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Samstag, 23. Juli 2011

19.07. 4ème étape: Dole–Nuits-Saint-Georges (49,93 km, 2:38:26) (Vous n'avez pas la priorité)

„Bon courage!“

Der Preis des Hotelfrühstücks in Dole steht in keinem Verhältnis zum Zimmerpreis, deshalb frühstücken wir in einer Brasserie schräg gegenüber, in der Rue de Besançon. Dort gibt es zumindest Café und Tisch, der Wirt meint, was wir sonst noch brauchen, sollten wir in der Boulangerie nebenan kaufen. Dort liegen die Butter-Croissants für 85 Cent und riesige Rosinenschnecken für 1,20 Euro in der Theke. Ich gebe also ein kleines Vermögen für Backwerk aus, die vier Tassen Café au lait sind auch nicht umsonst, und trotzdem frühstücken wir für nur ca. 70 Prozent des Preises, der im Hotel fällig gewesen wäre.

Anschließend den Rest packen, zahlen, Räder beladen und freundlicher Abschied im Hotel. Madame wünscht „Bon courage!“, wir füllen bei Casino Wasser nach, besuchen die alles überragende Notre Dame mit ihrer sensationellen Orgel und starten anschließend eine kleine Orientierungsfahrt durch die Stadt. Der Plan aus dem Office de Tourisme nimmt es mit dem Maßstab leider nicht besonders genau, die kurze Straße aus Dole hinaus wird in der Praxis immer länger.

An deutschen Orgeln gibt's nix zu norgeln

Die Ausfahrt in Richtung Champvans führt steil bergauf (wer den Kanal verlässt, ist selbst schuld), dann zwei kleine Hügel und schon geht es steil bergab. Ab Tempo 35 flattert bei mir die ganze Kiste, das liegt an der Größe des Rahmens und meiner extremen Zuladung. Anfangs hilft es, die Beine ans Oberrohr zu pressen, als das nichts mehr bringt, greife ich zu den Bremsen.

Einer von fünf, mutiger als vier

Die folgende Landstraße läuft gut, wir passieren Kreisel um Kreisel und lernen überall, dass wir nicht Vorfahrt haben. Irgendwann kommt rechts eine große Stuten- und Fohlenweide, Letztere liegen zunächst im Gras, springen aber recht fix auf, als sie uns kommen hören und sehen. In Les Maillys freut sich ein lokaler Radfahrer, dass wir ihn nach dem Weg fragen. Er will kaum mehr aufhören, und als uns endlich der Abschied gelingt, lässt er seinem „Bon courage!“ noch ein fröhliches „À votre service!“ folgen. Der nächste größere Ort heißt Saint-Usage (gestern war der Geist noch schnell, heute ist er offensichtlich aus zweiter Hand), nach der Durchfahrt stehen auf beiden Seiten der Straße weite Sonnenblumenfelder und es riecht – nach Sägespänen.

Kleiner Preis, große Klasse

In Brazey-en-Plaine steht Plat du jour auf der Karte, da fahren wir gerne mal links ran und suchen uns zwei Plätzchen im Restaurant. Die Nachbarn am Tisch arbeiten bereits an Crudités und Jambon persilé, im Fernseher steht der kleine Nick (nein, nicht der) im Hof des Dôme des Invalides im Regen und wartet mit verzweifelter Miene darauf, dass diese blöde Inszenierung endlich ein Ende nimmt.

Dabei ist der Termin mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr gut gewählt: Am letzten Wochende der verlängerte Nationalfeiertag, Thomas Voeckler im Gelben Trikot bei der Tour, gestern donnerten mehrfach die Mirages übers Land und Carla steht vor der Niederkunft. So erlebt das Volk seinen Präsidenten zur besten (Mittags)Sendezeit in einer Glorie aus Pathos, Popstar, Virilität, Fertilität – was kann da noch schiefgehen? Zumal DSK hier auch mit Fotos seiner ungeborenen Affärenkinder nicht mehr punkten wird.

Wir teilen uns Crudités und Jambon persilé  anschließend isst jede/r ein Hühnerbein mit Reis, gefolgt von Ziegenkäse und Coulommiers bzw. Fromage blanc. Zum Dessert wird im Fernsehen die Totenfeier wiederholt, gleich danach folgen Bilder und Gespräche von Campingplätzen aus den Unwettergebieten.

Nach dem Café sind wir 25 Euro ärmer und mindesten 30 Euro zufriedener, die Wirtin ruft „Bon courage!“, wir schwingen uns wieder in die Sättel und kurbeln in Richtung Nuits-Saint-Georges. Regen wechselt mit Sonne und Sturm, wir wechseln die Regensachen mit Saunagefühlen und Angstschweiß. Zum einen, weil jedes entgegenkommende Auto eine Wind- und Wasserwand hinter sich herzieht (je größer, desto wirkungsvoller), zum anderen, weil jedes überholende Auto kurz die Wirkung des von links wütenden Sturmes unterbricht, um uns dann umso hemmungsloser den Böen zu überlassen.

Der Ursprung der Zisterzienser

Frischer Belag, sehr frischer Wind

Wir sind sehr froh, NSG bei guter Gesundheit zu erreichen.

Im Office de Tourisme lernen wir, dass ein Ort, der für teure Weine bekannt ist, auch teure Zimmer anbietet. Wir arbeiten uns langsam auf ein erträgliches Niveau hinunter, beim Verlassen des Büros ruft die junge Frau hinter dem Tresen – genau, das ruft sie. Wir kommen zum Hotel, packen aus, duschen, ruhen und entschließen uns, morgen bei hoffentlich besserem Wetter ohne Gepäck die umliegenden Weinorte abzuklappern.

Hier hängen die Trauben deutlich höher als anderswo

Abends im hauseigenen Restaurant gehen Essen & Trinken gut Hand in Hand. Auf die Entrées folgen Hecht bzw. Boeuf bourguignon und zum Nachtisch bekommt Mo endlich wieder Cassis-Sorbet. An den Nachbartischen wird ebenfalls das volle Programm geboten: Eine Dame aus Belgien z.B. schafft es, lauter zu sprechen als meine Schwiegermutter (das hätte ich gestern noch für unmöglich gehalten), und ein Brite in der Ecke beruhigt sein quäkendes Baby während Mutters Abwesenheit mit dem Knistern von Geldscheinen – auf diese Idee muss man auch erstmal kommen.

18.07. 3ème étape: Besançon–Dole (70,14 km, 3:49:32) (Vitesse limitée obligatoire)

„Vous êtes perdu?“

Die Chefin unseres Hotels trägt zum Frühstück immer noch das rosafarbene Kookai-Shirt, da geht es ihr wie mir, ich habe auch jeden Tag dasselbe an. Schwindlig war mir heute auch wieder, da hatte ich die Chefin aber noch gar nicht gesehen.

Das Frühstück selbst ist so französisch wie das Haus, es gibt Baguette, Croissant, Konfitüre und Café, und Mo ist das zu wenig. Das sieht auch die Bedienung und liefert bereitwillig nach. Immerhin. Am Nachbartisch schauen zwei Jungs uns interessiert an, die Holländer vom Vorabend grüßen freundlich, ich kenne diese Menschen alle nicht.

Vor die Abfahrt hat der Herrgott die Abholung der Räder aus der Garage gesetzt. Das Ambiente ist so sensationell wie gestern, man wäre gern selbst Fahrrad. Beim Packen vor dem Hotel tauchen die beiden Jungs wieder auf, diesmal mit ihrem Vater. Die Herren sind ebenfalls mit dem Rad unterwegs, sie wollen nach Basel und ihre Erfahrungen sind offensichtlich genauso aufregend wie unsere.

Hier schlafen Fahrräder für einen Euro pro Nacht

Mit Blick auf die einzigartige Lage der Innenstadt, habe ich eine Idee, wie man abkürzen könnte. Die Idee ist gut, die Umsetzung leider nicht. Wir fahren plan- und sinnlos in der Stadt herum, lassen sechs Euro beim Bäcker (das war das Beste, was wir an diesem Morgen tun konnten), Mo kauft sich Leggins für drei Euro und genau gegenüber gibt's tatsächlich die Eurovelo-6-Karte ohne Vorbestellung. Irgendwann treffen wir Vater und Söhne wieder, die uns laut fragen, ob wir die Orientierung verloren haben. Ich weiß leider nicht, was „Stadtrundfahrt“ auf Französisch heißt, deshalb winke ich fröhlich lächelnd zurück.

Irgendwann klappt's dann doch noch mit dem Weg, wir düsen weiter westwärts am Doubs entlang, und als wir endlich richtig in Schwung gekommen sind, wird die zulässige  Höchstgeschwindigkeit von der Grande Nation auf 20 km/h gedrosselt. Zwischendurch regnet's immer mal wieder mehr oder weniger, und der kleine Nick (nein, nicht der) schickt uns zwei Kollegen zum Geleit. Sie sind vor allem laut und wären bei der guten Beschilderung gar nicht nötig gewesen.

Besançon: rückblickend eine tolle Stadt

Wir sind auf einem guten Weg

Wenige Kilometer nach Verlassen der Stadt wirft ein schmaler Wegweiser unsere bisherige Planung über den Haufen. Statt in südwestlicher Richtung quer durchs Land könnten wir doch erstmal (und dem Motto unseres blogs folgend) konsequent gen Westen fahren, dann südwärts und kurz vor Spanien wieder zurück in Richtung Burgund abdrehen. Das erspart uns das Massif central und Spanien, und bringt uns erst etwas später, aber nicht weniger fröhlich nach Toulouse. Wir sollten mal mit unseren Asylgebern telefonieren ...

Apropos ersparen: Bei Thoraise wird dem Schiffsverkehr eine große Schleife erspart, denn der Kanal führt ihn in der Percée de Thoraise durch den Berg. Auch hier wieder Vater und zwei Söhne, diesmal als Angler verkleidet.

Das Licht am Ende des Tunnels: wenige Meter statt mehrerer Kilometer

Beschützt die Kapitäne bei der Passage: Chapelle Notre-Dame du Mont

Da ich morgens unbedingt kein Wasser kaufen wollte, müssen wir bis Saint-Vit dursten. Die EU-Millionen sind inzwischen aufgebraucht, und das sieht man dem Weg auch an. Da der schnelle Heilige keine Ortsdurchfahrt vom Kanal aus anbietet, müssen wir erst an der Stadt vorbei, dann den Berg hinauf zurück in die Ortsmitte, wo der Intermarché steht, und dann auf gleichem Weg zurück. So macht man verdurstende Radler hungrig. Vor dem Hochfahren reden wir noch kurz mit einem Franzosen, der mit Rad und Gepäckwagen unterwegs ist. Er kommt aus dem Süden zurück, ist auf dem Weg nach Besançon und will nicht glauben, dass er in Richtung Dole fährt („Vous êtes perdu!“).

Barroso, Barroso, wo sind deine Millionen?

Unseren Platz fürs Mittagessen finden wir direkt an einer Schleuse hinter Saint-Vit. Kaum haben wir Platz genommen, fährt der „Seebär“ ein, und die Frau auf dem Vorderdeck wünscht guten Appetit. Ich stehe auf und frage, wo sie herkommen und wie lange sie bereits unterwegs sind. Sie sagt, dass sie sich freut, mal wieder ein paar Worte Deutsch zu hören, und dass sie seit März, aber eigentlich schon seit 2008 durch Frankreich schippern und nun auf dem Heimweg sind. Erstmal nach Basel, dann heim nach Emmerich, „aber vielleicht fahren wir noch über den Neckar“.

Und da glauben wir, wir wären lange unterwegs!

Der „Seebär“ fährt nach Hause

Kanal und Fluss – von Menschenhand getrennt

Suchbild: Wo ist der Prinz?

Die Richtung stimmt!

In der Fortsetzung des Weges hängt plötzlich eine wohlproportionierte, nackte Frau in einem Baum, erfreulicherweise nicht aus Fleisch und Blut, sondern als Teil der Ausstellungsreihe Currant d'art zwischen Orchamps und Dole.

Illusion in luftiger Höh'

Entlang weiterer Exponate rollen wir auf Dole zu, das der Franzose, für mich überraschend, „Doll“ ausspricht. Rechts des Weges stehen kleine Häuser, die vielfach auf Wochenendnutzung ausgelegt scheinen. Einige Besitzer wenden allerdings sehr viel Energie für die Bepflanzung der Peripherie auf, und je näher wir Dole kommen, desto höher und bunter werden die Blumen, die unseren Weg säumen.

Das sieht ja Dole aus

In Dole angekommen, versuchen wir zunächst, die steile Auffahrt zum Office de Tourisme zu vermeiden und fahren auf Flussniveau durch die historische Altstadt. Das sieht gut aus, bringt uns aber in Sachen Unterkunft nicht weiter, also doch hinauf. Die Stadt ist herber als Besancon, weniger zugänglich; ihrem berühmten Sohn verdanken wir in letzter Konsequenz die ESL-Milch, die seit zwei Jahren in deutschen Supermärkten die Regale blockiert.

Die Dame hinter dem Tresen des OdT ist sehr nett und hilfsbereit, nach langem Zögern entscheiden wir uns für das nächstliegende Hotel, dort ist ein einfaches Zimmer frei, usw. usf. Der rechte Ort fürs Abendessen ist schwerer zu finden. Ich frage einen Einheimischen, der gauche immer „gosch“ ausspricht (daran muss man sich auch erstmal gewöhnen). Wir folgen seiner zweiten Empfehlung, die eher eine Crêperie als ein Restaurant ist. Der Service ist gut, das Essen lecker und auch das Fläschchen Pinot Noir schmeckt einwandfrei.

Donnerstag, 21. Juli 2011

17.07. 2ème étape: Hyèvre-Paroisse–Besançon (48,47 km, 2:48:30) Risque du noyade!

„Sushi Besançon – c'est avec du fromage.“

Irgendwann in der Nacht wache ich kurz auf und habe Probleme mit dem Gleichgewicht. Am Alkohol kann es nicht liegen, ich entscheide mich für Weiterschlafen. Am Morgen kommt das Problem unvermindert, ich kann mich aber stabilisieren, und nach dem Frühstück ist alles wieder im Lot.

Frühstück sieht elend aus, ist aber gut: geschälte Orangen zum Selberpressen, sehr gute Croissants, Wurst und Schinken ebenfalls OK. Der Café ist Zichorienqualität, rings an den Wänden hängen Sammlerkästen gefüllt mit Modellautos und -motorrädern im Maßstab 1:43.

Café, eau, lait

Augen oweh

Draußen schüttet es wie bei Weltuntergangs, aber wir haben keine Wahl. Sollen unsere Klamotten doch mal zeigen, wie sie mit echtem Regen umgehen. Nach dem Aufpacken zögern wir zunächst noch, obwohl das Wetter dazu keinen Anlass gibt. Also fahren wir halt.

Da fällt der Abschied leicht

Die Strecke ist sensationell, wenn jetzt noch die Sonne schiene, würde man ständig schreien vor Glück. Erster Stop in Beaume-les-Dames, wir suchen Schutz bei Super U. Dort trifft man erfahrungsgemäß nette Leute, heute ein Ehepaar aus Orléans, das dem Eurovélo 6 mit Tandem und Anhänger folgt und in einem leeren Einkaufswagen-Unterstand Schutz vor der Nässe sucht. Sie freuen sich sichtlich, dass ihnen jemand Gesellschaft leistet, wir klären schnell die jeweiligen Starts und Ziele ab und erfahren bei dieser Gelegenheit, dass es in Frankreich einen Rad-Reiseführer für den Weg gibt. Das System ist ähnlich, wie wir es von bikeline kennen, wenn wir in Besançon ein Exemplar kriegen – seulement sur commande –, dann kaufen wir's.

Der Gegenverkehr beschränkt sich auf insgesamt zwei oder drei Paare, die uns mehr oder weniger glücklich entgegen kommen. Irgendwo passieren wir vier Jungs, die wild campen und jetzt neben ihrem Zelt die Regenzeit abwarten. Nach 15 Kilometern der nächste Halt, diesmal in Laissey bei Stanley Black & Decker, die an dieser Stelle keinesfalls Bohr- und Schleifmaschinen produzieren, sondern Überwachungssysteme. Wir knuspern zwei Bananen, werfen die Schalen naturverbunden in die Flora und strampeln weiter.

Noch 20 Kilometer Regen bis Besançon

Irgendwann hat sich auch die letzte Wolke über uns ausgeschüttet, so dass die verbleibenden Kilometer bis Besançon regenfrei absolviert werden. Da die Gore-Socken den Fluten doch nicht gewachsen sind, stehen unsere Füße und Schuhe rund eineinhalb Stunden komplett unter Wasser. Irgendwann kommen wir an Kilometer 100 des Doubs-Radwegs vorbei, die Markierung steht Kopf, wahrscheinlich weil die Bautrupps an zwei Punkten mit dem Arbeiten begonnen und jeder Trupp seinen Fortschritt individuell dokumentiert hat.

100 km = 10 Millionen Euro = unzählige zufriedene Europäer

Kurz vor Besançon geht's nochmal über eine Brücke, kurz danach schlägt uns der Gestank einer Kläranlage ins Gesicht. In mehreren großen Becken sprudelt die braune Brühe aus senkrecht stehenden Rohren, ein Schild am letzten Becken warnt vor dem Risiko des Ertrinkens. Ich glaube, wer hier ertrinkt, ist vorher erstickt und dann tot ins Becken gefallen.

Stiller Fluss, wenige Kilometer vor der Stadt

Das erste, was wir von Besançon sehen, ist Vaubans Zitadelle. Darunter liegt am Fluss die sterbende Vorstadt Morre, deren Fabrik- und Wohngebäude entweder bereits dem Verfall oder wenigstens dem Makler zum Verkauf übergeben wurden. Der Doubs führt uns weiter am Hospiz zum Heiligen Geist vorbei, der Uferweg ist so schlecht, dass wir die erste Röhre links hinauf zur Stadt nehmen.

Links Heilg Geist, rechts Fort de Brégile

Oben angekommen, stockt uns erstmal der Atem. Wir stehen auf einem großen Platz vor dem „Musée des beaux-arts et d'archéologie“, die Häuser rund um den Platz sind erbaut aus großen, hellen Kalksandstein-Quadern, alles wirkt mächtig, majestätisch. Im Museum erfahre ich, wo die Touristeninformation ist. Wir fahren hin, sie ist geschlossen.

Die Mitarbeiter sind aber noch da, und eine der Damen hat Mitleid mit mir, empfiehlt mir das „Hotel du Nord“ sowie eine Brasserie in dessen Nähe fürs Abendessen. Mit Eintritt in das Hotel haben wir endlich Frankreich erreicht: Die Chefin ist locker über 80 und trägt ein T-Shirt von Kookai. Das W-Lan ist schnell und kostenlos, aber die Belegungsliste wird noch per Hand geführt. Und im Zimmer sind die Wände mit Teppich bespannt, das Klopapier gibt's nicht von der Rolle, sondern in Scheibchen, und auf knapp zwei Quadratmetern Bad steht ganz selbstverständlich ein Bidet.

Vor dem Fenster das Milieu

Wir streifen nach dem Duschen durch die Stadt, es ist der helle Wahnsinn. Ein unglaublicher Mix von Menschen unterschiedlichster Herkunft, phantastische Gebäude, unzählige Bars, Brasserien und Restaurants, an jeder Ecke eine Brücke über den Doubs, der die ganze Altstadt umfließt. Unsere Brasserie hat leider Jahresurlaub, so dass wir die Dame im Office de Tourisme nochmal belästigen müssen.

Sie erinnert sich zunächst nur dunkel, erschrickt dann aber über die Nachricht, dass die Brasserie urlaubt, und denkt über Alternativen nach. Einer der beiden jugendlichen Mitarbeiter will witzig sein und schlägt deshalb Sushi vor. Meinen Hinweis, dass wir nicht wegen Sushi nach Besançon gekommen sind, kontert er mit dem Hinweis „Sushi Besançon – c'est avec du fromage.“

Heilig Geist aus anderer Perspektive

Die Franzosen „können“ Plätze

Wir lassen uns lieber von den Empfehlungen seiner Kollegin leiten und schauen uns die beiden Brassierien am Place Granvelle an. Da Mo schon um sechs der Hunger quält, stellen wir uns noch am Crêpes- und Gauffres-Stand an und bestellen 1x Sucre, 1x Chocolat. Folge: Ich verkleckere meine Hose mit der flüssigen Schokolade, d.h.: zurück ins Hotel, auswaschen, trocken, Bügelfalte sorgfältig nachstreichen.

Ab halb acht verbringen wir den Abend mit viel Vergnügen im 1802, die vier Holländer zwei Tische weiter werden wir am nächsten Morgen im Hotel wieder treffen.

Victor Hugo, 2011

Dienstag, 19. Juli 2011

16.07. 1ère étape: Altkirch–Hyèvre-Paroisse (98,36 km, 5:06:19) Baignade interdite!

„Haben Sie was dagegen, wenn ich in Ihrem Windschatten fahre?“

Beim Abendessen hatten wir noch überlegt, heute einen Ruhetag einzulegen, der Blick auf die Wettervorhersage lässt uns eine andere Entscheidung treffen. Denn heute wird das Wetter gut, der Regen kommt erst morgen. Und wenn's am Abend schön wird, ruhen wir halt morgen.

Bis Dannemarie bleiben wir auf der Landstraße, am Super U kauft Mo das Nötigste fürs Mittagessen: Baguette, Käse, Bananen, Joghurt und natürlich Wasser und Apfelsaft. Die Wartezeit nutze ich, um mich beim Leergut-Mann über Pfand und Preise der weit verbreiteten Gasflaschen zu informieren. Mit gepackten Taschen geht's zurück auf die Kanalstrecke, der gestrige Tag steckt uns spürbar in den Knochen, und es geht von Anfang an mehrere Kilometer leicht aufwärts.

Positive Erinnerung am Ortsausgang

Da macht man sich wegen seiner Sprachkenntnisse keine Sorgen mehr

Die Strecke ist schön wie am Tag zuvor, die Temperaturen steigen, wir fahren an diversen Montreux vorbei und treffen kurz vor Sochaux auf den Doubs.

La vie est un long fleuve tranquille

13,5 Millionen für 135 km, hier wurden EU-Gelder mal richtig gut angelegt

Im Rahmen einer Pinkelpause stehen wir Aug' in Aug' mit VertreterInnen der hiesigen Rindviecher und können erfreut feststellen, dass wir uns auch um deren Fortbestand keine Sorgen machen müssen:


Kurz danach streifen wir Montbéliard, langsam wird es Zeit fürs Mittagessen. Bei Voujeaucourt kapern wir eine Bank in der Sonne, die während unserer Pause Helme, Handschuhe, Trikots, Sohlen und Socken trocknet.

Irgendwann kommt eine Frau in unserem Alter mit ihrer Enkelin per Fahrrad vorbei, sie setzen sich auf die Bank nebenan, wünschen guten Appetit und man wechselt ein paar Worte. Am Ende kommt heraus, dass sie aus Colmar stammt und seit nunmehr fast 40 Jahren hier im Ort wohnt. Ihr Elsässisch ist völlig anders, als wir es aus Strasbourg und Umgebung kennen, und vor allem für das Mädchen ein ungewohntes Vergnügen. Sie lacht sich kaputt, weil Oma diese fremde Sprache spricht.

Bei Colombier-Fontaine führt der Radweg auf die Straße und über einen Berg, den ich später gegenüber zwei Rennradlern als mont bezeichnen und damit auf Unverständnis stoßen werde. Nach einigem Überlegen weiß einer der beiden zumindest, was ich meine, und ist bereit, die Erhebung als petit montagne zu akzeptieren. Den würde ich gerne mal mit 30–40 kg Gepäck am Anstieg sehen.

„Verweile doch, du bist so schön.“

Die nächste größere Station ist L'Isle-sur-le-Doubs, wo wir bei Super U Flüssigkeit nachtanken. Schon über unser Ankommen freut sich ein Mann unseres Alters mit junger Begleiterin, während ich einkaufe, spricht er Mo an, outet sich als Fahrrad-Experte und erklärt, dass er mit seiner 18-jährigen Patentochter deren erste längere Radtour unternimmt. Mo hat wohl wieder die ganze Schwere ihres Lebens in die Waagschale geworfen, denn zum Abschied schenkt er ihr einen Schokoriegel.

Ich will dem Fremden in nichts nachstehen und lade meine Frau auf ein Eis an der Doubs-Brücke ein. Gegenüber wird geheiratet, rechts spazieren Vater und Sohn im knietiefen Wasser in der Flussmitte.

Auf dem Weg nach Clerval

Friedhof mit Aussicht bei Dompierre-sur-Doubs

Direkt hinter Dompierre-sur-Doubs ist der Weg neu angelegt, frisch geschottert und dementsprechend schlecht zu fahren. Wir sprechen mit einem entgegenkommenden Alleinfahrer über den Weg, der uns erwartet, plötzlich taucht hinter uns eine stabil gebaute Mittvierziegerin auf, die sehr gut Französisch spricht und die Konversation fortsetzt als wir uns verabschieden.

Bei unserem nächsten Stop ist sie wieder da: helle Bermudas, Sandalen, leichtes Polohemd, solides Tourenrad, vorne und hinten gut bepackt (das Rad, natürlich). Die Dame, nennen wir sie Brunhildegard, ist der Prototyp einer Französischlehrerin auf Bildungsurlaub. Ich höre, wie sie Mo fragt, ob sie in unserem Windschatten fahren darf, der Gegenwind sei ja so stark. Wir willigen ein, denn wir wissen, wie anstrengend das Fahren gegen den Wind ist.

Zwischen Clerval und Roche-lès-Clerval müssen wir wieder mal  a) steil aufwärts und  b) auf die Straße ausweichen. Unsere Anhängerin lässt sich bergauf durchaus Zeit, kommt in der Ebene aber sehr gut mit. Der Rückweg an den Kanal geht am Ende mit etwa 15 Prozent Gefälle aufs Ufer zu, und direkt im Scheitelpunkt der abschließenden Linkskurve steht das rote Schild mit den großen, weißen Lettern: BAIGNADE INTERDITE!

Bis weit nach vorn höre ich Brunhildegards glockenhelles Lachen. Recht hat sie, denn wer hier nicht beide Bremsen in der Hand hat, geht baden, ob er will oder nicht.

Unser Hotel kann nicht mehr weit sein, wir haben in Hyèrve-Paroisse reserviert, einem Ort kurz vor Beaume-les-Dames. Zwei Kilometer nachdem wir Hyèrve-Magny passiert haben, rollt Brunhildegard entspannt an meine Seite und fragt, ob wir nicht schon ans andere Ufer hätten wechseln müssen. Ich bestätige, dass ich selbst schwer verwundert sei, aber keine Hinweise gesehen hätte. Wir stoppen einen entgegenkommenden Rennradler, der bestätigt, dass Hyèrve-Paroisse direkt gegenüber Hyèrve-Magny liegt.

Also heißt es Abschied nehmen. Ich frage höflich, woher sie kommt und wohin sie will, Antwort: in die Bretagne und heute morgen um fünf in Freiburg losgefahren. Wir lassen uns nichts anmerken, aber der Schrecken sitzt tief. Die Frau hat in einem Tag bewältigt, wofür wir zwei gebraucht haben! Und sie fährt einfach weiter!!

Unsere Strafe folgt auf dem Fuße – wir erreichen unser Hotel.

Das Haus wird im Logis-de-France-Führer mit drei Kaminen und drei Töpfen bewertet, d.h.: überdurchschnittlicher Komfort und sehr gute Küche. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Schuhkarton aus Beton (der an einigen Stellen bereits in größeren Einheiten abgeplatzt ist), aber die Michelin-Empfehlungen der vergangen vier Jahre versprechen zumindest ein schönes Abendessen.

Das Zimmer ist bitter. Im Waschbecken wohnen noch die Haare des Vormieters, auf den Kacheln links davon warten Seifenspritzer der letzten zwei Jahre auf die Spurensicherung. Der Balkon ist dreckig, das Geländer verrostet, der Teppichboden hätte vor mindestens drei Jahren ausgetauscht werden müssen.

Um halb acht sind wir wieder unten, die Chefin Maria-Flora (100+ kg) fragt, ob wir rauchen, als wir verneinen, befiehlt sie uns in die hinterste Ecke der Terrasse, weil vorne alle rauchen. Alle, das sind sie und ihr Gatte Pierre Cossu (150+ kg) sowie vier britische Biker, die Karten spielen. Wir setzen uns etwas abseits, bestellen zwei Apèritifs (Pontarlier und Macvin) und lesen ein wenig Speisekarte. Am Briten-Tisch entschuldigt sich inzwischen die Kellnerin, dass sie das Bier nicht in größeren Gläsern anbieten kann.

Da die Schweinefüße nur tischweise serviert werden und Mo so etwas nie essen würde, weiche ich auf die gebratene Entenleber und das Filet vom Montbéliard-Rind aus, Mo nimmt jeweils eine Trilogie von Vor- und Hauptspeisen. Mein Essen ist ganz OK (leider ertrinken sowohl die Leber als auch das Rinderfilet in Soße), aber das Drumherum stimmt hinten und vorne nicht: Weiß- und Rotwein zu Vor- und Hauptgang werden parallel serviert, das Besteck eignet sich weniger als Esswerkzeug, dafür umso mehr als Metall-Mikado.

Mo kriegt parallel alles, was sie nicht mag: Hechtfilet in Bleu-de-Gex-Panade, Melone mit grob geschnittenem, rohen Schinken, Schweinebäckchen in Biersoße und gestocktes Ei mit Montbèliard-Rindswurst. Dass dieses Angebot nicht nur bei Michelins super ankommt, zeigt die sich kontinuierlich füllende Terrasse. Die auswärtigen Hotelgäse machen alle einen belustigten bis entsetzten Eindruck, die Einheimischen dagegen feiern ausgelassen die üppige Darreichung köstlicher Speisen.

Zur Essens-Verzweiflung gesellt sich die Erkenntnis, dass wir viel zu schnell unterwegs sind und es schwer werden wird, den Plan der Reservierungen einzuhalten. Diese Kombination raubt Mo den letzten Nerv, wir vertagen uns auf den nächsten Morgen und gehen schlafen.

Montag, 18. Juli 2011

15.07. Prologue: Gundelfingen–Altkirch (112,94 km, 6:06:19) Emportez vos déchets!

„Sie haben aber viel Gepäck!“

Das Aufwachen im Schlegelhof ist schon etwas Besonderes. Hier ist nichts wie anderswo, jedes Detail atmet die Tradition und das Denken der Familie: individuell gearbeitete bzw. neu gestaltete Möbelstücke, Türe, Fußböden, feine Stoffe, schönes Dekor; man hat ein echtes Heile-Weilt-Gefühl. An den Wänden schöne Bilder der Schwiegertochter, die auch das Frühstück positiv beeinflusst.

Neben einer „Müsli-Ecke“, die diesen Namen wirklich verdient, stehen eine erstklassige Brotauswahl, selbstgemachte Marmeladen, viel frisches Obst sowie ein regionales Wurst- und Käsesortiment bereit. Dessen Highlight sind drei Käse vom Ziegenhof in Horben, einer mit Honig, einer mit Olivenöl-Balsamico und einer mit Kräutern angemacht. Wir hätten die ganze Platte putzen können.

Zur Untermalung läuft nicht das Radio, stattdessen lässt das Haus uns von Van Morrison und Kenny G. unterhalten. Am Nebentisch sitzt ein fröhliches deutsch-asiatisches Pärchen, das die Speisenauswahl, das Ambiente und den Blick über die einladenden Wiesen ebenfalls sichtlich genießt. Sie erinnert ein bisschen an Yoko Ono, wir wechseln ein paar Worte, dann müssen wir los – wir haben ja zwei Termine in Gundelfingen.

Punkt zehn sind wir bei Europcar und geben unsere schwarze Wunderwaffe unversehrt ab. Die Herren vom Team sind etwas neidisch, stimmen aber unserer These zu, dass an so einer elektronischen Luxusmaschine auch jede Menge und für teuer Geld kaputt gehen kann (Pech für Christineke, die wohl ein paar Runden mit uns drehen wollten).

Schräg gegenüber bei tout terrain warten unsere inspizierten Zweirad-Cabrios, die Mitarbeiter sind freundlich, aber ihre Blicke schwanken zwischen belustigt, verzweifelt, ungläubig und mitleidig. Aus einem platzt dann „Sie haben aber viel Gepäck.“ heraus, was ich zum Anlass nehme, unsere Zuladung noch einmal mit Mo zu besprechen. Wir entscheiden, einen Teil der Taschen nach Möglichkeit in Cuisery zu lagern und den weiteren Weg mit weniger Gewicht anzugehen.

Dann geht's hinaus in den Badischen Gemüsegarten: Zwetschgen, Birnen, Mirabellen, alles direkt am Baum oder hin und wieder abgewogen und in Plastikschalen angeboten. Als ich mich endlich durchgerungen habe, die nächste Möglichkeit zum Einkauf zu nutzen, ist das Angebot schlagartig beendet – geschieht mir recht!

Über Umkirch, Gottenheim und Ihringen erreichen wir Breisach, wo wir bei der Post nochmal deutsche Euro tanken und anschließend über die Brücke nach Frankreich einfallen. Zwischen Vogelsheim und Neuf-Brisach gibt's wieder Mittagessen vom Intermarché, wir essen es gleich zwischen zwei Autos auf dem Parkplatz.

Frisch gestärkt fahren wir über Fessenheim südwärts in Richtung Ottmarsheim, plötzlich und unerwartet führt der Weg schnurgerade in den „Forêt de la Harth“, den wir auf den nächsten 20 Kilometern nicht mehr verlassen werden. Mit „Emportez vos déchets!“ macht uns der Franzose gleich am Beginn des Weges klar, was er von uns erwartet. Andere kann er kaum meinen, denn auf der gesamten Strecke begegnen uns maximal zehn Menschen.

13.000 ha Wald und wir mittendrin

Unser Ziel vor Mulhouse, auf dem Waldweg entspannt umfahren

Vor Mulhouse überlegen wir kurz, welche der angebotenen Möglichkeiten wir für die Weiterfahrt nutzen wollen, da spricht uns ein Franzose an, warnt uns vor diversen Baumaßnahmen und rät zur Umgehung über die Peugeot-Fabrik. Auf dem neuen Weg fragen wir einen weiteren Einheimischen, der uns anbietet, mit ihm einen anderen Weg zu fahren, was wir annehmen. Er bringt uns zufällig exakt an die Stelle, an die wir sowieso wollten, der Rest ist eine wilde Fahrt durch Rixheim und Riedisheim, die südlichen Vororte der Stadt. Es geht steil hinauf, es geht steil hinunter, und tatsächlich erreichen wir genau den Punkt, an dem wir von der Avenue du Bâle auf den Radweg am Kanal wechseln können.

Die letzten Meter raus aus der Stadt fahren wir schon wieder am Kanal

Am Quai de l'Alma erwartet uns als Abschiedsgruß noch ein spectacle: Oberhalb des Weges steuert eine Regisseurin Musik, Ton und drei Darsteller, die am gegenüberliegenden Ufer eine kleine, eifersüchtige Balletproduktion zum Besten geben. Leider ruft die tretende Pflicht, so dass wir das blutige Ende nicht abwarten können.

Jede Schleuse hat ihr Häuschen, wir sind völlig aus selbigem

Mit Brunstatt beginnt eine völlig andere Welt: kleine Dörfer, ein spiegelglatter Kanal, nahezu völlige Ruhe. Es ist Freitagnachmittag, an beiden Seiten des Ufers tut der Franzose, was er nach landläufiger Meinung sowieso am liebsten macht – savoir-vivre und laissez-faire. Le chat ruht im Chatten, wir haben das Gefühl, hier richtig zu sein. Bei der Schleuse Zilisheim beobachtet eine Gruppe von etwa zehn Personen die Durchfahrt einer Penichette, wir fragen eine der Damen, wo wir eine Bleibe für die Nacht finden können.

Bei ihr und allen Umstehenden breitet sich Ratlosigkeit aus.

Auch im weiteren Verlauf des Weges ernten wir mit unserer Frage Schulterzucken; ab Kilometer 85 ist das kein positives Signal.

Schöne Aussichten, außer für Zimmersuchende

Auf Höhe von Heidwiller rufen wir das Hotel an, dessen Erreichen wir vor zehn Kilometern noch als unvorstellbar definiert hatten, und reservieren Bett & Tisch. Die Dame des Hauses ist zuversichtlich, dass wir bald da sind. Das macht uns Mut, erweist sich aber als voreilig. Denn wer Heidwiller sagt, muss auch Hagenbach sagen, was weitere sechs Kilometer entfernt liegt. Und wer sich in Hagenbach arriviert fühlt, hat die Rechnung ohne den Anstieg nach Altkirch gemacht.

Gleich da! Von wegen!

„Seulement sette kilomètres“ ist beim Stande von 105 Tageskilometern keine sooo gute Nachricht

Am Ende des Tages kommen wir dann doch noch unser Ziel, es ist so spät geworden, dass wir es gerade noch unter die Dusche und erst um zwanzig nach acht ins Restaurant schaffen. Nach Bier und Picon-Bière nimmt Mo das Menu mit etwas Fisch, gefolgt von einer Caillette und Sahneeis auf marinierten Himbeeren, ich versuche, den Kalorienverbrauch vom Tage mit Gänseleberpastete, Zanderfilet und einem Entrcote vom irischen Rind zu kompensieren. Der 2008er Pinot Noir „Réserve Particulière“ von Gustave Lorentz erweist sich als guter Begleiter beider Hauptgänge.

Das Restaurant ist proppenvoll (klar, der Franzose feiert immer noch sein Nationalfeiertags-Wochenende), die drei Leute vom Service leisten Schwerstarbeit, und unter den Gästen sticht eine ca. 35-jährige Frau hervor, die heute dem role model ihrer Kindheit nachlebt und viel dafür tut, dass man sie bemerkt: It's a headache!