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Montag, 16. Juni 2025

Frühling 2025 – 15. Juni: Villasimius

Frühstück in pflegeleichtem Ambiente

Das dicke, arabisch-türkisch zu verortende Ehepaar mit dem dicken, lauten Kind gibt vor Ende unseres Frühstücks noch eine kleine Abschiedsvorstellung. Der Kellner Marco spricht auch heute lieber Deutsch mit uns. Allein die muntere Bäckerin ist ein Sonnenschein am Sonntag.

Der Rezeptionist, der seit gestern Nachmittag durchgehend seinen Job macht, verrät uns, dass die überwiegende Zahl der anderen Gäste – Deutsche, Franzosen, Italiener und Schweizer – über Reiseveranstalter kommen, bei denen sie Rundreisen zum Selberfahren gebucht haben.

Trifft sich gut, so machen wir's auch.

Unsere kleine Ölfabrik

Nach dem Packen geht es wieder raus auf die SS195bis, der wir bis kurz vor Frutti d'Oro folgen. Unterwegs sehen wir rechts eine riesige Raffinerie am Meer, die so gar nicht in das Bild vom schönen Sommerurlaub passen will.

Am Ende fahren wir auf der SS195 gleich wieder zurück. Nicht den ganzen Weg, aber zumindest bis zur Villa d'Orri – vielleicht kann man die sonntags besuchen.

Leider kann man das nicht, alle Zufahrten sind geschlossen. Nur für einen kleinen Einblick in die Produktion ihres feinen Olivenöls hat die Firma ein Tor offen gelassen. Außerdem ist der Sprit in dieser Gegend billiger als anderswo, was wir zum Auffüllen des Tanks nutzen.

Cagliari von seiner schöneren Seite

Cagliari erreichen wir über die Fortsetzung der SS195, und die führt praktisch mitten übers Meer. Auf der linken Seite der Straße steht das Meerwasser und füttert die nahe Saline Conti Vecchi, die wir besuchen könnten, wenn nicht Sonntag wäre. Auf der rechten Seite grenzt die Straße direkt ans Meer. Hier stehen viele Angler, die dem Wasser ihren Sonntagsbraten abringen möchten.

Die überwiegende Zahl der Hauptstädter hat bei 34,5 Grad aber ein anderes Interesse: Strandleben.

Davon ist allerdings noch nichts zu sehen oder zu ahnen, als wir ins Zentrum einfahren. Entlang des Hafens reihen sich riesige alte Paläste, einer schöner als der andere und davor eine Straße in einem derart miserablen Zustand, dass sie quasi eine automatische Geschwindigkeitsbegrenzung auf allerhöchstens 30 km/h beinhaltet.

Ein Strand fürs Leben

Nachdem wir das Hafen- und Stadtgebiet hinter uns gebracht haben, stehen plötzlich überall rechts der Straße parkende Autos, und dazwischen sind Menschen mit Badeutensilien unterwegs. Dann geht es nach links in Richtung Via Lungomare del Golfo und plötzlich sprießen rechts des Weges die Ombrelloni aus dem Sandstrand.

Überall liegen Decken, stehen Liegen, Stühle und Tische im Sand. Menschenmassen blockieren den gesamten Süden der Stadt und suchen ihr Plätzchen direkt am Meer. Mädels mit String-Tangas stehen am Straßenrand und strecken ihre nackten Hintern in die Landschaft.

Sommer in Cagliari mit allem, was dazugehört. Auf einer Strecke von rund acht Kilometern.

Die zweite Bucht ist unsere

Unser Ziel erreichen wir nachdem wir zuerst falsch abbiegen und dann auf neuer Strecke insgesamt etwa sechs Kilometer durch mehrere aufeinanderfolgende Tunnel fahren. Wir sind viel zu früh dran, denn unser Apartment ist erst ab halb sechs verfügbar. Die Rezeptionistin wirkt deutlich überfordert. Sie ist sehr schmal gebaut, ihre Hose ist ihr trotzdem viel zu weit. Das sieht schon ein bisschen ungesund aus.

Wir ziehen uns erstmal um und legen uns schön an den Strand. Die Gattin weint vor Glück, und eine tiefe Wunde unserer Beziehung ist endgültig verheilt. Im Jahr 1984, als wir zum ersten Mal hier waren, stemmte ich mich erfolgreich dagegen, dass sie am Morgen der Abfahrt nochmal ins Meer ging, denn dann hätten die nassen Badesachen im Auto gelegen, was ich unbedingt vermeiden wollte.

In den nächsten vier Tagen wird sie die letzten 40 Jahre im Meer nachholen.

Nahezu unverändert, bis auf die Höhe der Bäume

Bevor wir dazu kommen, unsere Vergangenheit zu bewältigen, erfahren wir vom Bagnino, dass es auch im Paradies klare Hierarchien gibt: Unser Apartment zählt zur Qualitätsstufe 2 und berechtigt uns damit, zwei Liegen und einen Sonnenschirm in bzw. ab la seconda fila zu belegen.

Ordnung muss sein. Sogar in Italien.

Kaum haben wir den Platz gefunden, der uns zusteht, führt eine fünfköpfige deutsche Familie in nächster Nähe eine neue Fassung des Eric-Rohmer-Films „Pauline am Strand“ auf. Die Darbietung weicht deutlich vom Original ab.

Pauline ist etwa zwei Jahre alt, Tochter, Enkel und Star der Aufführung. Sie ist nackt, trägt weder Hut noch Mütze und rennt ständig in der Sonne rum. Die sie begleitenden  Erwachsenen wissen nicht, was sie tun und sagen ständig Sätze wie „Was macht denn der Papa da?“ oder „Wo holt denn der Opa das Wasser?“

Vor allem aber lassen sie das arme Kind nicht für fünf Sekunden in Ruhe.

Pauline hat eine sehr einfache Art, damit umzugehen: Wenn es ihr zu viel wird, schreit sie. Keine Vorwarnung, immer existenziell. Und sobald es ihr besser geht, hört sie einfach auf. Ohne Nachhall, ohne Bedarf an Trost oder Nähe.

Hörst du es vom Strand her schrei'n, wird es wohl Pauline sein.

Meerchenhaft

Nach dem Strand setzen wir uns noch auf einen Caffè mit Duolingo in die Nähe der Pool-Bar. Zwei sehr massive Tätowierte gehen vorbei, ein kleiner, älterer Herr geht freundlich lächelnd hinter ihnen her. Man könnte meinen, auch die Mafia entspannt in Villasimius.

Nach dem Caffè meldet sich die Rezeption – unser Apartment ist bezugsfertig. Wir holen unsere Sachen, duschen, ruhen kurz und machen uns auf zum Essen. Nach Selezioni di antipasti di mare e und Varietà di verdure vom Buffet wählen wir Tortellini di patate viola e gamberini und Lorighittas al ragù di pecora. Danach zwei Mal Pescato del giorno und als Dessert Cannoli bzw. Jogurt e fragole.

Alles ist überzeugender als wir es von vor 41 Jahren in Erinnerung haben.

Frühling 2025 – 14. Juni: Santa Margherita di Pula

Feiern von früh ...

Das Olivenöl von gestern Abend war hervorragend und wird nicht weit von hier produziert. Wir lesen beim Frühstück über den Hersteller und die mit der Familie verbundene Villa d'Orri, schon steht schon eine Frau, die man sich als ehemalige Bewohnerin vorstellen kann, am Buffet und befehligt die Mitarbeiter.

Eine der so Befehligten ist für die Kuchen und das sonstige Backwerk verantwortlich. Sie hat heute eine Torta salata piselli e prosciutto für uns gezaubert. Weil ich sie so freundlich bitte, verrät sie mir das Rezept, meine Frau darf es demnächst zu Hause nachbacken.

Um elf machen wir uns auf nach Pula, wir wollen in den örtlichen Supermärkten nach dem Öl von gestern suchen. Das Auto brüllt vor Hitze, die Gattin lässt den Motor an und meint: „Elf Uhr, 30 Grad – nicht schlecht.“

Wein, der die Insel wahrscheinlich nie verlässt

Die Straße(n) nach und in Pula sind in etwa dem Zustand, in dem neuerdings die deutsche Infrastruktur beschrieben wird: 25 Jahre Investitionsstau. Wenn man aber die deutschen mit den hiesigen Verkehrswegen vergleicht, dann staut es in Italien seit gefühlt 50 Jahren. Oder es gibt in Deutschland keinen Investitionsbedarf.

Die durchschnittliche Strada provinciale heißt nicht nur so, sie ist es auch. Und ihre große Schwester, die Strada statale, würde ohne aufzufallen auch als Strada fatale durchgehen.

Wein, der Buona notte heißt

In Sachen Öl werden wir fündig. Drei Liter in drei kleinen Kanistern à 13 Euro ist ein guter Preis. So fahren wir zurück zum Hotel, arbeiten am Blog, an den Fotos und an weiteren wichtigen Dingen. Das machen wir später nochmal, aber erst wird gegessen, geschwommen und geruht.

... bis spät

Zum Abendessen werden wir wieder beim Sarden erwartet. Alle sind freundlich, das Essen so gut wie gestern, aber heute wird alles geteilt: zuerst die Piccola degustazione di formaggi con le nostre composte (geräucherter und gereifter Pecorino, Pecorino-Crème und ein sehr guter Blauschimmel), Fregula casareccia, ein Graupen-Risotto, und die Coppa di Maiale in doppia cotura, zwei unterschiedliche, jeweils bei Niedrigtemperatur gegarte Stücke vom Schwein.

Für Dolci ist leider wieder kein Platz. Morgen verlassen wir den südlichsten Punkt unserer Reisen. Ab sofort geht es (langsam) wieder gen Norden.

Frühling 2025 – 13. Juni: Santa Margherita di Pula

Typisch deutsch: nach Italien fahren, um zu baden

Wir frühstücken heute lieber drinnen, im karg möblierten Buffet-Zimmer.

Draußen regieren fünf rauchende Italiener. Die direkten Nachfahren der Erfinder des Machismo sitzen in lautstarker Unterhaltung um eine imaginäre Piazza, haben die Beine gleichzeitig weit gespreizt und ausgestreckt und den schönen Innenhof auf diese Weise vollständig unter ihre Kontrolle gebracht.

Wahrscheinlich diskutieren sie das Für und Wider des Genderns.

Auf dem Weg an den südlichsten Punkt unserer Reise fahren wir nochmal durch die Costa Verde. Einige der Orte haben wir gestern schon gesehen, es geht viel rauf und runter, es gibt viele deutsche Camper auf den schmalen Straßen. Einer hat mehr Ähnlichkeit mit einem Linienbus als mit einem Wohnmobil.

Ab Guspini fahren wir in die Berge, und in der Folge macht das Gebiet seinem Namen nochmal richtig Ehre. Grün in unzähligen Tönen und Schattierungen. Über Arbus, Fluminimaggiore bis nach Iglesias, einer überraschend großen Stadt am südlichen Ende der Costa Verde. Unsere Mittagspause machen wir in Fluminimaggiore. Gennaro hat seine neue Bar erst vor zwei Tagen aufgemacht, die Mädels sind noch motiviert.

Der Ort feiert heute das Fest von San Antonio, alles ist geschmückt, und viele Männer in alten sardischen Trachten sind auf den Straßen unterwegs – toll, was sich diese Sarden alles für uns einfallen lassen.

Fluminimaggiore hat sich für San Antonio geschmückt

Was uns bei Gennaro wieder negativ auffällt, ist, dass überall die mehr oder weniger gleiche Scheißmusik läuft. Die einen düdeln irgendwelche Spotify-Playlists mit bekannten Pop-Hits, die von unbekannten, aber geschäftstüchtigen Produzenten in die Neuzeit remixed werden. Die anderen wählen für ihre Kunden und sich das Seichteste von Kenny G. bis David Sanborn.

Die italienische Bar auf ihrem Weg in die Moderne

Nicht weit hinter Fluminimaggiore warten dann noch zwei interessante Sehenswürdigkeiten auf uns: die Miniera di Su Zurfuru und die Grotta di Su Mannau – beide geschlossen.

Touristische Attraktion, für Touristen geschlossen

Sardinien für Kurventechniker

In Iglesias decken wir uns in einem etwas schrägen Supermarkt noch mit ordentlich Wasser ein, dann geht es auf der SP85 weiter. Zuerst ein Stück durchs Industriegebiet, dann durch die Dolomite Sarde, ein weitläufiges Wandergebiet, dessen Kurvenstraßen denen der Costa Verde in nichts nachstehen.

Hinter Tratalias kommen wir wieder auf die SS195 und fahren vorbei an mehreren aufgelassenen Case cantoniere, den alten Straßenbau-Meistereien, die im letzten Jahrhundert von der ANAS gebaut wurden und heute zum Teil privat genutzt, in der Mehrzahl aber dem Verfall preisgegeben sind.

Für den Unterhalt der Straßen gebaut, heute nicht mehr unterhalten

Zwischen Sant'Anna Arrest und Teulada fahren wir entlang eines riesigen Armeegebietes –  kilometerweit eingezäunt und mit einem Stacheldraht-Y obendrauf – und kommen für heute zum letzten Mal durch äußerst bergige Landschaft, die so schön wie anspruchsvoll zu fahren ist.

Unser Hotel liegt eher an der Straße als am Meer. Wir haben es gebucht, weil wir in unserer nächsten Station erst ab Sonntag ein Zimmer kriegen konnten. Nun müssen wir mit einer etwas zweifelhaften Auslegung von „Urlaubshotel“ leben, aber das schaffen wir schon.

Das Zimmer ist in Ordnung, die Leute geben sich Mühe – auch, wenn sie lieber ihr schlechtes Englisch als unser schlechtes Italienisch mit uns sprechen würden.

Komm', wir gehen zum Sarden: Culurgionis artigianali tradizionali

Das ehemalige Hotel-Restaurant ist Geschichte, wir müssen also zehn Kilometer nach Pula fahren, um den täglichen Kalorienverlust auszugleichen. Die Gattin hat einen Hort sardischer Küche entdeckt: Sa Domu Sarda.

Wir bekommen ohne Reservierung einen Tisch, das Ambiente ist gleichzeitig rustikal (einfache Holztische, rot-weiß karierte Tischdecken unten) und fein (ordentliches Besteck, Stoffservietten, Stofftischdecken oben). Der Service ist ausgezeichnet, das Essen und der Wein auch.

Vor allem gibt es Sachen, die es sonst bisher noch nirgendwo gab. Wir teilen uns eine Sfoglia di carasau con caponata e ricotta fumata, anschließend nimmt er Malloreddus a sa campidanesa, sie die oben abgebildete Leckerei, und als Hauptgang gibt's Il maiale alla cacciatora  und Filetto di manzo.

Am Ende packt uns der Kellner einen Teil des Filetto ein, wir reservieren für morgen gleich nochmal und machen, dass wir ins Bett kommen.

Samstag, 14. Juni 2025

Frühling 2025 – 12. Juni: Cabras

Die Tropen bei Nurachi

Heute stehen wir etwas früher auf, denn es soll heiß werden. Das Frühstück nehmen wir im Innenhof. Es ist sehr! landestypisch.

Danach machen wir uns auf die von Komoot vorgeschlagene Runde. Die Fahrt gestaltet sich wieder schwierig, weil Komoot uns erneut auf eine schlechte, diesmal eine sandige Piste führt. Also drehen wir um und fahren auf der Landstraße weiter.

Vielleicht können wir wenigstens auf einem schönen Weg am Meer zurückfahren. Die drei älteren Sardinnen und Sarden, mit denen wir in Putzu Idu darüber reden, raten uns ab. Mit den schmalen Reifen wird das nicht so einfach, aber ein Stück weit sollte es gehen. Das Ende vom Lied: Wir müssen ein paar hundert Meter durch die Macchia laufen, bevor wir am Ende endlich wieder auf eine richtige Straße kommen.

Querfeldein mit Komoot

Die lässt sich dann sehr gut fahren, wird aber irgendwann unpassierbar, weil sich eine Herde Schafe auf ihr zu einem neuen Futterplatz bewegt. Wir schauen dem Treiben staunend zu, fahren dann langsam in die Herde, die Tiere retten sich nach rechts, schon geht es weiter.

Auf den folgenden Kilometern wird es immer heißer, und wir sind froh, als wir endlich zurück zum Hotel kommen. Wir waschen gleich die Trikots und hängen alles neben der Zimmertür über die Holzbank zum Trocknen. Dann gehen wir schwimmen und staunen, dass die Zimmermädchen das Zimmer gemacht und uns einen Wäscheständer für die Wäsche hingestellt haben.

Während die Wäsche draußen trocknet, können die Räder drinnen laden. Wir stellen sie ins Zimmer und fahren im Auto in Richtung Costa Verde.

Leider hat die Gattin wieder nicht daran gedacht, dass sie immer etwas essen muss. Jetzt versucht sie, sich mit zwei Bonbons kalorienmäßig am Leben zu halten, während wir im Süden von Cabras durchs Niemandsland fahren.

Immer dem Leithammel hinterher

Entlang der SP49 fahren wir in Richtung Süden, rechts ein weites Wasserbassin, überall steht Schilf. Die Damen im Hotel haben uns gestern noch voller Stolz die Decken im alten Haus gezeigt, die alle mit Schilf in traditionellen Mustern und Stärken verkleidet sind. Mal sind Rohre von etwa drei Zentimetern einfach in Quadraten nebeneinander verlegt, dann sind feine Schilfstreifen zu Mustern geflochten, wie wir sie z.B. von Thonet-Stühlen kennen.

Als Dämmung gegen das Stühlerücken im OG funktionieren sie leider nicht.

Im Wasser stehen weiße Flamingos, denen offensichtlich das Rosa der Garnelen abgeht, von denen sie sich anderswo ernähren. Ringsum stehen Unmengen von Sträuchern aller Art – Oleander, Agaven mit vier bis sechs Meter hohen Blütenständen, die aussehen wie Bäume. Außerdem Mauern aus Feigenkakteen, die weithin mit dicken, gelben Blüten um fliegendes Getier werben.

Dann tauchen plötzlich Disteln mit Blütenständen groß wie Tennisbälle auf. Sobald sie soweit sind, gehen sie auf und präsentieren einen flachen Teller mit unzähligen weißen Blüten.

Die feigen Kakteen

Die nächste größere Stadt ist Arborea, nach eigener Einschätzung „L'isola felice delle mucche“. Glücklich waren und sind wohl vor allem die Milchverarbeiter, die sich große, schöne Villen leisten konnten und so auf quadratischen Strukturen ein wirklich sehenswertes Städtchen schufen.

Auf der Suche nach Essbarem für die Gattin fahren wir die Quadranten erfolglos hin und her und kommen plötzlich an einem Metzger vorbei. Zuerst sieht es so aus, als würde eine lange Schlange von Kunden vor dem Geschäft warten, dann sieht man links ein kleines Auto mit Warnblinker und rechts, direkt vor dem Metzger, einen nahezu völlig zerstörten Kleinwagen. Das vordere Drittel ist völlig weggeschossen und man fragt sich, wie das bei Tempo 50 in der Stadt überhaupt möglich ist.

Überall stehen Menschen, alle haben ein Telefon in der Hand, einige weinen. Als wir vorne wieder auf die SP49 kommen, kommt uns schon die Ambulanz entgegen.

Mittagspause machen wir in Sant'Antonio di Santadi. Der örtliche Käser hätte uns gerne einen seiner großen Pecorini verkauft, aber die Gattin weiß das zu verhindern. Dafür gönnt sie sich selbst ein Panino, von dem eine Familie hätte satt werden können. Die Jugend kommt in der Bar vorbei, die Handwerker kommen vorbei. Zwei Buben fahren Wheelies auf einer Vespa.

Costa verde, sabbia marrone

Während die Gattin ihr Panino belegen lässt, setzen sich zwei Männer an den Nachbartisch. Kurz darauf kommt ein weiterer Mann zu ihnen. Einer der beiden am Tisch steht auf, greift in die Hosentasche und zählt ein dickes Bündel Geldscheine durch. Ich denke noch, dass der dritte im Bunde Geld wechseln will, da klappt der Zähler das Bündel wieder zu und drückt es dem dritten in die Hand.

So fahren wir weiter. Immer noch in dem Glauben, wir könnten mal eben an die Costa Verde fahren. Je näher wir den Bergen kommen, desto mehr wird sie zur Costa Marrone. Auf einer kleinen Anhöhe neben der Straße weiden schwarze Ziegen, die Straße windet sich vor uns in Richtung Torre dei Corsari.

Wir fahren durch den Ort, ganz oben an der Steilküste steht ein tolles Hotel, es ist geschlossen. Von oben geht der Blick über einen weiten Strand, aber bis man da hinkommt, muss man ganz schön weit fahren.

Bergisches Land

Der Blick auf die Uhr sagt, es ist gleich vier. Und wir hatten schon vor 40 Jahren mal Probleme, aus der Costa Verde wieder rauszukommen. Daraus haben wir gelernt, da fahren wir lieber gleich zurück und gucken mal, ob wir noch mal in den Pool kommen.

Im Restaurant hat man uns einen schönen Tisch reserviert. Als Primi nehmen wir Gnocchetti alla Campidanese, als Secondi Arosto morto di vitello. Statt der inklusiven Sorbetti schwätzen wir dem Kellner einmal Profiteroles und einmal Flan ab. Großzügig wie er ist, berechnet er uns nur eine der beiden Portionen.

Morgen fahren wir ganz tief in den Süden und nehmen einen neuen Weg durch die Costa Verde.

Eine Runde gegen Komoot

Frühling 2025 – 11. Juni: Cabras

Italienischer und deutscher Beitrag zum Frühstück

Um acht Uhr stehe ich an der Rezeption und bezahle, was noch zu zahlen ist. Kurz darauf erscheint Sonya aus Uruguay und spricht einen schönen Text für den Spanisch-Kurs: Dass sie uns zufällig im Urlaub kennengelernt hat und wir so schlecht Spanisch sprechen, dass uns dringend jemand die Hausaufgaben vom letzten Freitag schicken muss.

Der blonde Engel von gestern ist heute nicht beim Frühstück, die deutsche Geburtstagsparty ist ebenfalls nicht zu sehen. Entweder sind alle schon weg oder sie lümmeln noch in den Betten rum.

Immerhin haben wir wieder die Chance, vom Italiener zu lernen. Wir sehen es täglich und wissen deshalb bereits, dass jeder Italiener mit einem Schwarzen Gürtel in Hedonismus geboren wird. Eine besondere Ausprägung dieser biologischen Tatsache zeigt sich im Umgang mit der üppigen Tortenauswahl, die an keinem Frühstücksbuffet fehlen darf. Der Italiener nimmt nicht etwa das gewünschte Kuchenstück auf seinen Teller. Nein, er schneidet sich nur die Spitze davon ab und hinterlässt den Teigrand mit einem kleinen Rest der Füllung nachfolgenden Generationen von Touristen.

Nachdem wir unsere Siebensachen gepackt haben, folgt der freundliche Abschied an der Rezeption, irgendwie wirkt es fast schon familiär.

Blühende Felsen, ...

Google schickt uns direkt auf die Autobahn. So fahren wir erst nach Norden gen Sassari, dann nach Süden gen Oristano. Nach einiger Zeit merken wir, dass dies genau die Art von Route ist, die wir keinesfalls fahren wollen.

Also halten wir kurz an, machen Google neue Vorgaben und starten das System neu. Danach geht es auf kleinen Landstraßen über Itritti, Romana und Montresta in Richtung Bosa. Wir fahren durch wunderbare Landschaft, haben kaum Verkehr und kommen ganz schön langsam voran.

... strahlende Aussichten

Mittags erreichen wir dann Bosa, essen mit offener Heckklappe vor dem Ponte vecchio und schauen den Menschen beim Überqueren der Brücke, beim Fotografieren und bei der Suche nach raren Parkplätzen zu.

Bosa sieht von fern gut aus ...

... und erinnert aus der Nähe an Comacchio

Auf der SS292 fahren wir danach über teils üble, teils ganz neue Straßenabschnitte in Richtung Oristano durchs echte Leben Sardiniens. Die durchschnittliche Geschwindigkeitsbeschränkung liegt bei 50–70 km/h, Überholer donnern mit 70–100 an uns vorbei.

Kurz vor Cabras kommen wir an einer Tankstelle mit einer 76 Jahre alten Frau ins Gespräch. Ihr Sardinien ist nicht mehr so, wie es mal war. Das Land, die Jugend, alles hat sich verändert. Wir auch, vero?

Infrastrukturmaßnahmen ja, aber wir lassen die Kirche im Dorf

Unser Hotel in Cabras bestätigt den Eindruck der alten Dame. Das antike Haupthaus datiert auf 1886, Fotos des Urgroßvaters und seines Bruders schmücken den Eingang, die beiden Damen an der Rezeption sind sehr nett.

Rund um das Haus sind mittlerweile einige neuzeitliche Ableger gewachsen, zum Teil zweigeschossig. Mittelpunkt der Anlage ist ein sehr hübsch um einen ziemlich großen Pool angelegter Garten mit allem, was die heimische Flora zu bieten hat. Natürlich ist unser erster Weg unter die Dusche und dann in eben diesen Pool.

Abendessen gibt es im Restaurant der Familie. Das ist ein paar Sträßchen entfernt und heißt „Il caminetto“. Wir bekommen zwei Voucher für die Halbpension.

Am Ende des Frühjahrs scheint der Sommer schon vorbei

Wir sind für 20 Uhr angesagt und machen uns rechtzeitig auf den Weg entlang bunt geschmückter Straßen. Vom 13. bis 15. Juni feiert die Stadt das ArchoBeer Fest, ein Event, das künftig regelmäßig stattfinden und das ärchäologische Erbe der Region mit der hiesigen Leidenschaft für handwerklich gebrautes Bier vereinen soll.

Leider sind wir am 15. schon weg und werden uns nicht an den Massen von Archäologen erfreuen können, die betrunken durch die Straßen ziehen.

Erfreuen wir uns also heute am Essen. Der Tourist nimmt Spaghetti alla Bottarga, die Touristin Ravioli di ricotta. Als Hauptgang teilt man sich eine Muggine, und zum Dessert gibt's zweimal Sorbetto al limone.

Morgen fahren wir mal wieder Fahrrad.

Das Meer bei Torre del Pozzo

Freitag, 13. Juni 2025

Frühling 2025 – 10. Juni: Alghero / Fertilia

Vittorio Emanuele II. in Sassari

Heute frühstücken wir mit vielen ausgezogenen Damen.

Da ist z.B. die in Häkelwäsche eingepackte Enkelin von Opas Geburtstag gestern Abend, die die Resultate der Handarbeiten ihrer Urgroßmutter aufträgt. Da sind viele junge Frauen, die es kaum erwarten können, an den Strand zu kommen und den Tag deshalb im Bikini beginnen.

Da ist die stark überdimensionierte Osteuropäerin, die zu viel von Beth Ditto gesehen hat (wobei es generell nicht einfach sein dürfte, wenig von Beth Ditto zu sehen) und seit zwei Tagen bei jeder Gelegenheit in auf den Leib geschneiderten Bade- und sonstigen Anzügen in grellen Farben und Mustern auftritt.

Und da ist der kleine italienische Junge – Typ blondgelockter Engel –, der mit einem randvollen Wasserglas zitternd und leicht schwappend neben dem Tisch mit den Säften und Wassern steht.

Piazza d'Italia, südliche Seite

Ich frage ihn, ob ich ihm helfen darf, er nickt vorsichtig. Ich nehme ihm das Glas ab, stelle es auf den Tisch und frage ihn, ob er mit oder ohne Sprudel möchte. Er möchte naturale, ich gebe ihm ein gut tragbar gefülltes Glas und kippe seinen ersten Versuch wieder in den großen Glasbehälter. Er sagt „grazie“ und strahlt, wie nur blondgelockte Engel strahlen können.

Wäre ich damals 40 Jahre älter und die Umstände andere gewesen, ich hätte ein guter Vater werden können.

Anschließend versuche ich nochmal, das Hinterrad aufzupumpen, es geht leider wieder nicht, weil das Ventil immer noch zu kurz ist. Also fahren wir nach Sassari zum nächsten Decathlon, wo man sich mit dem Fahrrad bestimmt genauso gut auskennt wie in Deutschland.

Die Kollegin im laboratorio, Valentina, ist sehr motiviert, aber gerade mit dem Aufbau eines rosa Kinderrades beschäftigt. Anders als ich, hat sie aber eine Pumpe, mit der sie das Hinterrad aufpumpen und dabei feststellen kann, dass auch der neue Schlauch hin ist.

Entspannte Atmosphäre in den Portici

Sie nimmt den Reparaturauftrag aber gerne an, und wir fahren ins Zentrum von Sassari und setzen uns unter die Portici ins Café Giordano, wo wir zwei Stück Torte essen. Caffè kriegen wir keinen, weil nicht nur mein Hinterrad, sondern auch Giordanos Macchina kaputt ist.

Kaum steht die Torte auf dem Tisch, schickt Decathlon schon die Erfolgsmeldung. Wir lassen uns nicht hetzen, essen langsam auf und gehen noch langsamer durch die stille Stadt zurück zum Parkhaus.

Seitenblick in Sassari

Bei Decathlon ist alles fertig, die Leute sind sehr freundlich und die Luft hält. Die Kundin für das Kinderrad ist auch da – gemeinsam mit ihrem Opa, der das rosa Fahrrad bezahlt und sie zum Auto schiebt. Das Mädel platzt gleich vor Begeisterung.

Zurück im Hotel gehen wir noch ein bisschen ins Meer, waschen hinterher das Nötige und machen kurz Pause.

Auch in Sassari ist das Fernmeldeamt kein Fernmeldeamt mehr

Den Apéritif nehmen wir heute ohne Möwe. Erstens sitzen wir mit unseren Rechnern draußen und besprechen die weitere Planung, zweitens ist die Terrasse rappelvoll mit Menschen. Sie sind Teil einer großen Gruppe aus der Schweiz oder Holland, und alle reden mit steigender Lautstärke aufeinander ein.

Plötzlich hören wir Sätze in flüssigem Spanisch, gesprochen von einer Frau aus eben dieser Gruppe. Das bringt uns auf eine Idee, aber vorher gibt's Essen:

Die Antipasti gibt's für uns heute als doppelte Portionen: Tentacolo di polpo und Involtini di melanzana – beides sehr lecker. Die Gattin nimmt anschließend Crema delicata con asparagi e zucca und Filettino di manzo, der Gatte entscheidet sich für Mezze maniche saltate und Gamberone arrosto. Und weil er gestern so gut war, trinken wir nochmal eine Flasche Cala Reale.

Nachtisch gibt es ebenfalls: Ciccolato e pistacchio bzw. Cioccolato e limone.

Schönes an allen Ecken

Nach dem Essen sprechen wir besagte Urlauberin aus der großen Gruppe an. Sie stammt aus Uruguay, lebt heute aber in der Schweiz. Sie ist außerdem ein Ausbund an Freundlichkeit und tatsächlich bereit, morgen früh eine kurze Nachricht an unseren Spanisch-Kurs einzusprechen.

¡Hasta mañana!

Erdbeermond statt Silbermond

Mittwoch, 11. Juni 2025

Frühling 2025 – 9. Juni: Alghero / Fertilia

Die katalanische Enklave auf Sardinien

Heute wollen wir mal nicht nur den anderen beim Frühstück zuschauen, sondern auch selbst was machen. Deshalb haben wir uns auf Komoot eine 40-Kilometer-Runde um Alghero gesucht, der wir nach dem Frühstück folgen werden.

Da gibt es wohl ein Missverständnis

Vorher waschen wir noch ein bisschen. Wir sind ja in den ersten Stock umgezogen, in ein größeres und schöneres Zimmer mit großem Balkon, und der muss ja sinnvoll genutzt werden. Dann bauen wir die Räder zusammen, und um halb zwölf geht es los.

Von unseren etwas abgelegenen Domizil fahren wir auf die SS127bis und dort auf den Radweg entlang der Bucht. Er führt uns durch Fertilia und weiter durch Algheros Touristen- und Strand-Vororte Maria Pia, La Pietraia und Pivarada. Am Ende kommen wir direkt auf die Uferpromenade von Alghero, passieren das Riesenrad (tagsüber ohne Beleuchtung) und kommen direkt ins alte Zentrum der Stadt.

Zwischendurch ruft der gemeinsame Sohn an und berichtet von der etwa 12-stündigen Frankfurt-Eskapade mit Besuchen bei Oma und Freunden, die er gestern mit seiner Frau auf sich genommen hat.

So sieht's aus, wenn das Kind anruft

Der Weg durch Alghero führt durch schöne Gassen, die heute, wie nahezu überall, vor allem der Befriedigung „touristischen Interesses“ liegen. Die Auslagen bieten folkloristisch anmutenden Tinnef, die Kneipen und Restaurants locken mit sardischen Spezialitäten bis hin zur Pizza napoletana.

Schmale Gassen, breites Angebot an Ramsch

Quattro mori als Bierdeckel

Unsere Motörchen schieben uns alters- und bedarfsgerecht und der Routenvorgabe entsprechend vom Meer hinauf in den Teil der Stadt, in dem noch Eingeborene wohnen. Die Polizia locale korrigiert zweimal unseren Weg (Einbahnstraßen), am Ende kommen wir aber gut oben an und trinken in einer kleinen Bar an der Ecke der Via Luigi Canepa einen Espresso mit anderen befremdlichen Menschen.

Von dort geht's praktisch im Radumdrehen nach Norden hinaus aus der Stadt. Entlang alter Olivenhaine, mitten durch Neubaugebiete und aufgelassene Tourismusprojekte wieder auf die bekannte SS127bis.

Nicht mehr viel übrig von der alten Festung

Wir folgen ihr bis zu einem Kreisverkehr, an dem wir auf die SS291var nach Westen abbiegen. Kurz darauf geht es wieder nach links, auf einen landwirtschaftlich genutzten Weg, der mit teilweise sehr grobem Material verfüllt ist und nach etwa 500 Metern vor einer sehr provisorischen Sperre endet.

Wir öffnen die Sperre, fahren durch und kommen nach weiteren 400 Metern endgültig zu der Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann. Also alles zurück, Sperre wieder auf und zu und weiter zur richtigen Straße. Kurz bevor wir sie erreichen, macht mein Hinterrad schlapp.

Der Anfang vom Ende

Natürlich sind wir bestens vorbereitet.

Hinterrad ausbauen, alten Schlauch entfernen und neuen aufziehen ist ein Klacks von etwa 30 Minuten – die Decke sitzt fest wie ein Stahlband! Und der neue Schlauch hat bloß ein 45-mm-Ventil, wo der alte ein 80-mm-Ventil hatte, um die Hohlkammerfelge zu überbrücken. Die Folge der Felge: Das neue Ventil ragt nicht weit genug raus, um den Schlauch mit unserer Pumpe aufzupumpen.

Wir überlegen, was wir tun können, und entschließen uns dafür, unser Hotel um Hilfe zu bitten. Auf diese Weise lernen wir zunächst, dass Catérina, die sich seit gestern ohne zu klagen unser Versagen auf italienisch anhört, perfekt deutsch spricht. Im Verlauf mehrerer Telefonate erläutert sie uns die Standort-Weiterleitung via WhatsApp, bestellt ein Taxi für zwei Menschen mit zwei Rädern und verabschiedet sich wegen Ende ihrer Arbeitszeit.

Wir suchen uns einen halbwegs schattigen Platz am Rande der Straße und hadern mit unserem schweren Schicksal. Da das Taxi erst gegen 16 Uhr kommen wird, entscheidet sich die Gattin, die Fahrt alleine zu Ende zu bringen. Wir haben auf Google Maps eine Route gefunden, die wesentlich schlüssiger erscheint als die Komoot-Runde. Ich setze mich an eine Mauer und vertreibe mir die Zeit mit Duolingo.

Was die Spanier den Sarden hinterlassen haben

Die Gattin erreicht das Hotel, kurz bevor das Taxi bei mir eintrifft. Der Fahrer wundert sich, dass nur noch ein Rad und ein Mensch auf ihn warten, aber er fährt die  Verbliebenen innerhalb von 20 Minuten nach Fertilia.

Wir lassen uns die Laune nicht verderben, gehen wieder ins Meer, waschen ein paar Sachen raus und legen uns nieder. Um halb acht gehen wir zum Apéritif, diesmal leistet uns eine Möwe Gesellschaft, die nach Abzug der anderen Gäste im Sturzflug auf einen Tisch fliegt, auf dem die Kellnerin alle verbliebenen Naschereien und Getränkereste gesammelt hat.

Es tut also einen lauten Schlag, und die Möwe taucht ihren Schnabel blitzartig in alles, was sie erreichen kann. Die Kellnerin vertreibt sie sofort und sichert die genannten Naschereien und Getränkereste. Kaum ist sie von der Terrasse verschwunden, ist die Möwe wieder da. Diesmal kommt sie zu Fuß, ist ganz still und bemächtigt sich der Reste, die auf dem Tisch bei uns gegenüber stehen.

Die Möwe weiß, wo Barthel die Kalorien holt

Wir schauen ihr kurz zu und gehen dann selbst essen.

Nebenan tafelt eine siebenköpfige deutsche Familie. Papa feiert seinen 75.–80., und der Rest des Clans ist mit von der Partie: Mama, Tochter, Sohn und Schwiegertochter sowie zwei Töchter derselben. Die ältere ist unter 20, von leicht üppiger Weiblichkeit und in der Selbstwahrnehmung eine Insta-Prominente. Die jüngere ist zehn bis zwölf und eifert der großen Schwester im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach.

Anders als beim Frühstück sind wir aber nicht zum Gucken, sondern zum Essen gekommen: Vorneweg gibt es Sauté di cozze für den Herrn, Treccia di bufala e ciliegino für die Dame. Als Primi gibt es Spaghetti al pomodoro fresco sowie Paccheri saltati und als Secondi Spiedino di carne mista bzw. Trancio di pesce spada.

Eine freundliche Kellnerin empfiehlt uns dazu einen weißen Cala Reale, der gut passt. Und hinterher essen wir noch Bignè al cioccolato und Sorbetto al limone.

Ganz schön was los heute. Morgen müssen wir uns um mein Hintrerrad kümmern. 

Angenehme Runde, unangenehmes Ende