder von uns.


Nach dem Wald kommt Lacanau-Plage. Da fahren wir mal hin, da kann man bestimmt was einkaufen. Vor dem örtlichen Super U liegt ein schwarzer Hund, kurz darauf kommt ein alter Hippie im Gandalf-Kaftan raus, natürlich ist es sein Hund. Die Gattin geht einkaufen.


Während wir an der Promenade von Lacanau-Plage unser Mittagessen verspeisen, kommt Lucille mit ihren Eltern vorbei, alle drei etwas asiatisch angehaucht. Lucille hat ein neues Wort gelernt: attention, und es gefällt ihr so gut, dass sie es ständig herausschreit und ihr Leben lang nicht mehr vergessen wird.


Paradies für Surfer mit Plätzchen für Mittagesser


Um halb zwei Uhr fahren wir weiter. Etwas mehr als die Hälfte haben wir noch vor uns.


Die zweite Hälfte ähnelt der ersten wie Emil Erich. Es geht rauf und runter durch die Säulenhallen der Pinienwälder. Wir gehen davon aus, dass sich Gaudi von einem solchen Wald für seine Säulenhalle im Parc Güell hat inspirieren lassen.


Wir rauschen weiter durchs Gehölz, werden zwischendurch von einem deutschen Rennradfahrer überholt, der kurz darauf stehen bleibt und umdreht, weil ihm auffällt, dass er falsch abgebogen ist. Er hat gemerkt, was wir nicht gemerkt haben. Wir fahren weiter auf einem falschen Weg, der uns weg von der Küste, hin zu einem der vielen hiesigen Campingplätze führt. Hier kriegen wir endlich den ersehnten Café, bleiben aber nicht lange, denn es ist spät und schwarze Wolken ziehen auf.


An der letzten Abbiegung vor dem Ort spricht uns eine orangefarbene Notrufsäule an und klärt uns über das gewünschte und unerwünschte Verhalten im Wald auf.


Verheißungsvolle Zeichen bei Kilometer 70


Irgendwann sind es nur noch ein paar Kilometer bis Cap Ferret, irgendwann sind wir da ... und maßlos enttäuscht. Schon wieder eine Bruchbude für viel Geld, leider haben wir sie für zwei Tage gebucht und bereits bezahlt. Da wollen wir nicht nochmal eine Alternative zubuchen, manchmal muss man auch zu seinen Fehlern stehen.


Wir breiten uns im Apartment aus, strömen die Räder und stellen eine innere Mängelliste auf: sieht nicht gut aus (holzvertäfelte Wände und Decken, billige Einrichtung), ist schlecht ausgestattet (kein Geschirrhandtuch, keine Badematte, keine kleinen Handtücher, kein Wohlfühlen), die ganze Anlage ist leer (da wussten andere wieder mehr als wir).


Zarte Gräser am Rand unseres Weges


Also waschen wir erst die Trikots usw. und dann uns selbst. Nachdem alle sauber sind und besser riechen als vorher, suchen wir uns ein Restaurant fürs Abendessen aus, wie sich herausstellt, treffen wir wenigstens dabei eine gute Wahl.

Day out


Parallel kommt noch eine falsche Telefonrechnung, die ich per Chat reklamieren kann. Der junge Mann versucht zwar, den Fehler in meine Schuhe zu schieben (WLAN-Calls innerhalb Frankreichs werden als Anrufe aus Deutschland gewertet und berechnet), nachdem ich ihm erkläre, was ich davon halte, schreibt er mir den Betrag für die nächste Rechnung gut.


Und dann steigen wir auf unsere frisch geladenen (!), unbepackten (!!) Räder und brettern mit voller Leistung die Anstiege in Richtung Cap Ferret hoch. Normal ist das nicht.


Day out, second helping

Unser Restaurant liegt direkt am Ableger nach Arcachon. Es ist groß, die Terrasse ist rappelvoll, die Truppe gibt sich Mühe mit ihren Gästen. Wir essen und trinken gut, fahren mit eingangs beschriebener Kraft zurück und legen uns notgedrungen nieder.


Morgen sehen wir weiter.


Am Ende kurz nicht aufgepasst, macht zehn Kilometer Mehraufwand

Montag, 12. Juni 2023

La France avecque ... des bonnes nouvelles de l'Amélie

Abschied vom rechten Ufer der Gironde


12. Juni 2023


Schon wieder die Ersten beim Frühstück!


Aber das zählt alles nicht. Heute müssen wir über Wichtigeres sprechen, übers Eierkochen. An vielen Frühstücks-Buffets in Frankreich findet man ein einfaches Prinzip: kleine Körbchen aus Metall hängen an einem Gestänge ins mehr oder minder heiße Wasser. Nebenan stehen Eieruhren, und je nach Wassertemperatur variieren die zeitlichen Vorgaben für weich, fest, hart. Am Ende sind die Eier manchmal wirklich so, wie man sie haben wollte.


Heute nun eine neue Variante.


Das Wasser ist mit einer starken Essiglösung angereichert, das riecht schon mal nicht extrem appetitlich. Diese Lösung löst – nomen est omen – während des Kochens die Farbe aus der Schale der Eier und diese schwimmt dann braun-schaumig auf der Wasseroberfläche. Das sieht auch nicht besonders appetitlich aus.


Aber es kommt noch besser: Ab einem gewissen Stadium des Kochprozesses bewegen sich die Eier aus ihren Körbchen raus und tanzen durch das heiße Wasser und den Schaum. Das sieht wenigstens sehr lustig aus, ist aber nicht jedermanns Sache. Denn wenn alle Eier mit farblich ausgekochter Schale durchs Wasser rotieren, weiß erstens keiner mehr, welches sein Ei war, und zweitens in welcher Phase von weich, fest, hart es sich gerade befindet.


Eine tolle Lösung.


Gegen halb zehn geht es mit Verve auf die Strecke, die wir gestern Abend kurzfristig ausgeguckt hatten. Überhaupt gestern Abend: Das Essen war gut, der Service auch. Wir saßen bis zehn auf der Terrasse und schauten dem Meer dabei zu, wie es mit nahezu rasender Geschwindigkeit ans Land flutete. Gegenüber liegt die Südspitze der Île d'Oléron mitten im Wasser, ob's da auch ebbt und flutet?


Also, wir fahren nicht an der Küste entlang, sondern quer durchs Land, um Zeit und Kraft zu sparen. Wir müssen heute bis in die Mitte der linken Gironde-Seite kommen, damit es moprgenbisa Cap Ferret reicht. Insgesamt läuft es sehr gut, und der Weg ist inhaltlich wie optisch einer gute Lösung (sic!). Kurz vor Royan gesellt sich noch ein Rennradfahrer mit Frau zu uns und macht den Vorschlag, wir mögen lieber nicht an der Küste, sondern über die Weinstraße direkt auf der östlichen Seite der Spitze fahren.


Royan, wo Tradition und Modern eng beeinander liegen


Royan ist hässlich wie immer, wir sind gut angekommen und fahren direkt zur Bac. Leider hat man uns auf dem Weg wieder ein bisschen durch die Pampa und entlang der Küste geschickt. Aber wir waren auch selber blöd. Wir haben nicht geschaut, wann die Bac fährt und stehen jetzt neun Minuten nach Abfahrt der letzten Vormittags-Bac vor verschlossenen Türen.


Mittagspause entre mer et terre


Der junge Mann an der Kasse sagte freundlich „Midi quarante-cinq“ und meint damit die Abfahrtszeit der ersten Nachmittags-Bac. Also haben wir jetzt knapp anderthalb Stunden Zeit, setzen uns am Hafen auf eine Bank, essen das Mitgebrachte unbd jammern über unsere schlechte Vorbereitung.


Um Viertel nach zwölf klingelt der innere Wecker, wir verlassen die gastliche Bank und rollen zum Fähranleger. Ticketkauf und Einchecken sind schnell erledigt, die Überfahrt verbringen wir mit Spanisch und Italienisch aus dem Telefon.


12.30 Uhr an einem beliebigen Hafen in Royan


In Le Verdon-sur-Mer angekommen, entscheiden wir uns für den offiziellen Radweg, den wir so noch nie gefahren sind. Ein entgegenkommender Franzose unterstützt unsere Entscheidung mit einem Video des Weges, das er unterwegs aufgenommen hat und uns jetzt voller Freude präsentiert. Was wir bei ihm sehen, bestätigt sich auf den folgenden Kilometern: gut befahrbare Piste auf den nächsten rund 50 Kilometern.


Der Sohn spielt am hashtag, der Vater schreit ihn an: „Hängengeblieben, oder was?“


An der Plage d'Amélie machen wir am Hotel des Pins Kaffeepause. Das Hotel sieht nach dem Besitzerwechsel aus wie immer. Ein paar Kleinigkeiten, wie z.B. Außengastronomie, Namen an der Straßenfront und frische Farbe auf den Außenwänden, sind verändert, die Karte liest sich besser als früher. Der Café crème kostet 3,50 Euro.


35 Kilometer geradeaus


Das Wichtigste erfahren wir auf Nachfrage von der Tochter der neuen Eigner: Der Tochter der Vorbesitzer geht es gesundheitlich besser. Wir hatten spekuliert, dass die Eltern ihr Hotel, den Tod der Tochter vor Augen, verkauft hatten. Nun können wir getrost neu spekulieren, z.B. dass die Ehe der Betreiber so ruiniert war, dass sie nicht mehr zusammen arbeiten wollten.


Wir dagegen arbeiten uns nach Plage d'Amélie weiter in Richtung Hourtin-Plage.Das sind noch ca. 35 Kilometer schnurgerade Asphaltstrecke durch Pinienwälder und entlang wenig befahrener Verbindungsstraßen (vulgo: langweilig). Im Vorüberfahren wird uns erstmals der Sinn der häufigen Sandstrecken im Wald klar. Sie sollen im Brandfall ein Überspringen des Feuers von Waldstück zu Waldstück erschweren bzw. verhindern.


Hier sieht's ja aus wie auf dem Campingplatz


Tja, und dann passiert es: Gattin und Gatte quartieren sich am Camping de la Côte d'Argent in Hourtin-Plage ein. Da gibt es ein richtiges Hotelzimmer zum bislang günstigsten Preis dieser Reise. Aber keine Sorge, vom 1. Juli bis 31. August kostet es 50 Prozent mehr.


Da gibt es ein Spaßbad für Kinder jeden Alters (sie nicht, er schon), und es gibt sogar ein Restaurant, in dem man abends ordentlich essen kann. Mit dem Kellner ist es ein bisschen schwierig, er spricht mehr Deutsch als er kann.


Morgen früh macht uns die Chefin des Restaurants um 8.45 einen Kaffee, dann geht es südwärts nach Cap Ferret.


Montags von Plage zu Plage

Sonntag, 11. Juni 2023

La France avecque ... les anges de l'enfer

Was heute vor uns liegt


11. Juni 2023


Heute ist wieder Ungeheuerliches passiert, wir waren die Ersten beim Frühstück.


Da ist man unbeobachtet und sieht Dinge, die man sonst nicht sieht. Hier gibt es z.B. Eierbecher aus Silikon, eine super Erfindung. Wenn man sie unten am Rand anfasst, kippt oben das Ei raus. Und im Hintergrund läuft die Playlist Richard Clayderman spielt, was ihm grad so einfällt.


Aus Chȃtelaillon-Plage führt uns ein sehr schöner Radweg, anfangs fahren wir entlang einer dichten Folge von Bistrots, Buden und sonstigem Pop-up-Entertainment, die sich auf den Ansturm an Vor- und Nachmittag vorbereiten. Bei uns daheim stünden Würstchenbuden, hier sind es Austernbuden.


Kurz drauf kommt uns Monsieur BONJOUR !!! entgegen. Die meisten grüßen ja freundlich in Frankreich. Bei diesem Herrn aber sind wir vor lauter Begrüßung fast vom Fahrrad gefallen.


Erste Pause bei Kilometer 22


Es folgt ein sehr gepflegter, toll asphaltierter Radweg. Endlich mal wieder richtig Radfahren, bis die Huhu-Rufe der Gattin ertönen, die bei gewissen Geschwindigkeiten nicht mehr mitkommt. Oberhalb von 25 km/h stellt der Motor die Arbeit zurück.


Vor Yves geht es ein bisschen bergauf, vielleicht kommt der bekannte Schauspieler hierher. Außerdem kommen: der Kontrolleur des Radwegs (macht ein bisschen Platz), der Quad-Fahrer (weicht keinen Millimeter), das Pärchen, bei dem die Frau den Fahrrad-Grundkurs in der Grundschule verpasst hat und heute gefährlich vor uns her schlängelt.


Der erste Blick auf die Charente


Und in Le Petit Vergeroux kommt uns das lokale Chapter der Hell's Engels entgegen, etwa 150 bis 200 Maschinen, teils einfach, teils doppelt besetzt. Es stinkt fürchterlich, aber die Herren sind drauf. Ich grüße, sie grüßen freundlich zurück. Vielleicht machen sie eine kleine Spritztour mit ihrem Präsidenten, vielleicht ist es nur eine Schutzgelderpressung.


Im Süden Rocheforts treffen sich dann die Touristen am Transbordeur und lassen sich für 2,10 Euro pro Nase über die Charente transbordieren. Es ist schon interessant, dass uns danach zeitgleich einfällt, dass wir vor elf Jahren aus der entgegengesetzten Richtung kommend, irgendwo noch ein Mückenspray gekauft haben. Schon gestern Abend haben wir uns über den Film zur Schwebe unterhalten, den schauen wir zu Hause gleich nochmal an. Im weiteren Verlauf fahren wir dann eine Abkürzung, die wir uns gestern neu ausgesucht haben.


Schwebend über die Charente


Eine Einheimische auf dem Fahrrad versucht, uns mittels Rufen und Winken von diesem Weg abzubringen, aber wir fahren munter weiter, und es gibt auch keine Probleme. Nördlich von Saint-Agnat führt die Strecke über Kilometer an einem Kanal entlang auf einem Radweg, der früher mal eine Wiese war. Jetzt sind es zwei Streifen à 30 Zentimeter links und rechts von einem ca. 60 Zentimeter breiten Grasstreifen. Am Ende halten uns zwei Franzosen auf, die aus der Gegenrichtung kommen und uns vor dem warnen, was jetzt vor uns liegt.


Direkt danach erklärt uns ein dritter Franzose, die Strecke sei gut befahrbar, und er hat Recht. Da haben wir in den letzten Tagen und Wochen viel Schlimmeres erfahren.


Chȃteau Paintball


Beim Chȃteau La Gataudière machen wir Mittagspause. Das alte Gemäuer ist zwar Kulturerbe, dient heute aber weniger als Wohnstatt blauen Blutes, dafür umso mehr als Vergnügungsumfeld. Hauptsächlich für Freunde des Paintball, deren Geballer und Geschrei die gesamte Umgebung erfüllen.


Wir sind nur noch ein paar Kilometer von Ronce-les-Bains entfernt – manchmal wundert man sich, wie schnell 60 Kilometer gefahren sind – und noch vor 14 Uhr im Hotel. Wir bekommen gleich unser Zimmer, laden die fehlenden 70 Watt in die Räder und gehen in den Pool. Das Meer hat schon wieder Angst vor uns und ist bis zur Île d''Oléron vor uns zurückgewichen.


Unterwegs zum Strand


Anschließend schlafen wir wie müde, um sechs ruft der Junior an und spielt Face Value mit den alten Eltern.


Kurz nach halb acht sitzen wir auf der Terrasse, essen sehr leckere Austern und etwas zu lang gebratenen Thunfisch. Dazu gibt's einen feinen Entre Deux Mers und viel zu gucken. Ab etwa 22 Uhr traut sich das Meer zurück. Es weiß wohl, dass wir gleich schlafen gehen.


Von Strand zu Strand (mit Hinterland)

Samstag, 10. Juni 2023

La France avecque ... un mariage à coté de la plage

Ruhetag – haben wir uns verdient


10. Juni 2023


Nach dem Aufwachen haben wir entschieden, uns noch einen Tag am Strand zu gönnen. Das Hotel hat zugestimmt, wir dürfen bleiben. Frühstück gibt's unten in einem schönen Saal. Einiges wurde schon modernisiert, aber – wie so häufig – nicht zwingend zum Besseren.


Wir sitzen schon einige Zeit, da kommt ein Ehepaar in den Vierzigern rein, möchte an einem nicht (mehr) eingedeckten Tisch Platz nehmen. Er nimmt zwei Tassen von einem anderen Tisch und schaut mit dem Habitus eines Kindes, das von Mama eine Freigabe für sein Handeln erhofft, quer übers Buffet zur Frühstückskellnerin. Sie, eine ältere Dame, schaut zurück ohne jede Regung, und er versteht sofort, dass er das nicht machen darf. Er dreht sich um, stellt Teller und Tassen wieder dahin, wo sie hingehören, und Mama deckt für die Zwei den Tisch ein. Braver Junge!


Und dann spielns am Radio den Defiliermarsch. Wir warten auf Söder, aber er kommt nicht.


Badeort ohne Badeort-Gedöns


Nach dem Frühstück gehen wir zum Anbaden an den Strand. Handtücher haben wir vom Hotel geliehen, es ist nicht weit. Dafür ist der Strand riesig. Das Wasser ist anfangs kalt, aber wenn man erstmal drin ist, wird's schnell wärmer.


Beim Rauskommen sehen wir große Hubbel im Sand liegen. 60 Zentimeter Durchmesser, 15 Zentimeter hoch, sehen aus wie riesige Alarmknöpfe, auf die der Riese tritt, wenn es brennt. Macht der Riese aber nicht, denn das sind Quallen, die darauf warten, dass das Wasser sie wieder mitnimmt.


Da wir natürlich nicht wissen, dass Qualle auf Französisch „méduse“ heißt, fragen wir eine Französin. Sie sagt uns außerdem, dass die Dinger schmerzhafte Erfahrungen verursachen, wenn man sie berührt, wahrscheinlich eine Hautreaktion. Man möchte ihnen nicht begegnen aber es ist faszinierend, zuzuschauen, wie das Wasser sie langsam wieder ins Meer zurückbringt.


Das Haupt der Medusa (und der ganze Rest)


Ja, und während wir noch über Medusa nachdenken, bricht auf der Promenade plötzlich die Hölle los. Gespielt wird die Musik, die wir aus „Live and let die“ kennen. Natürlich nur der zweite Teil, es ist ja ein freudiger Anlass. Vorneweg der Bräutigam, ein Klarinettist, mit seiner Frau im eleganten Cabrio, dahinter 40–60 Gäste, unter ihnen sechs bis zehn weitere Musiker mit Tuba, Klarinette, Schlagzeug usw. Die Truppe spielt, klatscht und tanzt sich mit Hopsasa und Tralala die Promenade entlang.


Wahrscheinlich machen die das jede Woche ein Mal im Auftrag der Stadtverwaltung, und die Touristen glauben, es wäre echt.


Zurück haben wir einen anderen Weg genommen, mitten durch einen Wochenmarkt. Hat der Gattin nicht gefallen, denn sie war doch schwimmen und etwas leicht bekleidet. Aber so ist das Leben halt.


Fly like an eagle to the sea ...


Nach dem Mittagessen, der Mittagsruhe und dem Nachmittagskaffe gehen wir wieder an den Strand, leider hat das Meer Angst, es ist verschwunden. Wir laufen ein Stück nach links, ein Stück nach rechts, schauen Kitesurfern am Horizont bei ihren Kapriolen zu.


Auf dem Weg am Strand sehen wir den Leuten beim Flanieren oder Sonnenbaden, den Kindern beim Sandburgenbauen, beim Rennen, beim Matschen zu. Mit dem starken Wind aus West kämnpfen sie alle: Der eine bangt um die Standfestigkeit seines Windschutzes, die andere klappt sicherheitshalber den Sonnenschirm zu, jeder hält irgendwas fester als sonst üblich bzw. nötig.


Hält dem Küstenwind seit Jahrzehnten stand


Die Gattin blickt die ganze Zeit ihren Dass-ich-das-noch-erleben-durfte-Blick. Nach den Schrecken des nördlichen Abschnitts war mit einem solchen Ort kaum zu rechnen. Und manchmal muss man wohl Schlimmeres erlebt oder gesehen haben, um das „Normale“ entsprechend zu schätzen.


Das gilt auch fürs Essen. Wir haben wieder im Sandkorn reserviert. Was wir gestern als Brut 1er cru hatten, probieren wir heute mal als Blanc des blancs 1er cru. Und Bulots und Konsorten sind auch noch genug da.


Heute sitzen wir etwas weiter vorne im Restaurant. Da sehen wir wie um 21.30 Uhr die einheimischen Familien den Strand zurückerobern. Die Siebenjährigen toben und tollen vorneweg, die Vier- und Fünfjährigen schieben die Zweijährigen im Wagen, die Eltern trotten sich unterhaltend hinterher. Es ist beeindruckend, zu sehen, wie die Menschen hier mit dem Meer leben.


Our Rad will go on (gleich morgen)