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Mittwoch, 20. Mai 2026

Déjà-vu 2026 | 20. Mai 2026 – Landschaft! Landschaft!! Toll!!!

„Ich will hier raus!“

Präambel
Vor einem Jahr sind wir am 20. Mai in Richtung Korsika und Sardinien aufgebrochen. Weil wir das schon lange mal machen wollten. Weil Madame eine Hüft-OP vor sich hatte und Ablenkung gebrauchen konnte.

Nachdem auf der rechten Seite alles gut gelaufen ist, steht in diesem August die linke Seite an. Und weil der Test in den Ardennen so gut verlaufen ist und wir schon lange wieder mal mit den Rädern auf bekannten Wegen durch Frankreich fahren wollten, ... s.o.

Und hier geht's los

Nach unruhiger Nacht und früher Leerung der Mülltonnen ist das Aufstehen um sieben Uhr kein wirkliches Problem. Wir haben alles gut vorbereitet, nach dem Frühstück gibt's noch ein bisschen was im Haushalt zu machen, die nächste Stunde gehört dem Packen. Abfahrt um 9:25 Uhr.

Dreilagig bekleidet geht's zunächst an den Main. Die Räder laufen perfekt, wir müssen uns nur wieder an das Fahren mit Gepäck gewöhnen. Das hatten wir schon lange nicht mehr.

Schöner Anblick, heftiger Wind

Die Strecke ist gut bekannt, nach 35 Kilometern biegen wir in Ochsenfurt ab auf den Gauahnradweg. Der Regen in der letzten Nacht hat die Schnecken auf den Weg gelockt, sie schleimen sich in allen Größen, Farben und Formen von links nach rechts und umgekehrt.

Der Weg führt uns auf ein Plateau, auf dem wir links über weite Felder und sanfte Hügel in allerlei Schattierungen von Grün und Gelb schauen. Am Horizont dreht der Wind die gleichnamigen Räder, rechts stehen die Masten, durch deren Leitungen die frisch gewonnene Energie ins Netz strömt. Immer wieder fahren wir durch Schwärme von Millionen winziger Fliegen.

Das ist grüne Romantik, die Gattin ist begeistert.

Nachdem wir unseren Stromverbrauch am Anfang gering gehalten und nur das zusätzliche Gewicht kompensiert hatten, schalten wir unseren Anschieber jetzt mal hoch. Der Radweg ist zwar weniger steil als erwartet, aber der Wind weht so stark, dass wir kaum vorwärtskommen. Aufwärts strebende Vögel werden von ihm zu Boden gedrückt. Sie prallen unsanft auf, rollen irgendwie über den Asphalt und schaffen es kaum, wieder in die Luft zu kommen.

Mittagspause im Blütenmeer

Kurz vor Sonderhofen kommt uns eine junge, hochmotivierte Radreisende entgegen, kurz darauf sehen wir einen kleinen Reinigungswagen, der die Kante des Radwegs mit großen, blauen Bürsten von Unkraut säubert. Und gleich darauf klärt uns ein Schild darüber auf, das wenigstens im Winter nicht gestreut und geräumt wird. Gegen zwölf halten wir am Rastplatz bei Sonderhofen. Es ist windig, aber ein ganz schöner Platz, übersät von Blütenblättern.

Nach dem Essen ist vor der Kaffeepause, Die machen wir in Röttingen beim Bäcker Roth. Nach dem Abstellen der Räder gehe ich über einen kleinen Platz zum Eingang der Bäckerei, da passiert mich haarscharf der alte Mann, der nicht weiß, dass man klingeln kann. Auf meinen Hinweis meint er: „Ich pass' schon auf.“

Nur wenige Radumdrehungen von der Buttercreme entfernt

Die Buttercreme ist cremig, sonst nichts. Der Kaffee ist okay. Der Käsekuchen ist wohl auch nicht schlecht. Ich höre zumindest keine Beschwerden.

Nicht weit von Röttingen führt in Tauberrettersheim die Balthasar-Neumann-Brücke über die Tauber. Während die Gattin sie von allen Seiten abfotografiert, fragt mich ein anderer Radreisender mit Gattin, wo es nach Rothenburg geht. Ich weiß es auch nicht, bemühe aber gerne Komoot für ihn. Nachdem ich den Weg für ihn rausgesucht habe, sagt er, dass seine Frau das mit diesem Komoot auch hätte. Warum fährt er ihr nicht einfach hinterher?

Was vom Hochwasser von 1732 geblieben ist

Kurz vor Weikersheim erwischt uns der für heute angesagte und bisher nicht gefallene Regen doch. Schräg gegenüber einer riesigen Halle der Firma Sport Schaller finden wir unter dem Vordach einer Spedition Schutz. Nach zehn Minuten ist die schwarze Wolke durch.

Taufe

Um Viertel vor drei erreichen wir unser Hotel, auf den ersten Blick hat es sich nicht verändert. Wir schließen die Akkus an und die Räder ab, gehen wieder lange Wege auf unser Zimmer und dort in die Dusche. Danach eine Stunde Pause, wir haben ja nicht viel Zeit – ab halb sechs gibt es Abendessen.

Wir kümmern uns vor dem Essen noch um unsere Akkus. Deshalb kommen wir etwas später, und die Hütte ist rappelvoll. Ein Keller teilt uns einen Tisch zu, wir ordern Wildschweingulasch mit Pilzen und Spätzle. Die eine trinkt ein Pils dazu, der andere zwei Weißbier.

Das Essen ist viel besser als vor zwei Jahren. Der Kellner ist leider derselbe. Deshalb wird es auch nichts mit dem Nachtisch. Er bringt zwar die Karte, kommt dann aber nicht mehr wieder. Wir gehen.

Einmal quer durchs Frankenland, bitte