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Dienstag, 23. Juni 2026

Déjà-vu 2026 | 23. Juni 2026 – Versteckte Kameras

Da weiß das Fahrrad, wo es hingehört

Die Frühstücksecke füllt sich langsam wieder. Neue Gäste entdecken das mediokre Angebot des Hauses aus schwierigem Backwerk, eintönigen Kochschinken- und Geflügelirgendwas-Platten sowie einem für französiche Möglichkeiten erschreckenden Käseplättchen. Bei den Bereichen Müsli, Rührei usw. gibt es keine Veränderungen.

Etwas abwechslungsreicher trifft es den mit farbigen Ornamenten an Armen und Beinen reich gesegneten Mittdreißiger, dessen ähnlich auffällig gestaltete Begleiterin ihm 80–90 Prozent ihrer sekundären Geschlechtsmerkmale zur Begutachtuzng bzw. Betrachtung über den Frühstückstisch ausbreitet.

Leider sind davon auch alle anderen Frühstücker betroffen, obwohl sie nicht mit am Tisch sitzen.

Wir haben eine Idee, wie wir unseren diesjährigen Besuch für die Ewigkeit festhalten: Wir müssen ins Fernsehen. Die Kamera unserer Wahl steht am Beginn des örtlichen Strandes und filmt in südlicher Richtung. Dorthin zu kommen, ist heute etwas schwieriger, denn die Hauptstraße ist wegen eines Wochenmarkts für den Verkehr gesperrt. So lernen wir einen drahtigen älteren Herrn auf dem Fahrrad kennen, den wir nach einer guten Umleitung fragen.

Drehort am Beginn der Promenade (Symbolbild)

Erstmal amüsiert er sich köstlich über unsere Frage nach der webcam und erklärt uns, dass es im Ort 65 Überwachungskameras gibt. Drei davon zeigt er uns en passant, dann weist er uns den weiteren Weg. An unserem Ziel angekommen, stellen wir unsere Räder ab, gehen in den Schatten und sagen dem Junior, dass er uns gleich wird sehen können.

Ganz so schnell geht es dann doch nicht, weil die von Madame genutzte Kamera-Plattform die einmal gezeigte Sequenz zu lange wiederholt. Aber irgendwann begreifen wir, dass die Zeit (und die Welt) reif für unseren Auftritt sind. Wir treten aus dem Schatten, gehen zu den Rädern und winken.

Gleich der erste Take ist perfekt. Der Film ist geschnitten und sendefähig.

Nach dem öffentlichen Auftritt geht's zur Belohnung in die Wellen. Der Atlantik ist heute wieder trüber und gefühlt 30 Grad heiß. Nach erfolgreicher Verrichtung ergattern wir beim nahen Bäcker eines der letzten Baguettes, dann fahren wir zurück in unseren steinernen Club-Méditerranée-Nachbau.

Auf dem Parkplatz bauen wir unsere Räder etwas mehr als sonst auseinander. Das bringt tatsächlich große Vorteile, denn die Räder liegen jetzt stabiler aufeinander, verschmutzen das Auto weniger, und wir gewinnen genau den Platz, den wir für die neue Glacière benötigen.

Ebbe um halb acht

Zur Belohnung gibt es noch ein bisschen Schwimmbad für die Gattin, danach Mittagessen und Hinlegen bis zur Kaffeepause. Unser Abendessen verschieben wir telefonisch auf 20.00 Uhr.

Das Sandkorn hat heute auch die Terrasse geöffnet, für uns haben sie einen schönen Tisch im Schatten freigehalten. Als Apéritif nehmen wir Rosé-Pampelmouse und lernen, das die Kombination mit Sirup die Säure des Weines angenehm reduziert. Daran werden wir bei den kommenden Einkäufen denken.

Beliebte Route

Die meisten Gäste kommen nach uns, der Strand ist noch oder wieder voller Menschen, das Wasser ebenfalls. Kinder verlassen den Esstisch für ein paar Minuten am Strand, kommen aber gerne wieder, sobald es etwas zu essen gibt. Die Zeit zwischen 20.00 und 22.00 Uhr ist ideal für alle, die nahe am Strand wohnen, sie sind mit ein paar Schritten im Wasser und mit ebensowenig Aufwand zurück in ihrem Apartment. Die Stimmung lässt sich gut mit „gelöst“ beschreiben.

Mancher träumt vom Regen

Wir nehmen 2x das Menu und wählen den Salade de crevettes, den Merlu au chorizo und hinterher eine Crème brûlée au lavande bzw. einen Mi-cuit chocolat noir. Getrunken wird auch: eine Flasche Forget-Brimont und vier Carafe d'eau.

Auf dem Rückweg wird die Hitze nahezu unerträglich. Die Mücken, von denen wir bisher weitgehend verschont geblieben waren, versuchen, nachzuholen, was geht.

Im Hotel waschen wir noch ein paar Sachen für die nächsten Tage raus.

Flut um halb elf

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