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Freitag, 6. Juni 2025

Frühling 2025 – 5. Juni: San Ciprianu

Neue Perspektiven

Die Zahl der Gäste hat sich wieder auf die bekannten drei Pärchen reduziert, ansonsten ist auch alles wie immer. Wir kommen gut in die Gänge, geben um kurz nach elf den Schlüssel ab – und dann nix wie weg.

Es geht über die altbewährte RT10 zuerst nach, dann an Porto-Vecchio vorbei. Die Straße ist voll wie immer, heute ist vor allem das Verkehrsaufkommen beeindruckend, das aus Norden kommend Schlange steht.

Wir biegen hinter Porto-Vecchio auf die D468B (das sind Straßennamen!!) ab, decken uns im Kreisverkehr noch schnell bei Carrefour mit dem Nötigsten ein, und fahren an Campingplätzen beiderseits der Straße zwei Buchten weiter.

San Ciprianu ist Immobilien-Entwicklungsgebiet. Überall Bagger, überall Kräne, viele Neubauten. Einer dieser Neubauten ist unser Hotel. Es steht am Parkplatz, der Strand ist nur ein paar Schritte entfernt, und der freundlich blickende Kollege an der Rezeption macht Dienst nach Vorschrift.

Wir sind natürlich viel zu früh, unser Zimmer wird laut Plan (und Vorschrift) nicht vor 16 Uhr verfügbar sein. Aber das macht ja nichts, wir wollen sowieso noch ein paar Kilometer durch die Gegend rollen. Er bietet an, die Koffer zu beaufsichtigen, wir laden erstmal aus.

Als wir halbwegs fertig sind, sind auch die Kollegen des Rezeptionisten mit dem Mittagessen fertig, und seine ebenso schmale wie agile Chefin übernimmt. Sie lässt ihn Erfrischungstücher bringen, bringt uns eigenhändig frisch ausgepressten, mit Minzwasser aufgegossenen Zitronensaft und hat natürlich sofort ein Zimmer für uns.

Sie bittet um Ausfüllen des Meldezettels, redet in Hochgeschwindigkeit, reserviert für morgen Abend einen Tisch im Restaurant und bringt uns schließlich in unser Dachterrassen-Studio. Alles dort ist neu, fein hergerichtet und irgendwie zeitlos modern. Die Terrasse hat etwa zwölf Quadratmeter, ideal als Trockenplatz für unsere Wäsche.

Aber erstmal wird die Wäsche durchgeschwitzt. Wir fahren aus dem Ort zum Kreisverkehr, biegen nach rechts und mein Garmin zeigt oben links, dass es jetzt 1,5 Kilometer auf der RT10 schnurgeradeaus geht. Nach etwa zwei Kilometern sagt er, dass es noch etwa 1,3 Kilometer schnurgeradeaus gehen wird, und mir wird klar, dass ich ein Komma gesehen hatte, wo gar keins war.

Da wir sowieso keine Wahl haben, fahren wir einfach weiter.

Kostenlos baden direkt an der Uferstraße bei Fautea

Hinter Cavu hört die Gerade auf. Der Verkehr wird infolge einer Baustelle alternierend geführt, so haben wir nach jeder Ampelphase auf unserer Seite zunächst ein paar überholende Autos und dann längere Zeit Ruhe. Bis Favone schlängelt sich die Straße am Ufer entlang. Mal geht es runter, mal geht es hoch, der Blick nach rechts ist immer ein Vergnügen.

Kurz vor Favone ist dann Schluss mit lustig. Es geht links ab und für etwa eine halbe Stunde aufwärts. Noch relativ weit unten kommt uns ein Paar auf Rennrädern entgegen. Der Mann fährt zügig bergab, er hat einen Anhänger am Rad, darin transportiert er den Nachwuchs. Die Mutter folgt selig lächelnd.

Jetzt fahr'n wir übern Berg, übern Berg ...

Höchster Punkt des Tages ist dann Conca, ein hübsches Städtchen, das sich über die Jahrhunderte aus Hütten von Schäfern entwickelt hat. Was Conca außerdem bietet, ist eine schöne, große Kirche und den wahrscheinlich größten Friedhof der Welt – bezogen auf die Einwohnerzahl.

Jetzt sind wir auf dem Berg, auf dem Berg ...

Als Ort im Bergland Korsikas ist Conca natürlich auch Ausgangspunkt für Wanderungen. Wir sehen eine junge Frau mit Stöcken und relativ kleinem Rucksack. Und unten an der Kirche starten vier junge Männer ihre Wanderung. Zwei von ihnen wurden gerade mit einem Auto gebracht, alle vier sind mit großen backpacks und ebenfalls mit Stöcken ausgerüstet.

Wenn man sieht, wie die Wege rechts und links der kleinen Straßen rauf- und runtergehen, sind Stöcke ein Muss auf dieser Insel.

Was alle höchsten Punkte verbindet: nach ihnen geht es abwärts. Anfangs nicht ganz so schnell, dann rasant. Keine zehn Minuten dauert es, bis wir wieder auf Vorbergsniveau sind. In Sainte-Lucie de Porto-Vecchio kreuzen wir die RT10, auf der anderen Seite geht es weiter nach Pinarellu, wo wir wieder auf Meereshöhe sind.

Jetzt sind wir übern Berg, übern Berg ...

Der Strand gehört hier schreienden Kindern und dröhnenden Jet-Ski. Letzteres scheint an der Küste besondere Bedeutung zu haben, überall sehen wir Plakate mit entsprechenden Angeboten, einige rühmen sich sogar, ganzjährig übers Wasser zu brettern.

Für uns ist das Brettern vorbei, unsere Akkus sind erschöpft und blinken ersterbend. Aber das macht ja nichts, die Räder sind so leicht, dass sie sich auch stromlos wie Rennräder fahren (naja, fast).

Im Hotel gibt's für die Pferdchen Futter, morgen müssen sie wieder ran. Wir essen auch erstmal was und gehen dann ans und ins Meer. Das Wasser ist kurz kalt, aber sobald man drin ist, sehr angenehm. In den Wellen spricht mich ein redseliger Franzose aus Clermont-Ferrand an. Er hat ein Käppi auf, bewegt sich nur widerwillig und parliert über Städtpartnerschaften, Algerienkrieg und die Schönheit Korsikas.

Um ihm zu entkommen, simuliere ich Angst um meine entfernt schwimmende Frau.

Das Meer vor der Hoteltür

Zurück am Strand, sehe ich eine alte Frau mit tätowierten Beinen. Tattoos sieht man hier an überraschend vielen Menschen, egal, welchen Alters. Im vorliegenden Fall diagnostiziert die Gattin jedoch: Krampfadern.

Nach dem Schwimmen duschen wir und legen uns hin. Nach dem Aufstehen machen wir Duolingo, und ich lerne von meiner Frau, was ein Single ist: ein Alleinleber.

Abendessen gibt's irgendwann auch noch. Gleich gegenüber bespeist uns das Emporium mit sehr feiner Küche, aufmerksamem Service und einem jungen Kellner, der schlechter Englisch spricht als meine Mutter, aber partout nicht damit aufhören will.

Wir bekommen eine Oliventapenade zum Apéritif und ein Lachs-Sushi auf Algen als Gruß aus der Küche. Als Vorspeise teilen wir uns das Carpaccio de poulpe de roches, als Hauptgang nimmt Madame eine Pavé de loup und Monsieur das Ris de veau crousti-moelleux. Laurent, der Patron, empfiehlt uns einen exzellenten Essenbegleiter und am Ende ist sogar noch Platz für eine geteilte L'intense châtaigne et poire tonka.

Das Hotel ist nicht weit, wir nehmen unsere Räder vom Strom, und alle schlafen gut.

Schöne Schleife von der Küste in die Höhe

Mittwoch, 4. Juni 2025

Frühling 2025 – 4. Juni: Bocca del'Oro / Porto-Vecchio

Manchmal schwierig mit dem Tourismus

Unser Frühstück ist wie immer, das Angebot eventuell etwas breiter, weil gestern ja einige neue Gäste das Haus beglückt haben.

Eine davon, eine eher beleibte Dame von etwa 50 Jahren, sitzt an einem Dreiertisch direkt gegenüber der Tür zum Frühstücksbuffet und strahlt. Ihr Mann und seine oder ihre Mutter sind drinnen am Buffet zugange und wählen die Bestandteile des Frühstücks aus.

Was aber macht die Alleingebliebene draußen so glücklich?

Es ist klein, es ist rund, es ist braun, und es ist aus Schokolade: ein Fondant mi-cuit au chocolat, den sie gerade genüsslich verdrückt. Da haben sich zwei gefunden ...

Kind und Mutter ist hier seit gestern eine beliebte Konstellation. Am Tisch neben uns sitzen heute auch Sohn und Mutter beim Frühstück. Die Mutter tut, was Mütter immer tun: sie leidet. Der Sohn sorgt dafür, dass es so bleibt. Er telefoniert die ganze Zeit sehr wichtig und lässt seine Mutter so wissen, dass er eigentlich viel Wichtigeres zu tun hätte als mit ihr hier rumzusitzen.

Schön anzuseen

Und was machen wir? Wir waschen wieder ein paar Sachen und machen uns danach auf den Weg in die Berge. Natürlich mit den Rädern, aber sie müssen diesmal im Auto bleiben, denn Komoot bietet uns nur Runden von 80–130 Kilometern mit 1.300–2.500 Höhenmetern an. Und da ziehen wir das Auto dem Fahrrad vor.

Andere sehen das genauso, auf unserem Weg sehen wir nur sehr wenige Radfahrer.

Bis Porto-Vecchio umbraust uns der Verkehr, bei Arutoli biegen wir auf die D368 ab, und es wird still. Kurve um Kurve führt der Weg die Serpentinen hinauf zur Barrage de l'Ospedale, die bereits gut besucht ist und schöne Motive fürs Fotoalbum bietet. Ein Drohnenpilot startet nicht einfach von der Brücke, sondern stellt sich auf einen Felsen am See, von dem er sein Gerät startet. Vielleicht meint er, es kommt von etwas weiter oben besser in die Höhe?

Von hier geht es zum Wasserfall

Wir bleiben nicht länger, sondern schlängeln uns weiter hoch zur Cascade de Piscia di Ghjaddu. Natürlich kommen wir nicht direkt dorthin, denn der Wasserfall ist nur zu Fuß zu erreichen und am Beginn des Weges befindet sich der kostenpflichtige Waldparkplatz.

Zuerst ignoriere ich die Kassierer, fahre aber sofort zurück, als ich die Aufregung hinter uns höre. Ich steige aus, lasse mich über die Kosten und den Weg informieren und muss dann leider verneinen. Eine Stunde Waldweg plus eine Stunde zurück macht die Hüfte nicht mit. Die drei vom Inkasso laden uns daraufhin ein, das Auto kostenfrei zu parken, ein bisschen rumzulaufen und in einer der Bars einen Café zu trinken. Das nehmen wir gerne an.

Während wir den Café trinken sehen wir, wer sich die Zwei-Stunden-Wanderung alles zutraut, denn alle, die gehen und kommen, müssen in Sichtweite an uns vorbei. Wir sehen auch, was sich die Leute alles zu essen bestellen. Man sieht ja so viel übern Tag ...

Apropos: Kurz vorher haben wir zum ersten Mal dieses Pärchen auf Rennrädern gesehen. Beide nah beieinander, entspannte Sitzposition, leichter Tritt und lächelnde Minen. So fuhren sie aus Zonza kommend die Steigung herauf.

Zonza aus leicht erhöhter Position

Wir fahren nach dem Café weiter nordwärts durch das Gebiet Alta Rocca in Richtung Zonza. Das ist eine sehr schöne Stadt, in der zur Mittagszeit sehr viel los ist. Weil wir uns mehr darauf als auf den Weg konzentrieren, verpassen wir den Abzweig nach Levie und müssen nach ein paar Kilometern umdrehen. Bei der Schönheit der Strecke ist uns das glatt egal.

Das Rennrad-Pärchen sehen wir noch zwei Mal. Und wir schauen jedes Mal genauer hin. Die beiden sind um die 60, sehen drahtig aus, sie trägt einen langen, grauen Pferdeschwanz unterm Helm und wiegt unter 60 Kilo, er um die 75. Die Räder sind ziemlich old-school: sehr schmale Reifen, sehr kleine Kassetten (sieht aus wie 12-23). Wahrscheinlich fahren sie auch noch Standard-Kurbeln mit 53/39 Zähnen, aber das können wir in der Kürze der Zeit nicht nachzählen.

Wir wundern uns bloß, dass Leute in vergleichbarem Alter ohne Motor um so viel entspannter fahren können als wir mit. Wahrscheinlich spielen Gewicht, Training und Talent doch eine Rolle beim Radfahren.

In Levie passiert uns die Sache mit dem Abzweig genau so nochmal. Wieder zu spät gemerkt, wieder umgedreht, wieder alles nochmal sehen gedurft.

Es geht zurück ans Meer

Diesmal fahren wir die D59 hinunter in Richtung Carbini. Die Straße ist alt, schmal und leer. Es geht rauf, es geht runter, irgendwann geht es über den Col de Bacino und danach nur noch bergab.

Dem Rennradfahrer, der uns kurz nach Cabrini entgegenkommt, sieht man an, dass er schon einiges hinter sich gebracht hat (wir denken an die Komoot-Vorschläge), aber er macht noch einen guten Eindruck. Der ziemlich betagte Radreisende, den wir später nahe Radici sehen, tut uns fast schon leid. Die Gattin ruft entsetzt: „Der will hier sterben!“

Eine Million Farben grün

Wir biegen bei Petra Longa Filippi ab, kommen durch kleine Vororte von Porto-Vecchio, tanken noch schnell und fahren gegen halb vier auf den Hotel-Parkplatz. Auf unserer Terrasse essen wir noch eine Kleinigkeit, dann geht's in den Pool, dann unter die Dusche, dann ins Bett.

Irgendwann nach sechs sind wir wieder fit, um halb acht sitzen wir bei A Chabraca.

Der Apéritif gefällt uns nicht besonders (Muscat mit und ohne bulles), danach teilen wir uns einen Salade César und erfreuen uns einerseits an drei leckeren Gambas à la plancha und andererseits an einer schönen Poire de boeuf. Nacxh der langen Bergtour ist sogar mal ein Dessert drin: Dame blanche à partager.

Rundum sitzen Italiener, Briten, Deutsche und Korsen. Und die Chefin verrät uns beim Bezahlen, dass heute weder Schweizer noch Belgier da gewesen seien.

Dienstag, 3. Juni 2025

Frühling 2025 – 3. Juni: Bocca del'Oro / Porto-Vecchio

60 von 62 Rennradfahrer:innen empfehlen das

Es gibt auch heute wieder Frühstück. Vorher überraschen wir aber noch die jungen Menschen im Service: Wir kommen von der anderen Seite.

Ansonsten ist alles wie gestern. Große Auswahl an Oliven- und ähnlichen Kuchen, die man vielleicht eher zum Apéritif als zum Frühstück essen möchte. Heute ergänzt um Mini-Croissants mit Thunfisch-Spinat-Füllung.

Zur Feier des Tages bestelle ich ein Omelette mit Pancetta. Es ist ganz gut, aber eher ein stark gebräunter Pfannkuchen. Außerdem zeigt es nochmal deutlich, von welcher Qualität sein Pendant im Neubau von Bastelica war – hell wie ein Rührei, zur rechten Zeit zweimal sanft gefaltet und deshalb innen noch leicht flüssig ... ein Gedicht.

Zwei von zwei Rennradfahrer:innen gefällt das

Genug geträumt, heute steht die Küstenrunde von Komoot auf dem Programm, außerdem müssen wir sehen, ob die Bremsen wieder ordentlich zupacken. Bis elf haben wir ein paar Hemden gewaschen und die Räder zusammengebaut, ich bringe noch unsere Rechner in die Obhut der Rezeption, eine Minute später rollen wir los.

Ein paar Worte noch zur Annahme von Wertsache an der Rezeption: Ich kenne das Prozedere so, dass man als Gast seine Sachen abgibt, der Rezeptionist steckt sie in eine Tasche oder ähnliches und man bekommt eine Quittung zur Abholung. Das ist hier anders: Der Gast schreibt auf ein Papier, was er übergibt, unterschreibt das Papier und gibt es mit den Wertsachen ab. Beim Abholen bekommt er alles zurück.

Ich wundere mich hier über gar nichts mehr.

Der Wind ist gegen, der Motor mit uns, das bringt wenig Vortrieb. Ist aber auch gut so, denn die Bremsen greifen nicht wie gewohnt. Wir bremsen also immer wieder probehalber mit wenig Veränderung. Im Laufe der Runde wird es etwas besser, am Ende kommen wir jedoch zu dem Schluss, dass der Spezialist von gestern vielleicht doch weniger spezialisiert und das Aufbringen von Entfetter nicht die beste aller möglichen Lösungen war.

Zurück im Hotel reinigen wir die Bremsbacken mit einem Lappen und holen so eine ganze Menge des aufgesprühten Materials wieder runter. Hoffen wir aufs nächste Mal.

Absolut unerreichbar

Die Bremsen sind unterwegs durchaus wichtig, denn es geht beachtlich auf- und gerne mal sportlich abwärts. Nach fünf Kilometern hat uns der Herrgott eine Steigung in den Weg gestellt, die wir mit unserem schlappen 250-Watt-Motörchen nicht bewältigen können, da müssen wir knapp 100 Höhenmeter schieben.

Der restliche Teil links der Bundesstraße fährt sich wie von allein, rechts der Bundesstraße liegt uns relativ bald eine sehr lange Natter im Weg, die ihr Sonnenbad aber schnell genug beendet und sich nach rechts zurück in die Büsche macht.

Anschließend nimmt der (Auto-)Verkehr wieder zu, was das Fahren weniger angenehm macht. Entlang unzähliger Hotels, Restaurants, Campingplätzen und sonstiger Urlaubermagneten kommen wir zwar gut voran, eine Freude ist es allerdings nicht.

Look but don't go

Und mit dem Weg zum Strand, den wir als Nebeneffekt der Fahrt zu finden hofften, sieht es auch mau aus. Strandzugänge sind hier limitiert und privatisiert. Das einzige Stück freien Zugang sehen wir nur ein paar Kilometer von unserem Hotel entfernt. Der Weg hinunter ist weit, der Rückweg garantiert beschwerlich, und schon aus weiter Entfernung sehen wir, dass der Abschnitt intensiv von einer Surfschule genutzt wird.

Das Private ist politisch

Also ab ins Hotel, Swimmingpool, Mittagessen, Mittagspause. Unser Hotel in Erbalunga hat uns tatsächlich das Mückenöfchen nachgeschickt, ohne etwas dafür zu berechnen!

Danach sitzen wir ein Stündchen auf unserer Terrasse, schauen den frischgewaschenen Trikots usw. beim Trocknen zu und machen ein paar Sachen, für die man einen Computer braucht.

Über uns zieht mit lautem „wieht-wieht“ der Rotmilan seine Kreise, von der Rezeption und den Wegen dringt das Geräusch der rollenden Koffer nach oben, heute ist Anreisetag.

Voglio volare come il nibbio

Abendessen gibt's heute auf der Terrasse. Mit Witwe Ambal und allem, was der Kühlschrank sonst noch hergibt. Nach dem Essen schauen wir, nach Hotels für die beiden Nächte, die wir noch auf Korsika verbringen müssen.

Die Realität sieht anders aus

Frühling 2025 – 2. Juni: Bocca del'Oro / Porto-Vecchio

Waschtag im Paradies

Auf dem Weg zum Frühstück sprechen wir an der Rezeption mit der Chefin wegen der Unzulänglichkeiten des Hauses, sie ist naturgemäß völlig anderer Meinung als wir. Der Kunstrasen ist nicht ihre Idee, sondern obligatoire, um Wasser zu sparen. Und all die anderen Kleinigkeiten sind ja einfach zu lösen, wir müssten bloß Bescheid sagen.

Dass man die Behebung von Problemen nicht seinem Gast aufbürdet, ist für sie neu. Auf eine Rückzahlung der bereits entrichteten Schlafgebühren will sie sich auf keinen Fall einlassen. Wir gehen davon aus, dass das Geld gebraucht wird. Das Frühstück bestätigt unsere Befürchtungen. Es bietet maximal durchschnittliche Qualität und ist auch inhaltlich nicht gerade der burner.


Suchbild mit Eidechse


Zurück in unserer Hütte klopft das Zimmermädchen osteuropäischer Herkunft mit dem Ölkännchen an. Sie weiß nicht genau, was sie machen soll, ist aber zu allem bereit. Der Safe enthält inzwischen Batterien, funktioniert aber trotzdem nicht.


Die junge Frau radebrecht ein bisschen mit uns und meint, wir könnten ja in eine bessere Behausung umziehen. Wir gehen auf das Angebot ein und mit ihr zur Rezeption. Die neue Option will uns die Chefin aber persönlich präsentieren: direkt oberhalb des Parkplatzes zeigt sie uns voller Stolz eine relativ neu erbaute, rot lackierte Holzhütte, aber die Gattin winkt ab. Dafür alles wieder ein- und nochmal auspacken, lohnt sich einfach nicht.


Wir fahren lieber nach Porto-Vecchio und beglücken die Familie Mulliez.


Zuerst geht es über eine kleine Umgehungsstraße zu Decathlon, wo es zwar keine Werkstatt, dafür aber einen engagierten und fachlich kompeten Mitarbeiter gibt. Der zeigt uns, wie man bei Rad 1 die Backen einer zusammengepressten Scheibenbremse löst und bei Rad 2 die quietsche Scheibenbremse reinigt. Kosten: null. Wir zahlen bloß für den benötigten Reiniger.


Nicht weit entfernt fahren wir bei Auchan rechts ran. Der Laden brummt, die FeWo-Enthusiasten rundum decken ihren Bedarf für die kommende Woche. Wir wollen auch mal auf der Terrasse essen und kaufen ein bisschen Wurst, Käse usw. ein. Dazu für 7,99 ein Replikat des Mückenöfchens, das wir in Erbalunga vergessen haben.


Zurück in Bocca dell'Oro waschen wir erstmal ein paar Teile unserer Wäsche aus, dann gehen wir ins Becken. Die Dusche dort ist übrigens so hoch, dass Menschen ab etwa 1,70 Meter Gesamthöhe nur schwer aufrecht stehen können – ist wahrscheinlich ebenfalls obligatoire.


Danach, also nach dem Schwimmen, essen wir eine Kleinigkeit und legen uns kurz hin. Zwei Stunden später werden wir wach – die Hitze hier nimmt einen doch mehr mit, als man denkt.


Zum Abendessen: Abendstimmung

Nach dem Aufstehen suchen wir ein Plätzchen fürs Abendessen. Das ist gar nicht so einfach, weil das Essen mit dem Parken des Fahrzeugs verbunden und dieses in der näheren und weiteren Umgebung mit hohen Zwangsgebühren belastet ist. In Porto-Vecchio schlägt die Stunde mit knapp drei Euro zu Buche, in Strandnähe sollen bis zu 20 Euro für einen Parkaufenthalt fällig werden (egal, wie lange).

Wir suchen uns drei Lokale entlang der Uferstraße aus und fahren sie einfach schnell mal ab. Am Ende gewinnt die alte Schabracke, die unserem Domizil auch noch am nächsten liegt.

Von der Gattin inspiriert

Hier parkt der Chef persönlich die Wagen der Gäste ein, hier kann man von der Terrasse aus schön übers Meer schauen, hier trinkt man Monika, und hier isst man gut. Nach Lemonspritz und Pastis teilen wir uns ein Tartare de boeuf vorneweg unds erfreuen uns anschließend an Mafalde con salsiccia, noci e parmigiano und Pizza Chorizo.

Zum Schluss gibt's noch einen ordentlichen Café, und beim Bezahlen reservieren wir gleich für Mittwochabend.

Nach dem Essen ist vor dem Bungalow

Auf der Terrasse sitzen wir uns noch ein Viertelstündchen für morgen warm und schauen unserem grünen Gast beim Abendessen zu.

Je später der Abend, ...

Montag, 2. Juni 2025

Frühling 2025 – 1. Juni: Bocca del'Oro / Porto-Vecchio

Oink!


Auch heute brechen wir, wie immer, gegen elf auf. Vorher haben wir das Übliche an Frühstück, packen unser Hab und Gut wieder schön ein und dann geht es um elf auf die D27.


Schon nach ein paar Metern der erste Stopp: Abschied von den kleinen und großen Schweinen am Straßenrand. Links im großen Gatter sind die kleinen Schweine, etwa 15–20 in verschiedenen Alterstufen, die rumquieken, wild durch die Gegend rennen, übereinander (her)fallen und die alten Muttersäue als Milchbar oder Getränkeautomat benutzen.


Auf der rechten Seite sehen wir sechs ältere Exemplare beiderlei Geschlechts und – wie der Nachwuchs links – in unterschiedlichen Farben. Anders als die Jungen, tendieren die Alten eher zum Rumliegen. Das geht so weit, dass die ganze Truppe vor unseren Augen einen echten Sauhaufen bildet.


Wir folgen der D27 bis Cauro, wo wir links auf die viel besser ausgebaute T40 abbiegen und durch einige sehr schöne Städte kommen. In einer von ihnen, Petreto-Bicchisano, gönnen wir uns um halb eins auf der Terrasse der Bar de la Post zwei Café und hören der etwa zehnköpfigen Biker-Gruppe beim Italienischsprechen zu.


Kleine Pause in feinem Ambiente


Es ist wirklich atemberaubend schön rundrum.


Auf der Straße vor uns kommen Motorradfahrer mit ziemlich wenig Gepäck vorbei. Das heißt: Die Herren und Damen haben wahrscheinlich noch weniger zum Wechseln dabei als wir und wechseln die Wäsche noch seltener als ich.


Auf dem Weg zurück zum Auto hören wir, dass der Kollege mit der Motorsense sich trotz Mittagszeit und Sonntag immer noch durch seinen Garten arbeitet. Wahrscheinlich hat er die Woche über einfach keine Zeit.


Irgendwo hinter Olmeto taucht plötzlich wieder das Meer in Reichweite auf. In Propriano liegt eine große Fähre der Corsica Linea, sie fährt über Nacht nach Marseille. Es folgen weitere schöne Ausblicke aufs Meer und ein, zwei kurze Stopps. Irgendwann überholen uns die Biker aus Italien.


Die Landschaft wird felsiger und küstiger

Das bisherige Highlight dieser Reise liefern wir dann in Sartène. Laut Display und Ansage des Navis biegt die T40 mitten im Ort plötzlich zweimal scharf nach rechts in Richtung Bonifacio ab.

Aber da steht kein Schild „Gattin, bitte hier rechts hoch“, deswegen ist die Gattin anderer Meinung, und es erfordert mitten im Verkehrsgetümmel eine Menge an Überredung, um sie die etwa 16 Prozent steile Piste hinauf zu bewegen.

Gottseidank fährt sie weiter, denn oben stehen dann wieder die grünen Schilder, und alles ist in Ordnung.


Karge Küste, ...


... vom Wind in Form gebracht

Deutlich später als erwartet erreichen wir Bonifacio und folgen den Schildern zum Fährhafen. Dort wollen wir abklären, ob es eventuell Chancen gibt, unser Ticket für den 7. Juni auf einen früheren Tag zu tauschen, oder ob wir uns wenigstens auf eine Warteliste setzen lassen können.

Die Stadt wirkt beeindruckend. Als Festung ausgebaut thront sie hoch über dem Meer, man weiß gar nicht, wie man noch auf die enge Straße schauen soll, die steil hinab zum Anleger führt. Unten angekommen, stehen wir erstmal der Müllabfuhr im Weg. „C'est dangereux!“, brüllt der Fahrer, und wo er recht hat, hat er recht.


Im Hafen von Bonifacio

Die Gattin stellt sich also woanders hin, ich gehe inzwischen in das Fährbüro und finde alle Schalter geschlossen. Die nächste Abfahrt ist um fünf, da müssten wir locker eine Stunde warten. 
Das machen wir natürlich nicht, sondern fahren erstmal weiter zu unserem Hotel.


Der Weg dorthin führt zunächst innerots bergauf, und wir sehen Familien mit Kindern und Fahrrädern. Die einen fahren den Nachwuchs auf Kindersitz oder im Anhänger, die anderen lassen ihn selbst fahren. Das erscheint uns bei einem Jungen von unter fünf Jahren, einem Fahrrad von maximal Bürgersteig-Qualität und einem Gefälle von weit über sechs Prozent ziemlich ambitioniert.v


Wenn er diesen Urlaub überlebt, kann der Bub überall fahren.


Wir nehmen am Ortsende die eine kilometerlange, gerade Straße mit ein paar Kreisverkehren zwecks Reduktion der Geschwindigkeit. Unterwegs sehen wir wieder Radfahrer, diesmal Tourenfahrer, die in der Hitze, gegen den Wind versuchen, nach Bonifacio zu kommen. Wir möchten nicht auf ihrem Sattel sitzen.


Unser Hotel liegt südlich von Porto-Vecchio und vor allem ganz weit weg von Porto-Vecchio. Dafür macht es schwer auf dicke Hose. Uns haben sie damit gekriegt, jetzt sind wir schwer enttäuscht. Der Parkplatz ist leer, das wäre ja noch in Ordnung. Die junge Frau an der Rezeption macht den Job noch nicht sooo lange, der Weg zu unserer Bleibe führt über steile Stufen und Kunstrasen nach oben.


Große Inszenierung, kleine Besetzung

Das Zimmer ist OK, aber den Preis nicht wert. Das Schwimmbad ganz nett, aber dto. Das Internet ist fünf Minuen lang da, dann nicht mehr. Es gibt kein Restaurant. Der Safe funktioniert nicht. Keine Haken fürs Handtuch im Bad. Die Türen quietschen. Die Rezeption ist nach 20 Uhr nicht mehr besetzt.

Auf dem Weg zum Essen (in Porto-Vecchio) lassen wir die Rezeption an unserem Missfallen teilhaben, sie will alles aufschreiben. Dann geht sie nach Hause.


Wir fahren zum Essen in die Stadt – eine üble Touristenfalle. Die Fahrt entlang all der Läden und Lokale ist schon kein Vergnügen, wenn dann aber zwei Stunden Parkplatz auch noch 5,60 kosten sollen, dann schwillt mir der Kamm, dann schwillen uns die Kämme.

Google zeigt uns viele Restaurants, an einem fahren wir vorbei – es hat private Parkplätze, wir drehen um. Auf den ersten Blick wirkt es nicht besonders einladend, dafür bietet es Blick aufs Meer, und wir sparen die Parkuhr!

Urlaubslandschaft am Ostende Korsikas

Also setzen wir uns raus, trinken erstmal zwei Mattei Spritz und schauen uns die schrecklichen Leute an, mit denen wir die gleiche Luft atmen müssen.

Bedenkliches Weltbild am Ostende Korsikas

Dann bestellen wir einen Teller Charcuteries corses als Vorspeise und einmal Steak de thon mi-cuit, einmal Loup entier cuit au four als Hauptgang. Dazu ein Fläschen weißen Île-de-beauté und am Ende wird es doch noch ein ganz schöner Abend.

Morgen früh geht's zu Decathlon, die Bremsen prüfen bzw. reparieren lassen.

Sonntag, 1. Juni 2025

Frühling 2025 – 31. Mai: Bastelica

In 800 Metern Höhe eine kleine Blume, die nicht weiß, ob ihrer Blüte gelb oder rot besser steht

Das Frühstück ist auch heute wieder schwierig, aber was sollen wir machen? Wir nehmen es hin. Unsere Böblinger reisen heute ab, vorher spiegeln sie sich nochmal sehr interessant in der langen Glasfront des Erdgeschosses.

Mit eigener und fremder Energie durch die weiten Ginsterteppiche

Wir fahren nach besagtem Frühstück nochmal hinauf zur Skistation Val d'Ese, für die am Mittwoch die Zeit nicht mehr gereicht hat. Diesmal wollen wir oben ankommen. Die Baumgrenze erreichen wir bei knapp 820 Höhenmetern, da sind wir schon etwa eine Stunde in der ungefilterten Sonne hochgefahren bzw. vom hart arbeitenden Motor mit 250 Watt zusätzlicher Trittleistung hochgeschoben worden.

Monte e mare

Die Gattin macht ständig Fotos, das bedeutet jedes Mal: kurz stehenbleiben. Bei einer dieser Gelegenheiten hält der örtliche Forst- oder Bergmann, fragt ob alles in Ordnung ist und gibt uns auf die nächsten knapp zehn Kilometer ein fröhliches Auf Wiedersehen! mit.

Der Parkplatz oben ist riesig, mit aktuell etwa 30 Autos ist er allerdings völlig unterbesetzt. Hier gehen die Leute im Sommer wandern, wahrscheinlich passen 200 bis 300 Autos auf die große Fläche, und im Winter dürfte hier eine ganze Menge los sein.

Kleine Besetzung, auf Großes vorbereitet

Nach ein paar Minuten fahren wir wieder runter, beim Hochfahren taten die Beine weh, jetzt brennen die Hände vom Bremsen. Rennradfahrer haben wir hier bisher kaum gesehen, wir können uns denken, warum nicht.

In jeder Richtung das Höchste

Zurück in Bastelica fahren wir zum Hotel, gehen kurz aufs Klo und füllen die Flaschen auf. Die Batterie sagt, dass sie noch 40 Kilometer durchhalten wird, wir werden übermütig und fahren weiter in Richtung Col de Scalella.

Der Straßenbelag wird schlechter, überall kleinere und größere Löcher. Die Farben des Asphalts sprechen dafür, dass hier schon viel ausgebessert wurde – zumindest oberflächlich. Im Vorüberfahren sehen wir Pferde hinter niedrigen Zäunen und eine fünfköpfige Schweinefamilie, die keine Lust auf Streicheleinheiten hat, sondern sich lieber ins Unterholz verdrückt.

Deutlich vor Erreichen des Col weiß ich nicht mehr recht, warum ich mich mit bereits mehr als 1.100 Höhenmetern noch weiter quälen soll. Ich fahre links raus und warte auf die Gattin, sie hat ähnliche Gedanken. Wir beschließen, den Rückweg anzutreten.

Wer macht wem die Straße frei?

Im Hotel duschen wir, waschen ein paar Sachen raus und essen die Reste des Käses mit einigen verbliebenen Mini-Brioches und den restlichen Scheiben FinnCrisp.

Danach legen wir uns kurz hin.

Knapp zwei Stunden später weckt uns das Telefon. Die Anstrengung war wohl doch größer gewesen, als wir es wahrhaben oder zugeben wollten.

Nach ein bisschen Duolingo auf der Terrasse wird es Zeit fürs Abendessen. Die Gattin hat bei U Floralisu reserviert, wo wir heute mit der kleinen Karte vorlieb nehmen müssen.

Dem ist nichts hinzuzufügen

Lokal und Beherbergung sind nicht allzu weit von unserer Bleibe entfernt, zu Fuß eine knappe Viertelstunde. Den Apéritif nehmen wir auf der großen, schönen Terrasse. Alles ist sehr liebevoll gemacht, der Ausblick großartig.

Bedient werden wir zuerst von einem jungen Mann, der gerne Deutsch sprechen möchte. Er ist Sohn einer deutschen Mutter und eines korsischen Vaters und derzeit auf der Insel, um etwas Geld zu verdienen.

Kurze Zeit später kommt eine junge Frau und wünscht uns einen schönen Abend. Sie ist die Gastgeberin, Köchin und wohl auch die Seele des Betriebs. Das kulinarische Angebot ist infolge Vorsaison noch reduziert: Beignets de courgettes, Tarte au poireau und Sauté de veau aux olives.

Die Beignets sind etwas zu lange gebraten, die Tarte schmeckt super und das Kalb ist ein Gedicht. Wir haben den direkten Vergleich zu Chez Paul, wo es auch gut war, aber doch eher Hausmannskost. Madame kocht auf wesentlich höherem Niveau, empfiehlt uns zwei gut korrespondierende Weine und serviert zum Dessert eine Mousse au chocolat mit Olivenöl und Meersalz.

Die Mousse macht sie ohne Ei, dafür mit einer Crème végétale, so dass sie nicht erst im Kühlschrank fest werden muss. Beim Bezahlen entdecken wir ein großes, gut gefülltes Regal mit unterschiedlichen Marmeladen. Wir einigen uns schnell darauf, dass es langweilig ist, die immer gleichen Erdbeer-, Himbeer- oder Pfirsich-Versionen einzukochen.

Was den Leuten alles einfällt

Sie empfiehlt Birne mit schwarzem Tee oder Rosmarin. Alternativ Erdbeere oder Himbeeren mit Pfeffer. Mal sehen, was davon sich bei uns realisieren lässt.

Erst rechts hoch und runter, dann links