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| Himmelherrgottchardonnaywetter! |
Heute wird wieder länger geschlafen!
Um kurz nach acht stehen wir auf, ziehen uns zögerlich an – ist ja alles so anders ohne Weiterfahrt. Da unser Frühstücksbäcker heute nicht geöffnet hat, haben wir das Frühstück im Hause gebucht.
Mein Müsli ist gut, Madame ist mit ihrem weniger zufrieden. Das Baguette ist gut, Käse und Wurst sind eher Durchschnitt. Die Marmeladen sind hausgemacht und sehr gut, außerdem kommt aus der Patisserie ein Nutella-Derivat, das neu definiert, was in dieser Produktgattung möglich ist.
Am Tisch neben uns sitzt die Frau mit den Schweinchen-Augen, die gestern Abend etwas weiter hinter uns saß. Sie hat den Oligarchen geheiratet, der aktuell eigentlich eher an der Front sein müsste als hier in der französisch-ländlichen Idylle. Aber die Mischung der Gäste ist sowieso recht bizarr, da kommt es darauf auch nicht mehr an.
Ich bitte meine Frau vorsichtshalber, mich nicht mehr mitzunehmen, wenn ich mal soweit bin wie einige der aktuellen Gäste.
Nach dem Frühstück holen wir unsere Laster aus der Garage. Nicht weit von ihnen steht ein Maserati GranTourismo Folgore, der ebenfalls zum Laden hier unten ist. Seine Batterie ist so groß wie die des Kia, den wir gerade bestellt haben: 80 Kilowattstunden. Damit kommt der Italiener nicht annähernd so weit wie der Koreaner, dafür kostet er in der Grundausstattung das Sechsfache.
Wir haben eigentlich keine Zeit für solche Überlegungen, denn wir haben einen Termin in Viré-Clesse. Und wir sind spät dran. Aber ohne Gepäck fahren die Traktoren tatsächlich wie Rennräder, so dass wir keine 45 Minuten bis zur Domaine brauchen. Christine, die Chefin, braucht einen Moment, aber dann erkennt sie uns wieder. So ist das halt, wenn man nicht monatlich, sondern nur alle paar Jahre kommt.
Der neue Jahrgang ist noch nicht auf der Flasche, aber die Gattin will schon wissen, was sie da bestellt (und bezahlt). Also dreht Christine einfach mal den Hahn am Tank für sie auf. Danach besprechen wir noch Mengen, Termine und Versandkosten und schon geht es auf gleichem Weg zurück nach Tournus.
Am Ufer der Saône haben sich drei, vier kleine, wilde Campingplätze etabliert, belegt sind sie von Menschen mit deutschem Nummernschild am Auto. Mal stehen drei Zelte beieinander, mal sind es sechs oder sieben. In der Mitte große Tische, Wäscheleinen sind zwischen Bäumen verspannt. Warum soll sich der Teutone in Frankreich anders verhalten als der Zigeuner?
Zurück in Tournus reservieren wir en passant am Quai für den heutigen Abend. Das Lokal ist nur wenige Schritte von unserem morgigen Ziel entfernt, da sind wir mal gespannt, ob der qualitative Abstand auch so gering ist.
Danach geht es zum Bahnhof. Wir haben überlegt, dass wir die Fahrt nach Lyon am Mittwoch im Zug beginnen könnten. Erstens sind uns 110 Kilometer zu viel. Zweitens kennen wir die Strecke nach Mâcon gut (die erste Hälfte davon sind wir heute hin und her gefahren). Drittens soll es vormittags regnen, und da hat man doch lieber ein Dach über dem Kopf. Und viertens ist der Zug noch schneller als wir – er braucht nur etwa 15 Minuten.
Schließlich geht es wieder ins Hotel, wo die spröde Rezeptionistin tatsächlich dafür gesorgt hat, dass ein ans Wasser angeschlossener Gartenschlauch samt Bürste zur Reinigung unserer Räder bereitliegt. Das machen wir gleich, denn es ist nötig. Danach laden wir für Mittwoch auf, bedanken uns an der Rezeption und essen die Reste unseres Mittagessens von gestern.
Für 15 Uhr haben wir unseren heutigen Schwimmbad-Besuch reserviert, danach steht wieder eine Mittagspause an. Hier feiert die Faulheit fröhliche Urständ'.
Wir liegen lange. Irgendwann versammelt sich auf der Terrasse eine Gruppe sehr kommunikativer Damen fortgeschrittenen Alters, gegen die unsere Müdigkeit keine Chance hat. Räumen wir also wieder ein bisschen auf und machen uns fürs Abendessen schick.
Chez Pierre et Paul sollte besser Chez Perrine et Pauline heißen, denn es gibt nur einen einzigen Träger eines männlichen Vornamens in der Truppe. Die Karte ist übersichtlich, wir hätten gern beide das Menü genommen. Der von mir gewünschte Wechsel des Hauptgerichtes ist aber nicht möglich, so dass ich meine drei Gerichte einzeln bestellen muss.
Sie nimmt Salade bressane und Suprême de Poulet, er nimmt Escargots und Cuisses de Grenouille. Beide nehmen Poire Héléne und Café. Der Service ist nett und bemüht, aber ziemlich unterirdisch. Dieses ganze Prinzip der Dienstleistungs-Gesellschaft geht seit einiger Zeit den Bach runter, weil in allen Bereichen der gut ausgebildete Nachwuchs fehlt.
Am Quai liegen einige Penichettes, von oben sieht man gut, wie das Verhältnis der Mieter untereinander ist. Etwas abseits liegt ein Flusskreuzfahrtschiff, von dem sich eine größere Gruppe nach dem Abendessen zum Landgang aufmacht. Irgendwann legt ein Schiff der Konkurrenz direkt daneben an, und es sieht aus, als würden Menschen von dem einen über das andere Schiff an Land gehen. Vielleicht haben die Kapitäne aber auch nur ihre Routen verglichen.
Mal sehen, was uns der kommende Tag bringt.
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| Über die Hügel in die Weinberge |







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